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Neue jüdische Presse · 1916-03-10 · Heft 10 (10.3.1916) · p. Seite 3

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
14 (1916)
Issue
Heft 10 (10.3.1916)
Date
1916-03-10
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 10. gcunit urtet ISraeittischeS FamilirnAM. Seite V. TEE^CHMIDTViaT NETTE SBAVB 90. Tel. Hansa 1136. Nr. 17 Fünf-Uhr-Tee . . . Mk. 5.40 „ 11 Ningchow-Congo-Mischg. „ 4.— Java-Blattbruch-Tee . . Mk. 3—, 3.50 (ikao Koma Quali*äts.K*kao. Perloualie» u. Kleine Mitteiluugev Berlin. Der dieser Lage verdorbene Dr. Felix G o l d m a n it leitete die Berliner Abteilung der Farbensabrike» vorm. Bayer, Elberfeld und war Schriftführer der Deutschen pharmazeutischen Gesellschaft, Schriftleiter der von dieser herausgegcbcnen Berichte und Bcrtranensniaml der pharmazeutisch-chemischen Großindustrie Deutschlands. München. Dr. Heinrich Harburger, Senatspräsident am Oberlandesgericht und Universitätsprofessor, einer der bedeutendsten Straf-- .und Völkerrechtslehrer Deutschlands, ist — 65 Jahre alt — verschieden. Sein Bruder, Justizrat Dr. Jsak Harburger, gehört dem Vorstande der hiesigen jüd. Gemeinde an. München. Justiz'at Dr. Isidor Harburger II ist zum Geheimen H o f r a t ernanntworden. Pose«. .Max Lewin aus M o g i t n o spendete anläßlich seines 60. Geburtstages der Stadt 10000 Mk. für Kriegsbeschädigte nnd der jüd. Gemeinde 3000 Mk. für wohltätige Zwecke. Louis Feilchcnfeld, früher hier, jetzt in Berlin wohnhaft, vermachte der Stadt Posen 30 000 Mk. für 10 uneheliche Kinder. Die. Re p.r äsen taute n der hiesigen jüdischen Gemeinde wählten zu ihrem Vorsitzenden Geh. Kommerzienrat Herz nnd zu ihrem stell». Vorsitzenden Manassc Werner. Ferner wählten sie in der Ergänzungswahl für den Bor st and Bankdircktor Goldschmidt, Geh. Justizrat Salomo n, Rentier Salo Geliert und P incns Pleß ner. Wien. MedizinaUat, kaiserl. Rar Dr. Moritz Hay, der, sich um die Einführung der tierischen Impfung in Oesterreich große Verdienste erworben hat, ist im 81. Lebensjahre verschieden. Budapett. In Nyitra-Zsambokret verschied, 70 Jahre alt — Rafael Ull m aun, der in weiten Kreisen durch sein großes jüdisches Wissen und seine Wohltätigkeit bekannt war, und in Tab — 74 Jahre alt — die Witwe Salonion Elzner, Schwiegermutter des streng traditionell gesinnten Advokaten Simon Stern in Budapest, eine sehr wohltätige Frau. Elonlni «Polen! Rabbiner Cbajim Mordechai Weizel ist im Alter von -87 Jahren verschieden. Er hat mehrere Werke 'hinterlassen, i. Sonftantinovel. In Mesopotamien sind nach reichlichen Regengüssen, die E r n t e a n s s i ch t e n sehr gut. l In Syrien hat die Behörde unter die Hort ^ansässigen ärmeren Landwirte Saatgctreide im Werte von 10000 türk. Pfund verteilt. Rew-Aork. In Hartford lConn.1 verschiede— 75 Jahre alt — Rabbiner Dr. M eher E l k i n. Cigarren-UQIIep, gr. Eschenhei nerstr.31.1 -Idebfirauenstr. 1/3. Tannoastr. 47. B CiPartien! _erotklasBigop Ursprungs. ■ Frankfurter Berichte. Ausschutz der israelitischen Gemeinde. Der Ausschuß genehmigte zum Ausgleich des Haushaltsplan der Religio ns sch ule für 1016/17 einen Zuschuß von 18 300 Mk. Der Berichterstatter Hugo Frankel wies auf den .steigenden Zuspruch der Schule hin, die heute über 600 Schüler zählt. Eine sehr lauge und interessante Debatte hatte der nächste Gegenstand der Tagesordnung — Haushaltsplan des Krankenhauses pro 1016/17 — zur Folge. Er sieht znm Ausgleich des Fehlbetrages einen Zuschuß der Gemeinde von 234 000 Mk. vor. Im alten. Krankenhaus verlangte der letzte Haushaltsplan 60 000 Mk. Zuschuß. Hier ist folgendes zu bemerken: das alte Krankenhaus hatte ein Vermögen, das 25 000 Mk. jährl. brachte, und das nun in den Besitz der Gemeinde übergegangen ist. Des weiteren läßt sich für das jetzige Krankenhaus erst in Friedenszeiten mit normalen Bedingungen ein richtiger Haushaltsplan aufstellen. Jetzt hat das Krankenhaus ei» Lazarett mit 100 Soldaten, und dann sind die Ausgaben für Lebensmittel ganz gewaltig gestiegen. So sieht z. B. der Haushaltsplan für Fleisch 00000 Mk. statt vorher 70 000 Mark vor. Der Berichterstatter Sanitätsrat Dr. H a n a u c r gab einen sehr eingehenden Überblick über die Rechnung: er sprach die Ansicht aus, daß sich der Fehlbetrag nicht wesentlich verringern lassen werde. Es müsse darauf das Hauptgewicht gelegt werden, daß das Krankenhaus als eine Wohlfahrtseinrichtung aus der Mitte der Gemeinde größere Spenden nnd Stiftungen erhalte. Für diesen Zweck müsse eine Kommission geschaffen werde». Die Genehmigung des Zuschusses wurde noch ausgesetzt, da erst beraten werden soll, wie. er noch.zu verringern sei. Zuerst schilderte Frl. Rose Weinberg einfach und schlicht und trotzdem lebenswarm den Menschen und den Dichter- Hugo Zuckermaim. Sie zeigte uns, wie er, "von dem wir mit Freude und Stolz sagen dürfen, daß er zu uns gehörte, in einer Umgebung mifwuchs, in der alles Jüdische ängstlich vertuscht wurde, wie das Werk Theodor Herzls eine Erlösung für ihn wurde, wie er, still und bescheiden und nur von wenigen Freunden gewürdigt, dem Judentum lebte und dabei Gedichte von seltener Schönheit schuf; wie er dann schließlich durch sein prachtvolles „Reitcrlied" plötzlich berühmt wurde und kurz darauf im Kampf gegen Rußland, den Feind seines Volkes und seines Vaterlandes, den Heldentod fand. Frl. Irma Weinberg las dann noch einige der schönsten und charakteristischsten Gedichte Zuckerinanns vor. - Der Albend war einer der bestgelungendsten, die die zion. Jugendgruppe in diesem Winter veranstaltet hat, und hat wohl allen Anwesenden viel Genuß nnd Freude verschafft. G. K. Personalien. Einer jener harmonischen Frauengeftalten, wie sie das von den Vätern überlieferte Judentum erziehen will, ist in Frau Rauchen Bock geb. Bachrach, Witwe des Herrn Mayer Bock s. Al-, dahingegangcn. Gewissenhaft in der Erfüllung ihrer jüdischen Pflichte», voll Herzensgute und stets gern verzeihendem Verständnis ihren Mitmenschen gegenüber, eine unermüdliche Verwalterin ihres Hauswesens nnd getragen von lebendigen geistigen Interessen, war sic die verehrungswürdige und verehrte Partriarchin eines großen Familienkreises. Im hohen Alter von 66 Jahren ist sie, bis zuletzt geistig frisch und gesund, an Altersschwäche sanft entschlafen. „VICTORIA« Erste Berliner Wäscherei und Glan2-Plätterei Han«« Tel. 2002. Jg GatlCUtSträSSB 18. Haas« Tal 2002 Spezialität; Kinetin. Manschelten nnd Hemden. Mlhbi. Mendel Wbbor. Novelle von Aron David Bernstein (Fortsetzung.) ' „Bernehmen nnd hören sollt ihr's, daß unsere Aeltermutter Handele, ihr Andenken ist zum Segen, nach der genannt worden sind alle Händeles Geschlecht nach Geschlecht in unserer Familie, gewesen ist die Mutter von den starken Herzen. Alle Töchter, Enkelinnen und Urenkelinnen, die crstzrossen sind von ihrem Geblüt, haben gelernt und geerbt von ihr, zu sein stark in Leid und demütig in Freud." Sie machte eine Pause und sprach dann im Tone höchster Feierlichkeit die Worte: „Wir sind von königlichem Geblüt!" Der Ruhm der königlichen Abstammung ihrer Familie war in der Gemeinde bekannt. Die Ueberlieferung, daß in der Zeit Polens als Wahlreich ein Jude Namens Saul Wahl eine Nacht über die Krone des Reiches getragen hatte, lebte damals im Munde vieler Zeitgenossen, und sie hat sich bis auf die Gegenwart im Andenken aller Familien gehalten, die sich zu den Nachkommen jenes Stammes. zählten. Die Tatsache >var Genendel und Handele nicht neu. Aber Malkoh sprach nur äußerst selten von ihr und dann stets in solcher Feierlichkeit, daß der Eindruck ihrer Worte, unterstützt von der Hoheit ihres Wesens und dem Ernst ihrer Züge, ein mächtiger war. „Der König, unser Aeltervater," fuhr sie hierauf unter mächtiger Anstrengung, sich von ihrem Sitze aufzurichten, fort, „Rcb Saul Wahl hat gehabt fünf Söhne und zwei Töchter, und die jüngste von all den Kindern hat geheißen Handele. Sie ist gewesen schön von Gestalt und lieblich von Antlitz, mehr aber noch geziert mit Weisheit und Gottesfurcht, daß ihr Name gedrungen ist in alle Gemeinden und in alle Länder, wo Juden gehört haben von der Größe unseres Aeltervaters." Und cs war nach den Zeiten, wo alle Kinder bis auf Handele sind versorgt gewesen mit großem Reichtuni und großer Ehre, und der König hat gesessen auf seinem Stuhl in Brinsk, vor den gekommen sind Grafen und Fürsten, sich bei ihm Rat zu holen in Sachen des Rechts und in Sachen des Landes. Ta hat sich sein Herz erhoben und — wir sind alle sündig vor Gott, gelobt sei Er! — Wie kann lauter sein der Mensch vor Gott und vor deni Schöpfer rein der Erschaffene. Auf seine-Diener und seine Engel, ist nit Verlaß, um so weniger auf uns. Zuckermann-Abend. Schön und stimmungsvoll war die letzte Zusannuenkunst der zionistischen Jugendgruppe. Frl. Rn s e und Irma Weinberg boten Mitgliedern und Gästen der Jugendgruppe einen Zuckermann-Abend. ZU. Wlere, Optiker, Liebtrauenstr. ]. Brillen, Plncenez, Operngläser, Feldstecherl in jeder opt.-mechan. Spielwaren | Preislage Eisenbahnen. Dampfmaschinen, laterna-Haaica, Kinimatograpiion etc Gerade die gegenwärtige Zeit erheischt besondere Aufmerksamkeit auf alle Erkrankungen der Atmungsorgane. Gebrauchen Sie daher sofort gegen Husten, Heiserkeit u. dgl. die altbewährt»iKFay’s ächten Sodener Miner* 1-Pa*tillen. Preis nach wie vor nur 85 Pfg die Schachtel. die wir kommen vom Staub und werden zur Verzehrung vor dem Wurm. Wir haben gesündigt! — der König Saul ist geworden — hochmütig." — Die alte Malkoh sprach diese Worte in tiefster Demut, das Haupt tief auf die Brust gesenkt. Nunmehr hielt sie inne und murmelte leise das Sündenbekenntnis vor sich hin, während sie die Faust sanft gegen ihr Herz schlug. Genendel und Händele sahen es und tat ein Gleiches. Nach einer Weile fuhr die alte Malkoh fort: „Es sind gekommen Rabbinen von allen Ecken der Welt, von den Weisen Italiens nnd Frankreichs und Deutschlands, von Böhmen und Polen und haben ge- . bracht vor seinen Stuhl die jungen Talmud-Jünger, die da ausgezeichnet sind gewesen an Gelehrsamkeit, daß er möge Einem geben sein Kind Händele. 'Aber er hat alle beschämt und hat sie nicht gewollt geben. Und danach ist gekommen der „Stotz der Zeitalters" von Prag und hat gebracht seinen Sohn, den man als Achtzehnjährigen schon „Rabi Reb" Haschil genannt hüt, daß der Händele möge zum Weib nehmen. Aber da der König, unser Aeltervater, auch dem die Beschämung antat, har die Welt begonnen zu murren gegen den König, nnd Reb Liesers in Brisk, einer der Vornehmsten und Reichsten, hat am gleichen Tage seine Tochter an Rabbi Reb Haschil gegeben, daß nit, Gott bewahre, eine Versündigung komme in die Khillc. Mitten in der Nacht hat sich Händele still erhoben von ihrem Lager, hat sich ihre Hände gewaschen und ihr Angesicht und hat sich gestellt vor Gott und geredt: ,Zerr der Welt! Wenn Einer von unserm Haus ist sündig geworden vor Deinem helligen Antlitz, laß' vor Dich konrmen das Gebet Deiner Magd nnd halt' Deine Hand vom Strafen zurück, solang' offen sind die Augen Meines Vaters, des Königs. Gedenk', wie er gebaut hat Dein Haus und das Haus für Deines heilige Lehre und die Häuser für Kranke und für Witwen^ und Waisen, und wie er Deinen Namen hat gchelligt : vor aller Welt, — und laß' ihn sehen Dein Erbarmen und nit Dein Gericht. — Mir aber mach' stark das Herz, daß ich stehe vor ihm und diene ihnr freudig all die Tag', — und wie ich trag' seine Liebe so groß, so laß' mich tragen all' seine Last." So hat sie gebetet und hat gefastet zwei Tag' in der Woch', — nnd Gott, gelobt sei Er, hat erhört ihr Gebet. Sie hat erfreut den König, ihren Vater, daß er nit gewußt hat von ihrem Leid, und hat ihm gedient noch drei Jahr, bis sein Tag ist gekommen, wo seine Seele ist anfgestiegen, zu ruhen unter den Fittigen der Herrlichkeit." Die alte Malkoh hielt inne. 'Aber eine leise Bewegung ihrer Hand deutete an, daß der Hauptteil ihrer Erzählung erst beginne. Genendel iveinte. Händele, die Erbin des starken Herzens, lehnte sich, vom Schauer hoher ^Andacht durchrieselt, an den Stuhl der Großmutter.^ Beide schweigen. Nach einer Weile hob Malkoh wiederum an: „Zwei Jahr' nach dem Tod von dem König, unseren! Aeltervater, hat sich niedergelegt Dino, das Weib von Rabbi Reb Haschil. Bevor ihr ausging die Seele, hat sie ihren Mann rufen lassen und hat zu ihm gesagt: „Ich beschwöre Dich, daß Du nit nimmst ein Weib von den Feinde» unserer Familie." Und' Dino ist gestorben. Wie das Jahr vorbei war uno Rabbi Reb Haschil hat nit genommen ein Weib, hat Handele einen Brief geschrieben in der heiligen Sprache an Rabbi Reb Haschil und hat ihn darin gebeten mit kluger Red', zu ihr zu kommen in der Mittagszeit; sie werde warten aus dem Gang an der Stufe, die Da führt vom Beth- Hamidrasch hinunter nach der Franen-Abteilung. Sic hat unter gestanden an der Stufe, und ihr 'Antlitz ist bleich gewesen, denn sic hat gefastet vor Gott, gelobt sei Er. Und cs hat sich geöffnet die Tür vom - Beth-Hamidrasch, und es ist gekomnien Rabbi Reb Haschil in den Gang. Ta hat sie ihren Schleier genommen und hat ihr Angesicht verdeckt. Er hat angehoben und, hat sic gefragt: „Was hast Du inich anfgestört'?"

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