Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 14 (1916)
- Issue
- Heft 16 (28.4.1916)
- Date
- 1916-04-28
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2692297-2692975-2692991--09428-2704645- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 16 Frankfurt« Israelitisches FamilicnAatt. New-Aork. Boris Goldberg, russisches Miiglied des zionistischen Aktionskomitees, ist hier e i n g e t r o f f c n. Der Krieg und die Juden. Frankfurt o. M. Bizekeldwebel Beruh. Rosent h a l, Mitinhaber der Molkerei Rosenthal, erhielt das Eiserne Kreuz. Berlin. Feldarzt Dr. Simon Kiwi- Suwalki, Leutnant Sieg fr. Czarlinski, Assistenzarzt Kurt A r o n s o h n, Gefreiter Lehrer M a r t i n D a v i d s o h n, Landsturmmann Bert hold Warschauer- Berlin, Unteroffizier Referendar Bruno Cohn- Linde, Unteroffizier Fritz Rosen stock-Breslau erhielten das Eiserne Kreuz. . Berlin. . Der Deutsch-Israelit. Gemeindebund wendet sich gegen die .Errichtung eines Waisenhauses für j ü d. K r i e g s w a i s e n, da die bestehenden jüd. Waisenhäuser noch eine Anzahl Kinder anfnehwen können und ini übrigen Familienerziehnng zu bevorzugen sei. HoppstäSten a. Nahe. Der ungediente Landsturnimann Julius Stern erhielt das Eiserne Kreuz. Mülhausen t. EN. Leutnant Max Lazarus erhielt das Eiserne Kreuz 1. Klasse. . Wenkheim «Badens. Leo Grünebaum, Sohn von Samuel Samson G-, erhielt das .Eiserne Kreuz. Groß Streülitz iSchiesienl. Oifizierüellv. Rechisonwalt 4t a ii m ann, der Repräsentaiiteii-Vorstehcr der hiesigen jüd. Gemeinde, wurde zum Bürgermeister oo» S k i e r n i e Io i c e (Polen) ernannt. Erlangen. Aus dem diesigen Bahnhof würde der in Urlaub befindliche Artilleriehauptmann Emanuel Rosenberger infolge Unvorsichtigkeit v o m Zuge ersaht und getötet. Breslau.- Rich. Karminski, Max Singer- Breslau, Haus P r i u g s h e i m - Beutheu, Referendar Dr. Kohn-Görlitz, Offizierstellv. Martin Mehrländer- Konstadt erhielten das Eiserne Kreuz. Posen. Max Hirsch-Kolmar, Stabsarzt llr. Rich. Wolfs-Pudewitz,Dr. Witkowski -Kraschwitz, Moritz Schmal-Exin, Assistenzarzt Dr. Max Jarecki, Feldwebel Walther Braun, Bizeseldwebel Dr. Eobl i n e r - Posen und Otto Fraenkel- Krotoschin erhielten das E i s e r u e K r e u z. BnL»nest. Oberst Julius Bauer ist zum Brigade-Kommandeur befördert worden. Liverpool. Die isrraelit Gemeiii'>e hat ihren seit 20 Jahren amtierenden Rabbiner Harris seines A m t e s entsetzt, weil er als Jude das Bündnis Englands mit Rußland getadelt hatte. Frankfurter Berichte. Agudas Jisroel Jugend- und Mädchengruppe. Das Sommerlehrprogramm weist wieder eine Fülle von Kursen auf, sodaß ans jedem Gebiete zur Forschung des Judentums reichlich Gelegenheit geboten ist, die Kennt-, uisse zu erweitern. Bon neu eingerichteten Schiurim ist ein Dinimkurs und ein Gemorohkurs in der Jugendgruppe und ein Kurs für jüd. Pflichtciilehre an Hand des „Choreb" in der Mädchengruppe zu nennen. Allabendlich wird in der Omerzeit ca. Vi Stunde vor Rächt Mischnah „Sanhedrim" gelernt. Blumen aus dem Felde werden präpariert und hergerichtet I>ekorationsbl Urnen, Prrlkräuze in grösster Auswahl Frankfurter Kunstblumen- und Kranzfabrik Wolschendorff 8 MßiSSIUF, Töngesgasse Z8. W ImiUßtou. W Mendel Gibbor. Novelle von Aron David Bernstein (Fortsetzung.) Als diese hcrankam, lag tiefste Sabbatstille über der Gasse. Die Judenheit des Städtchens hatte sich gruppen- und familienweise in Feld und Wiese und an den Weichselstrand zerstreut, uni sich innerhalb des Bereiches der Sabbatgrenzc in den erlaubten Freuden des Tages zu ergehen. Die Feierlichkeit dieser Stille wurde in den Gästen, die sich bei Malkoh einsandcn, noch erhöht durch die Ehrfurcht vor dem Raume, in dem sie Malkoh empfing. Es war die Ncbenstube mit den Schränken voll heiliger Bücher, 'in denen die Vorfahren Malkohs Geschlecht nach Geschlecht, das Wort Gottes und die Lehre seiner Weisen gelernt hatten. In besonderen Reihen standen die Werke, deren Verfasser zur Fainilie Malkohs gehörten. An der Ostseite des Zimniers erinnerten ein Betpult und eine kleine heilige Lade an eine Vergangenheit, da in diesem Raum nicht bloß die Gesangsweise des Talmudlesens, sondern auch die Stimnie im Gebete erscholl. In diesem kleinen Zimmer nahm Malkoh im vollsten Staat auf ihrem Lehnstuhl Platz. Lhr zu Füßen Cifjarreil'MQIIeP, gr. Escbenheimerntr.Sl. Uebbanensur. 1|3. Tannnsstr. 47. garren ICigari Lieb Ci garetten Partien erRtklnssigpn Urspmnss. I auf einem Bänkchen saß Handele, mehr der Großmutter als den Gästen zugewandt. Diese aber saßen vor der alten Malkoh: Mendel in der Mitte und zu beiden Seiten desselben Salme und Gcnendel. Malkoh begann: „Der Liebe von Gott, dem Gepriesenen, will ich gedenken, des Ruhmes, den er gegeben von Geschlecht zu Geschlecht. Nit soll vergessen werden all' sein Wunder, das er getan hat an unserem Haus, >vie es erhöht geworden ist von ihm. Aber es soll auch mit meinem sündigen Leib nit niedcrgehen in die Grub' das Andenken der großen, frommen Tat eines Mannes niedriger Geburt, und reden will ich vor euch „zum Zeichen und zum Gedächtnis", daß ihr sollt'» erzählen können „dem kommenden Geschlecht". Nach diesen Worten machte Malkoh eine Pause, um dann fortzufahren: „Die Königskron' ist groß; Gott, gelobt sei Er, schenkt sie dem, der Gnade findet in seinen Augen. Die Krön' der Gelehrsamkeit ist noch größer; Gott, der Illlmächtige, gibt sie denen, die da opfern all' ihre Tag' und all' ihre Rächt'. Die Märtyrerkron' ist aber die größte; der erbarmende Gott „forscht nach dem Blut", das vergossen wird für seinen heiligen Namen, und gedenket seiner ewiglich. 4lllc drei Kronen hat sein heiliger Wille leuchten lassen über unsere Familie. In meiner Zeit aber hat er ausgewählt einen Mann aus niedrigem Haus und hat aufgesetzt, auf seinen Kopf unsere schönste Krön', und der Mann hat nit gewollt, daß die Welt es soll hören, er ist gegangen ins lichtige Gan-Eden, — und man hat nit gewußt, was er ist gewesen." Malkoh hielt einen Augenblick inne. Dann sprach sie in ruhigem Tone: „Ich will erzählen von der ersten Krön', von der erzählen all' die großen Familien, die Herkommen von unserem Blut. Ich will reden von der zweiten Krön', von der zeugen die ganze Reihe Bücher. Aber ich will besonders reden von der dritten Krön' und ganz besonders von dem, der da vergoß sein Blut stillschweigend für unser Blut." Malkoh ließ ihr Haupt sinken. Es schien, als sei sic verloren im 4lndenken dessen, was jenseits die Engel und diesseits nur sie mitteilen könne. Im Zimmer herrschte Spannung und atemlose Stille. Dann aber erhob Malkoh ihr Haupt, richtete sich in ihrer Gestalt höher ans und sprach wiederum im Tone höchster Feierlichkeit die Worte aus: „Wir sind von königlichem Geblüt! — Die Geschichte ist gewesen also: In Padua, in Italien, hat gelebt Rabbi Meier, dessen große Werke man nennt „Maharani Padua". Sein Sohn Reb Schmuel Juda ward sein Nachfolger, und dessen Sohn Schoul ist ausgewandert, um Gelehrsamkeit zu lernen von Khille zu Khille, bis es ist gekommen nach Brisk in Polen und dort blieb. In jener Zeit ist nit gewesen ein König im Lande Polen, dem man die Krone hat erblich gegeben. Nur die Fürsten sind zusammengekoninren und haben unter sich gewählt einen, der über sie regiere etliche Jahr! Unter den Fürsten war einer, der Fürst Radziwill, der ist klüger gewesen' und gelehrter wie die andern. Er ist Fürst gewesen von vielen Provinzen, und ihm hat auch gehört die Stadt Brisk, — und Reb Schoul in Brisk war sein Vertrauter. 4lls wieder einmal die Fürsten sich zur Königswahl in Krakau versammelt hatten, entstanden unter ihnen große Streitigkeit, — und am Tage der Wahl sind sie so erbittert gegeneinander geworden, daß eine Partei hat gezogen die blanken Schwerter und hat geschworen, Blut zu vergießen, wenn nicht geschehe nach ihrem Willen. Da hat Gott, gelobt sei Er, dem Fürsten Radziwill eingegeben in seinen Verstand, was da ist zu ttm. In der letzten Stunde, als alle Herausgerissen hatten ihre blanken Schwerter, da ist Fürst Radziwill heraufgesprungen auf den Tisch und hat gerufen mit lauter Stimme: „Hört zu, Ihr Herrscher von Polen, ich will euch machen einen König für die heutige Nacht, der da 'wird nehmen die Krön', um unsere Wahlzeit zu ver- ILomler d; LailMehl Tel.Hansa3148. Frankfurt a.M., Liebfranenberg[33. ■ Specialhaus für Unterkleider und Strömple. ■ Niederlage echter Dr. Lahmann-Wäsche. | Seite 3. —-, \ langem, und er wird sie nicdcrlegen morgen früh, daß wir sie geben können jedem, den wir werden später wählen in gemeinsamer Ucbereinstirrmuiig; und der König von heut' Nacht soll nit sein einer, der da Gewalt kann tun gegen uns, der König von heut' Nacht soll sein mein Jude: Schoul!" sind der allmächttge Gott, der da lieb hat Israel und hat wollen zieren unser Haus mit der Krone des Königtums, hat gelenkt die hitzigen Herzen von den Fürsten nach seinem Willen und sie haben alle einstimmig gerufen: „Möge Schoul, der Jud', sein unser König heut' Nacht!" Und sie haben Schoul heremgebracht in der selbigen Stunde und haben ihm angetan die königlichen Gewänder und auf seinen Kopf gesetzt die Krön' und in seine Hand gegeben das goldene Scepter und umgürtet seine Lenden mit dem königlichen Schwert und um-- gehangen uni seinen Hals die Kette mit dem Siegel und haben ihn gesetzt wie einen König auf seinen königlichen Thron, und sie haben alle gerufen, wie der Fürst Radziwill gesagt hat: Es soll leben unser Herr, der König Schoul!" Die Gestalt und Stimme der alten Malkoh erhob sich hier wiederum zur höchsten Feierlichkeit und Würde, und indem sie sich aufrichtete in ihrem Stuhl, sprach sie: „So ist gekommen aus unfern Aeltervater, Reb Schoul, nach dem Willen von Gott, gelobt sei Er, die Krone des Königtums auf eine Nacht; aber die Königswürde ist nit gewichen von ihm all die Tag' seines Lebens, und es wird nit vergessen werden von seinen Nachkommen bis in die letzten Geschlechter." Nach einer Weile fuhr Malkoh in gehobener Stimmmig fort: „Und der heilige Gott hat noch in derselbigen Nacht den König gesegnet mit großer Weisheit. Und wie er gesessen hat auf dem Thron, ist Ehrfurcht vor ihm gekonimen über all die Fürsten, die sich haben gebückt vor seiner Ehre, und sie haben gehorcht nach seinem Wort und getan nach seiner Red'. — Er hat angehoben und hat gesagt: Mein erst Wort soll sein Demütigkeit vor Gott, dem Gelobten! Und vor all den Fürsten hat er Gebet getan, daß das Herz von seinen Hörern ist erweicht geworden. — Und bann hat er angehoben und hat gesagt: Jetzund will ich ein Werk tun für meine Brüder, über die genannt ist sein heiliger Name! Und er hat geschrieben eigenhändig die Krakower Verordnungen, die kein König mehr nach ihm hat vernichtet. Und dann hat er sich aufgehoben und hat geredet zu den Fürsten: „Hört zu, Ihr Fürsten von Polen. Ich bin ein Jud'! Ich komm' her von dem Volk, das da Gott hat ausgewählt von allen Völkern und hat es groß gemacht und hat ihm gegeben den ersten König, dessen Name ist gewesen Schoul, so wie ich heiße. Und so lange wie sie sind gewesen nach seinem Willen, hat er erhöht ihr Horn und hat erhalten seinen Gesalbten. Wie aber Streit ist gekommen und Blutvergießen unter sie, hat der große Gott sich nit erbarmet über sein heilig Haus und über sein heilig Land und hat es lassen verwüsten durch die Hand' von seinen Feinden, und hat geworfen sein Volk, das da trägt seinen heiligen Namen, zurück unter alle Völker und hat sie zerstreut in die vier Ecken der Welt. — Drum hört mir zu. Wenn Ihr werdet einig sein, werden Eure Feinde fliehen vor Euch, dann werdet Ihr nit haben Bestand vor Euren Feinden, und sie werden aufstehen und zerstören Euer Reich und auslöschen Euren Namen und vertreiben die Großen in's Exil, daß Ihr werdet leben in der Fremde wie wir Juden!" „Und so hat er geredet mit scharfer Red' und mit feiner Red' bis an den Morgen, nnd dann hat er die Krön' herabgenommen von seinem Kopf und hat gesagt zu Gott, gelobt sei Er: „Es ist enthüllt und bewußt vor Dir, daß ich nit das getan Hab' von wegen meiner Ehr' und nit zur Ehr' von meinem Haus, nur zu Deiner Ehr' und zur Ehr' von Deinem Volk!" — Und dann hat er niedergelegt die Krön', daß sie aufs neue einen König mögen wählen. (Fortsetzung folgt.) Psalm 67 und der Omer-Gedanke. Bon Tr. med. Jnlins Möller. Es ist wahrscheinlich — ich kann es in meiner durch den Krieg veranlaßten Verbannung nicht prüfen —, daß schon einer unserer Großen ans den inneren Zusammenhang des Psalms 67 mit dem Omer-Gebote hingewiesen hat. Dennoch möchte, ich mir gestatten, meine Gedanken hierüber mitznteilen, weil ia doch nicht jeder Gelegenheit hat, aus den reinen Ouellen unserer Literatur zu schöpfen, und die Zeitung, heute der Quell vieler Anregungen ist. Mehr als eine Anregung wollen diese Zeilen nicht bedeuten.