Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 13 (1915)
- Issue
- Heft 50 (23.12.1915)
- Date
- 1915-12-23
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/2692297-2692924-2692973--09275-2704476- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 4. Franksarter FSraclitischeS FaMlienVIM. Nr. 50 Nr .. ft' F. SAJNT-DENI5. y'ÄifiUSI.*! _ . ALLE REPARATUREN an UHREN Cold und Silberwaren, Brillen und Zwicker. als Salme am zweiten Festtage an seiner Seite aus : der Schul ijrim\jutb auf Lein Wege hineinging in das Haus Her „Großmutter Malkoh", um sich von ihr segnen" zu lassen, weil seine vor achtzehn Jahren ver- Korbcue Frau eine seine Verwandte der Malkoh war,- - mir da, als Mendel ftr der Ferne auf seinen Begleiter gewartet hatte, fiel diesem die wehmutvolle Miene auf, mit der ihn Mendel empfing. < Der stille, wortkarge Salme sah ihn-frageud an; als . -Antwort sprach Mendel die Worte vor sich hin: „Ich Hab am heiligen lieben Feiertag nit einmal einen, der'mich segnen, mag." Wer nach dem Feste, als die Werktage wilder anginAen, in denen nieumnd sonst munterer war als Mendel, kam es schnell ans Tageslicht, daß ein >Geist der tiefsten Verdrossenheit über ihn Herr geworden war: Es fiel an ihm nicht bloß eine Menschenscheu auf, sondern er erschreckte alle, die ihn zur Rede stellten durch ei» heftiges Wesen, das sich nichts — , noch nicht mal eine gntnüitige Neckerei — gefallen lassen mochte. Ja, als er zur Sonunermessc die Wagen packte, geschah cs mit solcher Gleichgültigkeit, daß alle erfahrenen Frauen der Gemeinde . bedenklich den Kopf schüttelten und einander zuraunten, es gehe Mendel doch" wie jldcm Gibbor, der seinen Handschlag gab, er werde des Khillelebens überdrüssig und werde so „verzweifelt, daß er, Gott soll behüten, noch einmal rmter die Soldaten gehen könnte." Wenn Mendels Lebensübermut ihn nicht zu solch verzweifeltem Schritte trieb, so verdankte er dies der Auskunft, die sein treuer und.besorgter Gönner Salme Menuist ihm, aufzwang? Mehrere Tage versuchte cs dieser vergeblich, den Grund des auffallenden Trübsinns Mendels zu erforschen. Er bekam nichts zu hören als die traurige Mage: „Ich bin mein niedrig Leben satt." Ms aber j<de tröstliche Zurede ohne Einfluß blieb, da. ^entschied eure unerwartete Tat Salnies das Lebensschicksals, Mendels. Der notorisch arme Salme, der seinen . Unterhalt nur kümmerlich durch kleine Besorgmigen erwarb, mft welchen ihn von Zeit zu Zeit einige altangesessene Gutsbesitzer der Gegend betrauten, trat eines frühen Morgens mft einem großen Packen Hausierwaren vor das Lager Mendels, auf dem dieser jetzt wider seine Gewohnheit länget als sonst verweilte, und dessen Hand treuherzig fassend, sprach er nichts als die bittende Worte: „Nimm und geh aufs Dorf!" Stumm wie Mendel auf die Frage Salmes geblieben war, verblieb dieser auf alle die Fragen Mendels, woher er die Ware habe. „Nimm und geh aufs; Dorf" war alles, was Mendel zu hören bekam. ' Drängend, rührend, ja sogar unter Tränen iviederholtc Salme inimerfort diese Bfttc, was auch Mendel einwandte. Er konnte nmr nicht anders. Diese schlichte.Treue Salmes fachte üt der Tat den jungen Lebensmut in dem starken Menschen imeder an. Er steckte die Gebets- . ziemen in seine Tasche, nahm den Packen auf den Rücken und den Stock ftr die Hand, er preßte Salmes. Hände, küßte treulich dreimal die Inschrift an der Türpsoste, beteich: „Der Allmächtige er bewahre und errette mich vor allem Bösen", und ging unter dem Wunsche vieler, die es sahen, „daß ihm der Prophet Elias begegnen möge", hinaus aus der Khille ins Dorf. Zwei. Sabbate war er schon heimgekehrt. Zwar' ohne von der gewünschten Begegnung erzählen zu können, aber; doch mit ausgerichtetem Mut; denn die Bauern .. und . Bäuerinnen taten bald vertraut mit dem starken - Menschen. Wie ihm zum drftten Male nicht der alte -Prophet Elias,' sondern der neue Gensdarm begegnete,' und wie dieser ihn in die Khille zurückbrachte, haben , wir im Anfang unserer Erzählung gesehen. ' Die Hände auf dem Rücken, das Haupt tief ge- - beugt und mft dem elegischen Zug in seinem markierten? Gesicht, dem trotz alles Trübsinns der Anflug duld- - 'saurer Gutmütigkeit cingeprägt blieb, ging Mendel - - zwischen seinen Begleitern am Weichsickufer dahin. Er ' schüttelte verneinend auf alle ihre Trostsprüche den Kopf uild blieb von Zeft zu Zeft stehen, um sich aufzurichtcn und in der SchMle des Tages hoch aufzuatmen. Wenn sein Blick hierbei au den Ufern entlang in die. Ferne schweifte, war cs, als ob er den Wunsch ausdrückcn 1 OflßBnbaeher Druckluft>Anlag>‘ I I Offenbadl a. HL Telefon 128« (Ansehlnss mitErankfnrt).« I Bewährteste Tapplchrslntpung (100,000 qm jährlich)! 1 sowie unQbartroHana Battenn. Bettfedernrelnl-I mwmm flunB mitteißt Drncklnftund. Wasserdampf. mmI sollte, recht bald -weg ausdem Bereiche zu kommen, Ivo eine niederdrückcnde Vergangenheit hinter ihm lag. Jankele Klesmer, hitzig wie alle genialen Künstler-, naturcn, konnte diese stille Wlvehr alles. Trostes nicht, ertrage». Er stellte sich auf seinen langen-Fuß, als Mendel wiederumseufzte und sagte: „Nu, was ist denn da Großes mit Dir, Mendel, das ist schon manchem Hausvater" passiert!.- Und Du bist ein lediger Jung!" Aber Mendel legte ihm die schwere Hand auf die Schulter- und sagte unter einem Seufzer: „Jankele, ^s ist nit meine Ware!" — und ging kopfschüttelnd weiter. * " - Der mit der Prosa des Lebens vertrautere Wachtmeister hatte praktischeren Trost in der Hand. „Mendel", sagte er, „laß Dü ihn nur den Packen auf die Amtsstube bringen; der Bürgermeister ist. nit daheim, und abwarten kann er bis er kommt. Er wird aus der Khille reiten müssen, ehe der Packen unter Siegel gelegt wird, und wir werden Zeit haben, ihn zu untersuchen und Deine Lejbwäsche herauszunehmen und für seinen Anteil andere Ware hineinzustecken!" Jankele sprang wieder auf sein langes Bein, griff nach der Hand des Wachtmeisters "und rief hochbegeistert: „So wahr ich lebe, Du wirst ein glückliches Los im Jenseits haben, mehr als zwei Juden! — Wir werden den ganzen Packen austauschen, Mendel!" Der Wachtmeister schüttelte den Kops, als wollte er andeuten, daß selbst die gegründeten Aussichten auf Anteile des künftigen Daseins nicht die strengste Pflicht aufwiegen, auch in solchen obrigkeitlichen Handlungen die Grenzen der Möglichkeit inne zu halten. Er blieb mit würdevollem Ernst dabei, daß er nur Leibwäsche" herauszunchmen und zur Ausfüllung des Packens einige gleichgültigere Dinge hineinstopfen werde. Allein, es war bekannt, wie in damaligen reglcmcntsmäßigen, volkswirtschaftlichen Konfiskafionsfällen selbst Bürgermeister zuweilen soweit gingen, ganze Röllchen Haubenbänder und Dutzende von Taschenmessern in die Rubrft „männliche Leibwäsche" zu schieben, und cs stand als Tatsache fest, daß Wachtmeister hierin viel milderen Urteils waren. Von unserm guten Wachtmeister dergleichen erst versichern zu müssen, hieße ihn in den Augen unserer Leser herabsetzen wollen. Mendel legte dem Wachtmeister nur die Hand auf die breite Schulter und schüttelte, sie in treuem Dank, aber er blieb auch hierbei stumni und niedergedrückte Ehe sie das Gehöft des obrigkeitlichen Hauses betraten, sprang der geniale Jankele nochmals lebhaft auf sein langes Bein und packte Mendels Arm, um dicscnr recht eindringlich seinen Trost zuzurufen: „Mendel", sagte er, „gib acht, was Gott, der Gelobte, noch machen wird. Du wirst noch großes Glück haben, und vom End der Welt komm ich noch an, um einmal auf Deiner Hochzeit aufzuspielcn. Den Bösewicht aber bringen doch noch die Koronower unter sich, und wir Juden werden Pergeltung an ihm erleben." (Fortsetzung folgt.) I UbFBn, Gold warBn,TpaupInoBJed- Ttian gut and preiswert im BB1. Trauring-Eck "MW Prankftnrt n. H., Trierisohe Gnrrs 81 Eoke TOpgesgasse,vis-i-vis d. Hasengasse. kr Pletzsch> unSÄe, I Wie Rothschilds gebe«. Wohltun ist eine Kunst. Mit dem Geben ist vieles geschehen, aber bei weitem nicht alles. Mt 'Herz und Verstand gebe», den Umständen Rechnung tragen, die Persönlichkeiten schonen,, in den Bedrängten vor allem dasx quälende, die Einpfängerfrcude aufhebeirde Gefühl des Beschenktwerdens nicht aufkommen lassen: dazu gehört psyologische Weisheit, Vornehmheit der Gesinnung und innerliche Schulung. ' , - In wie hohem Maße sich'die. Rothschilds diese Tugeichen zu eigen gemacht hatten, dafür bürgt aufs neue ein kleiner Briefwechsel zwischen dem Wiener Ba ron Anselm von Rothschild und Hei nrich Heine,: den die „Deutsche Rundschau? letzthin ihrer reichert, köstlichen Dokumentenmappe in einer Veröffentlichung von' Friedrich Hirth, dem geschätzte» Herausgeber von Heines Briefen, entnommen hat. Heine war brieflich bei dem Wiener Baron Rothschild gelegentlich der Eröffirung der Wiener — späterhin und auch heute noch Oesterreichischeu Kreditanstalt für Hairdel und Gewerbe vorstellig geworden. Unter'»! 24. Dezember 1855 antwortete ihm Baron Anselm v. Rothschild in folgender Form: ~ , - Wertester Herr Heine! Ihr freundliches schreiben vom 16 teil d. M., in dessen Besitz ich gestern gelangte, gewährt mir die angenehme .Gewißheit, .daß, wenngleich:Jhr Körper durch langjährige Leiden miedergebeugt, die Frische und der Humor des Geistes sich doch. bei Ihnen ungeschwächt erhalten hat. Sie ^gehören jenen bevorzugten-Naturen an, bei. denen das geistige Wesen die: Materie beherrscht.^ . V Sie wünschen, meist werter' Herr-Leine, daß ich Sie bei dem nunmehr ins Leben tretenden Geschäft.der Kreditanstalt für Handel 'und Gewerbe nicht ganz, umgehe. Ich könnte-Ihnen gleich hehr lieben Herrgott in Schillers Dichtung mit de» Worten erwidern:; „Was tun, die Welt ist hingegeben? Willst Du in meinem Himmel mit mir wohnen?" demr ich erhielt Ihr Schreiben, nachdem nicht nur die öffentliche Subskription geschlossen, sonderir auch Heren Resultat, Ustd welch? ein dürres (da sich dieses nicht? über 2o/o der eingezeichnetcn. Beträge erhob) veröffentlicht, war. Wo ich jedoch voraussetzen darf, daß Ihre Moeteuseele so spät als möglich ihren Sitz Neben Zeus Thron aufznschlagen sich anschicken hnqchte, und ich Nicht so verschweirderisch wie dieser Heidengott mit den Schätzen devErde wirtschafte, sondern für Männer, die mir nahe stehen, wie für solche, die ich achte, bei dergleichen Geschäften etwas in Reserve halte, so stelle ich Ihne», als der Zahl der letzteren angehörend, gerne den Betrag von St. 100 Aktien in der Art zur. Verfügung, daß ich nun Ihrer gefälligen Rückäußerung entgegensehe, unt diese Wtien zu ihrem gegenwärtigen Stand von 10°/» Agio wiederum käuflich von Ihnen zu übernehme» und das Nutzergebnis mittelst einer Anweisung auf mein dortiges Haus zu. begleichen. Ich ergreife diesen Anlaß, Ihnen werter Herr Heine, die Zusicherung meiner freundschaftlichen Gesinmnig und ganzen Wertschätzung zu erneuern. . As. v. Rothschild. Der schwerkranke Heine, der außer einer jährlichen Rente von 4800 Francs nichts besaß und dazu eine verschwenderische -Frau hatte, nahm das generöse Anerbieten an und schrieb: > Hochgeehrter Herr Baron! Ich habe dieser Tage mit großem Vergnügen dero geneigte Ziuschrift erhalten, worin Sie mir Anzeige machten, daß ich über das Provenü des Rückkäufers laus 100 Aktien, womit Sie mich bei Ihrer Bank beteiligt, verfügen könne, und daß"Sie bereit wären, mir diesen Betrag in einer Tratte auf Ihr hiesiges Haus zu remittieren. Indem ich Sie, Herr Baron, bitte in letzterer Weise zu verfahren, sage ich Ihnen meinen wahrhaftesten Dank für dieses Geschenk, ich sage Geschenk, denn ich hege nicht jenen kleinen Bettelstolz, der nicht gern die Sache bey ihrem rechten Namen nennt, obgleich ich dennoch eingcstehe, daß Sie durch die merkantilische Fikzion, womit Sie Ihr Geschenk bekleiden, mich doppelt verpflichtet und erfreut haben; ich sehe darin ein -Zeichen der Achtung für einen Poeten und zugleich ein -Zeichen Ihrer Pietät für den Geist überhaupt, den selbst der Hochgestellte nie verletzt, ohne dadurch zu beurkunden, daß er nicht zur Parthey der Geister gehört. Wie wenig verstehen zumal die Neo-Millionäre die Kunst des Gebens! Jedes Mal, wenn sie uns ein Stück Geld znwerfe», werfen sie uns zugleich ein Loch in den.Kopf; denn sie wissen, die feineren Köpfe, die leicht wicndbar, nicht tzu unterscheiden von dem dicken Hirnschädel des Pöbels, der alles verttägt. Ja die Kunst des schönen Gebens wird in unserer Zeit immer-seltener, in demselben Maße wie die Kunst des plumpen Nehmens, des rohen Zugreifens täglich allgemein gedeihet, daher nochmals meine Danksagung, Herr Baron, -für? Gabe und Form des Gebens, so wie überhaupt für den Anteil an meinem traurigen Leibeszustaicd, der sich' in Ihrem Briefe so liebreich und gefühlvoll ausspricht. ' , - Genehmigen Sie die Versicherung, daß niemand mehr als ich der getreue Verehrer einer Familie ist, wo die jüngere Generatton so würdig in die Fußtapfen der älteren tritt und auf welcher auch in dieser Beziehung der - Segen Gottes so sichtbar ruht. Hier haben wirklich die Tugenden der Väter Häuser gcgrnirdet und ivelch glänzende Häuser! Ihre Familie lcht gewiß eine providenzielle Bedenttlng von der glorreichsten Art. In dieser Ueberzeugung und mit den besten Wünschen für Ihr besonderes Heil verharre ich, HerrRaron, . Ihr ergebener H. Heine. Umgehend erividerte Baron Anselmv. Rothschild: Wien, 3ten Jan. 1856. Wertester Herr Heine! Mit kaufmännischer Pünktlichkeit entspreche ich dem in Ihrem fteundlichen Schreibeic vom 30. vorigen Monats ausgesprochenen Wunsche, indem ich an heüttgem Tage die Ihnen zugeteilten Äktten realisierte. Das Reinerttägnrs dieser glücklich vollführten Keinen Operation empfangen Sie in dem drinliegenden Wechsel von Fr. 4000 auf mein dorttges Haus, dessen Sie sich bedienen wollen. Dergleichen Geldrimessen in päpierner Form sind selbst dem feinsten Hftnschädel nicht gefährlich, und so hoffe ich, mein werter.Herr Heine, daß Sie die gegenwärttge'als eine freundliche Erinnerung meiner bettachten und - gefuehmigen wollen. Mt dem erneuerten Ausdrucke meiner ganzen Werischätzuisg bin ich, mein werter Herr Heine, Ihr ergebenster As. v. Rothschild. tonneMdlisIliecr tlgemetri Thee import Ronnefeldt.Frankfurt*M. ) *5 Ffigen Sie. Ihren Sendungen ins Feld eine Schachtel Fsyß 'ächte Södener Mineral-Pastillen’ bei. Sie erweisen damit unseren tapferen Kriegern einen Erstens sind. „Fäys ächte“ ein vorzügliches Mittelwegen alle Erkältungen Und zweitens wirken dieselben darstsfiUend. Verlangen Sie. aber. ausdrücklich „Fays ächte“, weil minderwertige Nachahmungen bestehen. 2 I und i jüdisck der j lussio erörte Iberüh sessor I klinge A I jiidisck I tuitg leinen Imöcht iPolen Ivon i lauszu I Angel lein g Itzerr Igekehl Iverpfl lutir c lrut)igi llicrun löicrer 2 Ilich d Ißtfllunb o lihn t Ibicffci luicht Imen- 6 Ihaupt Men kill Mt,r Fudei Ken ' »eist Zcusck «nF C üenß ßodz, tcr g «erko Ilagcr Ichor fei d Schaft! 2 Iiische Ichliej paben seren »it hicsm |übifc leditf nett Irosti Ufi nd t bis iici nt «AI »jü ] **'4.'