Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 14 (1916)
- Issue
- Heft 8 (25.2.1916)
- Date
- 1916-02-25
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 8 Mankfarttt Asrrrelitfichrs FaMlirnAaS. Seite 3. nMt bdrhänben, und die>Jüb.j UjichMntzsKMtees <5Ä bereits den Lis^mgen-iMsMWeEnW Mützen'. - ' ^.'-Älitepii;,@ettimona Äiraelitica" iw Flörenz und „»qkrierp' Jsraelittco" in Triest haben sichj Zn einer Zeit- Wlft' verschmolzen-- Die nimv Zeitschristerscheint, hier unter dem Titel -sFsräeK". R^itsanwält Dr. Pacific i und Rabb. Dr. Dan.t.e^Lattes führen die Leitung des Blattes. - Petersburg. S M Dubnow, der bekannte jüdische Geschichtsschreibender seit zehn Jahre» hier^ wirkt, ist plötzlich, a n s g e wies e n worden und hat Petersburg bereits verlassen. > . . Rew-Nork. D i e C o l u m b i a. U n i v er s i t ä t hat einen- Kursus für jüdis che Sprach e eingerichtet. Als Dozent wurde Rabbiner Mar g o l is bestimmt. :. Es, ist dies d asersteMal, daß, die jüdische Sprüche aifeiner Universität behandelt wirb. New-Aork. Zum Andenken an Professor Scheck) ter soll esu neuer Lehrstuhl am Jüd. T h e o l o g. S e in i n a r v o u A m e r i k a errichtet werden. Zu diesem Zwecke ist die Sammlung einer Surnlne von 100 000 Dollar eingeleitet worden. - Mayer Sulzberger war anläßlich seines Rück-, tritts als Präsident des Gerichtes in Philadelphia der Gegenstand zahlreicher .Ehningen. BV* Trauring "Eck *W> Frsukfart a. M,f TriertsoheGasse äi Eöka T3ngesgasse,vts-&-vU d. Hasengasse. Fr. Pletzsch>unÄ^te, LEck I Der Krieg «nd die deutsche« Juden. Frankfurt a. M. Der Kriegsfreiwillige Max Ehrlich, Sohn des Juweliers E. Ehrlich, wurde infolge tapferen Verhaltens im, Felde zum Kadett befördert. Köln. Die Mazzotverforgung der. jüdischen rtttegsgefangenen des 8. Armeekorps ist vom stellvertretenden Generalkommando des genannten Korps einheitlich gegeregelt worden, in völliger Ucbereinstimmung mit den diesbezüglichen Anträgen des Rabbiners Dr. Rofenthal. Doffenveim (Badrn). Leopolo Oppenheimer, Söhn von Bern. O., wurde zum Leutnant befördert. Esse«. , N chlsanwnlt Storniacd-Essen, Ernsl Schön.cber'g, Rechtsanwalt Kurt Nenwal-Gelseniirchen .und Felix S t e i n f e l d -Osnabrück wurden zn Leutnants befördert. PreSla«. Fritz Goldschmidt. Fritz Holländer- Breslau, HansBecher -- Beuthen, Dr. G e o r g P e r i tz- Gottesberg und Hans Brinnitzerg-Görlib erhielten das Eiserne Kreuz.' Frmi Justizrat Berta W e i l - Goldberg. Frau Justizrat Kassel-Leobschütz und Salo Kntner- Rosdzin erhielten die Rote Kreuz-Medaille 8. Kl. Stratzbara. Dr. Eugen M a o e r, Sohn des verstorbenen Rabbiners Dr. Mayer in Zweibrücken, der vor 9 Monaten als Kriegsfreiwilliger vingerückt ist, wurde zum. Bizew acht in ei st er.'befördert und erhielt das Eiserne Kreuz. Weener. Arnold Israels erhielt das Eiserne K r e ic z. , Me«. Leutnant Hugo I. Schlesinger, Teilhaber der FirnÄl B. ^Oberländer in Troppan, starb inr Alter von 37 Jahren den Heldentod. Er hatte Soldaten vor, der Gefahr des Erfrierens gerettet nnd sich dabei eine Todeskrankheit zngezogen. Wien.. Blochs „Oetterr. Wochen schritt" verzeichnet in ihrer letzten Nummer folgende Änszeichnnngen au Juden: 3 Ritterkreuze des-Franz Josef-Ordens, 4 AM tärverdienstkreuze 3. Kl., 24 Signum laudä, 10 goldene Verdienstkreuze mit der Krone, 4 goldene Verdienstkreuze, 17. silberne Verdienstkreuze urit der Krone, 4 silberne Vcr- -dienstkreuze, 1 goldene Tapferkeitsmedaille, 21 silberne Tapferkeitsmedaillen 1. Klasse, 28 silberne Tapferkeitsmlidaille» 2.. Klasse, 54 bronzene Tapferkeitsmedaillen- 2 belobende Anerkennungen des Armeekommanöös, zusammen 162 Anszeichnungen; hiervon 38 an Offiziere des Soldatenstandes, ,24 an Akilitärärzte und Militärbeamte, 110 an Personen des Mamischgstsstandes. Budapest. 'Die „ALg Jüd. Ztg." foroeit zu einer gewissenhaften Liste der Blutopfer der ungarischen Juden.,auf. Sie selbst beginnt mit dem Bethlcmer Bezirk, in dem 113 verheiratete und 125 ledige Inden eingezogen wurden. Davon sind 1 Oberleutnant, 3 Leutnants, 6 Kadetten und 24 Unteroffiziere. An der Front waren bezw. sind 172. 10 starben den .Heldentod. Lemberg. Die Zahl der jüoischen Äriegknaisen Galiziens wird ans mindestens 20 000 geschätzt. ' - Hier ist bereits ein.jüdisches Waisenhaus errichtet . worden. Es :hat 80 Kruder aufgenoinmen. Loudou. Weil er Cohn heißt, wurde in einem hiesigen Nekrntierungsbüro ein in England geborener Jude, Sohn eines russischen Juden, zurück gewiesen. Der Offizier meinte, Cohn sei ein deutscher Main e, um»' er' wolle iiicht Leute deutscher 'Herkunft.- Alle Einwendnngen halfen nichtsder Offizier blieb bei seiner Meinung. ~ . Petersburg Baron Ed Ro t)h sch ild-Paris sHudete'deiu hiesigen Jüd. Hilfskomitee eine halbe Million - Francs. . . . .j; New-Pork. Der. bekannte Philanthrop. Nathau Strauß spendete für die notleidende» Juden in den .Kriegsgebieten eine Million Mark und seine Frau sür den gleichen Zweck 400000 Mark. Lomler de Tel. Hansa 8148. Frankfnrt a:Mi, Uodkr»u«»st«rxM -lWÄLlÜsus kür UntvMköiir rmä Ärämpls. Rtvävrlng» sokivr Vrj l.aliinmn-^ütol»«r TE^PDITS NBUE EBAMS 20. Tel. Hansa U30. Nr, 17 Fünf-Uhr-Tee . . , Mk.5.4Q „ 11. Ningehptv-Congo-Mfacbg; „4.— Java-Blaitbrnch-Tee . . 'Mk; 3.—, 3.50 gafcan HoinaQgalltäta-gataa.. I Frankfurter Berichte. Jüdischer Turnverelü. Der Jüd. Turnverein gibt'folgenden Bericht: . 'Die Herren-AbttziluNg des Vereins zählt heute außer den im Felde stehenden Turnern zusammen 45 Mitglieder: davon sind 26 aktiv, 18 passiv und 1 Förderer. Die Damen-Abteilung besteht ans 49 akttven und- 3 passive» Mitgliedern. Bis heute würden durch den Krieg 52 Turner zur Fahne cinberüfe». Es gelang uns nicht in allen Fällen, mit unseren, im Felde stehenden Tirrnbrüdern in Fühlung zu bleiben: doch, soweit uns bekannt, erhielten 11 derselben Auszeichnungen, während 7 tot oder vermißt.sind. Das Andenken der Freunde, die in Erfüllung ihrer ernsten Pflicht das Leben verlören, wird uns stets gemahnen, den gemeinsamen Idealen mit erhöhtem. Eifer nachznstreben. Die Tättgkeit unseres Vereins beschränkt sich seit Beginn des Krieges gemäß der Richtlinien, die wir uns damals vorzcichneten, auf die regelmäßigen Tnrnabende und auf gesellige Veranstaltungen im Kreise der Mitglieder. Das Turnen der Herren-Riege war stark von den Verhältnissen der Zeit Leinflnßt; sowohl durch idie zahlreichen Einbernftlngen zum Heer, als' auch «durch mehrfachen Wechsel in der tnrnerisclsen Leittlng. Wir hosfen jedoch zuversichtlich, daß die Herren-Abteilüng ihre Arbeit in dem gegebenen kleinen Matzstab fortsetzrn kann, bis wieder bessere Zeiten 'eintreten. Dagegen konnte unsere Damen- Abteilung eine umso bedeutendere Tätigkeit entfalten. Die vorzügliche Leitung, die dieser Llbteilung durch unseren Turnlehrer Friede zuteil wurde — Herr Friede hat nun nach längerer Abwesenheit die Leitting wieder aufgenommei« — erhöhte nicht nur die turnerischen Fähigkeiten und Leistungen her Turnerinnen, sondern hatte -auch das 'ziffernmäßige Anschwellen der Tnrnricge zur Folge. Neben diesen erfrenlichen äußeren Fortschritten xrscheint es ilns nicht unwesentlich zu erwähnen, daß hauptsächlich auch der srenndschaftliche Geist, der in unseren Tnrnriegen lebendig ist, einerseits eine Gewähr für den Zusammenhalt des Vereins bietet, sowie andererseits einen fruchtbaren Boden füx die idealen Förderungen unserer jüdischen Tnrnbewegung bereitet. Uns jüdische Türner eint das Streben, in der. Pflege des Körpers die Spuren jahrhundertelinger Gettobedrückung auszutilgen, sowie die jüdische Jugend zu. gesunden, muskelstarken Menschen und stolzen, selbstbewußten Juden zn erziehen. Der Gedanke, idcK'sich in diesem Streben die jungjüdische Jugend der ganzen Welt unter dem Banner der „Jüdischen Turnerschaft" znsammengefunden hat, leiht unserem Bestaiide Macht nnd Sicherheit. Wenn uns auch das Schicksal dieses Krieges oft zwäng, unsere jüdischen Interessen an zweite Stelle zu setzen, so konnte unS dies nur ermahnen, unsere jüdischen Ideale noch ernster und inniger äns Lxrz zu schließen. Wir hoffen, daß die Misch- Tnrnidee ausch in üitserer Stadt in immer writere Kreise dringt und überall ihren lebensvollen Segen spendet. Jüd. Fraueuvereiüignn«. Die Inh. Frauenvereinigung ersucht uns um 'Ausnahme fölgeiider Zeilen: Die gegenwärtige Zeit, die durchs die fürchterliche endlose Kriegsdaner Außergewöhnliches bedingt, die Not und Flucht im Gefolge hat, stellt an jeden einzelnen und ganz besonders mn unseren .Verein ungewöhnlich hohe Aiisprüche. So wurden gerade in letzter Zcht sotvÜhl unser Kleiderdepöt als auch nnscre Nähstübe durchs Ansprüche von den so schwer heiingesuchten Gebieten. Ostpreußens und Polens derart in Anspruch genomnlen, .doch es uns schwer wird, allen Bedrängten, hier niid dort gerecht zu werden. -Wir sandten beispielsweise allein an Herrn Dr. Rosenäck auf dessen dringenden Wunsch 6~ große Kisten Wäsche, die in niiserer Nähstube angefertigt wurde, sowie .5 Kisten Kleider ans unserem Depot. Um nun auch sür die Folge es zu ermöglichen, den Wünschen und den Erwarttingen der Notleidenden wie bisher gerecht zn werden, wenden wir uns an alle Menschenfreunde mit der herzlichen Bitte, uns durch Znwendungen vou Wäsche, Kleidern und Schuhen dazu instand zu setzen. Gerade die Wochen der Borbereitnng für das heranuahendc Pesachfest geben unseren Han'sfrauen besondere Gelegenheit zum Ätussorttereu von Kleidern und Gegenständen, die uns für unsere Zwecke. hochwillkommen sind, und wir bitten unsere Freunde und Gönner bei dieser Gelegenheit imseres Kleiderdepöts und unserer Nähstübe .zu gedenken.*) " «uulpertz'scheS SiechenhauS. richt „ . . ausflihrlichen Berichterstattmig folgendes hervor. . Die Ausgaben fiir Haushaltung:. Aerzte,. Apotheken. Löhne nsw. betrugen 1914 Mk. 101946 und 1915 Mk. 128361. Fieisräu . Mathilde von Rothschild stellte 1914 Mk. 21000 und 1915 Mt. 16Ö0Ö als Berpflegungseeitrag zur Versiiguug. Für den gleichen Zweck gaben Frri- *) Send.ungen werden iu.Empsan.g genöMinen: Kkeiberdepot - Schützenstraße 14: Nähstnbe —' Hanäüerländstr. 1. fräulein Lucp v. Goldschmcht-Rothschild Mt. 10 000 und Julius Goldschmidt, der Vorsitzende des Vereins, Mk. 2000. Die Gesamtzahl der Berpflegungstage betrug 1914 21713 und. 1915 21007. Im Lazarett wurden bis Ende 1915 5 Offiziere lind 193 Soldaten verpflegt. _ Verei» zur Äekkeid«»g vedürftlger Israel. Kuaben. In der :anl .17. d. Ai. .stattgehabte» Generalvrr-- sanimlung berichtete der Vorsitzende, daß im abgelanfenen Jahre 329 Knaben nnd 75 Jünglinge mit Kleidern und Stiefel versehen wurden. Die Ausgaben erhöhten sich ganz, bedeutend, sodaß am Schlüsse des Jahres l915 auch infolge der verininderten Zuwendungen ein größerer Fehlbetrag entsiandeu ist, und es unterbleibt auch aus diesem Grunde die Herausgabe eines Jahresberichtes. «lewe Notize«. Der M o ute s io re-B erc i n ist durch feine Mitgliedschaft bei dem Ortsausschuß für Jugendpflege in. der Lage, an junge Leute unter 17 Jahren Berechtiguugskarten zum Besuche von Borttägen, Lehrkursen und geselligen Veranstaltungen seines Vereins anszusiellen. Die Amneldungen zur Erlangung derselben muß in den nächsten Tagen erfolgen. Bis zur Aushändigung der Answeiskarten genügt die Vorweisung der Mitgliedskarte für 1916. Clgarrsn-MDUei*, gr. Esehenheiinerstr.äl. Uebtranenatr. 1/3. Taaniuwtr. 4?. garren Partien l-gapetten ciru eil . , en>tMn8aigen üraprqnga. Meudel Gibbor. Novelle von Aron David Bernstein. (Fortsetzung.) Aber nicht blos eine Zeugin dieses Berhältiiisscs der beiden Greifimien war Händele, sondern sie wurde znweilen nttt in den Streit über Lebensvorgäuge hinei»- gezogen. Verstand sie es auch auszuweichen und das verletzende überlegene Schweigen der Großmutter durch einen bittenden Blick zu tnilocrn, so war sie dennoch in der letzten Zeit oft genötigt, eine Ansicht zu äußer». Die Großmntier richtete nämlich statt der 'Antwort, die sie Genendel verweigerte, zumeist ein paar Worte der Belehrung an Händele und nötigte sie in dieser Weise, durch irgend ein milderndes, liebes Wort das Schroffe, das hierin für Genendel lag, auszugleichen. Vor einigen Monaten war sogar Händele selber einmal zum Gegenstand des Gespräches geworden. Denn Genendel ließ sich zu der Bemerkung hinreißen, daß Handele» Fugend unter der Abgeschlossenheit leide. „Verzeiht mir's, Malkoh, wenn ich Euch bitl', Handele» wegen nit das heutige Menschengeschlecht und diese ganze Welt so mit Ser Hand sortzuweisen. Das Kind ist schon so wie so im Gesängnis bei Euch ..." rief sie in Erregtheit au». Händele, die dem Gespräche aii ihrem Klöpselkissen arbeitend, beiwohnte, erschrak hierüber so heftig, daß sic von der Arbeit aussprang. Sie wurde noch schmerzlicher betroffen, als sie sofort mit einem Blicke sah, wie Genendel schon ihre unzarte Bemerkung bereute, wie aber die Großmutter sich im Lehnstuhl noch höher ausrichtete, ciri Zeichen, daß sie dies Gespräch nunn,ehr mit keinem Worte berühren werde. Handele wußte nicht, was sie beginnen -sollte; cs schien ihr Schweigen und Sprechen gleich unmöglich. Aber die Großmutter überhob sie der Pein des 'Augenblicks, denn sie senkte nach einer kurzen Pause wieder ihr Haupt und sprach in einem Tone, als wäre niemanv sonst anwesend, die Enkelin an: „Händele, mein Kind, bist Tu müd' von Deiner Arbeit, dann hör'' zu. Ich werd' Dir sagen, was ich gedacht Hab' heul Nacht, und das wird Dir geben frische Kraft von Gott." „Wir hören beide zu, Großmutter", sagte Händele, und stellte sich zwischen die Großmutter und Genendet. „Hör' zn, Händele!" fuhr diese im belehrenden Tone fort, „König David hat gesagt: Ein Licht für mein Fuß ist Dein Wort. — Nun fragt man: Was har der Vers für einen Zinn? Ein Licht hat Gott, gelobt sei Er, gemacht zum 2 e h e^ und den Fuß hat er geschaffen züni Gehen, und da» Wort har er gegeben zum Hören; — wie kann aber ein Wort sein ei» Licht, und wie ein Licht für ein Fuß? — Nun, mein Kind, Hab' ich heut' Nacht mir ausgedacht, das ist also: Wenn ich so sitz' in meiner Blindheit, und ich kann nit mehr sehen mit meinen Augen, wohin soll gehen meirr Fuß, dann hält' ich müssen Dich rufen, mein Kind, alle Minut'. daß Du mir sollst geben Deine Hand, und ich nit soll straucheln, zn stellen meineil Tritt.