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Neue jüdische Presse · 1916-01-28 · Heft 4 (28.1.1916) · p. Seite 5

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
14 (1916)
Issue
Heft 4 (28.1.1916)
Date
1916-01-28
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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4. er die )C des lif die Feier Takt- Herrn .. Beeil orlbende orten: kung n l i ch tzaraltsfeicr achten hi tatmfsicl, daß es e An- ). als lercni- >ule. n, den lviir- : Leht Leh- »ildbc-- zogen, hülcr- :n, so r vcr- Zahl, ihercii Dr. »ischen ni den m die Lehrer. „Chaindern iltigcn e forg, za lcnch- Achule , der »ottesjr, die rudere vvllte. entnin ebcnd, findet, i Er- : herehren, igiing, glichen in der : fand nliche, suchte seinen reichen ng'ens, )aincn einer )altcr, ' Cha- .! lind tbarcr r hier M. teil3 einen er. Er i, die Bibel eines >n IVersten ldcrer-- jenge- - etwas tzteren Kriege ist be-- Ber- >, die iblische chalten esaijas ährend fe von gypten vischen : Pro- > '' c ganz FSrael Uli. 4 Frankfurter Israelitisches FainilienAatt. Lilie 5 winzige Andeutnnge», die sie uns geben, aber diese genügen, nin ein vollständiges Bild in der Phantasie erstehen zu lassen. Bei beiden Propheten finden wir auch die tiefe Empfindung, daß aller Kampf nur eine Vollstreckung des göttlichen Willens ist. Seine Anssagen belegt Referent mit Zitaten ans den betreffenden Propheten. .Daraus wendet' er sich der nationalen jüd.-biblischen Poesie zu, die" nicht nur lyrisch, sondern auch episch ist, Mit Josua beginnt die Reihe der kriegerischen Helden, die bis zum Ende - der nationalen Existenz des jnd. Dplkes bestehen. Besonders das Buch der Richter zeigt zahlreiche solche Helden ans z. B. Simson, Gideon, Deborah. Der Kamps zwischen Barak und Sißrah hat Gelegenheit gegeben. zu einem der schönsten Poesien der Bibel, zum Siegeslied Deborahs, das wieder —. wie übrigens die ganz biblische Kriegspvcsie — in kosmischer Weise dargestellt wird, . Znin Schlüsse wies der Redner nochmals ans die in der Bibel enthaltenen Gedanken vom ewige» Frieden. ' K. D—y. Personalien. Der .frühere Seniorchef der hiesigen Firma Steigerwald & Go., H erz Steiger Wald, feierte jüngst in erfreulicher Frische seinen 8U. Geburtstag. Im Verein mit seinem - entschlafenen Bruder hat er aus eigener Kraft in unermüdlichem Fleiß unter gewissenhaster Beobachtung der Sabbathhut die Firma von kleinen Anfängen zu ansehnlicher Höhe entwickelt. Möge ihm ein langes, frohes Alter bcschicden sein.; k. Unter starker Beteiligung aus allen Schichten unserer Gemeinde und unter Voräntritt von vier Knabenklassen der Israelitischen Volksschule mit ihren Lehrern wurden am jüngsten Montag Nachmittag die stevblichen Reste des Lehrers Joseph Juli ch zu Grabe getragen, Nach kurzem Kranksein war der in seinem Leben so tätige Mann durch einen jähen Tod infolge Herzschlags seinen trauernden Lieben und seiner Schule entrissen worden. Wie sehr das Wesen dieses eifrigen und erfolgreichen Lehrers der ernsten Arbeit zugetvendet tvar, sprach in seinem Nachruse ans dem Friedhofe Rektor Falk ovr einer zahlreichen Zuhörerschaft an der . Hand des Bibelwortes aus: „Tan legcwer ki jisso aul binurow". Möge der Unbarmherzige den Schmerz der Witwe, der Tochter und der anderen Hinterbliebenen lindern und ihnen Trost und Beruhigung schicken! Dem Heimgegangenen Lehrer aber, der auch ein treuer Kämpfer war ans dem Felde des tätigen Lebens, wünschen wir: „Tehi nafschan Zeruroh bizraur hnchajim". S. Kleine Notizen/ Im Anschluß an die am '15. und 16. Januar von der Ortsgruppe des 'Indischen Frauenbundes veranstaltete» beiden Versammlungen findet am Dienstag, 1. Februar,' abends 8Vs Uhr, Frankfurt-Loge, ein D is kn s s i o ns ab e n d statt. ICigan Ueb Ci Ctgarren-MDllep, gr. Esclienheimerstr. 31. Uebürauenstr. 1/3. Tannusstr. 47. ga^rren garetten erstklassigen Ursprungs. Parti e n I MIMon. Mendel Gibbor. Novelle von Aron David Bernstein (Fortsetzung.) „Rcb Salme", rief er, „guter Rcb Salme, redet, redet, habt ihr denn gekannt meine Mutter?" „Ich Hab' sie nit gekannt", antwortete Salme. „Ich Hab' sie nit gekannt, wie sie gelebt hat; aber ich Hab' sie erkannt, später, später." ' Mendel schauerte zusammen. „Redet, redet, guter Rcb Salme, redet!", bat er. Salme begann wieder: - „Nach zwei Jahr sind viel Hochzeiten gewesen in . der Khillc; sic haben sich alle wieder genommen junge Weiber —, nur ich nit und Chaskel Gibbor nit." „Ich bin krank gewesen, nit bettlägerig; aber der alte Kreisdoktor, der ein großer Kenner gewesen ist, hat mir gesagt, daß nur vor Schreck ein paar Nerven in meine-m-Jkopf gespungen sind. Die haben mir weh getan, manchmal-durch ganze Tag und ganze Nacht! Die Haare find mir aste heraiisgcfallen, und ich habe den Kopf nit anders. tragen können, wie niedergebückt. Früher haben mich die Leut gerufen: „Salme Mädchen", weil ich still gewesen bin wie ein Mädchen; jetzt haben sie gesagt, ich bin ein Mennist, iveil ich still gegangen bin mit meinem Kopf herunter, und iveil -sie gesehen haben, daß ich gern - geh - ans den Begräbnisort. Sie haben auch gesagt: „Saline, Du grämst Dich, und ,Dn murrst gegen den Heiligen, gelobt sei er! -- Aber - Gott, gelobt sei er, ist mein Zeuge, ich habe nicht gemurrt, denn ich Hab' doch gelebt vier Jahr und zwei _ - Monat mit meiner frommen Jütte, und das ist mehr gewesen, wie ein ganz' Leben und ein langes Leben." Film Dittiitb Mai.. W. Rutuasüi I Schillorati*. 18* Telephon I, 8630. H Seifen, Liebte, Kamm* und Bürstenwaren, H Besen etc. Cosmetische Spezialitäten. ■ Es lag in Salmes. Stimme nicht der Ton eines Schmerzes, sie ivar getragen vom Anhauch der Verklärung. Mendel faltete die Hände über seine Brust; es gingen Schauer über Schauer durch seine Seele, aber kein Seufzer unterbrach die Stille. Nach einer Pause hob Salme wieder an: „Wenn eine Hochzeit gewesen ist, bin ich gern hinausgegangen; und einmal, ivie ich Hab so gestanden unter dem Zelt ans dem Begräbnisort und Hab mir gedacht, wie sie sich alte junge Weiber nehmen, — da sehe ich Deinen Vater, Chaskel Gibbor, kommen. Ergeht gebückt mit seinem Kopf, stellt sich nieder an das Grab Deiner Mutter Elke — und weint." Salmes Stimme zitterte bei diesen Worten, so daß sie nur stockend hervorkamen. Durch Mendels starken Nacken aber fuhr inmitten der Atemlosigkeit, mit. der er der Erzählung horcht, ein Zucken, das sich über die Brust verbreitete und sie so hörbar hob und senkte, als ob er mit jedem Atemzuge mit schweren und immer schwerer loerdenden Lasten zu kämpfen habe. Eine Welle verging in diesem harten Kanrpfe, um sich schließlich in einem Tränenstrome Luft zu machen. Der Ansbruch war gcwaltsanl und übermächtig, aber kurz. Es waren die ersten Schmerzenstränen Mendels. Salme zitterte und bebte. So, gerade so, hatte er den Vater Mendels am Grabe seines Weibes weinen hören. Nach einiger Zeit wurde Mendel wieder Herr seiner Spräche, während Salme noch wortlos sein Gesicht mit den Händen bedeckt hielt. Mendels Hand suchte und fand in der tiefen Dunkelheit den Nacken des armen Salme. Er legte den Arm um denselben, und mit einer zarten, weichen Sttmmc, die gar eigen klang aus der starken, ebeir erst vom harten Sturm erbebenden Brust, sprach er znnr Freunde: „Guter Reb Saline, Gott, der Gelobte, ist Zeuge von dem, was ihr heute 'Nacht an mir tut. Recht, recht, wenn ihr könnt, nur iveiter, denn meine Seele schmachtet nach eurem Wort." Salme, durch achtzehn Jahre ein wohlgeübter Kämpfer mit jeder Art des Seelenschmerzes, bedurfte nur solch liebenden Zuspruchs. Er richtete sich ans, lehnte sich an den Arm des starken Jünglings wie ein Kind in treuen Vaterarmen und fuhr dann fort: „Nit einmal Hab' ich ihn gesehen auf dem Grab; ich Hab' ihn elfmal dort gesehen. Dreimal Hab' ich ihn Iveinen sehen. Ich Hab' ihn auch still kommen und gehen sehen. Ein paar Mal ist er auch hastig gekommen und ist nit durch die Tür gegangen: er ist hinübergesprungen über die Mauer. Zweimal hat er freudig ausgesehen. — Ich Hab' auch gelmißt, wann er hinausgeht. Er ist immer gekommen, wenn in der Khillc eine Freude gewesen ist und. kein anderer aus den Friedhof gülg. — Er wird es mir verzeihen auf jener Welt, daß ich immer gewartet Hab', wenn er nit wollt' gesehen sein. Aber ich wollt'-gern kennen lernen Elke, Deine Mutter, die da liegt neben meiner Jütte. — Und siehst Du, Mendel, da hat ich sie erkannt, Elke, Deine Mutter, denn etsmal Hab' ich geschaut in das Gesicht Deines Vaters. Ich Hab' gesehen, und weiß, sie ist gut und fromm gewesen — sehr gut ist sie getoesen uird sehr fromm —, und ich Hab' erkannt, daß sie wohl wert ist, JütteS Nachbarin zu sein im Grabe und Jnttcs Freundin im lichtigen Paradies." Es währte einige Zeit, bevor Mendel wieder die Kraft gewinnen konnte, ein paar Worte zu sprechen.- Tie tiefe Ehrfurcht vor den toten Eltern, die er nie gekannt, das Lob. der Mutter, von. der er noch nie fast hatte. sprechen hören, und das Zeugnis dieses Lobes, der Schmerz des Vaters, es waren all dies Eindrücke, die zu unerwartet und zu neu aus ihn einstürmten, um ihn nicht jedes Wortes unmächtig zu machen. Endlich, als er merkte, wie Salme fortfahren wollte, nahm er sich zusammen und sagte: „Reb Salme, habt Ihr denn nit gcred't mit meinem Vater, sein 'Andenken sei gesegnet." „Nein!" antwortete Salme, sehr erschüttert von dem bebenden Ton, mit dem Ai endet die Frage an ihn richtete. „Nein, Mendel, ich Hab' nit gercd't mit ihm." Ein tiefer, hoffnungsloser Seufzer des Sohnes, dem kein Wort des Vaters mehr überliefert werden sollte! Salmc's zarter Sinn verstand den Seufzer und empfand ihn als Vorwurf, gegen den er sich verteidigen niußte. „Ich will Dir die Wahrheit sagen",. sprach . er. „Ich Hab' Furcht gehabt vor ihm. — Ich Hab' es gesehen — in seinem Angesicht, daß er nit wollte, es soll ein Mensch wissen, was vorgeht in seinem Herzen. Er hat ainh nit gern gcred't mit Leuten aus der Khillc. — Seine gute, fromme Elke, — ihr Verdienst soll uns beistehen — hat er sich aus dem Torf geholt. — Er hat nit gern gearbeitet in Per Khillc und hat lieber gelebt und gearbeitet bei den Bauern. — Und einmal hat er gegen Leib Zodecks aufgehoben seine Hand und hat seinen Handschlag brechen wollen, weil Leib Lüge und Verläumdung ausgesprengt, hat, daß Chaskel bei einem Bauern treifenen Käse sollte gegessen haben. — Seit der Zeit hat er sich nit gern in der Khillc aufgehallcn. . Wenn er kam, blieb er nur bei der alten Tolze, die Dich in Kost gehabt hat. Nein, guter Mendel, ich Hab', nit gcred't mit ihm, aber ich Hab' auch nit reden brauchen. Er hätt' mir nit mehr sagen und erzählen können, als sein Angesicht und sein gebückter Kops auf dem Grabe von der guten, frommen Elke!" Der Brust Mendet's entströmte wiederum nur ein Seufzer: aber es war ein Seufzer anderer Art als der vorige. Es lag darin die tiefste Sympathie zum ganzen Wesen dieses Vaters und die Zustimmung zu Salmc's Behauptung, daß keine Unterredung der Welt so sprechend hätte sein können, als der stumme Schmerz am Grabe. — . Salme verstand auch diesen Seuszer. Seine Hand suchte und faßte die Hand Mendet's, und dann sprach er: ^„Rit wahr, Mendel, Du verzeihst mir's, daß ich nit gcred't mit ihm!" „Gott, der Barmherzige, soll mir so all' meine Sünden verzeihen", beteuerte Mendel mit tiefster Erschütterung. Es währte wieder einige Zeit, bevor Salme den Faden seiner Mitteilung aufnahm. „Zwei Jahre, nachdem von uns weggenvimnen worden Jütte und Elke — die da ruhen beisammen im Paradies —, da ist der Tag gekommen, wo auch die Welt gesehen hat, was für ein Herz Chaskel Gibbor hatte! Es war an dem Sabbat vor dem Pessachsest, und der Winter ist sehr hart getoesen; ipjr haben das Eis müssen aufhauen, um Wasser zu den Mazzos zu holen. Aber am Freitag ist das Wasser gar mächtig gestiegen, und die Weichsel ist aufgegangen und hat ganze Dörfer mit sich gerissen. Aus dem Eis kamen Häuser gefthivommen, wovon nur das Strohdach hat herausgesehen. — 'Am Sabbat vor dem Pessachsest vor der Predigt stand die Khillc an der Weichsel und hat schwimmen sehen Betten und Wiegen und ganze Scheunen und Dächer mitten im Eis.' Mit einem Mal hat sich ein Geschrei erhoben, daß sich Gott,, der Gelobte, im siebenten Himmel hält' mögen erbarmen. Man hat von oben herunter ein Strohdach schwimmen sehen, und auf der Stell', wo früher der Schornstein gewesen ist, stand auf einem Brett eine Bauersfrau mit zwei Kindern; und die Frau hat ein rot' Kopftuch in der Hand gehabt und hat gewinkt und gerufen: „Helft barmherzige Juden!" Es ist ein guter Sabbat gewesen, aber das Rufen hat durch all' unser Gebein gerieselt, und es hat sich ein Gewein erhoben in der Khillc, das hält' mögen kommen vor den heiligen Gott. Aber zu helfen is nit gewesen durch Menschenhand', das haben Juden und Christen gesehen. — Da erhebt sich mitten in dem Gejammer ein groß Geschrei. Chaskel Gibbor, der in der Khillc war wegen Mazzos, ist allein aufgesprungen und hat die Feuerleiter gegriffen von der heiligen Schul', die nit drei Leute tragen können; und wie ein Gibbor springt er damit herunter an die Weichsel. Er wirft die Leiter über die Eisfläche, und wir sehen, wie er über die Sprossen der*Leiter geht von einem Stück zum anderen, und wie er und die Leiter und die Eisstücke immer weiter und weiter hinabschwimmen. Die ganze Khillc sicht, wie er, wenn er auf ein groß' Stück Eis kommt, das ihn tragen kann, wieder Die Leiter weiter hinansstößt in die Weichsel und immer weiter geht. Und die ganze Khillc läuft nach bis weit aus der Sabbatgrenze, und man schickt ihm Segenssprüche und Gebete nach. Und er geht immer weiter, daß alle schreien und weinen vor Freude, wie früher vor Erbarmen. — Aber, es ist sein Tag gewesen. . . 7 . Man hat gesehen, wie sich plötzlich die Leiter aufrichter und das Grnndeis sie umriß. Man hat die Bauersfrau und die Kinder schreien gehört; man weiß nit, was. — Was sollen wir reden: es ist gewesen von Gott, gelobt Lomler & Laitseh I Tel. Hansa3148. Frankfurt a. 31., Liebfrauenberg33. ■ Specialhaus für Llnterkfefder und Strümpfe. ■ Niederlage echter Dr. Lahmann-Wäsche. M

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