Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 14 (1916)
- Issue
- Heft 12 (24.3.1916)
- Date
- 1916-03-24
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 12 ' . Frankfurter Israelitische- FamilienAatt. Seite 3. sah. Die Verbesserung des Mädchenschulwesens 1908 war ein weiterer Schritt. - Haüptgrundsatz muß aber auch für die Frauen sein, was sie leisten könne», ganz gelernt zu haben, Die/Wahl der' Studienanstalt, bei jüd. Mädchen vorherrschend, sollte Von deN Eltern nur bei besonderer. Begabung unterstützt werben. Nicht uniner entspricht das zu Erreichende der aüfgcwandten Zeit und Mühe. Neben der seminaristisch gebildeten Lehrerin, wäre der Beruf der technischen Turn- und' Händelslehrerin, der hauswirtschaftlichen Lehrerin zu empfehlen. .Trotz aller.Achtung vor höheren Berufen sollte man jedoch die Wahl häuslicher Stellen^ als Berufszweig kräftig fördern Sie bietet durch freie Station bei geringster Bezahlung materiell Besseres als die niederen kaufmännischen Stellen. Natürlich müßte auch das Publikum bessernd eingreifen, die verständige Frau der häuslichen Angestellten durch, freie Zeit, sowie geistige Anregung wieder mehr Liebe zu diesem' Berufe bcibringcn. Mit!der Rezitation der Schlnßverse des „Esches Chajil" schloß die Rednerin unter lebhaftem Beifall ihre Worte. Raphael und Jeanuette Ettlinger-tzeim für erholungsbedürftige »iuder (8. B) Sokheim. Der Vorstand hat beschlossen, trotz des Krieges das Heim seinem Zwecke wieder zn öffnen. Er tat dies in der Erwägung, daß die schiveren Verluste an kostbaren Menschenleben, die Deutschland in diesem Jahre zu erleiden hatte, es zur vaterländischen Pflicht machen, durch kraftvolle neue Generationeir die Lücken im Volksbcstand zn füllen. .Der bisherige Tagessatz Kon 1,50 Mk. soll trotz der Steigerung und Knappheit aller Lebensmittel nicht erhöht werden. Besonders wird infolgedessen das Heim auch den Kindern des Mittelstandes offenstehen, dem es bei den schweren, materiellen Opfern, die der Krieg gerade von ihm fordert, schwer halten dürste, auf andere Weise den der Erholung bedürftigen Kinder» Ausspannung zu verschaffen. Unbemittelte Kinder werden wie immer unentgeltlich! aufgenommen. Meldungen werden wie früher bei dem Hausarzt Dr. Löffler, Obermainanlage 18, Frankfurt a. M.. Mittwoch nachm. 5 Uhr entgegengcnonimen. Die Eröffnung des .Heims findet gleich nasch-den Pessachtagen statt. „Montefiore'-Vereln. Die Geralversammlung findet' am M i t t >v v ch, den 29. März, abends 9i/t Uhr im Vereinslokale, Bleichstr. 70 statt. Tagesordnung: §13 der Statuten. Personalien. Karl Her m. Fulda, der'Vater des Dichters Ludwig Fulda, feierte den.80. .Geburtstag. Dr. E r n st C a hu, -Professor an der Universität, wurde zum Magistratssyndikus gewählt. I o s e p h B o t t e n w i e s e r, ein sehr geachtetes Mitglied der israelit. Gemeinde, ist verschieden. Er gehörte dem Vorstand der Jsr. Franenkrankenkasse und des Verein „Gegenseitigkeit" an. Bon 1897—99 saß er im Ausschuß der israelit. Genieinde. i Gerade die gegenwärtige Zeit erheischt besondere Aufmerksamkeit anf alle Erkrankungen der Atmnngsnrgane. Gebrauchen Sie daher sofort gegen Hasten, Heiserkeit n. dgl. die altbewährten Fay’s ächten Sodener Mineral-Pastillen. Preis nach wie vor nur 85 Pfg die Schachtel. Mendel Gibbor. Novelle von Aron David Bernstein . (Fortsetzung.) Händele saß, den Rücken ihm zugekehrt, den Kopf aus ihr Klöpfelkisseu gebeugt und arbeitete so emsig, als sollten die Klöpfel einen Wettlaus mit dem Pochen ihres Herzens eingeheu. Der arme Mendel stand so stumm und starr wie in einem Bann an der Schwelle. Endlich nahm er sich zusammen: „Verzeihtmir's, Malkoh," sprach er mit tief bewegter Stimme, „daß ich meinen Fuß setz' an eure Schwell'! ich . ... - „Tritt näher, Mendel!" — unterbrach ihn Malkoh. -- Mendel trat zwei Schritte ins Zimmer hinein und stand nun dicht hinter Händele, die sich nicht umgekehrt hatte und nur mit Hast fortarbeitete. Wieder entstand eine Pause, in der er nur das Fliegen der Klöpfel und das Pochen seines Herzens vernahm, und loieder ermannte er sich, atmete hoch auf und wollte beginnen: „Salme" — sagte er — allein er mußte wiederum schweigen; denn Malkoh schüttelte wieder ein so entschiedenes „Nein", daß . ihm das Wort erstarb. - Malkoh's Wesen machte auf ihn den Eindruck, als wisse sie alles, was er ihr sagen wollte, und er verstand TEE-SCHMIDrßsV NETTE KRAME 30. Tel. Hanna 1138. Nr. 17-Fünf-Uhr-Tee . . . Mk. 5.40 „ 12 Souch.-Pekoe-Congb-Mlachg. „ 4.40 Java-Blattbrnch-Tee . - . Mk. 3.50, 4.40 Eakao Soma -Qualitäts-Kakao. daher auch ihre stumme Abwehr jedes Dankes. Er las auch in ihrem Antlitz einen Unwillen, aber-nicht gegen ihn, sondern gegen Salme, der ihre Geheimnisse nicht bewahrt habe; und so unantastbar kam ihm alles vor, was dieses leichte Bewegen des Hauptes andeutete, daß er den Versuch der Rechtfertigung Salme's nicht einmal wagte. Aber Eins wußte er doch; er wollte von seinen Entschlüssen, in die Fremde zu gehen, sprechen und das Gelübde kundgeben, stets ihrer Wohltaten würdig zu leben. Doch auch hier kam ihm ihr Wort zuvor; denn er hatte kaum ihren Namen im Tone scheuer Ehrfurcht genannt, als sie ihn mit Ruhe und Wohlwollen auredete. „Ich Hab' gehört", sagte sie, „Du willst in die Frenide Hetzen. .Es ist gut; nur jetzund, wo wir sind in den drei Wochen, da ist das Glück nit günstig für Israel, da sollen wir nit aussinnen ein neu Unternehmen und nit viel reden von Zeiten, die da kommen, nur gedenken an Gott, gelobt sei Er, und was Er getan hat an die, die nit aufhören zu hoffen auf seine Hilfe. Bleibe bis nach Tischohb'aw in der Khille. Mendel nahm schweigend die Weisung an und dachte so wenig daran, die Folgsamkeit seines Willens durch ein Wort zu bestätigen, als wäre er der willenlose Diener ihres unabweisbaren Gebotes. Malkoh's Haupt senkte sich, und Mendel, der die Enipfindung hatte, als wäre er entlassen, nahm sich zur letzten Bitte zusammen: „Wollt Ihr mir verzeihen", sagte er, indem er das Paketchen, das er in der Hand gehalten hatte, jetzt bescheiden auf den Kleiderkasten niederlegte, der den Raum zwischen den beiden Fenstern ausfüllte. „Ich geb' Euch zurück, was ich noch übrig habe von der Wäre. — Ich kann nit vergelten die Liebe, die Ihr mir getan habt;'— aber meine Hand' —." Malkoh's bejahendes Kopfnicken unterbrach auch diese Aeußerung nicht abwehrend, sondern bestätigend, als wäre ein. Versprechen überflüssig. „Gott, der Allmächtige, wird Dir stärken Deine Kraft, zu tun nach seinem heiligen Willen", sagte sie, nochmals ihm wohlwollend zum Abschied zunickend. Das gab Mendel den Mut, die Schranken der Scheu zu durchbrechen. „Malkoh"! rief er, „meine Lippen sind zu sündig, uni für Euch zu beten zum ewigen Gott; aber gestärkt hat er Eure Tag', und stärken soll er Eure Jahr'!" . „Geh' in Gesundheit", unterbrach sie ihn fast im Tone mütterlicher Zärtlichkeit. Mendel verneigte, sich und tat einen Schritt, um das Zimmer zu verlassen; — da fiel sein Blick auf Händele, deren ungewöhnlich zarten Hände mit wundervoller Geschicklichkeit die Klöpfel schlugen und sie in Wirbeln und Schlingen tanzen ließen, um mit ihre» Fäden ein feines Spitzengewebe in zierlichem Muster zu knüpfen. Sein Blick war gebannt an diesen zierlichen Händen, und ehe er sich versah, entfuhr seinen Lippen der Ausruf: „Gott, Du Gelobter, wie gebenscht von Dir sind die Händ'!" - ' Dann verließ er wortlos das Zimmer. Welcher Zauber lag in diesen schlichten Worten! tzändeles von -Gott gesegnete Hände,, eben noch so regsam, fielen in den Schoß. Aber mehr noch als Händele in ihnen verstand und empfand, mußte in diesen Worten liegen! Wie wäre es sonst möglich gewesen, daß sie auf die unerschfütterliche Malkoh so mächtig wirken konnten? Als ob Geisterstimmen der Vergangenheit sie weckten, richtete sich Malkoh auf, erhob sich von ihrem Lehnstuhl, und ihre Hände fuhren leise tastend umher in der Luft. Ihr bleiches Antlitz war von einer Röte angeflogen und von eurer Spannung beherrscht, die offenbarten, wie durch die Versteinerung der Jahre oft noch Ströme, die niemand vermutet, einen plötzlichen Durchbruch finden, um ins Licht zu treten. Es währte dieser Vorgang freilich nur einen Augenblick, — aber lange genug, um von Händele gesehen zu werden, als sie ihr über und über erglühtes Gesicht aufhob und auf die Großmutter hinblickte. „Großmutterle!" rief sie aufs höchste erschrocken und flog so hastig von ihrem Sitz auf und zu dieser hin, daß sie fast ihr Arbeitsgerät umwarf. „Händele, mein Kino", sagte diese, „gib mir Deine Händ'." . Die Großmutter faßte, beide Hände der Enkelin und fühlte in ihnen das Beben des jungfräulichen Herzen. So standen sie eine kleine Weile. Dann aber hob Malkoh an und frug mit ihrer ruhigen, festen Stimme, die wunderbar zart und mild sein konnte: „Händele, mein Kind, was hat Mendel Gibbor zu Dir gesagt?" „Großmutterle, Herz!" bat Handele, indem ihr glühendes Antlitz auf den wogenden Busen sich senkte. „Red'!" sagte Malkoh mit unwiderstehlicher Zärtlichkeit und so bittend, daß in Händeles Augen Tränen aufstiegen. „Red, ich mag hören die Red'!" „Großmutterle", flüsterte Handele fast unhörbar, „er hat hinter mir gestanden und hat meine sündigen Händ' gesehen tun ihr Werk,- und er hat gesagt: — sie hauchte die Worte noch unhörbarer hin — „Gott, Du Gelobter, wie gebenscht von Dir sind die Händ'!" Die Großniutter nahm die eine Hand Händeles an ihr Herz und legte ihren Arur um den Nacken der Enkelin. Darm sagte sie fest und ruhig: „Händele, mein Kind, die Weiber von unferm Blut haben nur gezittert vor Gott, dem Gelobten. Vergiß nit: Wir kommen her von den starken Herzen!" Die Niederlage, die ihn: Mendels Lustigkett heute bereitet hatte, ließ den armen Reb Abbele den ganzen Tag über keine Ruhe. Ihm schmeckte sein Mittag, bekam sein Mtttagsschläfchen, mundete seine Pfeife nicht, und sogar das Schnäpschen, das er zum Trost zu sich nahni, schien aller geisterfrischenden Kraft beraubt. Da in der ttefsten Tiefe der Verzweiflung ging ihm ein neuer Lichtstrahl auf. Es durchfuhr ihn wie ein Blitz der kühne Gedanke, ob nicht eben dasselbe gleiche Wörtchen so umgedreht werden könnte, daß^es auf einen lustigen Gibbor Passe. Roch vor Abend stand auch loirklich das Wörtchen auf Mendels Lustigkeü fix und fertig da. Freilich war es weniger leicht, es glücklich an den Mann zn bringen. Die Erfahrung von heute Vormittag hatte Reb Abbele gelehrt, was alle Erfinder zn meist außer acht lassen, daß die Erfindungen erst in prakttscher Anwendbarkeit ihres Lohnes gewärtig sein dürfen. Zu diesem Zweck, das Wörtchen lohnreich an den Mann zu bringen, machte er sich sofort auf und stellte sich in seine Haustür, das Terrain sorgfältiger zu rekognoszieren. (Fortsetzung folgt.) Cigarren-MQller, gr. EsehenheimerNtr.Sl. JUebfranensur 1/3. Knuontr. 47. ICigarrei JUebfrai «- garren garetten erstklassigen Urapunga, Partien So ei» Pech! Einer Begebenheit aus der Mitte des vorigen Jahrhunderts nacherzählt von L. R o s'e'n t h a l., Basel. (Fortsetzung.) Aber Tannenbaum war so leicht nicht aus dem Konzept -zu bringen. „50 Taler" sagte er kalt. „60" — Onkel Simon. „80" — übertrumpfte ihn der andere und nahm eine, Prise aus seiner silbernen anttken Schnupftabaksdose. Konunst Du mir so, alter Halunke, wlll ich Dir noch ganz anders kommen, dachte sich Onkel Simon und rief: „IM Taler!" Wenn er aber geglaubt hatte, damtt seinen Gegner nun endgültig aus dem Felde geschlagen zu haben, so täuschte er sich Cgewaltig, denn ganz gelassen und mit größter Seelenruhe sagte dieser: ,150 Taler!" Der dicke Getreidehändler bekam mm selber einen Schrecken und einen ganz roten Kopf. Aber zurücktreten — niemals. Ging es doch nicht aus seiner Tasthe; — und „koste es was es wolle" hatte ja Riekchen gesagt. Tannenbaums Gedankengang war der gleiche nur mit dem Unterschiede, daß er im Interesse seines Auftraggebers nicht über 450 Taler zu gehen gedachte. Eigentlich hätte er nicht mehr wie 400 bieten dürfen, aber schlimmstenfalls koimte er ja^ias Bttd selbst behalten, denn er witterte instinktiv, daß es von hohem Kunstwert war. Die fette Stimme Kluckhulms riß ihn ans seinen Betrachtungen. „150 Taler sind geboten! Wer bietet mehr?" >s -: ===. _