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Neue jüdische Presse · 1916-01-14 · Heft 2 (14.1.1916) · p. Seite 4

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
14 (1916)
Issue
Heft 2 (14.1.1916)
Date
1916-01-14
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seile i -- V Wcanksurrer Israelitisches FamiitenRatt. Nr. 2 Förth Mayer«). (Ft« historischer Rückblick nach dem „Fr. Kar.": Die hiesige Chronik vom Jahre 1616 berichtet folgendes über die jüdische Gemeinde: Diese hatte sich nnter markgräflichem Schutze rasch vermehrt. Für diesen Schutz hatte jede Familie 10 Gulden 30 Kr. j ähnlich zn entrichten. Dagegen durften sie unter sich ein: eigne - kirchlich-politische Korporation Hilden, tvclchc Verträge schließen und liegendes Gut erwerben konnte. Sie dursten ihre Religion und ihre Zeremonie» stei ausüben, ihre Räbbiirer, Gemeindevorsteher und Judcngcricht wählen und Gewerbe zum Gebrauche ihrer Gemeinde treiben, auch sich Gemcindeabgaben auferlegen. Dagegen konnten sie kein Bürgerrecht in der politischen Gemeinde erwerben und in keine Zunft ausgenommen werden. Zur Tragung der allgemeinen Lasteil des Ortes wurden sie bcigezogen. Den christlichen Gemeindemstgliedern gegenüber standen sic unter gleichem Rechte mit denselben, ebenso in Zivilsachen. Auf öffentliche Aemter und Würden hatten sie keinen Anspruchs auch von der Waffenpflichjt waren sie ausgeschlossen. Sie gründeten eine eigene Hochschule, auf welcher sich mitunter einige Hundert fremder israelitischer Studenten befanden. Auch eine Buchdruckerei mit hebräischen Buchstaben lvurde errichtet, und im gleichen Jahre die jetzt noch stehende Hauptsynagoge erbaut, welche 1617 eröffnet wurde. Bon 1706 wird bemerkt, daß zwischen 350 bis 400 besteuerte jüdische Familienväter hier ansässig waren. Aus dem Verzeichnis ist ersichtlich', daß solche aus den verschiedenste»! Gegenden Deutschlands hierher verzogen ivarcn, so aus Frankfurt am Main, Mainz, H/rmburg, Wie», Prag und Naumburg. Budapest- In Bözöd-Upsalu ^Siebenbürgen) der-, schied Joseph Sattos, der letzte Sabbatäer. Die ehemaligen Anhänger dieses Glaubens, durchweg dem Szekler Bolksstaurm entsprossen, uahnien in den siebziger Jahren das Judentum an. Joseph Sallos war der einzige der alten Szekler, der sich nicht zuni Judentum bekannte, sondern fortnell' Katholik blieb. Er war ein strenger Sabbatäer, der den Sabbattag streng beobachtete, keine Schweine hielt und bloß Fleisch aß, das rituell geschlachtet war. Sallos war 22 Jahre hindurch Richter der Gemeinde, ein Misterrichter, von dessen Fleiß und Ehrlichkeit man im ganzen Bezirk sprach!. Die Sekte der Sabbatäer entstand im sechzehnten Jahrhundert in Böhmen. Sie feierten neben dem Sonntag auch den Sabbat (Sonnabend). Zu Anfang des siebzehnten Jahrhunderts fand die Sekte auch in Siebenbürgen Anhänger. Die letzten Reste, etwa 30 Familien, traten znm Judentum über. London. Postmeister Samuel wurde zum M i n i st e r des Inner« ernannt. Petersburg »"rahamE Harkavy. bekannt als Forscher auf dem Gebiete der jüdischen- und der stavischcii Geschichte, feierte seinen SO. Geburtstag. -Hwurde in einer kleinen litauischen Stadt geboren, besuchte die Wvlosciner Jeschiwa. die Wilnacr Rabbinerschule u.die Petersburger Universität. Di: Negierung s-ind'e ihn nach Deutschland zur Fortbildung insemstischen Sprachen, da sie ihm eine Professur für Semitisch und Arabisch an der Petersburger Universität übertragen wollte. Der Heilige Shnod erhob jedoch Einspruch, und so wurde er als Bibliothekar au der Universitätsbibliothek an-, gestellt und blieb in dieser Stellung. Warschau. Rabb. Samuel Jakob Weinberg inlS.cheriads ist —71 Jahre jalt — verschieden. Warschau. Schn,« l Le ' b Pr iw es. einer der ungesehensten Juden.Warschaus,' der sich um die sozialen Institutionen der Warschauer Judenheit große Verdienste erworben hat, ist verschieden. ILomler Xjait*cli I TeLHansa3l48. Frankfurt a.M, LiebfranenbergSä'l Sper.ialbans für Unterkleider und Strümpfe. ■- Niederlage pp.Uer Dr. Lahmann-Wgsche. W Der Krieg »uv die deutsche» Jude«. Frankfurt a. M. Fabrikant Solomon Frank spendete der Stadt 20000 Mk. deren Zinsen Mannschaften deutscher Unterseeboote sowie deren Angehörigen zukommen sollen. - Frankfurt a. M. Karl Scheidt. Herderstr. 30, z. Zt. als Feldlazarett-Inspektor, im Felde erhielt das Eiserne Kreuz. Breslau. Leutnant Max Schall-Breslau, Max Nebel, Obermaschinistenmaat Max Rnnd-Gleiwitz, Brnno Kuttner-Görlitz, Oberstabsarzt Dr. Mankiewitz-Neiße und Walter Weigert erhielten das Eiserne Kreuz. Oberarzt Dr. G. Goldschmidt -Breslau erhielt den bayr. Militär-Verdienstorden m. Schwertern. Pose«.^ Veterinär Golbberger-Krojanke und Martin Fis äh er-Posen wurden mit dem Eisernen Kreuz ausgezeuhpet. : Berlin. Bataillonsarzt Dr. James Pick. Assessor Dr. Fritz Cohn, Ernst Cohen, Dr. med. Wollenberg, Referendar Kurt Steinitzx Dr. med. Kurt Singer, ein Sohn des verstorbenen Coblenzer Rabbiners, Assistenzarzt Dr. Max Berliner, Robert Klein, Unterarzt Max Rvsenberg, Walter K- Mayerhof, Feldwebellentnant Ignatz Silberstein, Georg Sachs, Richard Cohn, Alexander Hab e r und Leutnant F r i e d. G,i t t s m a n n erhielten das Eiserne Kreuz. Grstzelcholzheim sBaden). Isidor Spatz, Sohn von Leopold Spatz, erhielt.das Eiserne Kreuz. Mönchen. Julius Ball wurde zum O v c rlcutnant ^befördert. Wien. ÄlochS „Oesteir. Wdchenschrifl" ve-zeicbnctin ihrer letzten Nummer folgende Ausze i ch »i n n ge n an Juden: ) Kvmtnrkreuz, 1 Osfizicrskrenz und 2 Ritterkreuze -des Franz Josef-Ordens, 3 Militärverdienstkreuze, 1 silberne und 21 bronzene Verdienstmedaillen (Signum landis), 8 goldene Verdicnstkrcnze niit der Krone, 2 goldeiie Verdienstkreuze, 27 silberne Verdienstkreuzc mit der Krone, 8 silberne Tapserkeitsmedaillcn 1. Klasse, 27 silberne Tapserkeitsmedaillen 2. Klasse und 73 bronzene Tapferkeitsmedaillen, zusammen 174 Dekorationen; hiervon 44 . an Offiziere desSoldatenstandes, 16 an Aerzte und Mlitärbcamtc, 114 an Maimschastspersonen. KI. Optiirsr, 1. vriile», Phtcenez, OpernsHi&er, Feldstecher) in jeder opt.-iueciian. Spielwaren.. j Preislage Eisenbahnen, Dampfmaschinen, Laterna-Hsgica, Kinematopption etc. Zionistische Arbeit. Rabbiner Stwfau S. Wise sprach in San Francisco (Amerika) ans einer Massenversammlung. Es wurden sofort 22 500 Dollar gezeichnet und weitere 5000 Dollar garantiert. Die Zionisten' in Kanada haben während der letzten zwei Jahre folgende Snniincir aufgebracht: 8640 Dollar für Nationalfonds, 2035 Dollar für Schekel und Zentralfonds und. 6210 Dollar für Hilfssammlunge». Das Zentralkomitee der Zionisten Argentiniens überwies dem amerik.-jnd. Hilfskomitee als weitere Rate 48000 Frcs. für die vom Kriege betroffenen Jtlden. Die Englische Z i o n i st e n - F o e d e r a t i v n veranstaltet Ende Januar einen Dclegiertentag in Manchester. Frankfurter Berichte. Verein für jüd. Geschichte und Literatur. lieber „Die deutsche Gegenwart im Lichte der jüdische Vergangenheit" sprach am vorigen Mittwoch in der Franksirrter. 'Loge, iiw Aufträge des Vereins für jüdische Geschichte.und Literatur, Rabbiner Dr. Eschelbacher ans Düsseldorf. Redner zog eine Parallele zwischen den Wesen zweier Nationen, der j ü dis ch e n und - der d e u t s che», und deren Geschichte. Das jüdische Volk war gleich dem deutschen. von Beginn seines geschichtlichen Daseins an infolge seiner sittlichen und geistigen Hebe r legenheit ein Objekt dcs Neides und des diesem entspringenden Hasses der eS umgebenden Völkr: und deshalb mußten beide dank ihrer exponierten Stellung bei ungeschützten Grenzen in Mitte grimmiger Feinde einen schlvcrcn Daseinskainpf führen. In seinen weiteren Ausführungen konstatierte Mdner, daß aus Grund historischer Aentzernngcn und Wese ii S in c r k in a l e des Volkstums dieser beiden Völker fcstgestellt werden kann, daß sie k v s in v p o l i t i s ch und'national zugleich sind; in Zeiten des Friedens und der n ationalen , Sich e'rheit betätigen sie sich kosmopolitisch, dagegen) in der des Kampfes und der drohenden Gefahr nationa listisch. Diese beiden Faktoren durchziehen, wie ein roter Faden nicht nnr idie Bibel, sondern auch dw anderen-jüdischen Schriften. Sy sehen wir, daß, während einerseits die jüdische Betätig nng und Anteilnahme an den Literaturen und Wissenschaften fremder Völker sehr st a r k und u »t - faiigrcich sind, andererseits starke A b s ch l i e ß u n g s - und A b s o ii d e r u hjj smaßna h m eit ocst.hen. So gut crsiere ihren kosniopolitischüi Meinungen sind (letztere ihrer nationalen Veranlagung znznschrcibcn. Alle Absonderccngsverbote, wie das Erlernen desGriechischcn um das Jahr 120, wie auch! die von Speise und Trank, sind nicht ans Rückständigkeit und Engherzigkeit z n r ü ck z u f ü h r e n, vielmehr sind sie ein Podnkt der Not der Zeit, einfach ein Gebot der E r h a l t u n g; imd hjerin sind sich, fast alle unsere Großen aller Zeiten, die in allen ihren Einschränkungen und Absoiiderungsmaßregeln einem Derantivortnngsgefühl gegenüber ihrem Volke gefolgt sind, gleich. Nur Verleumder imd verräterische N e n c g a t c n, von denen sowohl das jüdisch: wie auch das deutsche Volk so viel zu leiden hat können ein Gegenteiliges behaupten. Auch in gerechter, objektiver und milder Beurteilung des feindlichen Gegners und der Mvtive seines gehässigen Gebahreus gleichen sich beide vollkommen; daher auch der Mangel «ii Haß bei diesen beiden Nationen, gegenüber i h r e n n n g e r e.ch t c n iindböswil-- ligenVerfolgern. Die interessanten Ansführnngeii des Referenten fanden allseitigcn Beifall. Personalien. Einer unserer angesehensten Baale Batim, den die größte Bescheidenheit ziert, Herr Samuel Mainz, feierte diese Woche seinen 75jährigen Geburtstag. Derselbe zeichnet sich durch große Wohltätigkeit ans, die er auf altjüdische Weise im Stillen übt, lote auch, durch seine Liebe zur Thora, deren Studium er täglich obliegt. Er ist seit ca. 40 Jahren Vorsitzender der Schaß-Kippo, ans deren Mitte seinerzeit die Religiousgesellschäft gegründet wurde, und lebt ganz nach dem Vorbilde seines berühmten Vaters Rabbi Mansche Mainz s. A. In Anerkennung seines stillen, vielseitigen Wirkens wurde ihm von Sr. Ehrw. Herrn Rabb. Dr. Nobel der Chower Titel verliehen. Kleine Notizen. Auf Anregung der Ortsgrupp Frants»r t a. Al. des Jüd. Frauenbundes finden am 15. und 16. Januar Frankfurt Loge,. Eschersheimer Landstr. .27, abends 8 Ahr.Versammlungen statt, in welchen über -Jüdische Mitarbeit an den sozialen Aufgaben im-Kriege, berichtet werden wird. Es sind Referate in Aussicht geiwmmeii über: Verwundeten sürsorge, Nlntterschaftsversichernng, Hanswirtschasl. im Kriege, Armenpflege, Kinderpflege und Jugendpflege, E i n - tritt frei. . r' i Das Mitglied des engeren. Aktionskomitees, 3iechtsanwalt Dr. H a n t k e-Berlin wird Dienstag abend — 8Vs Uhr, Steinernes Haus — in der Frankfurter Zionistischen Vereinigung sprechen. . Es sei daraus lhingewiesen, daß die am Samstag und Sonntag Abend in der Frankfurt Loge stattflndendc Versammlung vv n den beiden jüdischen Fr an. en - Vereinen' gemeinsam veranstaltet wird, und daß seitens der Jüd. Faneirrvereinignng Frau A. Rosenthaler ein Refcva übernommen hat. „VICTORIA“ Erste Berliner Wäscherei und Glanz-Plätterei Hansa Tel. 2002. |3 GotlCDtStraSSO 18. HamaTel 2002 Spezialität: Kragen, Manschetten nnd Hemden. Meudel Gibbor. W iFenUTetoa Novelle von Aron David Bernstein (Fortsetzung.) Durch die laue Mitternacht rang sich daher manch tiefer Seufzer aus den Herzen empor, nianch frommes Auge!var heute von mehr als einer Sorgentränc feucht, und als die Frommen sich gesammelt im Beshamidrasch und 4m Dämmerlicht einer Wachskerze'sich die greisen Gestalten niedergelassen hatten ans die Erde, erscholl der Klagepsalm: „An den Bächen Babels saßen wir und lveintcn", in erschütterterem Tone als sonst und das alte Klagelied: _ - Samaria, erhebe Klagetöne, Gebeugt in Sünden Last, Vertrieben in die Fremde meine Söhne, Im Flammengrabe Tempel und Palast, Und Zion rufe: Hin ist alles Schöne, Seit Du, o Gott, Dein Haus verlassen hast! ergoß sich in seiner tiefen, allbekannten und untergelegtcii Melodie, weithin hallend über das ganze Gebiet der Gemeinde. , . ' Gebeugten Hauptes vernahm es auch die alte Malkoh, die noch in ihrem Stübchen wachte, dessen Jimeres spärlich erleuchtet und dessen Läden und Fenster ebenfalls noch in die Nacht hinein geöffnet waren. „Hstndcle, mein Kind", sägte sie zu ihrer Enkelin, die nebeii ihr an den» Lehnstiihl ständ, „laß uns setzen niedriges denn der da wohnt in der Höhe, erhört, 'was da klagte in der Nieder (Tiefe)." ' ( [' Häiidcle brächte schweigend zwei Bänkchen herbei, hals der Großmiitter aus dem Lehnstuhl und setzte sich neben sic nieder, und zlvei Fraucnstimmeil sangen leise, die eine im bebenden Tone des höchsten Alters, die andere in der weichen Frische aufblühender.Jugend, das Klagelied im Urtext mit, >vie es heute andächtiger hinaufsticg aus der Tiefe zur Höhe. Aber auch in zlvei andere Herzen fielen heute die Trauertöne mit mächtigerer Gewalt als je. Salme Mennist und Mendel Gibbor waren nicht unter den 'Betenden. Nachdem sie die letzten Stnndcn schweigend in der dunkeln Wohnung Salmes zugcbracht hatten, gingen sie auf Mendels Bitten an dem Wcichselstrand hinunter und. schritten nebeneinander stumm dahm, Mendel in schlvermüsigcr Träumerei, Salme in wortarmer Besorgnis um den FreiM. Jetzt, als der Klagcgcsang .zu ihnen nicderschallte, berührte der scheue Salme Mendels Arm. „Komm, Mendel",' sagte er leise, „laß uns da nicdersetzen auf den Stein und die Mitternachtstrauer mitinachen, daß Gott, gelobt sei Gr, heilen .möge Deine Traurigkeit unter aller Traurigkeit von Israel." Ohne ein Wort der Erwiderung folgte Mendel seinem treuen Begleiter, und beide, aneinander auf einem Stein am Weichseluser sitzend, stimmten ein in das alte- Klagelied, mit leisem Gesang, niit welchem das Murmeln der Wellen, die leise den Strand bespülten, im harmonischen Einklang stand.' . Es trat eine Panse im Beshamidrasch nnd mit ihr tiefe Nachtstillc ein. Salme, nahe an Mendel - gelehnt, wandte sich wieder zu diesem, der stumm vor sich hin sann. . ' . „Mendel", sagte er schüchtern, „kannst Dn^ mir nit sagen was mit . Dir ist?" . ' - „Ich kann nit", seufzte Mendel. „Mendel", hob Salme nach einer Pause tviedcr an, „kannst Du nit dem Rabbi sagen, was Dein Gemüt beschwert?" Mendel seufzte noch schwerer auf: „Ich kann nit, ich kann nit, guter Reb Salme!" -f*

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