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Neue jüdische Presse · 1916-04-07 · Heft 14 (7.4.1916) · p. Seite 4

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
14 (1916)
Issue
Heft 14 (7.4.1916)
Date
1916-04-07
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Sette 4 WaMmt« Mrselttische« FamUieMatt Nr. Ü.! -8 -i I üi p;. iß!- fi|: r-r S. Wiere, Optiker, Ltebfrauenstr. 1. Brillen, Pincenez, Operngliser, Feldstecher) in jeder opt.-mechan. Spielwaren } Preislage EisenliahnBn, Dampfmasehinen, Lateraa-Hagica, Kioenatographan etc werke sehen aus, als hätten kleine Kinder sich mit Stift und Pinsel versucht. Stümperhaft, verzeichnet und verschmiert. Andere wieder sind über und über getüpfelt oder mit kleinen Quadraten, Dreiecken oder unregelmäßigen Polygonen netzartig überzogen. Was das bedeuten soll,, — ich weiß es nicht. Ilm dieser Afterkunst ein kleidsames Mäntelchen umzuhängen, hat man für sie die Namen „Futurismus" und „Kubismus" aufgebracht. Mit Vorliebe wird Häßliches gemalt. Halbnackte, dürre Weiber, Lei denen man jede Rippe zählen kann, und deren Fleisch in grünlichen Tönen schillert, als ob es schon in Verwesung überginge, sind öfters Gegenstand der Darstellung. Ich übertreibe nicht, wenn ich sage, daß ihre Haare öfters blitzblau, rubinrot, grasgrün oder mit allen diesen Farben zugleich gemalt -such. In den Landschaften gleichen die Bäume nicht selten Spinatllumpen, die man zusamUMgeballt und auf einen Stiel gesteckt hat. Vom Baumschlag, der allerdings einen wirllichen Künstler erfordert, wenn er gut wiedergegebcn sein soll, keine Spur. Jü»er,gewöhnliche Anstreicher kann mit diesen Futuristen unbedenklich in Wettbewerb treten. Man sieht auch Mü>er, wo die Farben zentimeterdick aufgetragen sind und die Wollen — diese zartesten aller Gebilde — wie unt der Mauerkelle daran geworfen erscheinen. Jeden Strich des Pinsels (in jeder Beziehung) kann man da erkennen. Und erst das Kolorit. Grüner Himmel, blaue Vegetation, sowie sonstige Unnatur aller Art treten einem auf Schritt und Tritt entgegen. Die Konturen der Dinge sind dabei in vielen Fällen gänzlich falsch, verzerrt oder absichtlich übertrieben. Ich habe mich j)\t beim Betrachten dieser Art Kunstwerke gefragt, ime es imr möglich ist, daß sich das Publikum sich dergleichen bieten läßt?.^Aber wie es so geht im Leben, — alles , findet seine Anhänger und Verteidiger, auch wenn es sich um den größten Blödsinn handelt. Und nicht allein aus die Malerei beschränkt sich diese Depression der .Kunst, nein, auch Archttektur und Kunsthandwerk — man denke nur an den „Jugendsttl" — sind tief gesunken' Man wollte durchaus etwas Neues, noch nie Dagewesenes schaffen, vergaß aber dabei, daß die harmonischen Gesetze der Kunst Jahrtausende alt sind und sich nicht' von heute aus morgen ummodeln lassen. Uebrigens hat es den Anschein, als ob die Menschheit in neuester Zett -von dieser modemen Kunst abrückt. Möge der gewaltigeWeltkrieg, der in so vieler Beziehung reinigend wirken wird, auch den Futurismus und Kubismus vollends hinwegfegm! - Nach"dieser -Abschweifung kehren wir .nun zu un»; serer Geschichte zurück. " ';! Als Sally und Rickchen den Mittelsaal betraten^ wartete ihrer eine große Ueberraschuug. Da hing ihnen - gerade gegenüber das verwünschte Bild, das sie in Z,... so lächerlich gemacht hatte, ihr Bild. Kein Zweifel, — es war's. Unten am Rahmen klebte wieder eilt Zettel, aber keine Nummer stand darauf, sondern das inhaltsschwere Wort: „Verkauft". Ein dichter Menschenhaufen drängte sich vor dem Gemälde, das allem Anschein nach des wertvollste der ganzen Ausstellung war, und mancher Ausruf der Bewunderung wurde laut. Mit begreiflichem Interesse suchte das junge Ehepaar jede Aeußerung, jedes Wort zu erhaschen und sich cinzuprägen. „Es ist eigentlich eine Schmach", sagte da ein älterer, vornehm aussehender Herr mit einem Ordensbändchen im Knopfloch zu seinem-Begleiter, einem Offizier, „daß diese englischen und amerikanischen Protzen, uns so unsere besten Kunstwerke vor der Nase w'egkaufcn können. Wenigstens sollte man gesetzliche Bestimmungen erlassen, die. ihnen das einigermaßen erschweren lvürdcn." „Ich wäre neugierig, zu erfahren, was für das Bild bezahlt worden ist", meinte der Offizier. „Wissen Sie es, Herr Graf?" „O ja. Ein reicher Schweinezüchter aus Cinncinati hat diesen echten Teniers für 10,000 Taler an sich gebracht." Ein leichter Schrei aus tveiblichcm Munde. ertönte.' Rickchen hatte ihn ausgcstoßen. Halb ohnmächtig wurde sie von ihrem über das Gehörte ebenfalls ganz-fassungslosen Mann nach dem großen Rundsofa in der Mitte des Saales geleitet. Der Aitsstellungsdiener kam mit einem Glase frischen Wassers gelaufen. Um kein Atifsehcn zu erregen, trank Rickchen einen Schluck davon, erhob sich dann und nahm Sallys Arm. Der drückte dem gefälligen Diener, noch eilt größeres Silberstück in die Hand mtd frug im Davongehen: ' „Ist cs wirklich wahr, daß das große Bild da für 10,000 Taler verkauft worden ist?" „Jawohl Herr Baron" — unter dem tat es der Mann in Anbetracht des reichen Trinkgelds nicht — „10,000 Taler sind dafür bezahlt worden." Mit Ivelchen Gefühlen das Paar die Ausstellung verließ, kann nwn sich denken. Wie hatten sie sich gefreut, als sie damals ihre 500 Taler wieder bekamen und nun, .... es war um an den Wänden hinaufzulaufen. Zwanzigmal so viel war es wert. Ob der Nesse des Kammerhcrrn das gewußt hatte. Wer konnte cs ihm beweisen? — lOhran, led^ArtTi. Freist! numgutondpri MT' Trauring-Eck, , FranUtart a. Ecke TSngesgasse,vis-a-Vis d. Hasen#. Fr. PletBcbJonÄcä5ter. i| Id Zu Hause gab es auch große Aufregung. Chone Hamberg, Joel Stern, ihre Frauen, Onkel Simon und Tannenbaum — alle schrien Zeter>: als sie die Kunde vernahmen., Den kleinen. Trödler griff. es am meisten an. .Die Haare hatte er sich ausraufeit mögen! Da er aber nicht mehr viele besaß, überlegte er es sich noch einmal. Der Stadtklatsch über das verhängnisvolle Bild bekam nun neue Nahrung. Man konnte wieder einmal sehen: Die reinste Freude ist die Schadenfreude. Der „Nesse" war abermals auf Reisen gegangen, wie Sally von dem Notar erfuhr. Wo er sich zur Zeit aufhielt, wußte er nicht zu sagen. Es bedurfte einer Reihe von Jahren, che Sally sich über das „Danaergeschenk^ seines Frauchens einigermaßen hinwcgsetzen ' setzen konnte. Sein stets, wachsender Wohlstand ließ ihn die ärgerliche Geschichte schließlich verwinden. Kam aber doch 'mal die Rede darauf, so ballte er unwillkürlich die Faust, und halb ingrimmig, halb wehmütig dachte er sich:; „So ein Pech!" Eingesandt. Die Gründung eines Reichswaise n h a n s e s für die Kinder im Kriege gefallener jüdischer Krieger i st g e p l a it t. Die vorbereitenden Schritte sind dem Unterfertigten übertragen. Um die Höhe der erforderlichen Mittel, die Größe des Bauplatzes etc. festzustellen, wäre cs wünschenswert, schon jetzt die Zahl der in Betracht kominenden Kinder zn ermitteln. Ich ersuche deshalb die Herren Synagogenvorstehcr, Rabbiner, Lehrer und Cantoren unt baidgefällige diesbezügliche Mitteilungen. . Schönlanke, 30. März 1916. - » Rabbiner Dr. Bainbcrgcr. In der Metzer Umgegend sind 157 jüd. Kriegsgefangene, die nach Pessachperköstigung verlangen.'^Außerdem ist Mr. jüd. Soldaten in Metz Pessachperköstigung nötig. Wir bitten um Beiträge für diese Sache Oberrabbiner Dr. Netter Lassar Lewisohn Metz. Frankfurt a. M-.- Rückertstr. 57. ILomler & Laitech I Tel.Hansa8l48. Frankfurt a.M., lieb krauenberg',33. ■ Specialhaus für Unterkleider und StrOmpfe.1 Niederlage echter Dr. Lahmann-Wasche. | Billiges Geschirr für die österfeiertage. Porzellans Feston-Teller, tief and flach.30 Pfg. Feston-DesBert-Teller. ..28 25 Pfg. Feston-Salatieren, viereckig 30 45 65 85 110 Pfg. 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