Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 14 (1916)
- Issue
- Heft 14 (7.4.1916)
- Date
- 1916-04-07
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Frankfurter ZSraelitischeS FanrUienblatt. Nr. 14 geisterung und in' wvhllantendein Vortrage unser Herz zu erwärmen mit der Glut Psalmen Hafter Frömmigkeit, unseren Sinn zu öffnen für, das' Weben des Geistes her hebräischen Sprache, unser Streben - hinzulvendcn zu deil hohen Idealen unserer Ahnen, die zugleich die-^öchziele. der edelsten Geister der Menschheit gewesen sind. Um die Fahne dieser Heiligtümer scharten Sie alle diejenigen, deren Herz deni Judentuin gehört: Sie erklärte» eindringlichdas; das Heil des Judentums nicht in,zerklüftendein Parteistreit liegt, sondern in Einheit 'und Einigkeit aller derjenigendie an seine Bedeutung nnd Zukunft glauben. Darum bedeutet Ihr Name heute ein Programm; und Ihr Scheiden ans unserer Gemeinde würde zugleich die Sache aller - derer gefährden, die sich in Deutschland .zur Fahne der Einheit des .Judentums bekennen. Wir »vissen, hochgeehrter Herr Rabbiner, Sie stehen augenblicklich vor einer schweren bedeutungsvollen Entscheidung. Wir dürfen uns nicht vermessen, Ihrem Entschlüsse vergreisen tzu wollen. Wir empfinden es aber als Herzensbedürfnis, Ihnen unseren innigen Wunsch anszuspreche», daß, Sie auch weiterhin Ihre reich gesegnete nild i— iwir hoffen es anssprechen zu dürfen — deni dankbarsten Verständnis begegnende Wirksamkeit in unserer geliebten Gemeinde fortsetzen nnd den uralten Glanz: des Frankfurter Rabbinates weiterhin erhalten und mehren mögen. In ausgezeichneter Hochachtung nnd dankbarer Verehrung" Die Adresse war von sämtlichen Vorstandsmitgliedern des Centralhereins isr. Gemeindemitglieder, der Ritnalkommission, des Synagogen-Komitecs der Synagoge am Börneplatz unterschrieben. Es hatten sich angeschlossen der gesamte Vorstand.und Ausschuß der israel'it. Gemeinde, der Beamtcnrat der Frankfurt-Loge, an 1300 Mitglieder aller Richtungen der Israelit. Gemeinde nnd 80 junge Mädchen nnd. junge Leute. Die Wordnuug bestand aus den Herren H u g o Fraenkcl, Dr. I. Heinemann, Sanitätsrat Dr. Hanauer, Herrn. Schwab, Abraham Levi (Centralverein), Jacob S. Posen, M i ch a c l W. M a i n z (Ritnalkommission) nnd S i e g f i c d H e r z - selb (Synagogcnkomilce). Der Herr Rabbiner dankte ti.f ergriffen für die ihm erwiesene Ehrung nnd Anerkennung seiner Tätigkeit. Inzwischen hat Räbb. Dr. Nobel beschlossen, der ehrenvollen Berufung nach Wien nicht Folge zu leisten. In seiner Sabbat-Predigt, einem Meisterwerk der Wort- und Gedankengestaltungskraft, gab - ft bereits diesen Entschluß kund. Jüdische Krauenvereinigung. Die.Hauptversammlung fand unter Leitung der Vorsitzenden, Frau Henriette Be st ho ff statt. Der Bericht, her in diesen Blättern veröffentlicht wird, «zeugt von der regen Tätigkeit, die auch dieses Jahr besonders der Kriegsfürsvrge nnd der sozialen Hilfe galt. Bei der Ergänznngswahl der.Vorstandes wurden- Frau Hedwig Cramer, Frau Nanny Levis nnd Professor B o n d i, die den Statuten gemäß anstraten, einstimmig livicdergcwählt. Zn Revisoren wurden Frau H. Brinkmann und Frau A. Mayer ernannt, zu Ersatzrevisoren Frau R. Wolf nnd Frau B. Isar. Wir tvollen nicht versäumen, den Gönnern unseres Vereins auch hier für ihre so häufig bewiesene Opferbereitwilligkeit hcrzlichst zu danken. Noch aber liegt die ganze'Wucht der schweren Zeit auf uns, noch können wir nicht Nachlassen gn steter Fürsorge, an rastlosem Schaffen. Noch müssen wir unsere Freunde bitten, sortzufahren zu Helsen, sei es durch persönlich: Mitarbeit, sei es durch Mittel, die diese Arbeit fördern. Juden «uh Deutsche. lieber dieses heute so vielfach auf der Tagesordnung stehende Thema sprach in einem gemeinsamen Vortrag der Zhgudas Jisroel Mädchen- und Jugendgruppe Rabbiner Dr. Winter- Homburg vor zahlreichem Publikum. Der Redner zeigte in anschnlicher Weise das viele Gemeinschaftliche, das das Judentum mit dem Deutschtum hat, wie. zwischen den beide» Völkern ein direktes Band geknüpft ist. Wanderungen der Agudas-Jisroel-Mädchengruppe. Letzten Sonntag begannen wieder die Wanderungen. Wie die einzelnen Kurse ihre .treuen Freunde nnd fleißigen Besucher haben, so fand sich auch zu dieser geselligen Zusammenkunft eine stattliche Schar ein, und in lustigem Plaudern durchquerte man den nahen Stadtwald. Diese Wanderungen sind schon deshalb zu begrüßen, weil sie den von auswärts hier weilenden jungen Mädchen Gelegenheit bieten, mit Altersgenossinncn bekannt zu werden nnd Familienanschluß zu finden. Personalien. . . An Stelle des ausgetretenen Dr. D rey fu ß .wurde Rechtsanwalt Dr. Eduard B a e r w a l d in den V o r - st.an.d der .israelit. Gemeindc gewählt. Mendel Gibbor. Novelle von Aron David Bernstein (Fortsetzung.) „Reb Saline!" schrie Mendel so schmerzlich ans, das; der Gchrei allen durch-Mark und Bein fuhr, stürzte auf ihn zu 'und umschlang ihn. TEE-SCHMIDT °.İ' NEUE ttrahitr 20. Sei. Hanna 1126. Nr. 17 Fünf-Uhr-Tee . . . Mk. 5.40 „ 12 Souch.-Pekoe-Congo-Mischg. „ 4.40 Java-Blattbrnch-Tee . . Mk. 3.50,440 Kakao Soma Qualitäts-Kakao. Es schien im ersten Augenblick, als sei der schwache Saline in gefährlicher Weise von dem Schläge getroffen worden. Aber bald ergab sich's anders. Er war nur ohnnrächtig geworden und erholte sich schnell. Sofort war er sich auch, des Vorgangs bewußt, und den einen Arm um Mendels Nacken schlingend, versucht er mit dem anderen, die Menge zu beschivichtigen. „Es ist nichts, gar nichts!" rief er, „ich hat' mich nur erschrocken!— Mendel, guter Mendel, Du hast mich gar nit getroffen!" Er suchte sich aufzurichten. „Laß mich, guter Mendel, laß mich nur, ich kann allein gehen!" bat er. Aber er wankte und mußte sich an Mendels Arm halten; — doch mit bittendem, ja flehendem Tone wandte er sich Ivieder zu den Umstehenden: „Ihr könnt mir glauben, es ist gar nichts gewesen! — Komm', lieber, guter Mendel, komm', wir wollen heimgehen! — Es ist schon spät", sagte er ivieder zur Menge, „man muß in die Schul' gehen! Es ist gar nichts!" Und Mendel führte ihn in sein Häuschen nnd in die stille Stube. Selbst der Hammer des Schulklopfers; der jetzt zum Gebet an alle Türen mahnend klopfte, zerstreute nicht die Menge. Die Weiber und die Kinder, die die überwiegende Majorität ansmächten, machten sofort das Erlebnis zuni Gegenstand einer lebhaften Unterhaltung. Die wenigen Greise, die sich eingefunden hatten, erinnerten sich aller möglichen merkwürdigen Vorkommnisse, bei denen ein Gibbor ein schweres Unglück über die Gemeinde gebrächt hatte, da er seinen Handschlag brach. Reb Abbele endlich hatte ein zu interessantes - Thema zu gleichen Wörtchen, um nicht sofort seinen Zorn fahren zu lassen. Er, der gleich einem modernen Zeitungsschreiber den schönen Beruf hatte, jedes Ereignis des Tages mit seinen Betrachtungen zu würzen, versicherte der Menge, daß dies ein Rechtsfall werden solle, loic er noch nicht gewesen ist, solange die Welt steht. Er, dem es nicht entfernt in den Sinn kam, daß er Mendel gereizt und aufs empörendste verletzt hatte, und den es noch weniger anging, daß Salme den Schlag statt seiner anffing, redete sich sogleich in sein Thema. hinein. Gleichwohl waren nicht wenige unter den Zeugen der Szene, die sofort Mendels Partei ergriffen. Daß er seinen Handschlag gebrochen hatte, schien ihnen zwar nicht zweifelhaft. Aber Mendel war beliebt; zudem hatte Reb Abbele ihn nicht nur mit Schimpfworten beleidigt, sondern noch den Vater im Grabe geschmäht; endlich aber hatte der Schlag von Mendels Hand nur seinen Freund getroffen, der ihm sofort verliehen hatte. Jankele und der/gute Wachtmeister, die zu ihrem großen Leidwesen während der Katastrophe im obrigkeitlichen Hausflur geschlummert hatten, bemühten sich, die öffentliche Meinung aufs kräftigste zu bestärken. Jankele behauptete mit Recht zum Tröste aller, daß der Rabbi ganz sicher während der drei Wochen keinen Bann aussprechcn werde, und der gute Wachtmeister tröstete die Menge nlit deni gewöhnlichen Auskunftsniittel solcher Krisen: mit der Vertagung; er wies darauf hin, wie Mendel nach den drei Wochen ohnehin sich der Gerichtsbarkeit der Khille entzogen und über den Sandberg hinaus nach England geflüchtet sein werde, wo ihn weder der Rabbi noch der Gensdarm niehr fassen können. Das neueste Ereignis des Tages drang auch zu delt Ohren der alten Genendel, die eben am Ende des Ortes in der Wochenstube einer armen Frau ihre Liebesdienste verrichtete und unter der jüngsten Schuljugend aus ihrer Tasche Pfefferküchelchen verteilte,, um sie für das Nächtgebet beim neugeborenen Kinde zu belohnen. Die gute 'Genendel, die ehe« erst zu ihrem Staunen den Eintritt Mendels in die Wohnung Malkohs wahrgenommen hatte, konnte nicht umhin, auf dem Heimweg nochmals , bei Malkoh vckrzusprechen und ihr die Neuigkeit mitzutcilen, — nnd sie tat gut daran. Denn eine erschütternde Szene trug sich in Salmes Stube zu, als er mit Mendel allein war. Der arme Salme litt im Kopf, Mendel im Herzen. Sie umarmten sich und preßten einander ans Herz. Franz Dilti Hai., A. KM I SoMUaPBtPm 18m Telephon l, 8630. H Seifen, Lichte, Kamm- und Bürstenwaren, H Besen etc. Cosmetteche Spezialitäten. W moderne Vorhangnnd Möbelstoffe, Tischn. Divandecken etc. Carl Bisehoff 19 Neue Hainzerstrasse 19 am Schauspielhaus. „Mendel", rief Salme, „ich schwör' Dir zu, daß ich nit leid' von Deinem Schlag. Es sind mir schon früher die Nerven in mein' Kopf hineingesprungen, wie ich Hab' gesehen, daß er Dich kränkt, und wie er hat Chaskel, Deinen guten Vater, gekränkt." Aber Mendel blieb trostlos. Sein Schmerz lag tiefer, als er es auszusprechen vermochte. Malkohs Wohlwollen hatte ihn erhoben, Händeles Anblick ihn in neue träumerische Seligkeit versetzt, — und nun diese Tat seiner Hand. Doch als Salme nicht aufhörte, ihni liebevoll zuzusprechen, da sprengten die Banden seines Geheimnisses, und er ries:^„Seht, guter Reb Salme, wo ich herkomme, da Hab' ich gesehen zwei Händ', die Gott der Gelobte hat gebenscht Glied vor Glied besonders, — und ich, ich Hab' zwei Händ', auf denen da liegt der Fluch von Gott und der Bann von den Menschen!" Salme erhob sich mühsam vom Lager. Jetzt erst verstand er den ganzen Schmerz Mendels und fühlte, daß er ihm keinen Trost hiergegen zuzusprechen vermochte. Er schüttelte seinen kranken Kopf in tiefster Betrübnis, dann aber richtete er Antlitz und Hände zum Himmel und sprach mit leiser, flehender Stimme: „Gott, Du Gelobter, hast Du keinen Engel unter Deinem heiligen Thron, den Du schickenkannst,' die arme Seele zu heilen'?" Und siehe: wie zur Erfüllung des Gebetes trat Genendel in das Zimmer. Malkoh schicke sie her mit der Botschaft, daß Mendel sich nicht grämen solle um das, was vorgefallen, und daß er nicht aus der KWle gehen möge vor Sabbat Nächmu. llnd auch an Salme hatte Genendel eine Botschaft Malkohs. „Salme", sagte die treue Botin, „Malkoh läßt euch sagen, daß Gott, der Gnädige, euch soll stärken die Kraft, weil ihr getan habt Gutes an Mendel. Ihr sollt noch tun viel Gutes und sehen viel Gutes und sollt sein gesund!" (Fortsetzung folgt.) Cigarren-Müllap, gr. Esehenheimerstr. 31. Uebfra ueiis t r. 1/3. Tannnastr. 47. ■ Cigari |(i garren garetten erstklassigen Ursprungs. Partien So ein Pech! Einer Begebenheit aus der Mitte des vorigen Jahrhunderts nacherzählt von L. R o s e n t h a l, Basel. (Schluß.) Ein halbes Jahr war vergangen. Riekchen hieß jetzt Frau Stern und lebte glücklich und zufrieden mit Sally, der sie, wie man zu sagen Pflegt, auf Händen trug. -So war er auch heute gern bereit gewesen, Riekchen in die Residenz zu begleiten, wo abends im Theater ihre Lieblingsoper „Der Freischütz" gegeben wurde. Schon mit dem Mittagszug fuhren sie fort, da der darauf folgende sie nicht rechtzeitig genug nach dort gebracht haben würde. Um die Zeit bis zum Beginn des Theaters einigermaßen angenehm zu verbringen, gingen sie zuerst in das elegante Residenzkaffee, und als sie dort aus der Zeitung ersahen, daß die große Kunstausstellung, die alljährlich im Herbst stattsand, eröffnet war, beschlossen sie, auch dorthin zu gehen. Das Gefallen an schönen Bildern steckte noch immer in beiden. Nur schenken wollten sie sich keine mehr! Bei dieser Gelegenheit können wir nicht umhin zu verraten, daß Sally seine ursprüngliche Absicht, nämlich Riekchen einen Brillantring zu schenken, ausgesührt hatte, wogegen diese sich mit einer wertvollen Kravattennadel revanchierte, die einen großen, von kleinen Diamanten eingefaßten Rubin zeigte. Da wußten sie doch, was sie sich gegenseitig verehrt hatten. Also in die Kunstausstellung. „Der geneigte Leser fängt an -etwas zumerken", wie I. P. Hebel manchmal in seinen prächtigen volkstümlichen Erzählungen sagt. Doch möchten wir vorher noch ein kräftig Wörtlein über die Kunst von damals und heute verlauten lassen. Damals sah man auf den Ausstellungen meist gute, mit künstlerischen! Empfinden, Sorgfalt und Fleiß gemalte Bilder. Gleichviel ob Landschaft, Historie, Genre, Portrait oder Stilleben, — man suchte der Natur, der Wirklichkeit^ so nahe als möglich zu kommen. Heute dagegen, — — die Haut schaudert einem ordentlich, wenn man den jubilierenden Wahnsinn sehen muß, der sich da an den Wänden breit macht. Biele dieser „modernen" Mach- - -r.