Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 14 (1916)
- Issue
- Heft 12 (24.3.1916)
- Date
- 1916-03-24
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4. Manstyrter WraeÜti^chÄ FEÜirMaÜ Nr, 12. ' SchillBnstn. /Äi "Telephon i,*863'Ö.' Seifen, lichtes)' Kammhhck Bttrstenwaren,! " Besen etc. ' CoBm’etlsche ’SpezIaliiSten. ■; I „Ich!" sprudelte Onkel Simon zornig hervor und schlug mit der Faust so kräftig auf den-Tisch, daß das Tintenfaß des Notars erschreckt in die Höhe hüpfte und ein dicker Klecks sein Aktenheft besudelte. „Ich gebe —." „Erlauben Sie 'mal", niiterbrach ihn da ein dürrer Herr mit langem Weißen Haar nick» einer goldenen Brille, indem er ihn etwas beiseite schob und zu dem Ausrufer getveudet sagte: „Einen Augenblick, — ich will nur das Bild ein wenig näher besehen. Sie gestatten es doch, Herr Notar?" Jener nickte zustimmend, und imchdem der fremde Herr sein Gesicht ganz in die Nähe des hcißumstrittencn Kausobjektes gebracht hatte — er schien kürzsichtig zu sein —, sagte er kurz und bestimint: , „Ich biete das Doppelte — 300 Taler." Das war ein harter Schlag für die beiden anderen. Aber Onkel Simon überwand ihn zähneknirschend auch diesmal. Als Kluckhuhn wieder den Hammer hob, rief er: „320 Taler." „Und fünfzig", näselte Tannenbauni kaltlächcud, indem er eine zwefte Prise nahm.- .--"''T „Daß Dich" — schrie Onkel Simon und sprang vor Wut von einem Bein auf das andere — 400 Taler V „Und fünfzig", sagte freundlich lächelnd der kleine Mann. Zog dann sein blaugewürfeltes Taschentuch und begamt, sich umständlich zu schneuzen: „So geb' ich 500!" jauchte förmlich vor Grimm mit übcrschnappcnder Stimme Onkel Simon. Der Blick, den er" dabei unter seinen buschigen Augenbraunen hervor auf den verhaßten Trödler schoß, glich dem Blinken eines halbgezogenen. Dolches, seine Fäuste ballten sich- und wenig fehlte, so wäre er ihn: an den Hals gesprungen. . * Der fremde Herr hatte nicht mehr mitgebote». Tannenbaüm überlegte. 500 Taler waren kein Pappenstiefel für Sally Stern, und er beschloß daher, nicht weiter mitzugehen. Mochte sein Widersacher das Blld behalten. Es kam ihm teuer genug. „500 Taler zum ersten — zum zweiten — und zum --. Kluckhuhn machte hier die übliche Kunstpause, aber cs blieb mäuschenstill. „Dritten!" beendete er den Handel. Der Hainnrer fiel. Onkel Simon hatte das Bild. „Maseltow!" rief ihm Tannenbauin zu und verließ lachend das Lokal. Voller Gift-sah ihm Onkel Simon nach. Der hatte ihm das Bild schön teuer gemacht, aber -* er war aus dem Felde geschlagen. Das kühlte des. Onkels Zornes-, glnt ein wenig. Denn entnahm er seiner Itwas abgegriffenen, fettigen Brieftasche fünf ähnlich «^sehende Hunderttalerscheinc, hmchigte sie dem Notar ein und ersuchte ihn, das Bild in die Wohnung des alten Joel Stern bringe^ zu lassen. ,,S' is 'n Geschenk von meiner Nichte- Riekchen . für' Sally, ihren Btäuügam", fügte er erläuternd hinzu. Das wurde gern gewahrt, und als der Kutscher , des Notars gegep Abend das Bild bei- Sallys Eltern abliefeüe, ließ^-diese es in die Stube ihres. Sohnes tragen, wo cs einstweilen auf dem Sofa seinen Platz fand. Die Alten-wußten ja von. der Sache, denn Sally hatte ihnen gegenüber kein Hehl daraus gemacht, daß er das Bild kaufen und Riekchen schenken wolle. .Gerne hätten sie erfahren, was es gekostet hätte, aber der Kutscher, dem Joel deswegen ein schönes Trinkgeld in die Hand drückte, konnte ihnen leider keine Auskunft darüber geben. Eine halbe Stunde danach kam Sally angefahrcu Aus den vielsagenden-^Mienen der alten Leute konnte er schon einigermaßen entirehmen, daß Tannenbaum seines Amtes gewaltet, und diese Vermutung . wurde zur Gewißheit, als sein Vater lächelnd, mit dem Daumen über die Schulter hinweg nach scincin rückwärts gelegenem Zimmer deutete. „Geh' Mal da rin' un guck, was for Dich angekommen is", sagte er. Sally hatte eine riesige Freude, als chm das schöne Blld mit dem breiten goldenen Prunkrahmcn vom Sofa. aus cntgcgenleuchtete. So dicht vor sich, kam cs ihm in dem kleinen Raum iwch well größer und eindrucksvoller vor als früher. Nur über den Kostenpunkt hätte auch er gernetwas Näheres gewußt. Gleich nach dem Abendessen machte er sich daher auf, um Tännenbainu dgrWer zü^befragem 7 Aber^ der war nicht-.z» Hause, , und die alte. Wagd, die ihm den Haushaltführte, - konnte ihm nicht angeben, wohin er gegangen sei. ' So mußte er denn warten, bis zum .nächsten Morgen, i Der Gang wurde chm aber erspart, denn als er früh um acht Uhr. zufällig zum Fenster hinaussah, bemerkte er. Tanneubauin, der eilig und eifrig gestikulierend mit einenr Geschäftsfreund die Straße .herabkam. Schnell riß Sally den Flügel auf undrief hinunter: „Tannenbaum — he Tannenbaum: Kommt doch mal 'n Augenblick 'rauf." „Keine Zeit jetzt, Herr Stern — muß zu einem. Termin auf das Amtgericht", lautete der Gegenrus, „nachher komme ich zu Ihnen und erzähl' Ihnen alles. Sind Se zufrieden mit incr, un Hab' ichs recht gemacht so?" „Sehr recht Tannenbauni. Aber, sagt mir doch wenigstens den Preis?" „500-Taler!" rief schon halb im Abgehen der Trödler zurück. Sally crschrack gewaltig. Eiskalt fiel es ihm in den Leib, hinein. Er hatte auf höchstens 200 bis 250 Taler gerechnet, und nun kostete ihn das BÄd doppelt so viel. Das ging über.seine Verhältnisse, — das konnte er sich nicht leisten. Wenn feine.Eltern es erfuhren, machten sie ihm gewiß schwere Vorwürfe. — .Da klopfte es lan der Tür, und auf Sallys „Herein!" erschien ein vornehm ausschendcr Herr in granein Rciseanzug auf der Schwelle. „Habe ich das Vergnügen, Herrn Stern zu sehen?" begann nach artigem Gruße der Eingetretene. „Zu dienen Herr —" „Kurt von Sch...." stellte sich der Fremde vor. „Ich bin der Neffe des verstorbenen Kainmerherrn und sah gestern Abend, daß dieses Bild da — er wies nach dem Sofa — hicrhergetragcw wurde. Ich möchte cs gern zurückkaufcn, da cs ein Familienandenken ist und meine schönsten Jugenderinnernngcn damit verknüpft sind. Würden Sie cs mir ablassen? Aus den Preis soll es mir nicht ankominen." * Sally fühlte eine Felsenlast von seinem Herzen gleiten. Wie eine Hinuuelsbotschaft klangen die Worte an sein Ohr. Gott sei gedankt, — er wurde das teure Ding wieder los und die 500 Taler ivarcn gerettet. Aber als kluger Geschäftsmann ließ er sich nichts merken. „Tja", sagte er gedehnt, „das ist so'ne Sache. Ich habe das Bild als Geschenk für meine Braut gekauft, und cs geht nicht gut, daß ich —" „Bester Herr", unterbrach ihn der andere, indem ein besorgter Ausdruck über sein sonnengcbräuntes Gesicht . flog, „es gibt. ja iwch so viele reizende Sachen, die nran Damen schenken kann. Ich wäre tief unglücklich, loenn ich dieses teure Familienstück fremden Händen überlassen müßte.. Weiß Ihr Fräulein Braut von der Sache?" „Das nicht Herr von Sch...... ich wollte sie damit überraschen." Nun also Verehrtester, — dann macht sich die Sache ja um so leichter. Ucberhaupt, — ein Bild. Paßt nicht für eine Danic. Ich bin überzeugt, Ivcnn Sic ihr einen Schmuck, eine Brochc, Halskette, ein Armband oder einen Brillantring kaufe»- werden Sie damit mehr Ehre einlcgen." Ein Brlllantring. Ja,, au den hatte Sally auch gleich wieder gedacht, als sich ihm die Aussicht eröffnete, aus dieser schlimmen Geschichte herauszukommen. War das doch seine ursprüngliche Idee gewesen. Riekchen wußte ja noch nichts von dem ganzen Handel, und so konnte er noch immer tun und lassen, toas er wollte. Welch ein Glück, daß dieser Herr iwch - zur rechten Zeit gekommen war.. ' . Der studierte indessen auftnerksam die Gesichtszügc Sallys. Er sah, daß er überlegte und eine gewisse -Fröhlichkcit nicht* verbergen konnte. Die Sache .stand gut. Als gewiegter Menschenkenner tat er, als ob er nicht länger lästig fallen möge und griff nach seinen, Hut. „Gott — er wird doch nicht fortgchcn Ivollcu", sagte sich ängstlich Sally, und laut setzte er. hinzu: „Sic meinen also, ich soll etwas anderes schenken? Es kommt mir jetzt selbst so vor, daß ein Gemälde nicht das Nichtige ist." „Ganz und gar nicht, Herr Stern. Also, — was verlangen Sic für das Bild?" „Nicht mehr, als cs mich selbst gekostet hat: 500 Taler." (Forisctzung folgt.) Jfiti Wi er©, - Optiker;?LieMEauen8t^. 1. 'Brillen, Flncenez, OpernglS$e$ Feldstgcheri in jS|der \v ' opt7*niecban. Spiel wären'. 7" f f; Ereiajäge .Eisenbahnen, Dampfmaschinen, Laterna-Vagiea, Kinematögraphq§retc. Kunst und Literatur. r Zur Renaissance der hebräischen Sprache. Bon Dr. C h. Laue r. Zürich 1915: Ostheiin. 32 S. 8°. (Ans: Jsr. Woche,tblatt.) . Joseph Kaplan ist der geistige Urheber dieser Schrift, die für seinem-Gedanken, die hebräische und jüdischdeutsche Schrift durch Schaffung neuer Schriftzeichen beweglicher und brauchbarer zu machen, aufswärmste rin- - tritt. ..Äkber so interessant der Vorschlag ist, so geht er z. T. von falschen Voraussetzungen aus. Deiii, die semitischen Sprachen sind durch die eigentümliche Art ihres Baues in ihrem Zusammenhänge durch die Konsonanten bestimmt und können der Bokalbezeichnung so sehr entraten, daß auch die große arabische Literatur noch heute durchaus die Bokalbezeichnung fortläßt. Darin folgen ihr sogar das Türkische, Persische und andere mit arabischen Buchstaben schreibende Sprache,ü > Das Jüdischdeutsche, das einer einheitlichen Orthographie bedarf, aber die Vokale schreibt, wird von den Kaplanschen Vorschlägen Vorteil haben können, tvenn sie muh in der vorliegenden Form noch nicht zur Ausführung kommen dürften. Bon Wert werden die neuen Zeichen für eine Transskription nichthebräischer, frenidsprachiger Wörter sein, und hebräische Bibliotheken werden bei der notwendig werdenden Schaffung einer hebräischen wissenschaftlichen Umschrift nichtsemitischer SpriN>en aus die Kaplanschen Vorschläge zur Schaffung ihrer Transskription zurückkommcn. Das isT Ibesoichers wichtig für Jerusalem. Freilich! haben die Sympathiekundgebungen von Nichtfachleuten wenig zu bedeuten. Aber die Vorschläge sind, auch so Iveit wir sie ablchnen müssen, interessant genug, um sie durchaus zu beachten und ernst zu prüfen. Jedensalls sind sie ein neues Zeichen, das; das totgeglaubte Hebräisch lebt und daß 'es alle Bedürfnisse einer lebenden Sprache hat. Heinrich Löewe. 11 n s er Garte n. Mit dem Beiblatt Tierzüchter und Tierfreund. Halbmonatsschrift mit Bildern. Bierteljährl. 1 Mk. Stuttgart, Franckhsche Verlagshandlnug. Bon der beliebten Zeitschrift liegen uns wieder die neuesten Hefte vor. SW bringen manche zeitgemäße Winke auch fürs Hans. Jeschurun. Monatsschrift sür Lehre und^Leben i», Judentum. Herausgebdr: Dr. I. Wohlgemuth. 3. Jhrg., 2. Heft. Berlin St. 24. Inhalt: Deutschland und die Ostjndensrage (I. W). — Welt- und Lebensanschaunng Ibsens in „Kaiser und Galiläer" (G. Kiwllcr). — Die Jcschiwoth in Rußland (I. Weinberg). Vornehme Form und sittlicher Ernst in. der Vertretung der Interessen des traditionellen Indent,,»^ zeichxnen diese Monatsschrift aus. Im vorliegenden Hefte beschäftigen sich des Herausgebers und I. Weinbergs Arbeiten mit dem Schulwesen im Osten, dem wichtigsten Mfgabcn-- bercich für die Zukunft des 'Ostjudentums. - Daß der Schwerpunkt in dem Aufbau und in dem Geist dieses Schulwesens liegt und Nicht in der Erhaltung des.Jiddischen als Unterrichtssprache, — darin stimmen wir^ mit. dem Herausgeber überein. Das lebhafte Eintreten für. das Jiddische' tvar trotzdem' berechtigt, cs hätte seine ' Ursache in der Gefahr, die das Polnische für die Jugend bedeuten würde.. Die Tat. Sozial-religiöse Monatsschrift für deutsche Kultur. Februar. 12. KriegShcft. Jena, Engen Diedrichs. Das Heft enthält N. a. einen Aufsatz von Alfred Lein»,: „Wir Deutschs,ide»".' Ueberspannt in Schreibweise und Gcdankeugesüge,' — und Doch'kann man nicht an diesem' Aufsatz vorübergehen. Bei alle», Widerspruch in Einzelheiten regt ,e^ dock. -VKnderS in seinen Schlußgcdankeü „lieber-dasHübisch-Deüksche zum Hebräischen, lieber Polen nach Palästiim" — zu^Unste», Nachdenken an. ,.; IliOmler & Lailsch l Tel.Hansa3i48. Frankfurt a.M., Liebfrauenbergliä.’l Specialbaus für Unterkleider und Strümpfe. I Niederlage echter Dr. Lahmarm-Wäsche. | Wocherr-Kalerrder. Zeitangaben nach dem Couch.1 Samstag, den 25 März l— 20. Adarscheini.) „ Sabbat-Anfang in Frankfurt a. M. 5 Uhr 15 Min. Säbbat-Ausgang in Frankfurt a. M. 6 Uhr 30 Min. in Berlin 7 Uhr 10 Min. Wochenabschnitt: Schcmini.-— Der achte-Tag der Eiilwcihnngsfcicrlichkeit. Der Tod der beiden Söhne Ahroiw Nadab und Abihu. Unerlaubter und erlaubter Genuß der Priester. Die Speisegesetze. Unreines. Parschas P o r o h. (4 Bch. M. Kap. . 19). Wochengottesdicnste in Frankfurt ü. M. Morgens: 6*/j Uhr in de» meisten Synagogen (Bockenhrim, Unterlindau 7~ Uhr, Hmchtsynagoge, Königfteinerstr. 7V» Uhr). , Meiws: Gy’i Uhr tu den meisten Synagogen (Bockenheim, Unterlindau 6 Uhr, Hauptshnagoge 4 Uhr, Kätngsteiiwrstr. 7 Uhr).