Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 14 (1916)
- Issue
- Heft 9 (3.3.1916)
- Date
- 1916-03-03
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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V- \ J Seite 2. Frankfurter Israelitisches FamilieMatt. Nr. 9 fe '>>:4 feil,, fordern,die. .dtev-Assiivilanteii für. -ie. jüdische Masse „produktive Gewerbe" (Handwerk, Ackerbau üsw.), was ihnen entweder die Möglichkeit gewährt, in Polen nützlich zu sein, oder aber die ^Auswanderung erleichtern würde. Die Aufklärung muß in der Umgangssprache der Masse geführt werden — also im- Jüdisch- Deutschen —, bevor sie die polnische Sprache erlernt. Ohne vor „Separatismus" zu fürchten,, müsse man jüdische Schulengründen und in denselben der jüdische» Tradition und den jüdischen Sitten Rechnung tragen. Man müsse 7um die Rechte der Juden energisch kämpfen, ohne wiederum ängstlich zu sein, daß man dadurch nrit den polnischen Antisemiren in Zusammenstoß gerate, und daß die letzteren im .gegebenen Augenblick" in Polen die Oberhand haben. Gleichzeitig müsse man aber die Assimilation predigen und den jüdischen Nationalismus bekämpfen. Ties alles werde zu der Erkenntnis führen, daß alle polnischen Juden sich in Polen umwandeln und die nrsässigen Polen' sie als solche anerkennen-tverden. So stellt sich die Ideologie der neuen Richtung dar. Es ist jetzt nicht meine Aufgabe, diese Idee einer eingehenden Kritik -zu unterziehen. Ich will mich nur auf ein paar kurze Bemerkungen beschränken., Die Neo-Assimilanten verstehen nicht, daß die alte Assimilation nicht deshalb uptätig war, weil sie die Mittel zur fruchtbaren Arbeit nicht kannte, sondern weil die Assimilation in ihrem inneren Wesen, als Richtung, die das Ausgehen des Judentums predigt, nicht fähig ist,- etwas für die Juden zu tun. Es hilft keine Kunst, kein Genie: wer seine ganze Idee darauf baut, Abtrünnigkeit durchzusühren und wer, aus ganz natürlichen Gründen, die Renegation von sich selbst anfängt, kann für seine „gewesene" Volksgenossen keine andere Gefühle haben, als Haß, Verachtung oder — bestenfalls - Gleichgültigkeit. Diese Tatsache, die in der Psychologie des Menschen wurzelt, kannman mit schönen Redensarten nicht .■ hinwegphilosophieren. Eben in Polen ereignet' es sich alle paar Jahre, daß eine neue'Gruppe von — meistenteils jungen — Assimilanten austaucht, die in den Leichnam der alten Assimilation neues Blut künstlich eingießen will, und unvermeidlich damit endet, daß nicht sie den.Kadaver belebt, sondern daß letzterer sie tötet. Die Entstehung .der. Neo-Assimjlation findet darin ihre Begründung, daß es bei uns viele jüdische Intellektuelle gibt, die vom Judentum getremn sind und zum Polentum keinen Zutritt haben. Diese suchen nach gesellschaftlicher Arbeit und können sie lediglich unter den Juden finden, was — nebenbei gesagt — noch einen Beweis fiir die Unstichhaltigkeit der Assimilation in Polen bildet.*) S. Hirschhorn (Warschau). A«s -er AgudasJisroel-Bewegu«g. Die Jugendorganisation. Die Tätigkeit der Ag ü d a s I i s r o e l Jugendorganisation im vergangene» Jahr umfaßte: 1. von Rabbinern und Lehrern verfaßte Feldbrief, enthaltend Sidrahbetrachtungen, Uebersicht der Ereignisse in der jüd. Welt, Kalender. 2. Kriegsschriften, Feldleihbüch erei. - ' 3. Versendung von Gebetbüchern, Te - fillin, Arba Kanfans, Konserven an Soldaten: 4. .Schiurim, Borträge nswin 40 Ortsgruppen. 5. Seit April werden monatlich einmal die „Blätter von der A. I. I. O." herausgegeben. Eine große Aufgabe. Die Agudas Jisroel-Organisation hat eine große und schwere, aber heilige Aukube auf sich genommen: die Fürsorge für"ie jüdisch e n K r i e g s w a i s e n. Allein in Galizien entbehren tausende jüdischer Kinder, deren Eltern tot öder verschleppt oder verschollen sind, Erziehung, geregelte Pflege und Ernährung. Bereits seit Monaten haben sich *) Weshalb die Assimilation der Juden in Polen unmöglich, ist, habe ich im „F. F. F." in einem früheren Artikel auseinyndergesetzt. berufene - Kenner-'-der -WrHäÜnissa--an... Ort.I und) MM^denMnuhÄoAeM/VorärMEn 'des' "Mir Sei" Agudas Jisroel-Organisation geplanten- Lirbeswer-. kes. gewidmet, und Vorschläge großzügiger" Art liil-. den die Frucht ihrer Arbeit. . Doch zuerst müssen' die großen Summen auf-: gebracht werden, die allem die Pläne zist /^Verwirklichung bringen können: So ergeht ' denn, "der Ruf an jeden Juden, der Stimme des Mitgefühls Gehör zlt geben. ' . '' -V Brief aus Oesterreich-Ungar«. Prinz H ohenlohe, der Minister des Inner»,, empfing bei seiner Anwesenheit in Lemberg auch eine Abordnung des I ü d. R e 11 u n g s ko - mitees. Professor Bromberg hielt eine längere Rede. Er sprach darin den Wunsch aus, daß die guten Beziehungen der Regierung zu den Juden sich auch auf' die gesamte Beamtenschaft übertragen mögen. Haben doch gerade die Juden in den schwersten Stunden der Rnssenzeit ihre unerschütterliche Treue bewiesen! Er forderte Entgegenkommen in deni schweren wirtschaftlichen Kampfe der jüdischen Bevölkerung und Sorge für die unglücklichen Kriegswaisen. Er überreichte dem Minister eine ausführliche Denkschrift, die einen erschütternden Ueberblick über die Arbeit der Müssen unter den Juden Galiziens gewährt und Vorschläge zur Linderung der beigebrachten Wunden macht. Die Denkschrift hält u. a. die Schaffung einer Zentralfürsorgestelle' in Lenrberg für die dort befindlichen Flüchtlinge'der Provinzstädte, die. Errichtung von Waisenheimen — die Zahl der jüdischen Kriegswaisen übersteigt 20000 — und von Aufsichtshorten für Kinder, die Unterstützung der jüdischen Volksküchen und die Berücksichtigung der jüdischen Kansleute und Handwerker beim Wiederaufbau des Landes für erforderlich. — Im ungarischen Reichstage hat ausgesucht ein jüdischer Abgeordneter, Dr. Wilhelm Vazonyi, die Wiedereinführung der für die traditionstreue jüdische Bevölkerung so verhängnisvollen strengen Sonntagsruhe verlangt —- und erreicht. Die strenge Sonntagsruhe war infolge des Krieges außer Wirkung gesetzt worden. Auch einige antisemitische Debatten gab es trotz des Krieges im Hause der Volksvertreter Ungarns. Die Lebensmittelteuerung bot die vollständig unberechtigte Veranlassung dazu. Aus aSiex Wett. Deutsches Reich. Mönche«. Dem Berichte der Israelit. Knltnsgcmeinde sei folgendes entnommen: Von rund 2700 Mitgliedern würden. ,144 000 Mt. Stenern vereinnahmt. Die Rechnung balanziert mit rnnd 200 000 Mk. Den Beamten mit einem Gehalt von nicht mehr als 4000 Mk. wurde für 1916 eine zehnprozentige Zulage gewährt. Es wurde die Patenschaft über die jüd. Gemeinde Lyck iibernommen und ihr ans drei Jahre eine jährliche Zuwendung: von 500 Mk. bestimmt. Ani Religionsunterricht in den Volks- und- Mittelschulen nahmen 848 Knaben und 763 Mädchen teil; die Stadt gewährt hierfür eine Beihülfe von 3000 Mk. 155 Stiftungen unterstehen der Knltusgeincinde. mit. den anerkannt vorzüglichen Schule» »»in«- 2inr>l in jeder UeAehuisg gleichen Schritt häll.^- Potsdam. Dr Sch w a r z I w t i D, OMic inier Regime rungsrat, Rektor bcS Astrophysikalifcheii Observatoriums, nmjjbc als orde n t l. Hvnorarprv f e ff o r audio Berliner Universität berufen. Dr. S. ist erst 43 Jahre alt. Posen. ■' Zu Sladtverordn er en - Born'ey e r n wurden gewählt:.in Exi» Jnstizrat Loeiv», Tremesson: Justizrat- Warschauer, Hohensalza:' Fabritbesitzer Dr, Levy, der als Rittmeister >im Felde steht, Rogascn: Justiz-- rat Hahn, Krone a. d. Brahe: Kaufmann Alex Jalsj Mogilno: Fabritl>esiher I. Lauda i, linb Ostrvwo:-Justizrat V o ß. " - - Stuttgart. Kirchenrat: Dr. Krön er wurhe mit dem Wi l Halm s kr en z und Hofopernsängcr B e n nv Z i o glcr mit denl Charlo'tto»kreuz-ausgezeichnet. U»y. 'R-Vv. sr> aßvurgar-Buchau ist hier zum Nachfolger seines verstorbenen Bruders gewählt worden. Stften. Dr. 'Mari ui Sv > v er. - rhor,iu>-dsm tglied der 5kultnsgcm:iiide und Vizepräsident der Ch'cwra Kadischa. wurde vom Kaiser in -den nicderöstorrcichischen L aiidess ch n l r a t berufen. - . Ezcrnvwi«. Der Kaiser verlieh dem verdienstvollen Bürgermeister Dr. S. Wei s s e lbc r g er den A dol. . Zürich Dr. Arthur Mamsetot, V»lstanbsn>itglied der Israelit. Gemeinde, wurde in der Kantonsratssitzmig zum Oberrichter gewählt. _ Der „Zentralfonds des Verbandes der jüd. Studentennnterstützungskassen in der Schweiz" beschloß, von den zur Verfügung stehenden 15387 Frcs. — hiervon stammen durch Vermittlung des Herrn Hermann Conheiin 12 877., Frcs. von dem Jüd. Hilfskomitee in-Aew Dort Und 908'Fris. von dem amerikanische Zionist. Exekutivkomitee . — den Betrag von 5318 Frcs. unter die fünf jüd. Studenten unterst iihuugskaffen der Schweiz zu verteilen. «rau Etcl Goldschmidt in Basel feierte ihren Geburtstag.' Ltvau. Nach einer jüngst vnrgennmmenen Bestandsaufnahme wohnen hier unter 46 643 Seelen 7606 Inden. Nrw-U-rk. Dr Joseph I a c o b s ist — 62 Jahre alt — verschieden. - / Er studierte in London, Cambridge und Berlin (1877), wo er bei Steinschneider und Lazarus hörte. Er wurde der große» Oeffentlichkeit bekannt, als er im Januar 1882 in der Londoner „Times" über die russischen Jndenvcrfolgungen-schrieb. Er hat auf dem jüdischen Gebiete zahlreiche statistische und geschichtliche Arbeiten veröffentlicht. Er war einer der ersten, der -die Bedeutung der Statistik für di« wodernen jüdischen Probleme erkänntc. 1887 arbeitete er mit Lecien Wolf-London eine Bibliographjx der englistcheir jüdischen Geschichte, 1893 erschienen von ihm „Quelle» der spanischen jüdischen Geschichte" als Ergebnis .seiner Reise in Spanien, 1896 „Jüdische Ideale" und „Jüdisches Jahrbuch". Er war Präsident der Jüdischen historischen Gesellschaft von England 1898!und 1899 und gehörte auch der Leitung der Anglo Jewish Association an. 1900 ging er nach New Jork, hier war er u. a. Herausgeber des' „American Hebrew", - Professor am Jüd.-Theotvg. Seminar und Herausgeber der Jewish Encyclopedia. Ans dem Gebiete der englischen Volkskunde galt er als Fachmann. Persimalie»«. Klewe Wtttetlmrge». Berlin. Die Bibliothek der Jüdischen Gemeinde hatte im Berichtsjahre 1914/15 13 056 Besucher. Ihr Bestand betrug,34 550 Wände, 430 Handschriften, in der Abteilung Zeitungsabschnittc 335 Mappen und in per Museumsabteilung 216 Münzen, 665 Medaillen, 83 Kunstgegenstände, 2476 Bilder und 24 illustrierte Handschriften. Köln. Die Norstandswahißder Synagogen- Gemeinde hatte folgendes Ergebnis: Siegfried Simon', Emil Blunrenau, Eugen Sternberg, Sal. Linz und als Stellvertteter: Samtätsrat Dr. M a st b a n m, M o r.i tzFa. l k e n ft e i n .nnd fl c o Hirs ch. Letozig. Dr. Georg Jasfö, Asnttent Echemira- Wieners am Physikalische» Institut und Privatdozent für Physik an der Universität, wurde zum a u ß e r o r d e n t I. Professor ernannt. Leipzig. Die 10 Schüler der J. Klaffe der Höheren I Lr a e l i t. Schule, bestanden die Einjährig-Freiwilligen-Prüfung. Es ist dies 'ein erneuter Beweis, dafür, mit welchem Ernst, und mit welch sichtbarem . Erfolg an dieser jüngsten Schulanstalt gearbeitet ivird. Es sind noch nicht 4 Jahre seit ihrer Eröffmmg verflössen, und sie hat sich doch schon einen .wohlbegründeten-Ruf-ertöorben, jiltcht^- nur als -Pflanzstätte echt jüdischer Gesinnung und Principieittreue, sondern auch als eine Bildungganstatt, welche Der Krieg «tri die deutsche« Jude«. Frankfurt a. M. Rechtsanwalt Dr. Arthur Rosenmeyer und- Al b e r t. S o ii n e n b c r g c r wurde lzu Leutnants befördert. Berlin. Egon Aioses und Feldzahnarzt M. Lcvy erhielten das Eiserne Kreuz. Berit«. Wie der „Vervand der deutschen Juden" mitteilt, i-st beim Oberkommando Ost ein Ausschuß für eine fahrbare K r i c g s b ü ch c r e i eingerichtet worden. Feldrabbiner Dr. Rosen ak dürste in diesen Aus-- schuß berufen werden. Durch Stiftung wo» 2500 Mk. erhält ein Wage» den Namen des Stifters als Aufschrift. Es sollen nicht nur Bücher zum Verleihen sondern auch-zum Kauf ausgelegt werden. Hamburg. E an st ft a 11 e l wurde zum Leutnant befördert. ... Königsberg. Rudolf M a f u r, Leo Lest und Curt Sluszewer wurden zu Leutnants befördert. Kiel. Wtr in Ost unn Wett unsere tapferen Soldaten treue Wacht halten, so ilicht minder unsere kampferprobte Marine in der Nord- und Ostsee gegen englische nud russische Feinde. Es befinden sich bei der Marine airch manche jüdische Kameraden, Familienväter bis zu 45 Jahren, die seit 1 Vs Jahren im Dienste des' Vaterlandes auf Schiffen lind Landkommandos treu und gewissenhaft ihren schwere» Dienstverrichtungeit nachkornnren: Verschiedentlich außer besonderen Vereidigungen hielt für das Oberrabbinat Altona Rabb.-Assessor D u kes'z besondere Garnisoiigottesdienste ab. Nach dem Gottesdienste fand im Gemcindeziiiimer Verteilung von Liebesgaben statt, iiud dann blieben die Matrosen noch längere Zeit in angenehmer-Unterhaltung zusammen. Auch zum kommenden Pe s ach sollen sämtliche Angehörigen der-Marine wieder rituelle Verpfleg it n g erhalten. Da die Marine ans allen Teilen Deutschlands sich, rekruttert, wäre es wünschenswert, daß. trotz der Verteuerung sämtlicher Lebensmittel mich diesmal die. Pesach-Bcrpflegnng dn-rchgeführt werden kann.*) Breslau. Hellmut Taucker-Breslau. Frhtz Pinczower - Benthen, Bert hol d Fr. e Y - Bismarck- Hütte, Arthur Ic o b -Glogan und H e r m. K r a ni e r- Liegnitz erhielten das Eiserne Kreuz. Ptüuche«.", Die Kriegshitistasse der Isr. Ku ltus ge meiube verausgabte km vergangenen Mixe an in Not geratene Minchener Juden 61 098 Mark., " *) Speiweu nehmen entgegen: Lehrer L. Katz, Kiel nnd>Lassar Lewisohn, Frankfurt a. M., Rückertstr. 57,