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Neue jüdische Presse · 1916-05-05 · Heft 17 (5.5.1916) · p. Seite 5

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
14 (1916)
Issue
Heft 17 (5.5.1916)
Date
1916-05-05
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr 17. Ju Wiesbaden bei s ch. t e d nach langem Leiden Hubert Freiherr Schey v. Koromla, Sohn der Freifrau Julie Schey v. Koromla geb. Brandeis-Weikcrsheim. Der verstorbene Statthalter von Galizien Freiherr v. Eolard hat kurz vor feinem Ableben ein Landeskomitee für die jüdische Kriegswaiscn ernannt und Hofrat Josef S'a re-Krakau zu dessen Obmamr bestinlint. . / »ouftantinopel. De. Markus Kaller, früher Konsickararzt in Smyrna und dann hier vsterr.-uugay. Dele- ' gicrter im internationalen Sanitätsrat, ist voin Kaiser von Oestcrrcich-Ungnarn znm Hofrat ernannt ivorden. Frankfurter Berichte. »leine Notizen. Der T a u n u § k l n b beschloß, anläßlich des 25 jährigen Iubiläu m s seines Vorsitzenden der Wohltätigkeits-Abteilung Joseph Wisloch auf dem Eichwaldskopf bei Schmitten einen Wisloch- T n r in zu errichten. . Hermann Zunz, durch seine ideale jüdische Betätigung— besonders als Mohel — bekannt, feierte den 7 0. Geburtstag. In der U n t e r l i n d a u-S y a g o g e erbrachten die Alijaus an den beiden letzten Pessachtagen anläßlich des deutschen Palästinatages 6000 Mark für Palästina. Die P e r e i n i g u n g „K e r i a s h a t h a u r o h" hält jeden Samstag in der Mainz'schcn Synagoge, Börnestr. 52, Gottesdienst niit vollständiger Sabbat-Thoraverlesung für die, die des Morgens ja in Besuch des Gottesdienstes verhindert sind, ab. Beitrittserklärungen für die Vereinigung nimmt entgegen: Siegfr. Rosenbcrg, Fricdbcrgcrlandstr. 01. Ausschuß der israelitischen Gemeinde. Der Sitzung lag die Genehmigung des Etats vor. Nach Durchsprechung der einzelnen Posten wird er genehmigt. Der Versammlung wird Kenntnis von einer Schenkung von 5000 Mk. für den Dispositionsfonds des Vorstandes gegeben. Die Schenkung wird dankend unter der selbstverständlichen Voraussetzung zur Kenntnis genommen, daß auch die Verwendung der Gelder des Dispositionsfonds dem Gemeinderegulativ untersteht. „VICTORIA» Erste Berliner Wäscherei und Glanz-Plätterei Han»» Tel. 20C2. |3 GlltlBUlStraSSC 13. Hanaa Tel 2002 Spezialität: Kragen, Manschetten und Hemden. Ü letiülefon. Ü Mendel Gibbor. Novelle von Aron David Bernstein (Fortsetzung.) Von da ab ist sein Hans -gesegnet ivorden mit Herrlichkeit. Wie er ist zurückgekehrt nach Brisk, sind vor seinen Stuhl gekommen alle Fürsten und Grasen und Herren und alle Räte von allen Ecken der Welt und haben gefragt nach feinen Ratschlägen und haben Geschenke gebracht in sein Haus. Aber der König Schoul unser Altervater, hat getrachtet nach guten Werken. Er hat*'gebaut die Schul' und das Beshamidrasch und das Krankenhaus und eine ganze Gass' für Witiven und Waisen und das Gemeindehaus und das Rabbinatshaus. Er hat Bücher gekauft von großer Pracht und Schönheit, er hat Gelehrte und Studierende nur sich versammelt und hat sie gespeiset an seinem Tisch und er hat gelebt, bis sein Tag ist gekommen, in seineni Königtum, daß die Gelehrten haben eingeschrieben von ihm in ihren Werken: Wer nicht gesehen hat Schoul in seiner Königswürde, der hat nicht gesehen all sein Lebtag Gelehrsamkeit und Herrlichkeit auf einem Ort." Malkoh machte eine kleine Pause, in welcher sie versuchte, sich von ihrem Stuhl zu erheben, und fügte hinzu: „Sein Verdienst soll uns Beistand sein,- bis da kommt der Erlöser. Amen!" Denn lehnte sie sich wieder in ihren Sitz zurück und schwieg längere Zeit. Die Andacht aller, die ihr zuhörten, war so tief, daß niemand, es wagte, auch nur mit einem Laut die Stille, die nun folgte, zu unterbrechen. Mendel saß in tiefster Dcmuth gebeugt da; er wagte nur zuweilen einen schüchternen Blick auf Händele zu werfen, die, zu den Füßen der Großmutter sitzend, das Antlitz unverwandt derselben zugcwendet hätte. Nunmehr hob Malkoh.wiederum an: „Ich häb gcred't von der Königswürde von unserm Altervater. Nit wert aber sind meine Lippen zu reden von der Gelehrsamkeit, die von Geschlecht zu Geschlecht ist verblieben unter seinen Kindern und KindeSkindern, -und ein Teil davon", fuhr Malkoh fort, indem sie gesenkten Hauptes den Arm erhob und auf eine lange Reihe Frankfurter Israelitisches Fannlienblatt. Folianten zu ihrer Seite hinwies, „können sehen Eure. Augen, die da Gott, der Allmächtige, soll stärken bis hundert Jahr'!" Nach einer Pause fuhr Malkoh wiederum fort: „Der Stolz unserer Herstammung aber ist seine Tochter Händele, die da gestanden hat vor dem Vater und ihm gedient hat, bis ihm ausgegangen ist sein Licht. Sie ist eine Mutter geworden in Israel und eine Mutter -von den' starken Herzen. Denn ihre Augen haben im Alter gesehen das vergossene Blut ihrer Enkel. Aber sie ist stark geblieben vor Gott, gelobt sei Er. Tie Weiber, die entsprossen sind ihrem Geblüt, haben nit kommen lassen Jammer über ihre Lippen. Sie haben alle gehabt die sanfte-Seele von Rahel und das starke Gemüt von Hanna mit den sieben Söhnen. Und eine, die da hervorgegangen ist aus ihrem Geschlecht, hat auch geheißen Händele. Diese, die jüngste Tochter von Reb Ahron Beilower, hat gestanden auf dem Markt von Posen, als die Feinde Israels ihren Mann Reb Awrom aufforderten: „Bück' dich vor dem Kreuz; wo nit, wird man dir festnageln dein Käppclchen. an deinen Kopf!" Und sie haben sein Weib neben ihn gestellt, daß schwach werden möge sein Herz, und sie frohlocken könnten gegen die' Juden. Sie aber hat gesagt zu ihm die Worte Gottes an Abraham: „Fürchte dich nicht, ich bin dein Schild; dein Lohn ist sehr groß." Wie dann die Mörder vergossen haben sein heilig' Blut, haben die Pfaffen sich gestellt vor sie mit dem Kreuz und haben gemeint, sie werde niedersinken vor Weh, und sic 'werden können sagen, sie habe sich bekehrt. Aber sie hat gestanden und hat nit gebeugt den Nacken." Malkoh hielt tief bewegt innc. Der Schauer, der durch die Seelen ihrer Zuhörer ging, war übermächtig. Die Sonne sandte jetzt schon ihre Abendstrahlen. Ihr Rosenlicht umfloß MalkohS Züge. Es dauerte sehr lange, bevor sie wieder die Sttmme erhob und im ruhigen Tone fortfuhr: „Von da ab hat Gott, gelobt sei Er, nit mehr ausgestreckt seine strafende Hand. Händeles Tochter Beiloh ist herangewachsen schön und gut, und Händele hat ihr gegeben alle Perlen, die sie geerbt hat von Geschlecht zu Geschlecht von dem Altervater, dem König. Als Beiloh siebzehn Jahr alt wurde, hat sie zum Weibe genommen der Gelehrte Reb Daniel, der Rabbiner der Khille. Die fromme Beiloh und Rabbi Reb Daniel sind gewesen meine leiblichen Eltern; ihr Verdienst soll uns beistehcn. Doch jetzund will ich erzählen, wie nach dem Tod meiner Großmutter Händele und meiner Mutter Beiloh noch einmaldie Gefahr des Blutes uns drohte, — und wer unser Erretter geworden ist durch sein gut' Blut." Sie machte eine Pause. Dann sprach sie mit milder Stimme: - „Mendel, setz' Dich näher her zu mir!" Obwohl Mendel seit den letzten Wochen eine nähere Beziehung zwischen sich und der alten Malkoh ahnte, war er doch von dem Gehörten so überrascht, daß er jeden Wortes unfähig war. Als ob sie imstande wäre, in Mendels Antlitz zu lesen, wiederholte Malkoh jetzt mit noch milderer Stimme: „Mendel, setz' Dich näher her zu mir!" Doch Mendel schüttelte verneinend den Kopf. Tann löste sich endlich ein Wort aus seiner Brust, und er sprach dumpf: „Ich bin ein niedriger Knecht!" Es lag etwas ries Schmerzliches in diesem Tone, in dem halben ' Blick auf Händele und in dem halb verzweiselnden Verneinen. Es entging dies niemandem in dem Kreise; cs rührte Genendcl gutes Herz, ging durch Salmes zart empfindende Seele, zuckt durch Händeles Brust und fuhr wie leuchtendes Verständnis über Malkohs Antlitz. Alle schwiegen. Aber mit einem zarten Lächeln ihres Mundes, wie eS nur Händele allein, sonst gesehen, sprach jetzt Malkoh zur Enkelin gewandt: „Händele, mein Kind, laß' uns näher setzen zu Mendel; denn was ich will erzählen, wird erhöhen sein Blut und erniedrigen das unsrige." Mit diesen Worten rückte Malkoh ein wenig vor auf ihrem Sitz, als wollte sie sich Meudel nähern. Doch Mendel schob hastig seinen Stuhl ihr näher, so daß zwischen ihnen nur noch Händele Raum hatte, uni ihr von Flammen übcrgossenes Antlitz in dem Schoß der Großmutter zu bergen. Malkoh begann wieder: „Wie ich dreizehn Jahr alt gewesen bin, sind einmal die Vorsteher zu meinem Vater -gekommen und haben zu ihm gesagt: „Rabbi, es geht in der Khille ein Leite 5. Jung' herum, Meyer Gibbor; seine Hand ist sehr stark, cs ist siebzehn Jahr alt und ist ein hitziger Mensch. Wenn ihm der Rabbi nit abnehmen wird seinen Handschlag, dann könnt' — behüte und bewahre — einmal Lebensgefahr daraus entstehen!" Darauf hat mein Vater nach Meyer Gibbor geschickt; — der aber hat nit kommen wollen. Ta hat der Rabbi, mein Vater, noch einmal den Rabbinatsdie::er geschickt und hat Meyer verwarnt. Meyer aber hat erwidert, so lang' wie seine Hand noch nit einen Juden habe geschädigt, werde er seinen Handschlag nit geben. Da hat der Rabbi zum dritten Mal geschickt und ihm den Bann angedroht. Meyer ist zum Rabbi hereingekommen, und sein Angesicht ist sehr erhitzt gewesen. Da hat der Ravbi ihn angeschrien und hat erst hart, dann sanft mit chm geredet, daß er im Guten mög' geben seinen Handschlag. Doch Meyer hat erwiderr: „Rabbi, wenn, niemand in der Khille davon gewußt hätt', hält' ich's getan. So aber werd' ich sein zum Gespött vor allen llebermütigen und werd' schwächer sein wie alle Schwachen. Nimmt mir aber der Rabbi mit Gewalt den Handschlag, dann geh' ich ans der Khille und unter die Bauern." Der Rabbi, mein Vater, hat ihm unter Bannandrohung den Handschlag genommen, und Meyer ist unter die Bauern gegangen. (Fortsetzung folgt.) Frühling. Der Frühling spricht .... Die Seele schweigt und lauscht. >. Hoch, aus der Bäume Blütenkronen rauscht Und ans der Welle Ntnrmeln dringt Und.aus der Winde Wehen klingt Ein still' Gedichß: „Verzage nicht! Was Dir geschieht, — Zu uns Dich flucht'! Zn Uns trag' Deiner Seele Müh'u, Es schwindet, wie die Wolken zieh'n Vom lichten Himmelszelt, Bor uns, Patür und Welt." Der Frühling spricht. Die Seele lauscht und schweigt. Vom Himmel sich die Sonne neigt In ihres Glanzes gold'nem Licht, Ihr Strahl das Herz erfaßt und hebt. Das über Erd' und Welt bs schwebt. Willi Eilbott. Kurrft und Literatur. Lebenssuche r. Roman von L i l y Braun. 443 Seit. 5.— Mk.. geb. 6.50 Mk. München, Verlag Albert Langen. Immer wieder und inftner wieder fällt es auf, wie man >in Unseren Tagen in Kunst und in Literatur an dem jüdischen Volke und seinen Fragen nicht vorbeizugchen vermag. Auch Lily Braun hat in ihrem neuesten Roma» an dieses Thema gerührt, dessen Lösung im Zionismus dem Richtjuden so natürlich erscheint. So Seite 158: Des Freundes Leben schien ausgesüllt von der Begeisterung für die Ideen des Zionismus. Eine Heimat für die Heimatlosen, ein Vaterland für die in jeder Nation sich nur als Geduldete Fühlenden, ist, selbst wenn es ein unerreichbares Ideal wäre, als Ziel von so zusammenschweißender Krajt, daß keine Arbeit dafür umsonst sein kann. Proben aus: D er Jude. Eine Monatsschrift. Herausgeber: Dr. M artin Buber, Heppenheim. Verlag R. Löwit, Berlin- Wien Der Herausgeber: . . . aus allen Briefen vom Felde, aus alten Gesprächen mit Heimgekehrten empfing ich den gleichen Eindruck — den einer Stärkung des Verhältnisses zum Judentum durch Klärung des Blicks und Festtgung des Willens. Die Illusion, man könne in einer Zeit wie diese wahrhaft leben, indem man dein Leben der Gemeinschaft von außen zuschaut, oder man könne am Leben der Gemeinschaft teilnehmen, indem man sich bloß zu ihr. bekennt, ist zerstört. Wer überhaupt mit feinem Dasein auf der Erde Ernst machen will, muß mit seinem. Verhältnis zur Gemeinschaft Ernst machen: indem er sich verantwortlich fühlt. In den-durch das jüdische Erlebnis dieses Krieges erschütterten Juden, die sich für das Schicksal ihrer Gemeinschaft verantwortlich fühle», stellt sich die neue Einheit des Judentums dar. Hugo Bergmann: Dies wird wesentlich sein: ob die jüdische Flüchtlinge oder die jüdischen Soldaten unserer Geschichte ihr Gesicht zu geben bestimmt sind. Wesentliches Erleben des Soldaten: er steht der Wirklichkeit Auge in Auge gegenüber. Nur wirkliche jüdische Volksarbeit, die sich nicht mit dem Formel-Nationalen begnügt, sondern alles umfaßt, was jüdische Menschen angeht, vermag letztlich auch die zionistische Arbeit im Galnth sittlich zu rechtfertigen. Alfons Paquet: Was .mich angeht, so bin ich freimütig genug, zu sagen, daß mir unter den Juden die Orthodoxen und die Zionisten die liebsten sind, daß sie mich als Deutschen lind

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