Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 13 (1915)
- Issue
- Heft 51 (31.12.1915)
- Date
- 1915-12-31
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2692297-2692924-2692974--09282-2704484- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 2. Fumkfurter Israelitisches Familienblatt. Nr. 51 >io Gi wahre Prachtexemplare gescheit, hochgewachsene," - schlanke, muskulöse und energische Menschen, die in ihrem nicht immer ganz ungefährlichen Gewerbe von keiner Gefahr zurückschreckten, Makkabaergestälten. - Ich habe von jener Zeit her mchj auf Grund persönlicher Erlcbnissc großes Jutereffefstr den Holnischen Juden ernpfuillrcn, wie ich ihn Äort in den Meder-, nngen -und Wäldern an 8er DAna gewissermaßen lim Urzuständekennen gelernt habe. Diese Leute, deren Vorfahren im Mittelalter aus Deutschland ausgewandert sind, teils von den polnischen Königen gerufen, um einen im Wurde -fehlenden Mittelstand zu bilden, teils vertrieben durch Judenverfolgungen, bilden eine in sich abgeschlossene, wvhlorganisierte Sprach- und Knlturgemeinschast, von der spater mehr zu reden sein wird. In den olkupierten^Gebieten sollen etwa H'h MMonen, im übrigen europäischen Rußland weitere 4 Millionen Juden vorhanden sein. Ter oben erwähnte Ursprung dieser jüdischen Bevölkerung erklärt ihre eigenartige Sprache, den Jargon, der nichts weiter als ein deutscher -Dialekt, gemischt Mit Hebräischen und 'slawischen Brocken, ist Lid von jedem. Deutschen leicht verstanden wird: Der Jargon ist das feste Bindeglied für die Gemeinschaft, die meisten unserer Klassiker sind in ihn übersetzt; so bildet die Sprache wieder den Zusammenhang zwischen Deutschland und den Juden des Ostens, die — gewissermaßen in der Diaspora lebend — im fremden Lande und t>ler slawischen Bevölkerung gegenüber den gormanischen Gedanken vertreten. Troß aller Bemühungen, sie zu russifizieren oder zu polonisieren, haben die Ostjuden mit verschwindenden Ausnahmen, im Gegensatz zu ihren Stammesgenossen im Westen Europas, Eigenart und Sprache rein erhalten und bilden aus diesem Grunde ein hervorragendes, nicht zu unterschützendes Bollwerk gegen das -Russentllm und die Gefahr des Ostens. Es. liegt somit auf-der Haüd, daß wir ein erhebliches' Interesse daran haben, die Judenschast des Ostens als solche zu erhalten und' ihr erträgliche Lebensbedingungen zu schaffen; auch können wir uns nur so vor einer andernfalls unausbleiblichen Massen-, einwanderung polnischer Juden schützen, die' dioch gewiß recht unerwünscht sein würde. Mit per staatsbürgerlichen Gleichberechtigung wird sich sehr rasch ein Aufschwung des Wischen Volkes zu höherer Bildung vollziehen. Und da ^reicht Fer nicht entwicklungsfähige Jargon nicht aus^ der wohl sür die Volksschule genügt, aber sicherlich schon in den Mittelschulen durch eine zivilisierte Sprqche ersetzt werden muß. Es bleibt also nur die Wahl zwischen Deutsch und Polnisch, —-mnd unser Interesse verlangt da gebieterisch die Ueberleitung Aer jüdischen Volksschule aus dem Jargon in das Deutsche. Nicht plötzlich und auf einmal kann sich diese Wandlung vollziehen, denn die' Menge des. Volkes hängt mit großer Liebe wie an religiösen . Ueberlieferungen auch um Jargon; aber allmählich >nd naturgemäß wird sich mit Höherer Bildung auch das Bedürfnis nach^der neuen 'Ausdrucksform entwickeln. K Hierfür, vorzusorgen, wird eine der vornehmsten Ausgaben des neuen Staates'sein. Als einfachstes Mittel zur Erreichung dieses Zieles erscheint die ' Einrichtung von Matrikeln — und zwar für alle nationalen Minderheitennach Analogie der Konsulatsmgtrikel, wie sie schon der österreichische Reichsratsabgeordnete Renner vmgeschlygen hat, um die Nationalitätenkämpfe in ^aem gemeinschaftlichen Landtage zu verhüten. Jedem geschloffenen Volksbestandteil soll hiernach vollkommen. Autonomie in allen Sprach- und Kulturangelegenheiten gegeben werden, zu welchem Zwecke die Eintragung in die Matrikel erfolgt. Da die Mitglieder einer Matrikel eine Sprachgemeinschaft bilden, regeln sie örtlich das Volksschulwesen; mehrere örtliche Gemeinschaften werden zu einem „Kreise" zusammengefaßt, dem die Sorge für die Mittelschulen obliegt. - Me Kresse der Matrikel endlich bilden einen Obersten 3iat", dem das Hochschulwesen und Verwandtes obliegen. Wie heute schon in Len Religionsgemeinschaften, wird diesen Kulturgemeinschasten eigenes Steuerumlagerecht verliehen und die Befugnis, W eigenen. Angelegenheiten autonom zu regeln. - Zn Meser .Form wird der Schutz und die Erhaltung der nationalen Minderheiten in dem neuen Staat möglich sein, und gleichzeitig dem deutschen Gedanken eben durch die Mischen Kulturpioniere Sympathien bis weit nach Asien hinein erworben werden. " Eine bemerkenswerte Rede Jacob Schiffs. Auf einer von der Kaufmanns-Liga in New Zork einberufenen Versammlung, die eine Bewegung zur Sammlung von 30 Millionen Dollar für die 5 Millionen durch den Krieg notleidend gewordenen Juden Rußlands, Polens, Galiziens und Palästinas einleiten sollte, hielt Jacob Schiff folgende Ansprache: „Wir sind nicht hier, um uns einander Weihrauch zu streuen. Wir sind wegen ernster Dinge hier. Ich bin sehr enttäuscht, daß nicht so viele "anwesend sind, wie ich mir dachte. Ich glaubte, den Saal bis zum letzten Platze gefüllt zu sehen, und statt dessen sehe ich nur eine Handvoll Menschen. Was bedeutet ein.Abend, um ein solches Werk zu tun? Was wollen und können wir tun? Wir haben ein Hilfskomitee begründet, und in.iy2' Jahren hat es nur 1,300,000 Dollar gesammelt. Wie lächerlich gering j ist diese Summe für die drei Millionen Juden Amerikas, von denen etwa 100,000 reich sind. Es sollte für uns nicht ,gu viel sein, 30 Millionen Dollar aufzubringen. Wir müssen mehr geben, weit mehr geben, wenn jene Männer, Frauen und Kinder,, die unser Fleisch und Blut sind, nicht umkommew sollen. Ich glaube, daß jeher Jude Amerikas wenigstens für einen Juden in den Kriegsgebieten auskommen könnte. Manche könnten, für hundert oder gar tausend verantwortlich gemacht werden. Ich danke Gott, daß ich. für so. viele , die Verantwortung trage, und ich wünsche, meine Pflicht , gegen sie zu erfüllen. Ich bin stets ein Verteidiger der Juden gewesen. Ich glaube," daß sogar, der arme Jude für seinen leidenden Bruder etwas erübrigen kann." *) Jubiläum im Jerusalemer „Schaare-Aebek"- Kraukeuhaus Wenn auch' im Ernste der jetzigen Zeit der Einzels mit seiner Freud elund seinem Leid in den Hintergrund tritt, so kann es' sich, der Vorstand des „Allgemeinen Jüdischen Krankenhaus^ Schaars Zedek zu Jerusalem", dessen Sitz in Frankfurt: a. M. ist, doch! nicht versagen, mich in der Oeffentlichkeit des Abschlusses der 25 ja hörigen Tätigkeit eines hochverdienten Chefarztes und Direkwr des Hospitals in Jerusalem, Dr. Moritz Wallach, zu gedenken. In diesen Tagen war es, da vor 25 Jahren der junge, von allen hohen menschlichen und jüdischen Idealen erfüllte Arzt sein Amt in Jerusalem .antrat. Es galt damals zunächst, als Armenarzt zu. wirken und, dabei die Vorstudien und Vorarbeiten für die -Errichtung des „Schaars Zedek"-Krankenhäufes zu machen. . Außerordentlich segensreich war die Tätigkeit, die Dr. Wallach von Anbeginn seines Wirkens in Jerusalem an entfaltet, und unermüdlich way er, als es galt, das von hier aus geplante Werk durch' alle" Schwierigkeiten hindurch der Vollendung entgegenzuführen. Unter seinen Augen wurde in den Jahren 1896—1902 das Krankenhaus errichtet, welches heute eine stolze Zierde der jüd. Bevölkerung im Heiligen Lande bildet, und welches dank seiner vorzüglichen hygienischen Einrichtungen und dank seiner vorzüglichen Leitung durch Herrn Dr. Wallach, und seinen getreuen Genossen, de« Verwalter Jonas Marx in einem Maße retteiü» und segenbringend wirkt, daß die. höchste Anerkennung über, die Leistung des Krankenhauses nicht nur von denjenigen ausgesprochen wird, die seine Wohltaten genossen haben, sondern von Tausenden von Besuchern, die seit seiner Eröffnung es zu sehen Gelegenheit Hätten. Ungezählt sind -ie freiwilligen Ausdrücke der Anerkennung, die nicht nur von jüdischen Besuchern, sondern auch einer großen Reihe nichtjüdischen Besuchern, darunter hohen und höchsten Persönlichkeiten, ausgesprochen wurden. ~ ° seit die Anstalt auf diese Höhe gebracht.und aus iyr er halten zu haben. Es wurde tut Rahmen dieser Zeilen zi, weit führe», eine eingehende Beschreibung alles dessen zu geben, was das bei den leider immer wiederkehröndc» Epidemien für die Bevölkern^, der Heiligen Stadt und des Heiligen Landes bedeutet.. - fuf et indet: »äuptei es Le egangi ihlte jündel In welchem Maße das Krankenhaus mit der. Per- S« sönlichkeit seines Direktors und Chefarztes verknüpft ist _ drückt sich in schlichiter, aber um so eindringlicherer WcisRhied^ s in dem Namen aus, unter dem cs in Jerusalem landecht i läufig bezeichnet zu werden pflegt: „Das Wallach Spital". " Möge es Dr. Wallach, der mit den geschilderten Tugenden die höchsten eines wahrhaften Menschcufreuuoc. iigenst igen chorei und herrlichen. Jehudi vereinigt, noch lange Jahre vorackere gönnt sein, zu seiner Befriedigung und zum Wähle der Bevölkerung der Heiligen Stadt zu wirken. X Aus crllev WM. Deutsches Reich. Ai erg. md p iir da torber Sti n Lei!56 B Berlin. Der Vorsitzende, Heinrich Freirich, er lerechi IMonte!ärtei amu öanie!. Kl indtc laben L «hmi?ol> öffnete die Generalversammlung der Israelit. Fortbildungs Vereins - fiors", indem er der gefallenen Mitglieder Dr. Heinrich Barth. Mendel Joelsohn, Isaak Loewenberg und Ä. Nathanson öatoxb gedachte. ' Er erstattete sodann Bericht.-'Der Verein besteht 30 Jahre und ist allmählich der Sammelplatz der gesetzes- « U treuen jüd. Jugend Berlins gewordeu^Trotz des Kriegelbteil hat die Zahl der Schiurim nicht abgenommen. Den ctnn stblio 100 Mitgliedern im Felde wellten von Zeit zu Zeit Liebes- »ts j gaben gesandt. Ms geistige Kost sollen sie nunmehr Sab-Mr. E bat-Briefe erhalten. . " Die Vorstands Wahl Hätte folgendes Ergebnis Edmund Levy (1. Bors.),- Hein rich! FretrichUz,e (2. Vors.), Felix Koref, Richard Engel, B. Laskowitz, Moritz Nenberger und David Offenberg. /- Rutzlaud. Wie über Stockholm berichtet wird finden in Finnland Judenverfolgungen statr. Die Polizei geht mit großer Harte gegen die russi schen Judenvor. Täglich^ kommen Ausweisungen vonfest l Frauen und Kindern vor, unbekümmert Harum, ob da >ed Männer im Felde stehen. Für das Jahr 1916 sollen wie verlautet, den Juden weder Händelserlaubnisscheiin noch Haiütwerksdokumente ausgehändigt werden. Dii mwa Durchführung dieses Vorhabens würde die Bertreibunz «s g aller Juden aus Finnland zur Folge haben.;crirf Baron Alexander Giuzburg in Petersbur, md, richtete an den, bekannten Philanthropen Hlermani „eil Landau in London einen Brief über die \!- verzweifelte wirtschaftliche Lage der Juden in Tarnopol, welche galizische Stadt ja noch im Besitze der Russen sich befindet. Die Lage sei so schlimmdaß der'russische Kommandant von Tarnopol dieserhälb einen Besuch bei dem jüd. Hilfskomitee in Petersburg machte. er. a l i T ozial egen ine riebt an jetr etro TEE-SCHMIDT mo' J er eit, lebe NETJE 20. TeL Hansa 1126. Nr.12 Sottch.-Peko-Congo-Mischg. Mk.4.40 „ 7 Ceylon-Orange-Peckoe ,, 3.40 )r. Java-Brnch-Tee ... Hk. 2.70,3.20 fit» 1 Eibo Soma Hk. 860, 8.—^ 8^0. Es ist das hervorragende Verdienst Wallachs, durch seine'aufopferungsvolle, nnnmer rastende, liebevolle Tätig- *) Schiffs Worte sollten auch bei den Juden Westeuropas Widerhall finden. \ 7 In diesen Tagen E zTÄves —> jWct sich^ zum ersten Male der Tag an dentMartiu Feist, ein Welsjude im edelsten Sinne unserer BibÄ, in Feindesland siel. Aus seinem Aufruf an die Znhansegeblie«-i b eneu möge hier folgende Stelle in Ellnnerung gerufen werden: „Kr Zuhausegebliebenen, was könnt ihr von Glück sagen, daß es Euch erspall blieb, die Schrechrn des Krieges zu erfahren. Ö - körsirtet Ihr es riMitz verstehen, Ihr Reichen, doppelt würdet Ihr Hand und Herz öffnen, um 'die Not unp däs Elend M lindern, wülltet Eäch groß als Menschen und noch -größer in Euren Psitchten als Juden zergech; - 5Mr ckiurdet verstehen, daß es in dieser Zeit doppelt am Platze ist Hu spenden und zu geben." Der Krieg und die-deutschen Juden. Berlin. HoLschul-Asststent Ernst Blaschke, Sck Professors Dr. B. in Berlin, und' Fritz Falk, Sohi oes Kaufmanns F. in Emmendingen, wurden zu Leut n a n t s hefördell. ' : Wien. Blochs „Oesterr. Wochenschrift" verzeichnet ii ihrer letzten Nummer folgende'.Auszeichnunga n ar Juden: 1 Ritterkreuz des Franz Joses-Ordens, 2 Militärverdienstkreuze dritter Klasse,-1 silbernes und-' 39 bronzene Signum laudis, 10 goldene Verdienstkreuze mit dci Krone, 6 goldene Kerdienstkreu^e, 22 silberne Verdienstkreuze mit der Krone, 10 silberne Verdienstkreuze, 8 silDe« berne Tapferkeitsmedaillen 1. Klasse, 18 silberne Tapserkeitsmedarllen 2. Klasse, 47 bronzene Tapferkeitsmedaillen, zusammen 164 Auszeichnungen; hiervon . 45 an Offizi«' des /Soldatenstandes,' 21 an Militärärzte und Militär-l beamte, 98 an- Personen des Mannschystsstandes. Persouatte» u. Kleiue RtttteUnuge«. Berlin. Landrichter Dr. Joel wurde zum Land g er ich ts rät befördert. - - Nürnberg. Medizinalrat Dr. Feb ers chmidt hm im Vereine fisr Geschichte der Stadt Nürnberg einen Vortrag über'das Thema: ,>Die Totenbestattung in Nüniberg. vom Mittelalter bis ins 18. Jahrh'underP', worii er am Schlüsse noch folgendes/ uns Interessierendes anfügte: - '7" - . . /7' Die Juden, welche nachweislich schon, längst vor Anfang des 13. Jahrhunderts in Nürnbergansässig. warenMe, bestatteten ihre Toten im'Gegensatz zu den Christen v» den Toren der Stadt. Der älteste Friedhof derselben befand sich vor dem Lauferschlagturm,' umschloß nicht m» g einen Teil des jetzigen Laüferplatzes, sondern auch bei V sog. Manghof sowie die vorüere und hintere Beckschlager mgasse. Nach der im Jahre 1499 erfolgten Bertveibung de Juden wurden die Grabsteine entfernt,' der Platz überbaiitM ichc eig ch! Nd iri, est fl er l A ur lal ich au hu