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Neue jüdische Presse · 1916-03-03 · Heft 9 (3.3.1916) · p. Seite 3

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
14 (1916)
Issue
Heft 9 (3.3.1916)
Date
1916-03-03
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 9 Humffuctet FSrnelttisch« FamilienSlütt. . Nürnvera Oberleutnant Josef Hesselberger, Mitinhaber, der Firma Gebr. Hessetbcrger, erhielt Pas Eiserne Lirenz 1. Kl. Er besitzt bereits das Eiserne Kreuz 2. Kl., deii bayer- Militärverdienstorden und den türk? Halbmond. Posen. Rote Kreuz-Medaillen 3. Kl. haben erhalten: Frau Dr. Olga 5k r e i t in a n n - Krotoschin, Frau Justizrat Asch-Pose», Frau Fabrikbesitzer Therese Ä ro n--Bromberg, Frau Kaufmann Anna Auerbach- , Posen und Frau I o h a u n n U n g e r -- Schriinm. Mit der Verleihung des Eifer n e n K reuzes wurden misgezeichuet: Bataillonsarzt Dr. Leo Kvcheiui i»i * Westen, Sohn des Kaufmanns Isidor Kocheim in Posen, Pizewachtmeister F e l ix H a r l a m, Sohn des Gutsbesitzers Max Harlam und Sanitätsfeldwebel Leo Mat-, thias ans Koschinin, Sohn des Kaufmanns und Ratsherrn A. Matthias in Koschmin. Donai. Die Bakteriologin Ruth Levh kund die Schwester Jenny Stiebel wurden mit der Roten KrcuzM ed aille 3. Kl. ausgezeichnet. Wien. Blochs „Oesterr. Wochentchrift" verzeichnet in ihrer jüngsten Nummer folgende Auszeichnungen a» Juden: 1 Ritterkreuz des Franz Josef-Ordens/4 Militürverdieilstkrenzc 3. Kl., 24 Signum laudis, 5 goldene Berdienstkreuze mit der Kroiie, 9 goldene Berdienstkreuze, 27 silberne Berdienstkreuze mit der Krone, 3 silberne Berdienstkreuze, 9 silberne Tapferkeitsinedaillen-1. Kl., 29 silberne Tapferkeitsmedaillen 2. Kl., 48 bronzene Tapserkeitsinedaillen, zusammen 159 Auszeichnungen; hiervon 49 an Offiziere des Soldatenstandes, 17. an Militärärzte und Militärbeamte und 93 an Personen des Mannschaftsstandes. Prag. Fliegerleutnant Hermann Back. Sohn Rabbiners Dr. Back s. 4t. in sniichow, erhielt das Eiserne Kr e n z. - ICigari Web: Ci Cigarren-MQHer, gr. Eschen h ei merstr. 31. Webfirauenstr. 1/3. Taannsstr. 47. garren Partien garetten rariien erstklassigen Ursprungs. I Frankfurter^ Berichte. Kleine Rottze«. Der in u s i k a-l i s ch e Abend des Phil a » t h r op i n e r - B e r e i n s bot einen vollwertigen künstlerischen Genuß. Das Publikum spendete reichen Beifall, ganz besonders aber dein tvnndervollen Gesang Kantors S ch euerm a n n von der Synagbgc Königsteinerstraße. Wie wir erfahren, wird Frau Dr. Heiue.mauu ihr bekanntes Pensionat am 1. April 1916 an Frau A m a - lie R o s e n t h a l e r, hier übertragen. Das mit dem Pensionat verbundene L y z e u m wird . selbstverständlich hierdurch nicht berührt und auch in Zukunft durch Frau Dr. Heinemann iveitergeführt werden. Mendel Gibbor. Novelle von Aron David Bernstein leniOetoib Ü (Fortsetzung.) Auch heute wieder sah Geuendel, ausgestattet mit den neuesten Ereignissen der Gemeinde, bei der alten Malkoh, und Handele, an ihrem Klöpfelkissen tätig, horchte den Mitteilungen und den sich daran anschließenden Gesprächen mit so reger Aufmerksamkeit, daß-Äe , Großmutter öfters als sonst ans den veränderlichen Gang der Klöpfel horchte. Genendel war ivie immer in aufgeregter Stimmung. Sie erzählte mit Heiterkeit, Ivie Reb Abbcle, dieser. ,)Weibergelehrte", so gar komisch um sein gleich Wörtchen Rn», das er auf Mendels Traurigkeit ausgesonngn hatte. Die alte Malkoh schüttelte das Haupt in tiefer Mißbilligung gegen Reb Abbeles gleiche Wörtchen, und Händeles Klöpfel flogen so sicher und frisch, als wäre auch ihr die Niederlage des Witzlings gar recht. Geuendel versicherte, daß Mendel munterer als seit langer Zeit sei; Malkohs Haupt winkte Billigung, und Händeles Klöpfel jagten lebhafter dahin. Endlich teilte Geuendel den Entschluß Mendels mit, nach England zu gehen: Malkoh richtete ihr Haupt ans und sann, und Händeles Klöpfel schienen auch einen Augenblick sinnend still zu stehen, dann aber flogen sie plötzlich, wie von gar ~ heftigen Pulsen getrieben, weiter, „Der grobe Mensch", sagte Malkob int Tone der höchsten Mißachtung gegen Reb Abbele, „der sein Lebtag nit würdig gewesen ist, bei meinem Mann, gesegnet ^fei sein Andenken, zum Talmudvortrag zu kommen, > will Bibelaussprüche auslegen auf die Traurigkeit von einem Gibbor! Ein Gibbor ist uft traurig!" , „Nun", fiel Genendel lebhaft ein, „das weiß ich nit! Ich Hab' gesehen Chaskel Gibbor, er ist traurig gewesen. Ich gedenk' noch, wie Chaskels Pater. Meier Gibbor, den sie gerufen haben Meier Bauer, ist auch traurig gelorsen, Ich mein!.,-. . " Malkoh richtete nicht nur ihr Haupt höher aus, sie belvegte auch als Zeichen seltener Lebhaftigkeit die Hand, idli die-Rede Genendels zu niiterbrechen- TEE-SCHMIDTÄ' NEUE TfRAlfR 30. Tel. Hansa nas. . Nr.17 Fünf-Uhr-Teo . . . Mk.5.40 „ 11 NiDgchow-Congo-Miachg. „ 4.— Java-Blattbruch-Tee •. . Mk. 3 —, 3,50 Ktkin Soma Qualitäts-Kakao. „Ich mein'", sagte sie, „daß König David gewußt hat, was ein Gibbor ist, denn er hat ihrer siebenunddreißig gehabt, die begnadet worden sind, daß er ihre Namen einschrieb in die Schrift, lind König David hat gesagt:. „Ein Gibbor ist freudig", wie es steht: „Freudig wie der Gibbor, der oa rennt in der BahA" Malkoh' schwieg, Genendel erklärte sich überwunden, und Händeles' Klöpfel jagten dahin, als ob sie einen Helden begleiten wollten in seinem heißen Wettlauf ans der Rennbahn. Plötzlich jedoch hielten die Klöpfel inne, und die Großinutterschien zu verstehen, an welch' unlöslichen Knotenpunkt die Gedankenfäden Händeles geraten sein mochten. Sic dcgann wieder, aber in dem ruhigen Tone ihrer überlegenen Betrachtungsweise: „Der Gibborder da hat ein gut' Herz, ist nur traurig, wenn er keinem kann helfen mit seinem starken Arm; dem man da nimmt seinen Handschlag, daß er sich muß mehr gefallen lassen von jedem .Hochmütigen und llebermütigen wie andere Leut'. Dann wird er wie ein Mensch, der verstummt, wie es heißt: „Warum muß ich sein wie ein verstummender Mensch und wie ein Gibbor, der mit. seiner Stärke nit kann helfen?" Händeles Zweifel war gelöst. Sie hatte viel gesonnen über den sprichwörtlich gewordenen Trübsinn des Gibbor, dessen Mächtigkeit, Freudigkeit, Tienstwilligkeit, Bescheidenheit und Körpergewandtheit sie noch am letzten Schewuaus-Vorabend bewundert hatte. Die beiden Greisinnen waren »oieder in einen lebhaften Wortstreit geraten) da Genendel nochmals Reb Abbeles gedacht und ihn wiederum einen „Weibergelehrten" genannt hatte. „Soll ich leben!" rief Genendel lebhaft aus, „wenn Gott, der Gelobte, einmal gesagt hat zu Eva: „Er soll dich beherrschen!" — was haben wir da zu reden gegen sein heilig Wort! Hat er nit uns Weibern gegeben ein schwach Herz, das da will haben seinen Herrscher, wie es heißt: „Auf ihn wird sein dein Gelüste." Die alte Malkoh war verletzt. „Handele, mein Kind", sagte sie, in ilebcrlegeicheit lächelnd, „nieinst Du, daß die heilige Schrift hat gestellt „Er soll dich beherrschen" unter die 618 Gebote, daß wir Weiber sie sollen verwirklichen? — Es ist nit also; es steht gesagt als Fluch, als Straf' für die harten Herzen, die da sündigen^ machen den Man». Es heißt daneben: „Die Erde soll lassen.hervorsprossen Disteln und Dornen!" Nun wirst Du meinen, das ist auch ein Gebot, und es ist eine Sünde, wenn man ausreißt die Dörner, — und es ist Stolz, wenn der Mensch will wachsen lassen gute Getreidearten und schöne Früchte, über die man Segenssprüche sagt. — Die schwachen Herzen der Weiber sind es, die da machen aus „Er soll dich beherrschen" ein neues Gebot für die Männer, auf die da steht ihr Gelüste. — Handele, mein Kind, Du sollst wissen und nit vergessen: wir sind nit von den schwachen Herzen, wir kommen 'her von den starken Herzen!" Der Nachdruck, den die alte Malkoh auf die letzten Worte legte, war für die Zuhorerinnen ein hinreichendes Zeugnis, daß in ihr wiederum eine Begebenheit aus der Geschichte ihrer Borfahren lebendig wurde. Händelc verließ daher ihren Sitz und begab sich an den Lehnstuhl der Großmutter; Genendel schwieg in ehrfurchtsvoller Aufinerksamkeir, und die alle Malkoh, versöhnt durch dieses Schweigen, wandte sich nacki einer Panse mit. folgenden Worten an beide: „Das schwache Herz vom Weib macht es bald stolz und hofsärtig; das starke Herz aber'bewahrt cs vor Sund' ilnd macht cs dennllig vor Gott, gelobt fick "Er, und vor dem Mann, mit dem die Ehe ist vom Himmel!" Die Feierlichkeit, nnt der sie sprach, ließ erkennen, daß sie zu einer -Lebenslehre allgemeinen EharakterS den geschichtlichen Beleg beiznbringen bereit war. Tie alte Freundin uno die Enkelin unterbrachen daher die Pause, die Malkoh jetzt inachte, mit keinem Worte. lieber das Antlitz Malkohs fuhr ein Strahl froher , Andacht. Die Verklärung ihrer Züge zeigt, daß der I Offenbaeber Draeklafl-iJilag» I l OffIllbach LB. Telefon 123. (AnBchlnss mitFrankfart) I I Bewährteste Tspplehrelnlpaho (100,000 qm jährlicbil I dowie-unObartroftanc Bettenu. Battfedernralnl-1 kna BnnP-UnttsIst Druckluft und Wnsserdampf. EMM Seite 8. Geist verklärter Vorfahren sie überkam, und es geschah während der ganzen Erzählung, daß, so oft die Greisin des Namens. einer chrer Vorfahren gedachte, sie in ihrem Lehnstuhl die Bewegung machte, als wolle sic sich erheben und verbeugen, weil sie sich nicht würdig fühle, sitzend und aufrecht ihrer hohen Namen zu gedenken. Vom Alker weniger behindert, erhob sich daher Genendel, so oft sic dies sah. wirklich ein wenig von ihrem Sitz, und Händele. die aufgcrichtet stand, verneigte zu Ehren jedes ihrer Vorfahren andachtsvoll ihr jungfräuliches Haupt. (Fortsetzung folgt.) Siegeslichtlei«.. - Bon Jacob Diamant. (Schluß). Wie wars geschehen?! Der arme, in Lumpen gehüllte Junge lag an Isis Brust, lind dieser, dem noch vor wenigen Monden alles Indische zuwider war, drückte den Kleinen immer fester: „Wir werden euch rächen ..." Das war die Hülle! Wo nahmen nur die Elenden so viel Munition! Und welch ein Treffen war das heute! Sie schossen sonst immer fehl! . . . Zum Teufel! auch der Dürrer ... der arme Dürrer! Die Besten nehmen sie uns, die Halunken! Mord und .Hölle! auch der rechte, auch der linke Nachbar! Run geht cs an dich! An mich? — — Ich . . . ich zermalme euch! mich holt Ihr nicht eher, als bis . . . Was war das? Nein, nein! ich darf nicht sterben; habe noch eine Aufgabe! . . . eine heilige Aufgabe! „Ihr sollte eich nokem sein far de Jüden . . -far mein Onkel . . . far mein Tante . . . und far de liebe Rosele . . . Sie sollen nisch mehr de Juden schlogen . . ." Entsetzlich! Wenn man doch vorwärts dürfte! Noch kein Befehl! Noch immer keiner! Wie lange das doch dauert! Wie lange! wie lange! Daß cs nur nicht zu spät wird! ... Endlich! „Vorwärts!" Wie ein hungriger, entfesselter Löwe stürzte sich Jsi in die feindliche Stellung. Tot den Mördern! . . . Rache! . . . Rache! . . . Für Ostpreußen! . . . für die armep polnischen Juden! . . . für die Rosele! für ... für ... — Verflucht! . . . weiter . . . weiter! Nur nicht fallen . . . nur nicht sinken . . . nein! . . . Tausendmal nein!! Wie wahnsinnig raste Jsi dahin. Sein Blut floß ... Er raste -. . . raste ... Er überholte seinen -Leutnant. Ein herzzerreißender Schrei! Jsi wandte sich einen Augenblick um: Er war tot: der arme, gute Leutnants „Zurück!! . . . zurück!! . . ." Kein „Zurück!" . . . Vorwärts! vorwärts" Hatte er das Recht, das Kommando zu übernehmen? Ja, ja, ja! — Vorwärts! vorwärts! . . . Rache! . . . Rache! „Un se sollen nisch mehr peinigen . . . nisch mehr schlogen . . . nisch mehr schächtcn . . . die Rschoim! ... die Mörder! ..." — —• -Hurra! 7 Zum Bajonett! — — In den Tod! Niemand . . . niemand soll entkommen! — Hc, Du Schurke! — „Mojsej! . . . Mojsej? ..." — Was bedeutet das? — Ah, er höhnt! — — Warte . . . Du : . . Du . . . Du Elen-7 — :sr „Wie geht es ihm?" Der Arzt schüttelte das Haupt: „.Hoffnungslos . . . War etwas zu viel. Fünfmal getroffen! Und wie!" „Schade! Sehr schade! War einer der Tapfersten! Ein Held im wirklichen Sinne des Wortes! So einen heiße ich einen deutschen Soldaten! Ihm allein verdanken wir den Sieg! Ich hätte nicht geglaubt, daß ein Jude-" „Verzeihung Herr Hauptman»' Dieses Vorurteil hat sich längst als das lächerlichste erwiesen . . ." „Sie haben recht." „Ich begleich nur nicht, wie er sich so weit Vorbringen konnte: Die Schlacht hat volle drei Stunden gedauert. Die ersten zwei Wunden aber mußte er schon bei Beginn derselben erhalten' haben. Und — wohlgemerkt: beide waren am rechten Bein . . . Das war übermenschlich. Nur ein übermenschlicher Wille, eine unerschütterliche sittliche Krast konnte so ein . Wunder vollführen . . . Doch still ... er regt sich. .Horch: was spricht er?" „Dort! . . . dort! . . . mitten im höllischen Feuer! . . .. Seht Ihr nicht? Seht Ihr ihn nicht? . . . den Awromele! Er stirbk! - Sie ermorden ihn und

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