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Neue jüdische Presse · 1916-03-31 · Heft 13 (31.3.1916) · p. Seite 4

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
14 (1916)
Issue
Heft 13 (31.3.1916)
Date
1916-03-31
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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mt... Euch-gögenseitig den Preis indie Höhe getrieben:—Die ganze Stadt wird über Euch lachen. WEhät denn das Ding gelüstet?" - % - „500 Taler", würgte Sallhhervor. „Bist Dü ',-mrschNgge?"- (dcrrückl) schneller Alte : voll Entsetzen, „gib' nier'n Stuhl Frau, ich muß merz setzen, Mich trefft der Schlag!"/ . . . „Er wird Hich nix treffen, Schwiegervater. Ich. Hab' das. Bild schon wieder für den gleichen Betrag verkauft. 'Onkel Simon kriegt heut noch seine ausgelegten 500 Taler zurück, — sie liegen schon in meinem Schreibtisch." „Ein Glück!" sagte tief auf«ttmend Hamberg, „daß De jdas Wild wieder „poter" (los) List. Ohne Eure gegenseitige Hinauftreiberei hättet. Jhr's „efscher" (vielleicht) for 10 oder 15 Taler gekriegt. — Der Schreck is mer ordentlich in de Bemc gefahren" % Damit ließ er sich mit einem Seufzer der Erleichterung in den großen gepolsterten „Sorgenstuhl" nieder, den ihm seine Frau herangeschobcn hatte. „Seht Kinder", sagt« diese, „das kommt davon, wenn man Heimlichkeiten vor einander hat. Nehmt Euch vor, niemals wieder so etwaß zu tun. Immer offen und ehrlich. Seid froh, daß das „Schlamasel" (Unglück) diesmal noch so gut ausgegangen is." Nun sie waren wirllich alle froh, auch Onkel Simon, der für seine fünf schniicrigeu Hundcrttalerscheinc die neuen des Herrn von Sch .... erhielt und außerdem noch das Vergnügen genoß, den verhaßten.Tannenbaum gründlich geärgert zu haben. Leer ging der ebenfalls nicht aus, da ihm Sally seine Mühewaltung mit eine»! Louisdor belohnte. Aber , auch ohne Schaden brauchte, das Brautpaar für den'Spott nicht zu sorgen. Wochenlang noch lachten die Z . . . r über das schnurrige Stücklein: Damit könnten wir nun unsere Erzählung schließen, weim — sie nicht noch ein Nachspiel gehabt hätte, das wir als gewissenhafter Autor dem Leser nicht vorenthalten dürfen. - ' (Schluß folgt.) . Cigarren-Müllen, gr. Eschenheimerstr. 31. X-Iebfranenstr. 1/s. , TannnsUr. 47. garr«n garetten erstklassigen Ursprungs Partien I ■ Map«, ein Borläuser des Zionismus. K. DänZgilaickY. (Schluß). Als er nun das siebzehnte Lebensjahr vollendet hatte, bekam er eine Frau, die er natürlich' bis zur Trauung weder gesehen noch gekannt hatte. Bon nun an konnte er seinen Studien jn aller Ruhe nachgehen, denn sein Schwiegerväter sorgte für ihn. Zur selben Zeit lernte er den Rabbiner seiner Stadt kennen, der ein scharfsinniger Talmudist war, aber auch etwas von allgemeiner Bildung besaß. Er konnte Russisch Und Latem. Letzteres hatte er auf eine ganz sonderbare Art erlernt. Er besaß nämlich. eine alte Bibel mit lateinischer Uebersetzung, und indem er mit.großer Atühe, vermittels des Hebräischen, den Sinn der einzelnen lateinischen Worte herausbekommen hatte, gelang es ihm, sich nach- und Nach eine gewisse Kenntnis des Lateinischen anzneignen. Anch Mapu unternahnr -es jetzt, auf diese Weise Latein zn lernen. Da er sehr sprachbegabt war, gelang es ihm schon nach kurzer Zeit, in idenj Weist der lateinischen Sprache einzndringcn. Zwei Jahre saß Mapu bei seinem Schwiegervater. Eines Tages oberbegann dieser sogenannte „Rüche" zn verarmen, und bald müßte Mapu selbst für seine» Unterhalt sorgen. Es blieb chm nichts anderes übrig, als Lehrer zu werden. Er bekam eind Stelle-als hebräischer Haus- 4;, Lehrer bei dem Wirte einer Dorfschenke in der Mähe .. Kownos. Diese Schenke bestand aus einem einzigen großen Raum, der tzleichzeittg auch als Aufenthalts- und Verpflegungsstätte für Hühner, Gänse, Schaft und sonstige Haustiere diente. Dieses Zinuner würbe jn Höhe und Brette fast bis zur Hälfte , von einem großen, viereckigen Ofen eingenommen, welcher gleichzeitig das Schlafzimmer der ganzen Famllic Larstellte. Denn abends begaben sich, sämtliche Insassen des' Hanfes in seine „lichten Höhen", um dort der Nachtruhe zu pflegen. Ueberhaupt war dieser Ofen von ganz eigenartiger Konstruktion. Einen Schornstein suchte uunr bei ihm vergebens. Das gab's einfach nicht. Als Ersatz befand sich aber in irgend einer Zimmer- Wand ein großes Loch, zn welchem der Rauch hinansgehen „sollte". Da xr dies aber für gewöhnlich/ nicht tat/so len die.obere Hälfte des Ranules stets init Rauck» augesüllt. M-war-demnach immöglich) im Zimmer zu stzHn oder auch mnr Alls einer Bank zn sitzen, ohne nicht Gefahr zn lausen,, zn ersticken oder zn-erblinden. (Man . mußte also ans dem Boden sitzen/ Natürlich' blieb Mapu als llnterrichtsstättc mich nur der Fußboden übrig. Dabei darf man sich aber nnter „Fußboden" keinen. Parkettboden -mit einem türkischen Teppichs darüber- Vörstetten, sonder» einfache,, schlichte Mütter Erde mit den damit unvermeidlich zusammenhängenden Hebungen und Senkungen.. Als Mapit eines Tages in dieser Positur-wieder sein-Amt ausübte, trat ein katholischem Geistlicher aus einem der benachbarten Dörfer in die Stube, und als er Mapu mit: seinen Schülern aus dem Boden sah, konnte , er sich einer verächtlichen Bemerkung nicht-enthalten. Mapu '' -/l;1-,./ . . ' - ' antwortete^ schlagfertig in: eiMn llässisch'eil' LÄem/ Der" Geistliche, der natürlich! sehr überrascht und neugierig war, zu erführen, Ml er da vor sich hatte, verwickelte Map« in ein längeres Gesprächs 'Sie wurden Freunde, -ünd her; Priester lud von mm ab" Mahn. öfters, zn sich eftr. Dieser;' Verkehr blieb auf Mapüs/Entwickelung - nicht ohne Ein/ slsttz. .Er lernte beiihm versckKedqncs, .Wissenswerte, bö?' sonders aber führte er ihn. in die lateinischen. Klassiker ein. Auch> .erhielt er von. ihm. seinenersten französischen' Unterricht, wofür er seinerseits den Geisnichen im Hebräischen unterrichtete. . , _ _ ,/ /. ..... Map« blieb stur ein halbes Jahr im Dorfe, aber' diese . Zeit tzenügie für ihn,, um das Dorfleben mit alt seiner Primitivität sind Schönheit.kennen und liebe»/Zu lernen. In der kürzen Spanne Zeit seiner Abwesenheit er/' eignete sich nichts Nennenswertes, eher faich er eine .Steigerung, der Sehnsucht der Jugend zur „Haskälay". Auch in der Stadt setzte «er seine Sprachsttldjen fort! Er erlernte jetzt Französisch, Deutsch nüd Nachher Russisch. Daraus, daß er seine Landessprache zuletzt lernte, ersieht man, daß er die Sprachen nüht zn irgend einem nützlichen Zweck gelernt hatte, sondern Linfach deshalb, uni das Leben anderer Völker kennen zn lernen und' dadurch seine Kenntnisse zu bereichern. Das Verhältnis zil seiner Frau war kein besonders gutes, und da sein Ehelebrn ihn nicht befriedigen konnte und seine Frau nicht ein Abbild seines Ideals war, so suchte er und fand einen Ersatz, für das fehlende Eheglück in der literarischen Betätigung. Er faßte den Plan, einen jüdischi-historischen .Roman zu schreiben und ging mit größer Liebe an das Werk. Es vergingen zwei Jahre, und er bekam wieder eine .Stelle als Hauslehrer. Diesmal war es bei einem reichen Kauftnann. in Georgenburg. Seine Frau und Kinder — er hatte bereits Sohn und Tochter — ließ er in Slabodke und schickte ihnen monatlich sein ganzes Gehalt. In Georgenbnrg fand er das, was er wollte, nämlich die nötigen . Mittel und die nöttge freie Leit, um sich weiter zu bilden. Nach einigeil Jahren aber zog er nach Rossieny, wohin er auch seine Familie mitnahm, Rössieuh war danials eines der Zentrender „Haskalah", und dort befauden sich viele Lehrer, die die jüdische Jugend in die enröpäischc Bildung einführten. Schon gleich in der ersten Zeit seines dortigen Aufenthalts lernte Mapu de» .Gelehrten Schneir Saks keimen, einen originellen, hochbegabten Mann. Sein Eütslnß auf Mapu war sehr groß. Er brachte ihm das Verständnis für den tiefen Sinn der jüdischeil Geschichte bei, machte ihn auf die Schönheit und Größe der Bibil aufmerksam und führte ihn in die jüd. Philosophie ein. Mapu , arbeitete inzwischen weiter an seinem Roinan und wollte seine Arbeit von seinem gelehrten Freunde Saks begutachtet' wissen. Dieser erkannte sofort das große Talent Mapns und forderte ihn fortgesetzt auf, seine' Schüchternheit zu überwinden, ,denn Mapu glaubte nicht an seine Begabung — und sein Werk zu veröffentlichen/Es kostete ihm viele Mühe, bis ,pr Mapu dazu bewegen konnte, sich d a u e r n d der jüd.-literarischen Tätigkeit zu widmen.. So ist der Aufenthalt unseres Dichters iir Rossieny für ihn von.großer Bedeutung geworden, besonders wenn man in Betracht zieht, daß Mapu durch' den Verkehr mit Maskiliin vieles lernte und viele Anregung erhielt. - Sieben Jahre währte sein Aufenthalt dort. Dann kehrte er nach Kowno zurück und bemühte sich, die Erlaubnis zur Eröffnung einer Mädchenschule zu bekommen. Sein Gesuch wurde abschlägig beantwortet, funb er bewarb sich jetzt um die Stelle eines jüdischen Religions- und deutschen Sprachlehrers an der jüdischen Schule zn Kowno. Inzwischen war seine Frau gestorben, und Mapu wartete noch immer auf die Beantwortung seines Gesuches. Da erhielt er von Herrn Jehuda Apatow, dem-Vorsteher der jüdischen Gemeinde Wilnas, die Aufforderung, seinen einzigen Sohn zn unterrichten. Mapu.willigte ein, versorgte seine Kinder und reiste ivach Wilna. Dort traf er, der Träumer, der Mann, der die Welt nur aus den Büchern kannte, mit der rauhen Wirklichkeit zusammen. Ilpatow war ein von Geburt aus Armer, her sich bis zum Reichsten Wilnas hinanfgearbeitet Halle. Er war roh Und ungebildet und strebte nur nach Macht. Als er Gemeindevorsteher von Wilna geworden war, begann er die Maskiliin, die er früher gefördert hatte, auf das heftigste zn verfolgen. Er war sehr jähzornig und konnte einen Menschen, der ihm nicht gefiel, blutig schlagen. Bor Polizei und Gericht hatte er nicht die geringste Angst; .Leim er verteilte jährlich eine gewisse Summe Geldes Sinter die verschiedensten Beamten, so daß sie -im Gegenteil ihn fürchteten und öfters seine Prügel zu kosten bekamen. Einige Tage, nachdem Mapn die Stelle Lei Alpatow angctrctcir hatte, mürbe er von der Regierung als Lehrer an der staatlichen Schule zu Kvivno bestätigt und aufgefordert, sein Amt sofort anzutreten. Er war sehr glücklich über diese Nachricht; denn nun hatte er eine feste Stellung und konnte ein ruhiges, sorgloses Leben führen. Er ging zü^Herrn Apatow und teilte ihm dies mit. Mer dieser schimpfte ihn ordentlichans und sagte ihm, daß er ihin unter keinen Umständen erlaube» werde, sein .Haus zn verlassen. „Aber warum" fragte Mapu, „wir haben doch gar keinen Vertrag miteinander geschlossen!" — .„Doch", antwvrtete Apatow, „wir haben einen Vertrag ^geschlossen uub derselbe liegt bei mir in sicherem Gewahrsam". — „Wenn die Sache ist", rief Mapu außer sich vor Erregung, „dann ist es ein gefälschter Vertrag". Als Slpatow dies, hörte, ergriff er einen Lederricmc» und schlug auf Mapu derart ei», daß er sich, nur durch eine eilige Flucht rette» ' konnte. Zerschlagen und blutend, ohne Hut stürzte er in das Haus seines Freundes Mandclstamm mit den Worte»:„Der Mörder hat mich „geharget" (verhauen)! Dieser nnlicbsainc Vorfall machte ihm fcie Reichen, die er ohnedies schon verachtete, zu wahren Schreckgespenstern, was" später in feinen Werken zum Ansdruck kam. Bald darauf trat Mapu seine Stellung an, in dcr er sein ganzes Leben verblieb. Im Jahre 1852 drückte er sein erstes Werk „Ahawath Zion." das er 1830 — also, vor 22 Jahren — zn schreiben begonnen Hatte. Es machte eine» ungeheuren Eindruck. Mapu War über Nacht ein berühmter Mann geworden. Fm selben. Jahreheiratete Matzm seine "zwplte'Fran/die Lrdnioch'vön^frH'er -her liebte nnd-Me ihm. ein iJähr «ach ihrer Hochzeit ein/ Töchterlein, gebar. Din Tochter seiner' ersten- Frau war -gestorben, nnh er hatte ,nur noch, einen Sohn, on -dein er viel ' Freuhg halle und Her später, als auch seine zweite, von.ihm. sv heißgeliebte Fra» nach langer Krankheitstnrb, sein einziger Trost war. ' . Bald aber begann auch! unser Dichter zu^ kränkeln, Er bekam zuerst die Gicht im rechten Arm, die sich dann weiterverbreitete. Im Jahre 1867 ivnrde aber seine Krankheit' hefttgrr, und 'er. müßte.mach Königsberg -fahren, >un sich dort operiere»' zu lassen, ülber es half nicht- -mehr.' Am Z: .Oktober starb er. - , - i./ Nur lvenige Leute folgten seinem Sarge. Der Prediger, der sonst für eine Predigt nicht, allzuschwer-zu haben war, erschien mich zur Beerdigung. Aber er.sprach kejn Wort; denn niemand war da,. der für dengroßeit giomandichter, :dpn jüdischen Klassiker. die 25 MkL bezahlen wollte, die der 'Präüger verlangte: " ' -. F. SftlNT-DENIS, ALLE REPARATUREN an UHREN . Cold und SllbarwarBn, Brillen -nnd. ZwIckar. Buntss Chronik.; El« Wink für die Armenpflege. Gaben nicht zu - verschenken,, sondern zu gaiiz niedrigen Preise» zu verlausen, schlug in der Baseler Zentralkommission für Armenpflege und soziale Fürsorge ei» Mitglied vor. . Der Betreffende setzte aliseinaiider, ivie die Milchvcrsorgiliigskommission auf den Gedanke» gekommen sei, von den Petenten um Milch und Wrot, wenn tunlich, Beiträge nmnentlich; in:dein. nnbesricdigenden Besuche der' Austeilüngsstationcn kundgab. Sobald man aber.ansing, von den weniger vedürfttgen ' Kindern eine den ökoiioinischeii Verhältnissen ihrer Eltern angepaßte Bezahlung der Speiche zu verlmigcn stteg die durchschnittliche Frequenzder Milchstationen wesentlich. Die Eltern leisteten dio.geforderten Beiträge..mit wenigen Ausnahmen willig (und gern, so schon beim ersten Versuch (1614) 386^ und 1615 bereits 764 zahlende Milch.trinker (21,7«/» der. Ge-. saintzahl) zu verzcichncii waren und. deren. Lelstungen die respektable Höhe von 1136 Fr. erreichten.' Durch, die teil--, weise Bezahlung w.ird den Speiche» der Charakter des Almosens geiioinnien. Indem' man die/Leute nötigt,' die Spendeli wenigstens teiltveise zu bezahlen, erzieht man. sie zur iSelbsthilfe; man erhöht die Selbstachtung, ünd, bei deir Kiiiderii eriveckt, man das Gefiihl, daß'nicht Fremde, sondern Vater und Mutter für sie sorge». Den. Spende-Institutionen bringen die Beiträge eine wittkoinniene Vermehrung der Einnahmcil; auch wird die Spendefreudigkeit der Wohltäter »ich ihr Zutrauen, zn den leitenden Organen erhöht, wenn sie sehen, daß Ihre Gaben mit Vorsicht verwendet werde». (Oer Atodils der teiliveisen Bczahlüng läßt sich allerdings nicht bei allen Wohltätigkeitseinrich-, tungeii so leicht durchführen ivie bei der Milchvcrleilung zu begrüßei? aber wäre es, ivenn man ihm, wo dies irgend möglich ist, znin Durchbruchverhelfen würde. Die Ausführungen riefen eine längere lebhafte Dis-- kusswn hervor, jan der sich michs Viictor WYle-r, per' Präsident der Israel. Armenpflege, beteiligte. Alle äußerten sich zustimmend, -so daß zu hoffen ist, daß die bei der' Milchperteilung und iieuestens auch., bei .der Schuh- und. . Kleiderverteilnng eingeführte Äienerring. nach- Möglichkeit mich bei -andern Spende-Institutionen Eingang finden werde. _ . In Sibirien. Dr. Philipp Menczel, der als Geisel nach Sibirien verschleppt wurde, bringt inder „N. Fr. Pr." vom 16. März einen interessanten Aufsatz über seinen sibirischen, Anfeiühalt. Wir entnehmen den dknsfiihrnngen folgende Stelle: , ■. . - Den entsetzlichsten 'Anblick boten die armen Inden dar, die aus den'unteren Schiffsräninen,. wo sie in Tomsk als „Frachtgut" eingcladcu wordci: waren, herauskamen.' Sie Mögen wie aus einem Grab hervor, beganucn sich gegeuseittg' zu suchen nn.d stellten getvöhulich fest, daß so und so viele, in Prozenten ansgedrückt etwa 20, abgängig waren. Diese waren nntcrlvcgs gestorben. — Gestorben? — Totgeprngelt oder verhiingert waren sie unterwegs. Auch viele Weiber und Kinder waren unter ihtien. - Man erlasse mir ihre nähere Beschreibung. Wozu de»» auch? Der Typhus und die Ruhr, die bald darauf in Narpnski Kraj wüteten, haben düs weitere zn dieser einfache», ivenn auch einzig dastehenden Lösung der Jndenfrage in Rußland beigetragen. ' Nur einen einzigen Fall lasse inan mich erzähle». Ich muß ihn erzählen, denn er drückt inir die Seele ab, so oft ich «n ihn denke. Ich lag krank zn Bett. Es iv'ar schön im August, und ich befand Sni.ch damals am „Priston" bei 6,'aryni. /Da: trät'bin jünger-jüd. Student aus der Bukowina in mein Zimmer und sagte:. „Herr Doktor, wir benötigen 10 Rbl., andere 10 Rbl. haben wir durch eine Saininlung bereits aufgebracht, um einen armen Juden, den. an- Typhus gestorben ist, nach jüd. Ritus mit den Toteiigewändern zn versehen." Ich wies aus eine neben mir-liegende Brieftasche, der!Stüdent entnahm, ihr die Zehnrubrlnoie. und. eniseriite sich rasch- ' . - ' - Ich Hütte die'Sache vergessen, denn gar viele stürben hinlereinander. Vier Machen später aber, als bekannt wurde, daß ich ausgetauscht sei und; nach Hause reisen solle, klopfte es-eines Morgens an meine Tür" ünd zwei' junge Leute traten.herein. Ein Bursche von etlva 20 und.-'ei» Mätzchen bon.etwq, 15 .Jahren. Sie sprüchennlich deiitschsa»,

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