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Neue jüdische Presse · 1916-02-04 · Heft 5 (4.2.1916) · p. Seite 4

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
14 (1916)
Issue
Heft 5 (4.2.1916)
Date
1916-02-04
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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m u Irr- - f' I' \ - i!: : w ID ß'Z li Nv. 5. Eeiie^ ' in \ iniilc" UanhZgW^on iii2^zu mL^ÄUKki^-^Mve.! schneid'-nb' die.achte.Perl'. vonuneink GebdldM \ . .,Sic hat auf die Perl' imd. die B,üide,ai;s.Zihrcm i Kopj gewiesem- Es - sind jünfzchn Persc» -darän gewesen, l auf:: :dcv - ^rechten . Sein, noch..ganz voll; ^„.Mlft^Ler t linken Seit' aber fehlten schrnp-sisben-PerlsnjZrind' nn dcr/üchtcii har sie den Finger.gehalten! . 7 'j - : -Ich Hab' reden: gewollt;-, doch -.sie: hat.Mich angesehen und geschüttelt mit dem Kopf. Da- Hab'- ich -dann: die echte Perl' abgcschnirtcn. Taraüf hat sie 'zu'' mir? gesagt; „Die Perle Hast Tn-ewpfangcnfüreincWeisc. Sich zu, daß Du sie gut verkaufst, und von dem Geld - erhalte'das Kind von Chaskcl Gibbor:" Ich Hab' wieder reden . gewollt, well sie. mM begnadigt hat mit der srommcn Handlung; aber sie. hat den Kopf geschüttelt und.-ist vor nur mit fröhllchem Angesicht, zurück, in: die Stube gegangen:"- - So erschütternd alle bisherigen Mitteilungen für Mendel waren, so überraschend war ihnr die Teilnahme der vornehmsten Frau weit und - breit. Bon der hohen Herkunft Malkvhs war ihm, bekannt, daß selbst die Frömmsten, Reichsten und Gelehrtesten in der ganzen Gegend sich bei jeder Gelegenheit beeilten, ihr den Tribut der Berchrnng zu zollen. Ihre Erscheinung hatte stets für ihn etwas so Gebietendes und Erhabenes, daß nichts ihn hätte auf den Gedanken bringen können, in ihr' eine Gönncrin zu vermuten. Es saßt ihn daher mit gewaltiger Macht und'ließ ihn verstummen. Salme fuhr aber unaufgefordert fort; „Zwei Jahre darauf, nn dem Halbfest zwischen Pesach und Schewuos, da ihr Enkelkind Handele geboren. wurde, bin ich zur Großmutter "Malkoh gegangen', ihr ' Glückwunsch / zul bieten. Da ist sie -wieder vor mir in die Rcbcnstnb'' gegangen, wo die Bücher stehen und hat wieder zu mir! gesagt: „Schneid' ab die zehnte Perl' von, mein' Gebind!" Und ich Hab' gesehen, cs hat die nennte Perl' gefehlt; ich.weiß nit, wem sie die hat gegeben. — Und wie ich schweigend Hab'-gehorcht, hat sie zu mir gesagt: „Salme, es ist Zeit, daß das Kind von Chaskcl Gibbor in eine ordentliche Schul' kommt. Rur soll der Lehrer aus ihni.nit' ein Gelehrten wolle» machen, und gieb acht, daß der Rcbbe ihn nit schlägt mit seinem Riemen oder seinem Stecken; denn er wird ein" Gibbor werden wie seine Pater, und man wird auch ihm müssen'Handschlag abnehmen; drnlu soll man ihn nit aufzichen in Zürn. Wenn er wird stark sein von Leib und weich voiiHerze», dann wird er gut sein." Und sic hat wieder enit dem Kops geschüttelt und hat nit gewollt, daß ich ein Wort sollt reden. — Und ich Hab' getan wie sie mich's geheißen. Mendel blieb sprachlos in Staunen, und. Erschütterung; und nach einer Panse fuhr Salme fort: ' „Zehn Jahre bin ich Sabbat und Feiertag bei ihr gewesen, um mich segnen zn lassen; aber sie hat nit geredet von Dir! Aber wie der Rabbi Dir hat den Handschlag abgenommen, bin ich zu ihr gegangen, sie zu trösten, denn cs sind schwere'Tage über ihr Haus gekommen.. Die gute Frommet und ihr Mann, Reb' Nachmann, sind bald nacheinander weggenommen ivorden, und Händele ist ein Waise geblieben bei der Großmutter. Aber sie hat nit geklagt und hat nit Klag'!vollen hören .mld. mit Trost. Wie ich gesessen Hab' und Hab' gewollt reden von ihren Kindern, hat sie den Kopf geschüttelt und hat plötzlich angehoben, von Dir zu reden und har mich gefragt: „Ist Mendel Gibbor gut von Herzen?" Und wie ich gesagt Hab': „Er ist gut von Herzen", — hat sic gesagt: „Salme,, wenn er einmal wird in. die Welt gehen wollen, und ich leb' noch, dann komm zu mir." — Und dann hat sie genickt, daß ich soll gehen, und, ich bin weggegangen. Und diesmal, ani ersten des Monats Tammns, wie ich Deine Traurigkeit Hab' gesehen und Hab' gchört, wie die Leut gefragt haben. Du mußt aus der Khillc gehen, Hab' ich mein Herz zusammen genommen und bin zu der Großmutter Malkoh gegangenHab' ihr__gcsagt, daß die Leut meinen. Tu -mußt auf die Dörfer mit Ware gehen. Ta hat sic lang still gesessen und hat kein Wort geredet. Nachher aber hat sie Handele gerufen, und die ist, aufgcstanden von ihrem Klöpfelkissen, und sie hat sich von Händele in die Nebenstub' führen lassen, wo die Bücher stehen. Und da hat sic mich gerufen und hat gesagt: „Salme, laß Dir von Händele das Messer geben und schneid' mir ab die fünfzehnte Perl' nick» kauf Ware." Wie ich das Messer in der Hand gehabt Hab', hat meine Hand gezittert, denn ich' Hab' gesehen, auf der linken Seit vom. Gebend' sind alle Perlen wcggewesen bis auf eine, die fünfzehnte.. Ich weiß iiit, wem sie alle, gegeben hat, da sagt.siezn mir-: ' ' ....... Frankfurters JSrorttsischÄ ,-Närrischer SÄmk,- Mäs KttM-'Ä-Mv-jKsK. TJch "Hab' von'Deiner-Hani^ abschneiden, lassendie -achte'Perl' . "nnd-Me^ zehnte-Perl^,^'ö'aß" Du den Lohn' der guten ■ 'Tat 'und' den Lohn dis treuen- Böten selbst empfangen. Bist 'Du besorgt um die letzte Pdrl"? - Sich' - her- "die, Seit, wo sic fehlen/ ist schöner wie'die Seit'- wo sie . n«h sind." Meine Haüd hat gezittert, aber ihre Lippen. haben gelächelt: ,Da Hab'-ich abgeschnitten 'die letzte; 'Perl und- Hab!- gekauft. 7 die Ware -in>d Hab' sie -Dir; -gekracht. . .. -;-z-; Jrtznick», Mendel,: weiß Dü alles." ■ Das Licht 'des jrühen Morgens drang durch die Fügen des Ladens erlestchtend in das ärmliche Zimmer. Als Saline seinen schüchternen Blick jetzt aus Mendel 'richtete, sah er diesen, wie von einem Zauber gefesselt, starr da sitzen, nur fähig, sein Staunen in einem -stummen Hin- und Herbewegen des Kopfes kundzugcben., Aber selbst in der spärlichen Beleuchtuiig der- Dämmerung entging cs' Salme nicht, wie : von dein Antlitz -des Freundes eine ganz andere Scelenstimmung sich abspicgeltc"ä!ls die, welche ihn seither beherrscht und niedergedrückt Mite. Ter -fromme Salme nahm dies mit tiefen, DAnl gegen Gott wahr, aber er' möchte durch keinen Laut die sichtbar^ heilende Wirkung seiner Mitteilungen aus das Gemüt seines Freundes und Schützlings störe». So schwieg denn auch er, und so saßen die beiden nöch längere - Zeit stumm -neben einander im - immer heller werdenden Morgenstrahl und ließen cs auch in ihren Seeles, lichter und lichter werden. Als sich aber endlich die Strahlen der über der Weichsel emporschwebenden Morgenröte hindurchzwängten durch die zwei Lädenöffnungen und über den Häuptern der beiden Freunde in Streifen rosigen Lichtes hin- schossen, da zog es wie ein ermunternder Lcbcnsgcist durch Mendel's Seele, und, sich aufrichtend in der ganzen Kräftigkeit seines Wesens, hob er den Freund Saline z» sich enipor und schritt mit ihm jiim Fenster, «in dies samt den Laden zu öffnen. „Seht,' Reb Salme", sprach Mendel ans ivärmster Seele, während Salme's Antlitz, vom einströincnden Atorgenstrahl hell' beleuchtet, sich senkte. „Seht, Reb Salme, wie Gott, der Gelobte, sein Aug' da herein schickt in die Finsternis, wo wir gesessen haben die ganze Nacht und jed' Winkelchcn ist lichtig geworden,. so habt Ihr heut Licht hereingegosscn in die Winkel von meinem Herzen. Und ich steh' vor Euch und sch' Euer Angesicht an und weiß nit, ob Ihr mein Engel Gabriel seid, der inir gibt meine Kraft, oder mein Engel Raphael, der da heilt das Herz, oder mein Engel Oriel, der da Licht ausgießt über die Seelei" „Mendel, Mendel!", unterbrach ihn Salme im bittenden Tone, „versündige Dich nit, daß Du rcdst solch Red' zu einem sündigen Menschen, der nit wert ist all' die Liebe, die Gott, gelobt ist Er, chm tut. — Wenn Sein heiliger Wille Trost und Heilung in Dein Herz geschickt hat, dann laß uns die Hände waschen, daß wir die Segcnsgebcte sprechen können von: „Gepriesen seist Du, der Du "scheidest Licht von Finsternis" bis „Der Du gibst, den Müden Kraft", daß wir erkennen sollen, daß Er gibt Licht und Er gibt Kraft, der da ist ein guter Gott für die Schwachen wie für die Starken!" Mendel blickte auf ihn' in Verehrung und Bewunderung. Sein Auge hing an diesem vom frischesten Licht des Morgens angesträhltcn Antlitz, in welchem tiefer /Schmerz und tiefe Frömniigkeit, wunderbare Schlichtheit und wunderbare Seelenfcinhcit gepaart lagen. Wie klein erschien sich Mendel in seinem bisherigen schmerzhaften Trübsinn gegen diesen Freund; lvie schwach er in seiner riesigen Kraft gegen den schwächlichen Mann, der schweigend alles so zu 'ertragen verstand! — Er erschien ihm in der Tat ein Engel Gottes, den; er Anbetung schuldig,, dem er aber, auch Gehorsam leisten mußte, wenn er ihm Schweigen auserlcgtc. „Reb Salme!" sagte er daher aus tief innerstem Herzen, -,Jhr seid der Bote von Gott für meine jungen Jahre gewesen, Ihr seid der Böte von meinen Eltern -ans dem lichtigen Paradies gewesen, Ihr seid der Bote, um mir wieder zu geben die alte Kraft, mit der ich von jetzt ab in Freud'will dienen vor Gött und vor Menschen! Ihr sollt von mir nit mehr einen"Seufzer hören -und nit mehr Traurigkeit in mir sehen, Ivas auch Gott, gelobt sei Er, in. Seiner Gnäd' über mich verhängt hat. Nur jetzund bitt' ich Euch, wie Ihr sp lichtig da steht' vor mir, legt Eure Händ' in meine Händ' und erhebet Euer Antlitz auf zu' mir, daß Ihr in meinem Angesicht seht, >vas da cingcgraben steht in meinem Herzen, und daß -ich auch ganz sehein Euer Antlitz, daß ich es. nil vergesse bis in die spätesten Tage!«" F; S AI NT^m’'~»Sr%3SS£ ALLE REPARATUREN an UHREN .. Gold und Silberwaren, Brillen und Zwicker;. Salme erwiderte nichts. Er legte seine ^»ände in die Mendel's und erhob auch das Antlitz zu ihm, und so standen -beide /"eine Weile und^ schüttelten sich die -Häildc .Jetzt aber vernahmen sie von der Gasse her den hinkenden Tritt Jankele's,.derleise, ein Pakctchcn unter dem Arm, heranschlich und .bald draußen am Fenster vor ihnen stand. >,Soll-ich leben!" ries er, indem er'das Pakctchcn. durch's Fenster hinein reichte. „Sott ich leben, das istein Glück, daß ich Euch da treff'. Ter Wächtnicister hat nit gewollt länger das bischen Ware bei sich halten, und bei Tag hätl' ich's auch nit gut über die Gaß' zu Euch bringen können." Mit diesen Worten übergab er den geretteten Rest 'von Mendel's Ware den -Händen Salme's, indem er lächelnd hinznfügte : „Verwahrt, es gut, Reb Salme, denn Mendel ist jetzund ein Trübsinniger, der das Päckchen dem Gensdarm noch nachwerfen möcht'!" . Mendel aber reichte ihm die Hand zum Fenster' hinaus und sagte: „Guter Jankele, sieh her, ich bin -kein Trübsinniger mehr! Da steht mein Engel, der mich geheilt hat!" und in der Tat, cs leuchtete ans.-Meudel's starkem Antlitz nur ivieder jener gutmütige Zug - hervor, der den gesesselken Gibbor zu charakterisieren pflegte; vöik^Trübsinn konnte Jankele nichts' m ihm entdecken. . ' Jankele sah lange mit freudigem Blicke in das Antlitz Mendels; endlich schob er sich lustig die Mütze aus der Stirn und rief: „Mendel,' Bruder, soll ich alles Gute haben! ich weiß, was Dir ist: Du bist verliebt!" — Mendels Gesicht wurde pnrpnrrv't, ivährend der scheue Salme schnell vom Fenster forteilte und sich mit dem Gesicht an den Ofen stellte/' als ob er diesem allein zu zeigen vermöchte, wie zur Bestätigung dessen, was Jankele aussprach, sein Mund zart lächelte: und seine Augen sich wehmütig senkten. — Jankele suhr indessen lustig fort: „Hör' zu, Bruder! Du wirst über kurz oder lang Hochzeit inachen. Siehst Du, ich versteh mich darauf, ich sag Dir, Du hast.: ein glückliches Angesicht. Und gib Acht, Mendel; "zn" Deinem Hochzeitstag komm ich vom End' der Welt und stell', mich dort auf den Sandberg hin und fang an zu spielen: „Einzig ist unser Gott", und spiel', bis von von dex Khillc gelaufen kommeil alle Mädchen mit halben Zöpfen und alle Weiber mit fliegenden Pantoffeln und alle Jungen, halb im Rock und halb hemdärmelig und alle Verheirateten mit Pfeisen ohne Pseiscnköps'; und ich spiel', bis sic weinen und lachen vor Freud', und bis mein Wachtmeister kommt und bringt den Vorsänger angeschleppt und den Baß und den SiiigerH und dann marschieren wir herunter in die Khillc und stellen uns nieder vor jedes Hans, wo da wohnt eine Braut oder ein Bräutigam mit dem lustigen Lied von der „Gesetzes-Freude", bis wir kommen da hierher vor Salmes Häuschc', der sich verkriecht vor jeder Huchzeit,Kino wo wir Dich und ihn heransholen zum listigen Berschleiern Deiner Braut. He, Reb Salme?" rief der begeisterte Jankele, der sich ans sein langes Bein. stellte und den Kops zunc Fenster hineinsteckte, „nit wahr, Reb Salme? Wird das nit e lustige- Hochzeit sein?- Was kuckt Ihr denn immer in den Ofen hinein!" Der arme Salme kuckte wirklich immerfort in den Ofen hinein und rieb sich in - größter Verlegenheit fortwährend die Hände; den Kopf zwischen den Schultern, das Sammetkäppelchen bis Zn die Augen 'gerückt, wollte er sich durchaus nicht umdrehen. Er begnügte-sich, mit einem Nicken des Kopfes und der beiden Ellenbogen eine Art bejahender Antwort zu geben; aber cs lag zugleich darin eine Bitte, zn schweigen, das Schicksal nicht zu berufen und ihn und Mendel zn schonen.; . "Jankele, der diese Anttvort halb und halb verstand^ lachte fröhlich ins Zimmer hinein. Gut, gut, steckt nur immer den Kopf in den Ofen, wir iverden Euch schon heransholen. Wann wir werden singen: / Kcizad merakdin ' __ Den Brautführer packt ihn! Lifnei hakalloh, Tanzt mit--ihm. Alle! da werd't Ihr schon tanzen, erst auf ein Fuß und dann, auf zwei Füß', da sollt Ihr schön lustig werden, Ihr stiller Mennist." - ' Bis dahin nahm Mendel den lustigen Scherz des sanguinischen Künstlers mit gutmütiger Verschämtheit hin; jetzt aber legte er seine breiten Hände auf dessen Schnl- >) Tenor. •- — ■ '' --

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