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Neue jüdische Presse · 1915-12-23 · Heft 50 (23.12.1915) · p. Seite 3

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
13 (1915)
Issue
Heft 50 (23.12.1915)
Date
1915-12-23
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 50 Pose». Dr7. med, LandSberg-Pösrn, Fritz B o äs - Tirschtiegel. Simon . Bäsch - Rogasen Unterarzt Max I e r nchim- Lobseiis, Hermann Enge kmann-Meseritz, Sieg fr. Ruschin-Rogasen, Alfred Wolsf-Lissa, Berth. Dobrrn und Ignatz S i l b e r ste i n - Posen erhielten das Eiserne Kreuz. V . OberapothekerHngo Eilenberg erhielt das baher. Militärverdienstkreuz 1. Kl. m. Schwertern. Ludwig K a a tz - Pieschen würde zinn Leutnant befördert. J ’ I Basel. Der israel Frauenverein sandte an die jüdischen Kriegsgefangenen in Traunstein und Holzminden achtzig Pakete mit Kleidern, Wäsche usw. - IN der Generalversammlung der israelit. Gemeinde - teilte deren Vorsitzender, I. Dreyfnß-Brodsky, mit, daß sich die Gemeinde als Vertreter der Schweizer Juden an die In d e n d e r neutralen Länder mit dem Ersuchen gewandt habe, darüber zu beraten, wie bei den künftigen Friedensverhandlungen möglichst günstige Bedingungen für die Juden jener Länder erlangt werden können, in denen sie noch keine Gleichberechtigung , besitzen. 1 ' Wie». Blochs „Oesterr. Wochenschrift" verzeichnet in ihrer' letzten Nummer folgende Auszeichnungen an F u d e ti: 3 Ritterkreuze des Franz Josef-Ordens, 3 Militärverdienstkreuze 3. Kl., 1 silbernes Signum laudis, 20 Signum laüdA 6 goldene Verdienstkreuze m. d. Kn/. 4 gol-, deue Verdienstkreuze, 16 silberner Verdienstkreuze m. d. Kr^, 5 silberne Verdienstkreuze, 15 silberne Tapferkeitsmedaillen 1. Klasse, 36 silberne Tapferkeitsmedaillen 2. Klasse, 26 /bronzene Tapferkeitsmedaillen, zusammen 135 Auszeichnungen; darunter 32 an Offiziere des Soldatenstandes, 14 an Militärärzte und Mlitäroeamte und 89 au Personen des Mannschaftsstandes. Oberst Neu mann, der wieder eine Tapferkeitsauszeichimng erhalten hat/ ist ein Sohn des Kaufmanns und Talnmndgelehrten Salomon Neumaun s. A. in Mißlitz. Oberst Neumann hat eine Anzahl feinsinniger Novellen und Skizzen geschrieben. Budapest. Der König machte dem in bescheidenen Verhältnissen lebenden Kaufmann Franz Weiß in Sentesz, dessen acht Söhne sämtlich in der'Front stehen, 500 Kronen und eine s.ilb ern e U hr zum Geschenk. In der von den österr.-ungar. Truppen besetzten Stadt P e t r i k an wurde der Kaufmann Salomo» Fr i e b -- berg vom.Kommandanten zum Bürgermeister ernannt. ' I Cigarr en-Mflllep, gr.Eschenheiiner8tr.31. XlebErauenstr. 1/3. , Tannnsstr. 47. . ■ Partien erstklassigen Ursprungs. I Perfosatterr«. Kleine Mittettnnge«. ' Bramrschweig. Landesräbbiner Dr. G. Rü l f ist verschieden. Leipzig. Der Privatdozent für Assyriologie an der Universität in Göttingen Dr. phil. E r n st K l a u b e r, der - als. k.ir . k. Leutnant der Landwehr gefallen ist, vermachte der hiesigen Universität die Summe von 30 000 Krone n mit der Bestimmung, daß die Zinsen für die Zwecke der asfyriologischeu Abteilung des Semitischen Instituts vertoendet werden. Gelsenkirchen. Der Rentner Magnus Katzenst ein. ist im Alter von 102 Jahren v e r s ch i e de u. Bafel. Die jüd.-akadem. Verbindung „N e h a r d e a" beging aM 11. und 12. Dezember in würdiger Weise das Fest ihrer F a h n e n w e i h e. Bei der offiziellen Feier sprachen cand. med. Karl Mayer, Dr. Arnstein- Dr. Wormser, Dr.' Aronowsky und I. Dreifuß-Brodsky, der Präsident der israelit. Kultusgemeinde Basel. Zürich. Der zt o n. V e r e i p „M a k k a b i" wählte fürseinen eine Wiederwahl ablehnenden Präsidenten Lilienfeld.E. Sadinsky zum Präsidenten. Wien. Hofrat Ritter von Hahn, Mitbegründer und ehemaliger Direktor der Oesterr. Länderbank, ehema- . liges Vorstandsmitglied der israel. Kultnsgemeinde, ist im 79. Lebensjahre verschieden. Er verdankte seine glänzende Laufbahn seiner Tüchtigkeit. Für das österr. Eisenbahnwesen hat er viel geleistet. Nagyvarod. Im Ziomempel spielte sich Samstag eine schöne und ergreiferche Feier ab. Die Feier wurde zu Ehren Joseph Frank's veranstaltet, der am 4. Dezbr. sein hundertstes Lebensjahr vollendete, und den Freiheitskampf 1848—49 als Honvedleutnant mitgemacht hatte. ' Aus Anlaß feines hundertsten Geburtstages wurde er zur Thora aufgerufen. Dem Gottesdienste wohnte auch Bürgermeister Karl Rimler bei. Oberrabbiner Dr. Leopold Kecske.msti hielt eine schöne Rede über die patriotischen Pflichten.' Der alte Joseph Frank würde in Eger geboren, er wohnt jedoch seit achtundfünfzig Jahren in Nagyvarad. Bor den Bouchern, die ihn zunr hundertsten Geburtstage beglückwünschten, sprach er in interessanter Weise über . seine Erinnerungen, unter welchen die 1831er große ' Cholera und die 1838er große lleberschwemmung in Pest einen hervorragenden Platz einehmen. Mit größter Begeisterung. spricht er jedoch von den Jahren 1848—49. Ms der Freiheitskampf rmsbrach, hielt Ludwig Kossüth im Hofe -des Lyzeums in Eger eine Rede von solch zündender Wirkung-/däß. Joseph Frank sW, sofort in die Honvedarniee " aiHerben -ließ^ßr Latän Mhireicheir Gefechten teilge- - nommem Er würde wiederholt schwer verwundet, dochgenaß er glücklicherweise immer. Die erste Lokomotive sah er,"Äs sie in der Pester Redont^ gegen ein Entree von zehn -Kreuzern musgestellt war. Er fuhr 1848 zum ersten Male Mit der Eisenbahn, als er von Szolnok nach Pest reiste, um -sich die -Ofsiziersnm'forni -anznschafsen. Der Hundertjährige DWfllüet McüelitischeS FaMlienWüt. ' 7 Seit». 8. hat neun Enkel: Er war stets -ein begeisterter Anhänger der Unabhängigkeitspartei und stimmte immer üur für den Kandidaten dieser Partei. A>is Anlaß, seines hundertsten Geburtstags wurden ihm zahlreiche Ehrungen zuteil. SS1II KB.AMB 80. Tel. Hansa 1180. Nr.12 Souch-Peko-Congo-Misclig.Mk.4.40 „ 7 . Ceylon-Orange-Peckoe „ 3.40 Java-Bruch-Tee . . . Mk. 2.70, 3.20 Kakao Soma Bk. 3 60, 3.—, &£0- Frankfurter Berichte. Ausschuß »er israelitischen Gemeinde. Aus der Sitzung vom 22. d. M. abends sei folgendes erwähnt:. Die israel.. Gemeinden Lätzen nnd Io.haitittshurg in Ostpreußen werden alsi Pate »gemeinden angenommen, und es wird für sie für drei Jahre je 1000 Mk. in Summa bewilligt. Der Vorstand hat eine Kommission zur.Ausbringung weiterer Hilfsmittel gebildet. 'Der Ausschuß wählte seine Mitglieder Hugo Fraenkel nnd Professor Dr. Graeffenberg in diese Kommission, der vom Vorstand Ludwig Schiff und Hofjuwelier Koch angehören. Der Ausschuß bewilligte ferner für durch den Krieg notleidende Israeliten in Elsaß-Lothringen 500 Mk., sstr den Ausschuß für Krkegsstatistik in Berlin 600 Mk. und für das Rote Kreuz 500 Mk. Die Festsetzung der Teuerungszulagen für Beamte mit Gehältern unter 3000 Mk. wird in die nichtöffentliche Sitzung verlegt. Der» Kultus steuersatz wird mit 8°/»» de» zur Staatssteuer veranlagten Einkommens festgesetzt (bisher 6°/°«). . In den Vorstand ist Salomon Epstein an Stelle des ausscheidenhen Wilh.. Th. Stern gewählt worden. 1 1 - Zum Schluß macht der Vorsitzende, Rechtsanw. Dr. Baerw ald, die Mitteilung, daß der in diesem Jahre zu Händen des Vorstandes gegründete Dispositionsfonds jüngst zwei Zuwendungen zu je 5000 Mk. erhielt. Die tü»isch-»e«tsche Sprache und Literatur. Das „Hohe Lied" auf die jüdische Treue singt die Geschichte der jüdisch-deutschen Spräche. Im frühesten Mittelalter, als Deutschland noch ein unkultiviertes Land war, kamen 'die Inden in seine. Gauen, gründeten die erste» Städte, gründeten' das deutsche Bürgertum, brachten Kultur und Wohlstand den deutschen Landen. Aus gar manchen kaiserlichen Urkunden der damaligen Zeit geht die segensreiche Bedeutung der Inden hervor. Und die Juden. vermehrten sich au Zahl. In den Städten machten sie 40 bis 90 Prozent der Bevölkerung aus. Doch' als siezahlreich und mächtig waren, da erwachte der Neid gegen sie. Auch brauchte man sie nicht mehr; man genoß ja bereits die Früchte ihres Könnens. Da begann das furchtbarste Drama der Vernichtung, »och grauenhafter als das, in dem Jerusalem in Flammen aufging nnd ein tapferes Volk der römischen Uebermacht erlag,— denn die Opfer dieses Dramas konnten sich nicht wehren. Ueberall in Deutschland flammten die Scheiterhaufen auf und überlieferten Männer, Frauen, Kinder des jüdischen Volkes, soweit sie sich nicht durch die Flucht nach dem Osten gerettet hatten, dem Flammentode. Die Jahrhunderte der Kreuzzüge und darüber hinaus währte diese Vernichtung- bis eine Bevölkerung von wahrscheinlich mehreren Millionen Seelen getötet imd vertrieben war. Zn Luthers Zeit war die Vernichtung vollendet. Luther sagt, daß jetzt außer etlichen hundert - Seelen, znsammengedrückt in eine Judengasse Frankfurts in Deutschland Juden nur noch vereinzelt zu finden such. Die Flüchtlinge dieser Jude», die Deutschland hätten fluchen sollen, nahmen Tracht, Sprache und manche Sitte mit und haben sie die Jahrhunderte hindurch, treu bis aus den heutigen Tag bewahrt. Bor dieser Treue und vor diesem Konservatismus, die so weit gehen, daß sie auch nicht ein Tüpfelchen änderten, während in Deutschland selbst in Tracht, Sitte und Sprache die größten Veränderungen vor^sich gegangen sind, muß man staunend stehen bleiben. Wie man in der jüdischen Sprache die Geschichte der Flüchtlingszüge verfolgen kam«, zeigte in einem IVsstünstigen Dortrage Königl. Bibliothekar Dr. Heinrich Löwe-Berlin, und das zahlreiche Publikum, das der Einladung der Zion. Vereinigung gefolgt war, folgte mit Spanmurg den temperamentvollen, von jüdischem Stotz begeistert getragenen nnd von marwh' seinen und humorvollen Bemerkungen gewürzten Worwn des trotz seiner Jugend schon alten Vorkämpfers für eine lichtes freie imd würdige Zukunft des jüdischen Volkes im Lande seiner Väter. Die Jude» im Orient. Am Sonntag Hielt Herr Dr. Heinrich Loewe' im Verein für jüdische ^Geschichte nnd Literatur einen sehr interessanten Bortrag über das Thema,: „Juden im Orient". Referent schilderte die Juden als Volk des Orients und zeigte, daß'ihre hohe Kultur völlig dort wurzelt. Er entwickelte dann in sehr anregender Form' die Geschichte der Inden bis zu ihrer Vertreibung aus Spanien. Die Juden, von denen nach Zerstörung ihres Reiches >>rur eins sehr geringe lihizahl im Orient verblieben war, sahen jetzt keine andere Zufluchtsstätte als" die Türkei. Nnd so wanderte der weitaus größere Teil der spaniolische» Juden Nach der'Türkei ans. Sie wurden von dem Sultan sehr freundlich empfangen; denn dieser betrachtete den Zustrom der Juden als ein Glück für sei» Land und segnete deshalb die Dummheit der abendländischen Fürsten. Den Juden ging es von je(«r -in bem Osmanenreiche sehr (gut, und während sie im Abendland überall unterdrückt wurden, genossen sie in der Türkei völlige Freiheit. Sie waren dort als Ration anerkannt und waren gleichberechtigt im wirklichen Sinne des Wortes, nicht nur „geduldet". Die Türken sind überhaupt sehr tolerant gewesen, und das oberste Prinzip aller Sultane war die Anerkennung der verschiedenen Nationalitäten im Innern nnd ihre Zusammenfassung zu einer Einheit nach außen hin. Die Juden, die sehr wohl wußten, was sie der. Türkei zu verdanken hatten, zeigten sich auch als sehr gute ' Patrioten und Nahmen den größten Anteil an der Entwich- . lüng und Politik des türkischen Reiches. Auch heute ist es noch jo, nnd eine Bewegung wie die der Jungtürkeu z. B. hatte ihren Ausgang in SÄoniki, einer Stadt deren Bevölkerung zu % aus spaniolische» Juden besteht, und zahlreiche Führer der Bewegung waren Juden oder stammten von Juden ab. Die Freundschaft der Türken zu den Juden beruht nun auf folgenden Grundlagen: Zunächst sind die Inden mit den Türken stamm-, sprachnnd religionsverwandt, dann aber auch hatten die Türkem immer dieselben Feinde ivie die Juden. Es bestand deshalb immer eine Interessengemeinschaft zwischen Inden nnd Türken. Auch heute besteht diese noch, nnd in diesem . Kriege bedeutet ein Sieg der Türken auch einen Sieg der Juden, die dann im türkischen Reiche einer großen, Zukunft entgegengehen. Stürmischer Beifall dankte dem Redner. K. D. * Verein für ffi». Geschichte und Literatur. Der vor 34 Jahren gegründete Verein ist der erste in Deutschland, der in weiteren Kreisen das Interesse für / jüdische Geschichte nnö Literatur durch Veranstaltung 7" öffentlicher Borträge geweckt hat. Infolge Ansbruch des Krieges hätte er vorigen Winter seine Tätigkeit ausgesetzt. Diesen Winter übt er sie wieder aus. Der erste Vortrag hat bereits stattgesimdeu. 7«: ■ E 'S % ‘‘’n?! 4 Feuilleton. W Mendel Gibbor. Novelle von Aron David Bernstein (Fortsetzung.) Mit beglückender ülndacht, wie er sie niemals empfunden, schmückte er die Wände der hohen, heiligen Schul nach Anleitung der blinden Malkoh, die 7 ihre, Weisungen mit einer Bestimmtheit gab, als ob in diesem Haufe das Licht ihrer Augen klarer wäre als das der Sehenden. Der alten, reichen Genendel trug er mit Stotz den Korb vor, als sie Kalmusschnitzel ansstreute und', die Stellen ganz besonders reich bedachte, wo einst ihr frommer Vater, ihr längst verstorbener Gatte und zwei ihrer gelehrten Schwiegersöhne gebetet hatten, als sie noch unter den Lebenden einherwandelten. — Mit heiligem Schauer aber sah er, wie Händele in frommer Scheu die Kränze und Sträuße auf die Stufe zur heiligen Lade niederlegte, die sie nicht zu betreten wagte. Er nahm sie von dort auf, brachte sie nach ihrem Wunsche an die Orte ihrer Bestimmung und sing in Dcmuk'und Bewunderung den Blick ihres Auges auf, mit dem sie ihm stumm dankte. Noch stand Mendel ans den Stufen, als er die drei Frauengestalten, nachdem sie sich dreimal verbeugt, und den Pfosten des Eingangs durch den üblichen Handluß ihre Ehrfurcht bezeugt, aus dem stlllen Dunkel des Gotteshauses hinaus in das helle Sonnenlicht des lauten, fröhlichen Festesvortrages treten sah. Nun aber befiel ihn eine Wehmut, von der er sich keine Rechenschaft zu geben verniochte. Er blieb lange in wortlosem Sinnen stehen, das ihm selber fremd und rätselhaft erschien. Endlich, als er sich ermunterte, wähnte er, seinen ihm neuen Gefühlen den richtigen Ausdruck zn geben in folgenden Worten, die er in tiefster Erregung anssprach: „Gott, Du Gelobter, ivarum hast Du mich" gemacht zu so einem niedrigen Knecht, daß ich nit einmal Iveiß die Stelle, wo meine Boreltern gestanden haben, um zn beten vor Dein heilig Angesicht."- Und in dem Schmerz, daß er ein gar so „niedriger Knecht" sei, verließ er das einsame Gotteshaus in einer Stimmung, die fern und ftemo von der war, welche, ihn bis dahin beherrscht hatte. An dem ftöhlichen Wochcnfest bemerkte niemand die Veränderung, die in Mendel vorgegangen war. Nur,- äl Winschsrmann & Cie 6. m. b. H. Kohlen - Koks - Beikels Nene Mainzer&tr. 16. Tel. Hansa 8068/69: •issä

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