Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 14 (1916)
- Issue
- Heft 11 (17.3.1916)
- Date
- 1916-03-17
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 11 Seite 3. . Der Gesellschaft zur Fürderu«g der Wissenschaft des Jude utu m s wird wie bisher ein Jahresbeitrag von '1000 Mk. bewilligt. Der Fehlbetrag des P h'i l a u t h r o p i lt mit 106136 Mart wird nach" Bericht über die einzelnen Posten genehmigt. Die Ausgaben des Philauthropin sind mit 206 714 Mark angesetzt, dabon 185 374 Mk. für Gehälter ''iinb Pensionen. Sanitätsrat Dr. W i l h. ' H a nauer sprach den Wunsch aus, daß Professor Dr. Kracauer nach dem Kriege als Lehrer des Philauthropin entbunden werde und ganz als Geschichtsschreiber für die Frankfurter jüd. Geschichte im Dienste der Gemeinde tätig sein möge. Elias Oppenheimer brachte Wünsche des Publikums hinsichtlich der E h r e n g r ä b e r f ü r G e f a l l e n e zur Sprache. WohltStigkeitSfest. Das LYzenm der Israelit. Religionsgesell s ch a f t veranstaltete in der Frankfurt-Loge vor ausvcrkauftem Hause ein Wohltätigkeitsfest. Nach schauspielerischen Darbietungen der Schülerinnen auf der Bühne fand ein Bazar statt. Es war ein buntes und (reges Treiben. Das Ergebnis des schönen Abends dürste ,sür seine Zwecke ein sehr befriedigendes gewesen sein. Personalien. Vergangene Woche verschied iiach kurzem, aber schwerem Leiden Frau Amalie Wisloch geb. Gamburg. Das Hinschciden dieser edlen Frau hat weite Kreise mit tiefer Trauer erfüllt. Ganz besonders aber empfinden die Kranlcu des Gumpertz'scheu Siechenhauses und der Minka von Goldschmidt-Rothschild'schen Stiftung den schweren Berliist, denn die Verklärte war nahezu 25 Jahre Vorstandsdame der Anstalt und hat dort im Sinne ihres unvergeßlichen Vaters rmd Mitbegründers dieses Gemilnth- Chescd-Wcrkcs ein segensreiches Wirken ausgeübt. Wenn an der Bahre Rabbiner Dr. Jakob Horov itz in beredten Worten die Verstorbene mit der Königin Esther verglich, die gleich dieser durch ihr gütiges Wesen und durch stilles .Wohltun jeden bezauberte, so konnte dieser Gedanke nicht besser angewandt -verden, als auf ihre Tätigkeit im Siechenhause. Eine Esther war sie' dort, die den Kampf mit dem Hainau der Insassen (die Krankheit) auf sich nahm, indem sie durch ihre humorvolle Art ihnen über manchschmerzvollen Stunden hinweghalf. In diesem Sinne schilderte namens der Verwaltung des Gumpertz'scheu Siechenhauses und der Minka von Goldschmidt-Rothschild-Stiftnng Dr. Richard Merzb a ch dankerfüllt das Licbcswerk der Verklärten in den beiden Anstalten. An dem 25 j ü h r i g e n I u b i l ü u m des von Herrn H ermann W r o n k e r klein gegründeten und zur höchsten Entwicklung gebrachten Geschäftshauses nimmt man auch in der Frankfurter Judcnheit freudigen Anteil, denn Herr Wronkcr betätigt bei jeder Gelegenheit sein reges jüdisches Interesse und sein warmes jüdisches Herz. Kleine Notizen. Der ehrwürdigen Synagoge der israelit. M 8 nu er kr a n k enka sse — sie ist 250 Jahre alt — hat Atalermeister Josef Meier ein neues Jnnengewaud verliehen, das seinen Leistungen das beste Zenqnis ansstellt. Cigarren-MQllep, gr. Eschenheimerstr.31. JLIebfraueustr. 1/3. Tannnsstr. 47. ICigari JLIeb Ci garren garetten erstklassigen Ursprungs. Partien leuiKefon. W Mendel Mbbor. Novelle von Aron David Bernstein (Fortsetzung.) Die alte Malkoh hielt inne. Genendyl schwieg halb erschreckt, halb erstaunt über die Festigkeit und Handlungsweise eines Weibes, deren Wesen ihr unerreichbar, aber doch nicht unbegreiflich Ivar, seitdem sie Malkoh genauer kannte. In Handele kämpfte heiß Bewunderung ihrer Ahnin mit dem Gefühl jungfräulicher Schüchternheit; ihr Auge slammte> ihre Wangen glühten. Die alte Malkoh aber fuhr fort: „Sic ist stark gewesen, zu sehen Freud'; sie ist aber auch stark gewesen, zu sehen Leid! Als sie 78 Jahre alt war, haben ihre Augen gesehen dieChmielnickische Verfolgung, und wie man hereingetragen hat in ihre Stub' mit großer Klag' zwei junge Enkel — . blutig und tot. Da ist sie aüfgestandcn von ihrem Stuhl und hat gesagt: „Herr der Welt, Du hast gegeben auf mein Haupt in jungen Jahren die Krone des Königstums und hast sie wieder genommen; Du hast mich gekrönt als Weib mit der Krone der Gelehrsamkeit und hast sie wieder genommen; jetzund gibst Du mir die Krone der Märtyrer zu tragen; —, Hüter Israels, wie lange noch?" Und wie. sie hat gesehen auch die Kinder, hat sie ausgernfen: „Die Geliebten -und die Lieblichen, im Leben und im Tode sind sie" nicht getrennt." gr-anksurt« Israelitische« FamilicnMkt. Und dann hat sie geklagt: „Warum soll ich verlieren euch beide an einem Tage." . Aber ihr Herz ist geblieben Tin seiner Stärk' und Demütigkeit vor Gott, dem Gewaltigen." Die alte Malkoh machte eine Pause und setzte dann hinzu: „Ihr Verdienst soll uns Beistand sein, bis da kommt der Erlöser-! Amen!" ... Und dann senkte sie ihr Haupt und schwieg. " Handele beugte sich über den Arm der Großmutter und weinte in tiefer Erschütterung. Gcnendel aber erhob sich und rief in Tränen. „Ihr Verdienst und von allen ihren Kindern und Kindeskindern soll uns Beistand sein! Jetzund, Malkoh, habe ich gesehen eure Herrlichkeit und Größe und bitt' euch, gedenkt mir in eurer Stärke nit meine schwache Red!; laßt mich sein wie eine Magd vor euch, die eckch dient von ganzem Herzen." Malkoh schüttelte stumm ihr Haupt, als lvolle sie dem Gefühlsstrom Einhalt tun; abeitz sie streckte ihre Hand aus, und die Freundin ergriff diese mit beiden Händen und preßte sie in höchster Verehrung. Gcnendel empfahl sich mit sehr bewegtem Herzen und mit Tränen in den Augen. Auf der Gasse trat ihr Mendel Gibbor, ein Päckchen unter dem Arm, entgegen. „Mendel", sagte die seelenvolle Frau, „ich Hab' gehört, daß Gott, gelobt sei Er, von dir genommen hat deine Traurigkeit, und ich seh', dein Angesicht ist ivieder wie sonst. Gott soll dir stärken dein Herz zu allem Guten!" „Und Er soll stärken eure Jahr', denn ich seh', euer Antlitz ist lichtig von fronnnen Handlungen," entgegnete Mendel und schritt weiter. Genendel blickte ihm nach und sah zu ihrer Vertvundernng, daß er vor dem Hause Malkohs sinnend stehen blieb und es dann nach.einigem Zögern betrat. Der Abstand zlvischen der äußeren Lebensstellung Mendels und dem der alten Malkoh war so groß, daß Mendel zu keiner Zeit vor die ehrfurchtgebietende Frau hätte hintretcn können, ohne die tiefste Demut zu empfinden. Seit dem letzten Schewuanus-Borabcnd, da er unter ihrer gebieterischen Anordnung das Gotteshaus geschmückt hatte, durchschauerte ihn noch besonders der Gedanke an die Mächtigkeit ihrer Erscheinung. Konnte er sich doch kaum der Vorstellung erwehren, daß das Auge Malkohs, dem äußeren Licht verschlossen, mit einer ivunderbarcn Sehermacht begabt sei, Dinge zu durchschauen, die menschlichen Blicken verschlossen sind. Zudem hatte er in ihrer Begleitung auch Handele, dieses jugendfrische Abbild der Großniutter, gesehen, deren Gestalt von da ab nicht mehr aus seiner Erinnerung wich und jenen grübelnden Trübsinn in ihm hervorgerufcn hatte, dem er wie einem Zauber unterworfen war. Seit jener Zeit mied er. es, durch die Gasse zu gehen, in der Malkohs Haus stand. Fast wäre er seinem Handschlage untreu geworden, als der Gensdarm ihn zwingen wollte, sich an ihrem Hause vorüberführen zu lassen. Seine Empörung war damals so mächtig, daß er jetzt noch fühlte, wie leicht er einer Untat fähig gewesen lvärc, wenn nicht das Erscheinen des Wachtmeisters ihn der Schmach überhoben hätte, an Händeles Haus wie eiu Verbrecher vorbeigeführt zu werden. — Was er aber heute Nacht erfahren hatte, steigerte zwar das tiefe Gefühl der Demut vor Malkoh, aber cs hatte ihn doch wieder das Bewußtsein aufgerkchtet, durch Bande ewiger Dankbarkeit an sie gefesselt und somit ihr verbunden zu sein. Es war ihm daher sofort klar gewesen, daß er nunmehr in das Verhältnis bestimmter Pflichten zu Malkoh getreten sei. Als erste dieser Pflichten erkannte er die, vor sie hinzutreten und ihr das Gelübde der Dankbarkeit abzülegcn; als zweite, zu geloben, sich in der Fremde eine Lebensstellung zu erringen; als dritte, die er sich aber nur im Stillen gelobte, Händele zu vergessen. Doch Modele hatte in der schlichten Gradheit seines Herzens seinen Kräften zu viel zuget.raut, er hatte den überwältigenden Eindruck der unnahbaren Abgeschlossenheit Malkohs viel zu gering angeschlagen. Er hatte noch nie ein Wort persönlichen Inhalts an sie gerichtet und ahnte nicht, wie das leichteste Schütteln ihres Hauptes jedes Wort bannte, das sie nicht ausgesprcchen haben wollte. Er vermutete nicht, wie der erste Blick in die Stube, die er noch nie betreten hatte, ihn wortlos und die Nähe Händeles ihn willenlos machen und ihn sogar Worte sprechen lassen könne, die nicht in seiner Absicht lagen. Schon in der Haustüre befiel ihn eine Befangenheit. Er tat einige Schritte in dem engen Flur, stand an der offenen Stnbentür, — doch sein Fuß hielt wie gebarmt an der Schwelle still. Er blickte aus und erkannte sofort, wie Malkoh ihn schon am Tritt erkannt haben mußte, denn sie hatte sich im Lehnstuhl aufgcrichtet, das Antlitz ihm zugewandt, und die Bewegung ihres Hauptes verneinte so bestimmt die 'Bitte, die er aussprcchen wollte, als wäre sie schon über seine Lippen gekommen. (Fortsetzung folgt.) TEE-SCHMIDT NEUE intAnna 20. Tel. Hansa 1138. Nr. 17 Fünf-Uhr-Tee . . . Mk.5.40 „ 11 Ningchow-Congo-Mischg. 4.— Java-Blattbruch-Tee . . Mk. 3 —, 3.50 Kakao Soma Qualitäts-Kakao. '_ So ei» Pech! Einer Begebenheit aus der Mitte des vorigen Jahrhunderts nacherzählt von L. Rosenthal, Basel. (Fortsetzung.) „Ihr müßt mir 'n Gefallen tun, Tannenbaum. Ihr geht doch so wie so nächsten Mittwoch auf die Versteigerung der Sachen des alten Sch .... und da sollt Ihr etwas für mich kaufen." „Machen mer, Herr Stern — machen mer. Sagcm» Se nur, was es sein soll." „Ein Bild ist's. Ich will's meiner Braut schenken, und deshalb darf niemand davon wissen. Nr 16 steht auf dem Zettel, der daran hängt." „Ich Hab' die Sachen schon angesehen un auch de Bilder. Js 'n Kunstwerk Nr. 16. Niederländische Art. Kann „jauker" (teuer) werden." „Wieso jauker'? S' is doch'n altes, verbrauchtes Bild, un der Rahmen is das Beste daran." Der Alte schien auf diesen Einwurf nicht viel zu gehen. Er wiegte bedächtig den grapett Kopf und sagte: „'S is 'n feines Bild. Ich hatt' mer vorgenommcn, selber darauf zu bieten." „Wie hoch wär't Ihr da mitgegangen?" „Bis mindestens 400 Taler." Sally erschrak. 400 Taler: Das Brillantringelchen rückte wieder in den Vordergrund. Aber dann erinnerte er sich des Entzückens seiner Braut über das herrliche Bild, und — sein besseres Selbst siegte. „Schön also," sagte er, „geht mit bis zu 400 Taler oder auch noch etwas darüber, wenn es sein muß. Ich hosfe jedoch, daß Ihr es viel billiger kriegt. Wer hier in Z .... wird wohl so viel Geld für ein Bild ausgeben? So „bestußt" (übergeschnappt) is keiner. Einen Lujedor (Louisdor) bekommt Ihr von mir für's „Zassern", (Vermittelung), vielleicht auch zwei, wenn Ihr das Bild billig ersteht." „Abgemacht, Herr Stern. — Was ich tun kann, soll geschehen." Ein Handschlag besiegelte das Abkommen „.Dann verließ Sally das Häuschen des Trödlers durch eine Hintertür und schritt, vorsichtig um sich spähend, wieder dem väterlichen Geschäft zu. Er war überzeugt, daß von den hiesigen Bürgern keiner für ein halbverrämhertes, altes Bild, das allein bei dem Kammerherrn schon Gott weiß wie viele Jahre gehangen hatte, viel bieten würde. , Unterdessen war aber auch Riekchen nicht müßig geblieben. Bon dem gleichen Gedanken beseelt wie Sally, hatte sie ihren Onkel mütterlicherseits, den verwitweten Getreidehändler Simon Meier, aufgesucht, ihn in ihr Vorhaben eingcwekht und beauftragt, das Bild Nr. 16 zu versteigern, koste es, was cs wolle. Für ihren geliebten Sally wäre ihr nichts zu teuer. Allerdings dachte auch sie dabei nur an eine Summe von höchstens 2 bis 300 Talern, vielleicht aber kam die Sache noch viel billiger. Man sieht: auch hier zeigte sich die „Uebereinstimmung ihrer Gedanken mit denen Sallys", die sie gestern so betont hatte, auf's neue. Jedenfalls kostet das Bild kaum mehr, als sie für die bewußte Uhr und Kette ausgegeben hätte. Onkel Simon gab ihr die Versicherung, daß sic sich auf ihn verlassen könne, nur solle sie keinem Menschen etwas sagen. „Sticken" (Stillschweigen) sei eine Hauptsache bei dergleichen Händeln. Das versprach' Riekchen gern. „Unglück nimm Deinen" Lauf!" sagt irgendwo der Dichter. Und so kam denn auch alles, wie es komnien mußte. Die Auktion war im besten Gange. 'Auf einem, »erhöhten Platze stand Kluckhuhn, der Burcaudicner des Notars, und rief die Gegenstände der Reihe nach aus: Neben ihm an einem Tische saß dieser selbst und trug