Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 14 (1916)
- Issue
- Heft 7 (18.2.1916)
- Date
- 1916-02-18
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 7 ■ -• ' _ ihre Mitglieder' (itarf) Art der Tchredergiirteu bebanc» sollen. ' . Vesterreich-Uugar».' Wien. Die Israelit. A l l i a II z^ßat ihren Sekretär Dr. Kaminka nach dem von Oesterreich besetzten Teile" Polens entsandt, um H.ilfe za leistca. Dr. K. Hat der jüdischen Gemeinde in L u b l i»' 504)00 Kronen übergeben. Auch anderen jüdischen Gemeinden behändigte er Unterstützungen für dnrich den Krieg Rotgclittene. Amerika. Rew-Uork. Eine Riesenversammlir u g an 3000 Menschen mußten infolge Saalüberfi'illiing ninkehreu — befaßte sich mit den. j ü d i s ch e n Kriegsopfer n E n r o p a s. Ein herrliches Orchesterspiel des Kol-Nidrei leitete den Abend ein. Louis M a r s h a t l, ' der Vorsitzende, hielt kurz und kernig die Eröffnungsrede. Sodann sprach Bischof Grier. Seine Worte gipfelten in dein Satze, es sei endlich an der Zeit, daß die Welt dein jüdischen Volke ihre Schuld abtrage. Gesang des Chores vom Tempel Eme-- nucl setzte nun ein. Dr. F i g l y, Rabbiner R v s e n a u - Baltimore, Dr. I. L. Magnes, Dr. Karl Schormann, Präsident der Cvrnes-Uiiiversitüt, Abgeordneter Meier London und Rabbiner Margolis folgten einer dem anderen mit begeisterten Ansprachen. Das Ergebnis des' Abends war ein sehr befriedigendes. Jacob H. Schiff, Nathan Straus, Gngenheim und R o s e n w a l d zeichneten je 100 000 Dollar. Jeder drängte sich dazu, mit freudigen, Herzen nach seiner Kraft zu geben. Rührend war es zu sehen, wie arnie Frauen ihren Schmuck nbmachten und Hingaben. Pogrom in Rußland. H a a g. Das Petersburger jüd. Hilfskomitte hat sich beim Minsker Gonvernenr wegen eines Progroms in L n m i n e tz, C h o m e l i n k, D n b n o tv i t s ch i nsw. beschwert, der Anfang September dort während 4 Tag.» dauerte und alles jüdische Eigentum zerstörte. Die Juden mußten lt. Polizeibefehl innerhalb zwei bis drei Stunden ihre Wohnstätten räumen, und gleich darauf fand der Progroin statt. Cafe Kaisei*garten am Opernplatz Erstklassiges Familien-€afö Jeden Nachmittag von 4 bis 7 Uhr und Abend von _ 8‘/» TJhr ab BLünstlei'-BLonzert. Der Krieg «ud die deutschen Juden. Frankfurt a. M. Feldmagazinwspektor Assessor Dr. Max Michel, Offizierstellv. Hugo M v^r ck-Frankfurt a. W. und Oberleutnant Dr. S. Spier-Wiesbaden erhielten das E i s e r n e K r c u z. Berlin. Der R e u e I ü d i s ch e Gemeindevcrein hat einer größeren Anzahl seiner im Felde stehenden Mitglieder das Werk jdes Dozenten Dr. I. Wohlgemuth, „Der Weltkrieg iin Lichte des Judentums" als Liebesgabe übersandt. ... Der Verein ist gern bereit, auch anderen im Felde stehenden Kriegern das Buch znkommeu zu lassen. Entsprechende-Wünsche werden erbeten an die Adresse. des Rechtsanwalts Dr. Klee, Berlin dt. W-, Altoiiaerstr. 7. Breslau. Justus Goldman»- Bresia». Oberapothekcr Paul Wachsner-MyslowitzUnd Vizewachtineister Max L e s s e r - Neisse erhielten das Eise r n e Kreuz. Dr. jnr. Georg Fis ch e r erhielt das H a m b u r - g c r H a ns e a t e n k r c u z. München. Adolf Holzinger. Frttz Beer, S i e g,f r. E p p-st ein und H e i u r. S i in o n wurden zu Leutnants befördert. Augsbura. Patentanwalt Verth. Wassermann wurde zum Leutnant befördert. Gießen. Manfred Stahlberg ist zum Leutnant befördert worden. Baris. Unter dem Pästd'um pan Frau R Gubbay geb. Poliakoff hat sich eine Gesellschaft zur Unterst ü tzu n g de r In d e ir i n R u ß l a n d gegründet. Ferner gehören dem 5l'omitce amEngen Sec, Vizepräsident der Alliance isr. Universelle, und S h l v a i it Lev h, Professor vom College de France. Baron Ed. v. Rot Hs ch i l d hat 500 000 Franken dem jüd isch e n Hilfskomitee in P ctersb nrg überwiesen.. ’ Wien. Blochs „Oesterr. Wochenschrift" verzeichnet in ihrer letzten Nummer folgende Tapfe rkeitsansz eich» u n g e n .an Inden: 1 Ritterkreuz des Franz Josef-Ordens, 3silberne, 21! bronzene Signum laiidis, 4 goldene Berdicustkreuze mit'der Krone, 7 goldene Vcrdicustkreuze, 18 silberne Verdienstkreuzc mit der Krone, 0 silberne Vcrdicnstkreuze, .15 silberne Tapsrrkeitsmedaillen l. Kl., 51 silberne Tapferkeitsmedaillen 2. Kl., 48 bronzene Tapferkeitsmedaillcn, zusammeii 182 Auszeichnungen: hiervon 40 an Offiziere des Soldatenstandes, 21 an Militärärzte und Militärbeamte, 112 an Personen des Mannschaftsstandcs. . Salnniki. Hier iv e i l t e der Chcf d s P.iriicr Bankhauses Rothschild, um die hiesigen Juden für d i c E n t e n t e z ir g e w i n n e n. Er spendete 30 000 Francs für die arme jüd. Bevölkerung und hielt in der großen' Synagdge eine Rede für die Sache der Entente. Der greise Oberrabbiner Jacob Meir erwiderte, dc-ß. die Juden Salonikis für einen Verbündeten Rußlands nicht zu haben feien. Mankfurt« Fs«lelittsch«s FaviilienSlait. rW-8MMor °»ao' «uni: rsi. ULLSL uas. Nr. 17 kank-vbr-rse . . . blk.5.40 „ 11 Ningchow-Congo Mischg. 4.— Java-Blattbruch-Tee . . Mk. 3 —, 3.50 gftktn Soma Qaalitäta-Kakao. Perjoualievu. Kleine MitteUuuge». Berlin. Der Verein für jüd Geschichteund L i k e r a t n r (Vors.: Prof. Dr. Philippson) hat sein abgelaiisenes Vereinsjahr mit 14 348 Mk. Einnahmen und 10908 Mk. Ausgaben abgeschlossen. Breslau. Ji'dor F'ledländer. Beglünder der Lcderfirma I. Friedlander A- Söhne und lange Jahre Vorsteher der dllt-Gtogauer-Synagoge, feierte den 80. G e b n r t s t a g. WormS. Die bi stge. etwa 100 Mital-eder zäbler de Ortsgruppe der A l l i a n c e I s r a e l i ke 1l n i v e r s e l l c ist aufgelöst worden. - Zur gleichen Zeit hat die Deutsche-Israeli t.- O s m a n. U n i o n hier eine Ortsgruppe gegründet. Wien. Die jüdische Toynvrevate bat in verflossenen Jahre trotz des Krieges 00 Abende — 27 Konzerte, 47 Borträge aus jüd. Geschichte und Literatur, ans sozialen Gebieten usw. und 16 Bibelabende — veranstaltet. Außerdem wurden fünf Kurse für deutsche Sprache und Stenographie abgehalten. Bretzburg. Rosa Schreiber geb Reumann, Wiiwe des Obcrrabbiners Bernhard Schreiber s. 'A. und Mutter des jetzigen Oberrabbiners Akiba »Schreiber, ist verschieden. Jtonbnti. Obnrabb.ner A I Kuk ist mit seiner Gemahlin hier angekommen. Obwohl die genaue Zeit seiner Ankunft unbestimmt war, wurde er von einer Delegation der Machsikei-Hadaß an der Bahn empfangen, Auch eine große Zahl von Freunden und Verehrern, unter ihnen der Chief-Rabbi der Federation Synagogues Dr. M. Jung und verschiedene Notabel» der Nvrth-London Gemeinde hatten sich eingefunden. „Jewish Chronicle" begrüßt jaii leitender Stelle Obcrrabbiner Knk und spricht die Hoffnung aus, daß seine Tätigkeit in der neuen Stellung, die ihm die Möglichkeit gibt, seinen Einfluß und seine Kraft zu zeigen, von Erfolg gekrönt sein möge, und daß auch die Harmonie zwischen seiner Gemeinde und den andern jüdischen Kongregationen Londons aufrecht erhalten bleibe. New-Aork. Dr Martin Metzer. Rabbiner der Gemeinde Tempel Emauuel, der zweitgrößten Reformgemeinde Amerikas, ist der z i v n i st i sch e n Organisation beigetrcten. Frankfurter Berichte. Generalversammlung des Frankfurter Vereins für Statistik und Demograpbie der Inden. In der am 12. Februar stattgefundeiieii Generalversammlniig gedachte der Vorsitzende, Bantdirektor H e r m. Maier mit warmen Worten des Heimgangs des Stadtverordneten Josef Fromm Dieser gehörte zn den Gründern des Vereins, er war Mitglied des Vorstandes und bekundete anch hier sein reges Interesse für alle jüdische Fragen. Die Mitgliederzahl des Vereins beträgt ,180, im Gegensatz zu anderen Vereinen hat der Verein durch den Krieg gar keine Mitgliedcrverlnstx zu verzeichnen, ein erfreulicher Beweis, welcher "Wertschätzung' er sich in den Kreisen der jüdische» Bevölkerung erfreut. Der Kassenbestand ist sehr günstig. - In den Vorstand wurden neu gewählt: Rabbiner Dr. Selig mann und Julius Sommer, die übrigen Vorstandsmitglieder wiedergewählt; als Kassenrevisor wurde dl. L e v i. bestimmt. In einer dlnssprache über die Beziehungen zum Verein für jüdische Geschichte und Literatur ^wurde festgestellt!' daß Beschwerden dieses Vereins über angebliche Greiizüberschreitungeil unberechtigt seien. Der Verein für Statistik hat sich streng im Rahmen der ihm gestellten Aufgabe gehalten und werde auch für die Folge daran seßhalten, ausschließlich Thematas aus dem Gebiete der Statistik und Demographie zn behandeln. Andererseits wurde jedoch auch die Erwartung ausgesprochen, daß der Verein für Geschichte und Literatur sich auf die Behandlung h i st o r i s ch e r und literarischer Tl,cmcii beschränken werde. Jüdische Eindrücke im Felde. lieber dieses Thema hielt am vergangenen Freitag Abend im Gnmpertz'schen Siechenhäus. Dr. med. M a x Michael aus Hamburg, der sich z. Zt. im Lazarett der Anstalt befindet, anschließend an' den Gottesdienst einen äußerst anregenden Bortrag. Der Redner verstand es, durch, seine inhaltsvollen Ausführungen sowohl den anwesenden Kriegsvrrwuiidclrn als auch den Kranken und Siechen ein anschauliches Bild über die segensreiche Tätigkeit der Feldrabbiner zn geben. In beredten Worte» schilderte er deren hingebungsvolles Wirken am Bette der Verwundeten, denen fern von ihren Lieben die oft erschütterte Zuversicht durch die liebevolle und echt jüdische Art der Feldgeistlichen aufs neue 'erwacht. Wirkt es doch wie ein Fludium auf dir Verwundeten, wenn sie durch. Vermittlung der Rabbiner eine geistige Brücke zu ihren Lieben aufschlagen können. Und wenn nach schweren Tagen im blutigen Kampfe die Aufforderung zum Gottesdienst in den Schützengräben ergeht und nach sniiideiitaiigcin Marsche der hierfür bestimmte Ort erreicht wird, wie leuchten da die Augen der Krieger, wenn Teste 6. sie jüdische Laute vernehmen'? Und wenn es gar Feiertag ist, und man versammelt sich nach dem Gottesdienst zur gemeinsamen Mahlzeit, da quellen die Herzen ans, und ohne- Unterschied öe<3 Ranges vereinigt man sich, erstarkt im Gefühle der Zusammengehörigkeit. Wie gebannt hingen die Blicke der Kranken der Anskalt an Pen Lippen des Redners. Sie wußten und empfanden doch am eigenen Körper den Segest des GottvertrmienS in schweren Stunden. H. S. Gesangenenseelsorge. Der Vortrag des Herrn Landrabbiner Dr. D o c t o r- Cassel im Verein für jüdische Geschichte und Literatur bot weit mehr als eine Plauderei, wie der geschätzte Redner anspruchslos ankündet«, — er gewährte vielmehr tiefe Einblicke in das Seelenleben der von der dtnßenwelt Abgeschnittenen .und gab in seinem zweiten Teile, der das jüdische Leben in dem Lkriegsgefangenenlager schilderte, recht bemerkenswerte jüdische Mlturbilder.' Ans dem zweiten Teile des Vortrages sei hier einiges wiedergegeben. Das Kriegsgefangenenlager Cassel zählt heute 40 000 Seelen. Trotzdem anch unter den englischen und französischen Gefangenen Juden sind, hat bisher nicht einer von diesen irgend ein jüdisches Interesse kundgegeben oder den Gottesdienst besucht, ja sie weisen jede Gemeinschaft mit den russischen jüd. Gefangenen zurück. Ganz anders die mehr als tausend russischen jüdischen Gefangenen. Sie entwickeln ein reges jüdisches Leben. Sie. haben morgens und abends Gottesdienst. Ihre Synagoge, ein großes Zelt, ist gleichzeittg Lehrhaus (Beth-Hamidrasch). Den kunstvollen Vorhang des Oraun-ha-Kaudesch haben sie selber angefertigt, den kunstvollen Orann-Ha-Kaudesch selber geschnitzt. Ihr vierstimmiger Chor ist hervorragend. Mer sie Haben auch ein jüdisches Theater gebildet, das Hervorragendes leistet Und die deutschen Ofsiziere und Landstnrmlente zu seinen aufmerksamsten Zuhörern zählt. Etwa die Hälfte der Inden ist blondhaarig und macht nicht den geringsten semittschen Eindruck. Wahre Hünengestalten sind unter diesen. Alljes in allem: man gewinnt von den russischen jüdischen Gefangenen in ihrer menschlichen und in ihrer jüdischen Bewertung einen erhebenden Eindruck. BUder mtb Typen der jüdische» Auswanderung. lieber dieses'Thema sprach Rabbiner Dr. Winter- Homburg im „Verein für Statistik und Demographie der Inden" vor einem zahlreichen Publikum. Redner verstand es, in plastischer Weise und in kunstgemäßer Form seine Erlebnisse als Mitglied einer vom „Hilfsverein der deutschen Juden" eingesetzten Answanderungskommission an der ostpreußischen Grenze zn schildern. Die ganze Tragik, bisweilen auch Tragikomik, der ttaurigcn russisch-jüdischen Auswanderung samt den damit verbundenen Begleiterscheinungen der heimlichen Grenzpassierung, „llntersnchungsstatton" u. dergl. in. führte Regner lebendig und ergreifend vor die Augen der Zuhörer. Gleichzeittg erwähnte er an Hand von statistisch:» Zahlen das großes Verdienst des Hilfsvereins um die Sache dcr Llnswanderung. Reicher Beifall lohnte den Redner für sein gediegenen Vorttag, der wohl geeignet ist, das rege Interesse der deutschen Inden für dieses schwierige Problem wachznrufen. Cigarren-HUiiei*, gr. Jtüscnenneimerstr. »i. Uebfirauenstr. 1/3. Taaninstr. 4?. ■ uigari ■ Ueb |Ci garren garetten erstklassigen Ursprungs Partien Mendel Gibbor. lenUMon. Ü Novelle von Aron David Bernstein (Fortsetzung.) „Na!" rief er, die Schulter zuckend, „mit dem auf- und niedersteigenden Opfer soll ich was anheben! Er heißt Jakob und ist gut Freund mit Esau, und ein Engel kann ihm auch nichts mehr tun. denn er ist schon hinkend aus der Hüfte." Jankele war geschlagen, und auch dcr gleichmütige Wachtmeister Wlte sich dadurch getroffen, daß er in dem Wörtchen als Esau figurierte; sie suchten zwar den Hahn mit ins Spiel zu ziehen, dessen Existenz in der Tat ein Stich ins Herz des gelehrten Reb Abbele war; aber er hatte wieder die Lacher auf seiner Seile, als er sie mit den Worten überfchrie: „Was brauch' ich den Hahn? Mit einem gleichen Wörtchen mach' ich Euch beide zu Kappores!" •. Und doch hatte sich hierbei wieder Reb Abbele verschossen. „Gut", sagte der ruhige Wachtmeister, „mag er nur seine gleiche Wörtchen sagen; nun habt Jhr's alle gehört, wie er wieder auf den Besitz des Hahns verzichtet hat! Er hat gesagt: er braucht ihn nir! Er gißt ihn aus!" Das fuhr Reb Abbele denn doch zn sehr in die Glieder. „Was?", schrie er, „ich Hab' das gesagt? ich. ich! — Ich geb' ihn auf? Wo ist das ein Aufgeben? Es ist kein Wort wahr, cs ist cine Fabel!"