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Neue jüdische Presse · 1916-01-21 · Heft 3 (21.1.1916) · p. Seite 4

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
14 (1916)
Issue
Heft 3 (21.1.1916)
Date
1916-01-21
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Frau Justizrat Heilberg -und Frau Professor Brieger erhielten von der Herzogin von Sachsen-Meiningen den Orden für Verdienst von Frauen und Jungfrauen in der Kriegsf.ürsorge. Kaufmann S. Nothmann in Myslowitz hat acht Söhne im Felde stehen. Pose«. Eugen Moritz au« Sulmirschütz und Georg Locwy aus Rawitsch! erhielten das Eiserne Kreuz. , ■ i : ftonftonj. Dr. Arthur Koblenzer, Bataillonsarzt, wurde mit dem Eisernen .Kreuz und der bad. Verdienstmedaille ausgezeichnet. Elberfeld: Leutnant Erich Nathan erhielt das Eiserjne Kreuz 1. Klasse. HeUbroa«. Arthur Marschall erhielt das Eiserne Kreuz. Nürnberg Joses Hesselberger, Oberleutnant bei der deutschen Militärmission in der Türkei, erhielt den türkischen Eisernen Halbmondorden. Wie«. Blochs „Oesterr. Wochenschrift" verzeichnet in ihrer letzten Nunrmer folgende Auszeichnungen an Juden: 5 Militärverdienstkreuze 3. Klasse, 14 Signum I laudis, 7 goldene Berdienstkreuze mit der Krone, 6 golsdene Bvrdienstkreuze, 16 silberne Verdienstkreuze mit der r Krone, 4 silberne Berdienstkreuze, 14 silberne 'Tapscr-- keitsmedaillen 1. Klaffe, 36 silberne Tapserkeitsmedaillen 2. Klasse, 44 bronzene Tapserkeitsmedaillen, zusammen 145 Auszeichnungen; darunter 33 an Offiziere des Soldatenstandes, 14 an Llerzte und' Militärbeamte Und 91 an Personen des Mannschaftsstandes. ' I Cigarren Ueberau Ci- UQllePj gr. Eschenbeimerstr. 81. Uebftauenstr. 1/3. Tannnsatr. 47. garren garetten erstklassigen Ursprungs, Partien I I- * Perso»atte« «. Kleine MttteUrmge«. Nürnberg. Amtsrichter S i g m. R i n d s k 0 p f, Magistratsrat Haus Hops, Justizrat Josephthal, Rechtsanwalt Karl Geiershöfer, Rechtsanwalt Dr. Michael Erlanger, Paul Fraukeuthal, Umtsrichter Friedr. Hirsch, Geh: Kommerzienrat Ritter v. Gerngroß, Jakob Kohü, Jsabella Heim .und.Paula Erlanger erhielten das Ludwig- Kreuz. Kmckh. Dr. Friedr. Morgenstern, Sigm. Schw arzenber g er, Kommerzienrat Albert Rosenfelder, Julius Biermann,' Kommerzienrat Hxinr. Mailänder, Will)'. ErdmaNn, Luise Ullmann, Geh. Hofrat Alfred Nathan, Kommerzienrat Heinr. Morgenstern, Kommerzienrat TH. Löwensohn erhielten das Ludwig-Kreuz. AnSbach. Rabbiner Dr. Ko hu wurde mit dem Ludwig-Kreuz ausgezeichnet. Stratzbnrg. E r n st L e v h, Extraordinarius für soziale Hygiene, Verfasser des „Grundriß und Leitfaden der Bak- ' leriolvgic", beratender Hygieniker des 15. Armeekorps, ist wegen Krankheit aus dein Lehrkörper der Universität ausgeschieden. Er, steht im 72. Lebensjahre. Zum Begirm des Schuljahres 1915/16 wiesen die höheren Schulen Elsaß-Lothringens 3718 Katholiken/,3503 Protestanten und 784 Israeliten auf. BreSimr. Emil Sachs, Vorstandsmitglied der jüd. Geineinde, Vorsitzender des Jsr. Speisehauses nsw., eines der geachtelten Mitglieder der jüd. Gemeinde, ist verschieden. Pose«. Das jüd Krankenu. Siechenhaus (Rohrsche Ststg.) verpflegte in' seinem letzten Berichtsjahre an 16761 Tagen 560 Kranke (darunter 159 Nichtjllben) und im Siechenhaus fünf Frauen. Die Durchschnittskosten für Kopf und Tag stellen sich,auf-7,40 W- (7,07 Mk. im Jahre vorher). Rentier Louis Veilch en seid-Berlin stiftete der Stadt Posen 30000 Mk., deren Zinsen uneheliche Kinder - gleichweicher Religion 8nd Mation genieß«: sollen. Rierftein. August Hirsch, Voistandsmiiglied der jüd. Gemeinde LPpenheinr-Itierstein, ein in der ganzen Gegend bekannter und geachteter Mann, wurde, Nachdem er in! Dalheim am Fahrkartenschalter zusammengestürzt und plötzlich gestorben war, auf dem israelitischen Friedhof in Oppenheim beerdigt. Seine Frau nahm sich den Tod ihres Mannes derart zu Herzen, daß sie einen Schlaganfall erlitt und in Gegenwart Rabbiners Dr. Ssalscld- Mainz und der Leidtragenden verschied. Burgprepdach. Da der Protest. Lebrer Dusel eingcrnsen wurde, so wurde der Lehrer L e v i von der Regierung beauftragt, dessen Schule, die' 69 Schulkinder zählt, weiterzuführen. Arahelm Holland) Frau Oberrabbiner Wagenaar geb. Wormser, die würdige Gattin unseres Oberrabbiners, ist zum Schmerz der ganzen Gemeinde verschieden. London. Das Gericht hat in einem von Sir Georges Makgill augestreiigten Verfahren - erkaimt, daß Sir Edward Spei er und Sir Er ne st Cassel (beide ursprünglich deutsche Juden, Cassel freilich längst getauft) dem geheimen Staatsrate angehören dürfe», obwohl sie Zlusländer von Geburt sind. „Morning Post" verlangt gegen dieses Urteil die Anruftmg eines höheren Gerichtshofes. Lord B u r n h a m, Besitzer des „Daily Telegraph", ist im Alter von 82 Jahren verschieden. Sein Vater, der die Zeitung gründete, hieß I. Mi Lebt- „ Jerusalem. I. Stark, Lehrer an der jüdischen Kunstgcwerbeschule „Bezallel", ein begabter Maler ist im Mer von 29 Jahren verschieden. Jaffa 'Palästina). Dr, Thon Hot die Lestung des zion. Palästina-Ar als und den Vorsitz des Amerik. Hilfsfonds für Palästina übernommen, da Dr. Ruppin nicht ottomanischer Untertan ist. F. SAINT-DENIS. «8-^KS.*! ALLE REPARATUREN an UHREN Cold und Silberwaren, Brillen und Zwicker. Frankfurter Berichte. Zionistische Bereivigung. Ern zweistündiger Vortrag ohne rednerisches Wirkenwollen. Schlichte Worte, schlicht gesagt. Dennoch ermüdete er nicht und Hinterließ einen tiefere Eindruck. Die Sachlichkeit der Ausführungen spannte die Aufmerksamkeit der Zuhörer und hinterließ, am Schluß die Ueberzeuguug, daß die Sache des Zionismus'durch den furchtbaren Weltkrieg und seine Umwälzungen nicht gelitten hat, ja sogar sehr gewinnen wird, wenn nur jeder einzelne Zionist in dieser gewaltigsten geschichtlichen Zeit seine Pflicht tut Palästina, der nationale Gedanke und die zionistische .-Organisation, — M diese jdre.i ihre Kraft in dieser eisernen Zeit bewiesen haben, das zu untersuchen; war die. Aufgabe des Redners: Dr. H antke-Berlin, Mitglied des Engeren Aktionskomitees der zion. Organisation. Das von den Zionisten in Palästina Geschaffene wird, wie sich nach der bisherigen Entwicklung bereits zeigt, die Krise überstehen; auch hie Organisation als solche hat bereits ihre Lebenskraft bewiesen, und der nationale Gedanke dürfte nach! dem Kriege In dier Jndenhieit überall nur a» Tiefe und Ausdehnung gewonnen haben. Soziale Tätigkeit »er jüdische« Kraue« im Kriege. Unter Mitwirkung der hiesigen jüdischen! Fraueiivereina veranstaltete die Ortsgruppe Frankfurt a. M. des Jüd. Frauenbundes ztvei groß angelegte, imposante Vcrsamm-n lungen, in welchen Mer die jüdischst Mitarbeit an der Krankenpflege und sonstigen sozialen Aufgaben 'im Kriege Bericht erstattet wurde. . Fräulen B. Pappenheim begrüßte das Pub--; likum und erteilte das Wort der ersten Refercntiu des Abends Frau Rabbiner Dr. Selig mann. In formvollcndetcr Weise und in hübschen Gedanken behandelte Rcferentin das - Problem der Wohltätigkeit und betvies die Notwendigkeit einer gesonderten jüdischst»'Wohltätigkeit. Es folgten interessante Referate von Frau N a s s au c r, r. Deutsch, Frau Schlesinger und Frau A» osenthaler, Rabb. Dr. Lazarus, Max Wertheimer, Frl. Pappen he int, rdie gleichfalls''beifällig ausgenommen wurden. Frau Henriette Fürth schaltete einen etwas abseits gelegenen Bortrag Mer Kinderpflege und Mutterschutz ein. Dabei behauptete Rednerin, -aß ehrlose, Mütter iiith Kinder gleichwertig mit Ehelichen sind und daher auch denselbst» Schutz und dieselbe Unterstützung wie die anderen verdienen. Diese Ansicht wies Rabbiner Dr. I. H'oro-? vitz vom Standpunkt des Judentums entschieden zurück. Auch -cm Referenten -Dr. .D c u t s ch passierte eine sonderbare, jedoch gewollte Entgleisung, er zog nämlich eine Parallele zwischen zwei Veranstaltungen, einer jüdischen und einer christlichen, für die Kriegsverwundeten im Krankenhaiise der israelitischen Gemeinde und zwar einem Eh a u u k k a - Abend unter Assistenz des Herrn Rabbiners Dr. Nobel und einer Weihnachtsfeier bei -er Anwesenheit rüne§ Pfarrers und Herr Dr. Deutsch! fand es fiir geschmackvoll, in edier geradezu provozierenden Art' anzudeuten, daß ihm se lb stv er stäu blich die chlri stliche Feier mehr als die jüdische gefiel. .. Mas aber Herrn Dr. Deutsch du Takt und Pietätsge fühl abging, das ersetzten angesichts des Ernstes des Abends die Versammelten, indem'sie diese Taktlosigkeit ohne Murren aufnahmen. Personalien. Dieser Tage waren vierzig Jahre vergangen, seitdem der allverehrte Herr .Jacob S. Posen zum ersten Male das heilige Amt der Miloh ausübte. Er hat in diesen vier Jahrzehnten an sechstausend Knaben die Miloh vollzogen. Der Miloh und der Unterioeisuiig junger Leute im Thorawissen galt jede freie Stunde, die er seinem Berufe Mringen konnte, — und in diesem selbstlosen, edle» jMischen Wirken hat er sich den Dank Tausender erworben. Kleine Notize«. Von der Lehrstellenvermittlung der Agudas Jisroel-Jugendgruppe (Hanaiierlandstraße 17), deren Sprühstunden jeweils Sonntags von 11—12 Uhr vorm, und Donnerstags von 9—10 Uhr abends sind, wird uns mitgeteiltz daß z. Zt. dort eine große Zahl von Meldungen offener Lehrstellen vorliegen. Die StellcnvermittluNg derweibl. Für-; sorge, Langestr. 30, istj iw ä>en 2. Stock gezogen und hat jetzt die Telefonnummer Hansa 3425. Bürostundcn: 9V2—HV2, 2—5 Uhr. Es liegen in allen weiblichen Berufen eine große Anzahl Stellengesuche vor. Mendel Gibbor. Fmilledm. M Novelle von Aron Dgvid Bernstein (Fortsetzung.) Salmes Hand zitterte; er konnte nicht ermunternd die Schulter des Freundes klopfen. Bald aber nahm er' sich zusammen und sprach mit schwächer Stimme; während er die schwache Hand auf der starken Schulter des Freundes^xnhen ließ: „Red', red', Mendel, ich bitte Dich!" „Reb Salme", sagte. Mendel, indem er lebhaft wurde: „Ich Hab' euch zu bitten!" „Red',, red'", sagte Salme. „Ihr habt mir",' fuhr Mendel fort, „nit sagen wollen, wer Euch das Geld gegeben hat zu der Ware, die Ihr mir gebracht. Jetzuird müßt Ihr mir's sagen, denn ich schwöre Euch zu, das; ich nicht aus. der Khille gehe, bis ich kann hintrctcn vor den, dem ich das Geld schuldig bin, und ihm sagen kann, daß ich schlecht gewesen bin, wie ich es angenommen habe, daß ich aber arbeiten iverd' mit meinen Händen, bis ich es ihm schicken kann auf den letzten Heller, so wahr ich ein ehrlich jüdisch Kind bin!" „Mendel", sagte Salme mit 'gcdäinpster Stimme, „guter Mendel, ich kann nit, soll Dir nicht sagen, wes cs ist!" „Reb Salme", sagte Mendel, und erhob sich heftig von dem Stein; es war als ob ein lang vcrhaltner Strom von Gefühlen plötzlich in der starken Brust zum Durchbruch konimen wollte. „Reb Salme, ich Hab ein Gelübde getan, eher geh' ich tvie mein Vater, Friede sei mit ihm, ins Wasser, eh aus der Khille, ohne zu wissen, wessen Geld ich fortgebracht Hab!" Saline sprang zitternd auf, blickte entsetzt um sich und klammerte sich mit großer Heftigkeit an Mendels Arm. Die Stelle,'wo Mendels Vater einst Mer Eisschollen hin den totbringenden Schritt getan hatte, war' nahe genug, um trotz der Finsternis der Nacht erkaimt zu werden, und. der Ton in Mendels Stimine hatte etwas, das dem armen Salme Entsetzen cinflößte. „Mendel", rief er „Mendel, ich ivcrd' Dir alles sagen, ivas Du ivillst; nur komm iveg von hier und laß uns hciingehen, denn es ist nicht recht, daß wir in den drei Wochen ans Wasser gehen, ivo es eine Gefahr ist. — Komm', komm'", sagte er dringend und zog den'Freund fort den Weg heimwärts. Aber auch daheim in der Wohnung Sälmcs konnten sie sich nicht trennen und sich zur Ruhe begeben. Sic saßen beieinander in tiefer, finsterer Nacht auf der Ofenbank und als Mendel nochmal in Saline gedrungen hatte, ihm den Naiiilur des Wohltäters zu nennen, begann dieser mit seiner leisen schüchternen Stimme tvie folgt: „Mendel, wenn ich meine Lippen öffne, um zu rede», tvill 'ich alles aus meinem Herzen herausreden vor Dir, wie ich rede vor Gott, gelobt sei er, in stiller Nacht, bis Du wissen wirst, warum Salme so still lebt wie ein Mciinist, und redet nit ivie andere Leut, und geht nit lote andere Leut, und ist nur gern zusammen mit Mendel Gibbor, der gar so anders geschaffen ist von Gott, gelobt sei er, wie der schwache Salme." Er machte wiederum eine Pause, welche Mendel nur mit einem Seufzer unterbrach, und fuhr dann unaufgefordert, wie im Selbstgespräch, in Erinnerungen verloren, fort: „Wie ich 21 Jahre alt gewesen bin, bin still gewesen, aber fröhlich von Herze», und bin ausgcgangen mein Brot zu verdienen, nit bei den Bauern, nur bei den Edelleuten, die da gekannt haben meinen Vater, Friede sei mit ihm, und die da gewußt haben, daß unsere Hände ehrlich sind gegen Juden und gegen Christen. — Und da hat man mir eine Heirat angetragen, und ich Hab' meine Jütte gcnonimen, die da gewesen ist von der großen Familie und dem Adel, von dem herstammt die— Großmutter Malkoh, deren Tugend und deren Frömniigkeit ein Schutz ist für die ganze Khille." Wieder machte der Erzähler eine Pause, fuhr aber dann mit zaghafter Stimnie, fragend zu Mendel gewandt fort: „Mendel, weißt Du was das ist, die Liebschaft von der Jugendzeit?!" Mendels Mund blieb verschlossen, aber den Seufzer der unwillkürlich aus der Brust hervorstieg, vermochte er nicht niederznhalten. Salme fuhr fort. „Alles lvas da geschrieben "ist in unserer lieben heiligen Schrift und alle Vorträge, die gehalten haben unsere Propheten und unsere Weisen über die Jugendliebe und über das Weib der Jugend, Hdbe ich alles verstehen gelernt, wie ich gelebt Hab' mit Jütte. — Gott, gelobt sei er, wird es mir verzeihen, ' es hat mein Herz damals inehr noch erlebt, als tvie da eingeschrieben steht in allen den heiligen Büchern! Denn ich Hab gelesen und gelesenals ivas eingcschreiben ist vonden frommen Frauen und ich Hab' nit gefunden ihresgleichen." Mit' noch leiserer Stimine aber in noch gehobenerer Stifiimung fuhr er nach einer Weile fort: „Bier Jahre hat ilns Gott der Gepriesene, beieinander gelassen. Sein heiliger Wille hat uns begnadigt mit Kindern, aber ihr Herz ist von Tag zu Tag freudiger geworden, und wenn sie gehofft hat zu Gott, dem Gelobten, auf seine G»ad

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