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Neue jüdische Presse · 1916-03-31 · Heft 13 (31.3.1916) · p. Seite 3

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
14 (1916)
Issue
Heft 13 (31.3.1916)
Date
1916-03-31
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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erreicht Hat, widmete seit, Jahrzehnten seine Tätigkeit den Leitungen der hiesigen sozialen jüdischen' Organisationen. Rew-Nork. Von bekannten Zionisten find dier an- >vescnd:.Dr. B. Z. Mossinsohn und Z.- W. Glusk;sn anS Palästina und Dr. Leo Motzkin, der Leiter des zionistischen Büros in Kopenhagen. : Nkw-Aark. Henry Morgenthau. der S.ha des Gesandten in Konstantinopel, hat sich mit E l i » o r Fa t - 1»an, Tochter von Moris Fatinan, verlobt. Boir den Kindern des - Gesandten sind bereits zivei Töchter verheiratet, die eine mit Mortimsv I. Fox, die andere 'mit Maurice Wertheim. , Henry Glast, einer der angejeheiidste» Kauflente New Gorks, ist — 63 Jahre alt — v e r schiede it. Er säst 'in-den Borständen der meisten jüdischen Wohlfahrtsinstililtionen. 7LL.8MM0'r»' NEDB KRAME SO. Tel. Hansa 1126. Nr. 17 Fünf-Uhr^Tee . . Mk. 5.40 „ 12,Souch.-Pekoe-CoDgo-M|8chg.„ 4.40 Iava-rBIattbruch-Tee . .' Mk. 3 50, 4 40 Kskio Soma Qaa!t'äts-K»kao: Frankfurter Berichte. giontftische Ingendgrupve. Die, zionistische Jugendgrnppe hatte in diesem Winter als eine ihrer Hauptaufgaben betrachtet, ihre Mitglieder, soweit cs möglich wäre, mit den reichen Schätzen der modernen jiddischen und hebräischen Literatur vertraut zu machen. Diesem Ziele bracht: uns die letzte Zusammenkunft, (Donnerstag, den 23. Mürz'» bei der Frl. Sittah Goitein pirBilö tom Werden und schaffen Bialik's gab, einen'guten Schritt näher. Frl. Goitein schilderte zunächst, wie Bialik, einer der Besten, die der Sprache unserer Väter zu neuem Glanz vcrholfen haben, eine armselige, traurig: Jugend v r.ib:» mußte. Er schildert uns selbst in seinen Gedichten sein damaliges Leben und Treiben. Nach und nach tritt eine Wandlung «in, Zweifel werden i» ihm wach. Er siebt Kraft und Schönheit, die nutzlos verdorren, wird von seiner eigne» Not!und seinem eignen Schicksal auf das des Volkes hin- -zrleitet und kommt so schlicstlich zum Nationaljndenlum. Bialiks.Dichtung, von der Frl. Goitein dann einiges vorlas. und besprach, schildert uns hauptsächlich dreierlei: Liebe tzur Natur, ein N'acherleben seiner Jugend und bcsoilders ein tiefes nationales Gefühl. Dagegen nehmen Leidenschaft und Erotik in seinen Liedern keinen sehr breiten Raum :i». Jedoch ist Bialiks Feld nicht nur die Lvrik allein: er ist auch Epiker, und auch hier zeigt sich sein starker -nationaler Wille. Er schildert Judenverfolgungen und ruft dem, den seine Schilderungen erschüttern, zu: „Du sollst nicht weinen: daß Du im Grimme doch knirschtest." Der Abend schlost mit dem Bortrag einer Dichtung von eigenartiger Schönheit „Die Toten der Wüste" und hat wohl in allen Anwesenden den Wunsch geweckt, sich noch, recht oft mit Bialiks Dichtungen beschäftigen zu-können. - . ■ ' - . - ' G. K. Jüd Bibliothek und Lesehalle. Vom i7. April ab ist die Bibliothek und Lesehalle wie folgt geöffnet: Montag bis Donnerstag l—4 Uhr und S—10 Uhr; Freitag 1—4 Uhr; Samstag l4U—1 Uhr und 3—7 Uhr; Sonntag 9—1 Uhr und .3—10 Uhr. Persoualle« Am 1. April sind es 25 I a h r e, daß Herr S i m o n Snlzbächer, Herderstr. 30, sein Geschäft begründete. Cafe Kaisergapten am Opernplatz Erstklassiges Familleh-Cafö Jeden Nachmittag von 4 bis 7 Uhr und Abend von , 8V* Uhr al» W* K-iinstler-BLonzeri. IßinIMon. Mendel Gibbor. Novelle -von Aron David Bernstein; (Fortsetzung.) Die Ungeduld plagte ihn nnmenschlich. Er drehte sein spitzes Bärtchen noch spitzer, krümmte es und steckte es zwischen die Wohlgefallen lächelnden Lippen und entwickelte, leise vor sich hinsummend, das Wörtchen immer seiner und seiner. . Er blickte vorsichtig aus die Gasse hinaus. An. einer Zuhörerschaft, konnte es ihm nicht fehlen, ivenn nur der lustige Mendel da wäre. Rechts saß ein stets bereiter Herold seines Ruhmes, die schwarze'Nncho, auf ihrer Türschwelle, bei der ein. Wink hinreichtc, sie zum Ausrufen der ganze» Welt zu begeistern, sobald er sie vermuten ließe,' daß ihr „gepriesener Jüd" bereit sei, irgend einen Gegenstand der profanen Welt in den heiligen Bibelvers hineinzustcllen. Drüben in der Gasse waren nicht minder die Haustürschwellen reichlich besetzt.' Zudem n-ar es nahezu Zeü, in die Schul' zu. gehen, nnd bei solchen Gelegenheiten pflegten sich kleine Versammlungen unter freien Himmel sehr leicht zu inlprovificren. Zum Ueberfluß bemerkte Reb Abbele auch noch, daß sein Nachbar links, daß Salme Mennist wunderlicherweise gleichfalls in seiner Haustür lauschte, und tvar dieser auch gar zu simpel für die Feinheit solcher Wörtchen, so wäre er doch allenfalls zur Vergrößerung der Zuhörerzahl zu benützen. Hiernach stand fest, daß für jetzt nur der lustige Mendel fehle, um die Scharte von heute Mittag völlig auswetzen zu können. Ja, Reb Abbele lachte in sich hineiir, und indem er mit Entzücken sein Auge drehte und sich die Hände rieb, flüsterte er sich selber zu: „So ivahr soll ich leben und gesund sein, mein gleich' Wörtchen ist so, daß sie alle platzen vor Wonne." Im sonderbarsten Gegensatz zu Reb Abbele hatte in der Tat äikch die Ungeduld seinen Nachbar Salme Mennist in seine zur Hälfte geöffnete Haustür gelockt. Er rieb sich gleichfalls die Hände; aber nicht vor Wonne, sondern in tiefer Besorgung, daß die alle Malkoh' aufs höchste erzürnt sein werde, wenn sie von Blendet erfahren habe, wie er, Salme, .die Geheimnisse ihrer Wohltaten nicht bewährte. Seine Verehrung für Malkoh war so unbedingt; daß er eigentlich ihr Wesen garnicht zu beurteilen wagte. Schon seit Jahren hatte er sich daran 'gewöhnt, daß sie ihn nicht sprechen lasse, so oft er den Versuch machen ivollte, ihr ein Wort aus der tiefsten Tiefe seines Herzens zu äußern. „Ich weiß", pflegte er sich selbst zu sagen, „ich bin so wrichmütig von Herzen, und die Nerven kommen mir so in meinen-Kopf herein, daß ich gar nit wert bin, vor ihr zu reden." Je tiefer aber seine Demut vor der Macht der Festigkeit Malkohs sich bei ihm seit Jahren eingewurzelt hatte, desto untröstlicher machte ihn die Besorgnis, daß sie ihm nun zürnen werde. Aber mehr als alles beunruhigte ihn ein Gedanke, den er nicht laut zu denken wagte. Er besaß eine Feinheit der Beobachtung, die gcfühlsmäß'g Wahrnehmungen macht, — und er hatte in Mendels Seele einen solchen Blick tiefer Wahrnehmung gemacht. Mendels Scheu, vor dem Hause Malkohs vorüberzugehen, sein Blick, wenn durch Zufall Händeles Name von. ihm gewarnt wurde, sein Trübsinn und viele flüchtige unfaßbare Merkmale ließen in Salme keinen Zweifel mehr über den Zustand Mendcls*übrig. Daß er nun Mendel Mitteilungen von Malkohs Wohltaten gemacht hatte und so die Veranlassung geworden war, daß Mendel Malkohs Haus betrat"und dort Händelc sehen würde, das war. für ihn ein ganz besonderer Gegenstand tiefster Besorgnis. Atit mehr Unruhe als je sah er der Heimkehr Mendels entgegen. Da kam der Bielersehnte wirklich daher. Nicht traurig, wie Salme befürchtete, und nicht lustig, wie Reb Abbele wünschte, sondern träumerisch und weltvergessen wie ein Verliebter schlich er so dicht den Häusern der Gasse entlang, daß er von beiden, die in ihren Haustüren^lauerten, nicht eher gesehen wurde, als bis er vor ihnen stand. Der freudig überraschte Reb Abbele sprang ihm so lebhaft entegen, daß Mendele erschrockenzurückprallte. „Soll ich leben", rief Reb Abbele, „Du bist lustig, Mendel'? — Er ist lustig!" schrie er mit einem Ton in die Gasse hinein, der ganz dazu geeignet war, sofort die Zuhörer hcrbeizulocken.^ Doch auch Salme war aus die Gasse hinausgetreten, und sein teilnehmender Blick hatte richtiger als der von Ruhmsucht geblendete Reb Abbele hcrausgefunden, daß Mendel nichts iveniger als lustig war. Und in der Tat konnte die Selbsttäuschung des Erfinders gleicher Wörtchen nicht lange dauern, Venn Mendel richtete sich mit einem Ernst vor ihm auf, der ganz so aussah, als ob er sich jeden Scherz verbitte, und fügte in einem so gereizten Tone die Frage: „Was wollt ihr von mir'?" hinzu, daß er jedes Mißverständnis unmöglich machte. Reb Abbele schoß das Blut zu Kopfe. „Was'?" schrie ec, „frecher Mensch! Ich frag' Dich, ob Du lustig bist, und Du reost mit mir in Zorn'? Was ich von Dir will'? Nach England willst Du gehen'? Hinausbringeu ivird man Dich aus der Khille, der Dn nicht mehr Lichtung vor den Gelehrten hast! — Was guckst Du .mich denn so an wie ein Unverschämter!" fuhr er, als Mendels Antlitz sich rötete und sein Blick sich verdüsterte, immer hitziger werdend fort: „Seht, wie er da steht", ries er ven Hcrbeiströmenden zu, „sieht er nit aus wie Ehaskel, der da gegessen hat trefeneu Käs und gebrochen hat seinen Handschlag!" Er hatte kaum dieses. Wort ausgerusen, als sich ein Geschrei unter allen Umstehenden erhob: „Mendel, Dein Handschlag!" Aber der Schrei wurde sosort von einem anderen verschlungen, denn mehr als man in gleich kurzer Zeit auszusprechen vermag und Ueberraschenderes, als man vor einem Augenblick vermuten konnte, war in diesem Moment geschehen. Mendel hatte mit unterdrücktem Schrei den Arm erhoben, um den Wütenden, der seinen Vater schmähte, von sich zu schleudern. Er führte den Schlag aus, — traf aber nicht den beweglichen Reb Abbele; — der schwache .Salme, der sich seinem -Arm entgcgenwarf, wurde von ihm getroffen und taumelte nun rücklings unter die Umstehenden hinein, di: ihn im Niederstürzen auffingen. (Fortsetzung folgt.) So ei» Pech! Einer Begebenheit aus der Mitte des vorigen Jahrhunderts nacherzählt von L. Rosenthal, Basel. (Fortsetzung.) „Abgemacht! Wahrhaftig Sie sind ein ebenso liebenswürdiger als ehremverter Charakter. Mein Diener wird das Bild nachher abholen. Hier das Geld." Damit zog er seine Banknotentasche, die etwas anders aussah als die Onkel Simons, denn sie war vom feinsten Leder und mit dem goldgeoruckten Wappen derer von Sch .... geziert. Auch die fünf Hunderttalerscheine, die er Sally auf den Tisch legte, waren noch ganz neu. Seelenvergnügt schloß Sally sie in seinen Schreibtisch und geleitete dann den vornehmen Besuch bis auf die Straße hinaus. „Recht haste gehabt, Sally", sagte der alte Joel, als dieser ihm und der Mutter den -ganzen Sachverhalt nntgeteilt hatte, ,,'n Präsent, was wert is 100 Taler, is — weiß Gotr — anständig genug. Aber 500 Taler — Cholile (verhüt' es Gott) —, das is ja allein schon 'ne kleine „Nedinje" (Mttgift). Nun drängte es Sally, sein Bräutchen aufzusuchen. Das arme Mädchen hatte sich schon schier die Augen nach ihm ausgeschaut, denn nach einem so teuren Geschenk hätte er eigentlich bereits gestern Abend sich einstellen oder richtiger ihr jubelnd an den Hals fliegen dürfen. Da kam er über den Platz — sie hatte ihn gleich erspäht —, aber von „fliegen" merkte sie nichts. Ganz gemächlich schritt er auf ihr Haus zu. In gewohnter Weise begrüßte er sie nnd die Eltern. „Wird heiß heute", sagte er. Erstaunt sah ihn Riekchen an; — sie wußte nicht, >vas sie von ihm halten sollte. Er mußte doch das Bild auf dem Sofa gesehen haben.-. Der Kutscher hatte bei seiner Rückkehr noch ausdrücklich erwähnt, daß er es darauf gestellt habe. „Nun — was gibl's Neues?" begann Sally wieder. „Ich dachte, D u solltest uns was Neues erzählen", antwortete Riekchen, das „Dn" besonders betonend. Das Weinen war ihr näher als das Lachen. "Aber Sylt» tat nichts dergleichen, zeigte seine alltägliche Miene, ja wandte sich sogar halb ihrem Vater mit einer Frage nach dem letzten Pferdehandel zu. Das war zu viel für die gekränkte Schöne. „Sally — lieber Sally", rief sie, „verstellst Dn Dich, oder willst Dn mich „uzen"'?' Es tut mir leid, daß ich davon anfangen muß, aber hast Du gestern Abend, als Du nach Hause kamst, nichts Außergewöhnliches in Deinem Zimmer bemerkt?" Jetzt war es vorbei mit der erheuchelten Gleichgültigkeit Sallys. Leichenblaß wurde er, und eine böse Ahnung dämmerte in ihm auf. ,Zch Hab' doch geglaubt. Dir 'ne große Freude mit dem Bild zu machen", schluchzte Riekchen, die ihre Tränen nicht länger znrückhalten konnte. Ganz verdutzt schaute Sally drein. „Du also hast das Bild gekauft", rief er, „ich war der Meinung, Tannenbanm hätte —" „Mitgeboten — ja — deshalb ist es auch so teuer gekommen. Onkel Simon war ganz wütend darüber, hat aber nicht nachgelassen. Nun, das soll weiter nichts machen. Aver. es scheint, daß Dir mein Geschenk keine besondere Freuoe macht." „Riekchen, — mein liebes, gutes Riekchen!" rief gerührt der junge Mann unv schloß da-Z aufgeregte Mädchen fest in seine Arme, „da haben mir etwas Schönes gemacht; — ich wollte Dir das Bild schenken und chatte. Tannenbaum beauftragt, es für mich zu kaufen." ,,'Re merkwürdige „Maße", ließ sich jetzt der alte. Hamberg vernehmen, „da habt Ihr „Schetehim" (Narren)

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