Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 13 (1915)
- Issue
- Heft 49 (17.12.1915)
- Date
- 1915-12-17
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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(Sföette 4 Frankfurter Israelitisches FautilienAatt. Nr. 13.1 — Dann zeigten—die ^Kinderwar ftr^lttpen. können, 7 Ein wunderhübscher - Vogelreigen der« Kleinsten fand -leb»' -hasten und wohlverdienten. Beifall/Mcht minder gefielen auch die anderen Vorführungen, insbesondere die-gesang-, -sichen niid dekläiuatorischen^Darbietmigeu. und die von der.' Vorsitzenden an die Kinder gerichteten Dankesworte waren nicht unverdient. , r %' Den Schluß des Abends bildete die Beschenkung der. .Kinder. Jedes der Kleinen erhielt, nützliche und angenehmes Gaben, für deren Beschaffung sich die Freundinnen des Hortes besonders bemüht hatten. Die kleine, bescheidene Feier hinterließ Lei' allen Allwesenden einen guten Eindruck. Besonders lebhaften Beifall fmideu die neben Len Geschenken ausgestellten Flick- und Stopfarb eiten, die von den Kindern unter Leitung freiwilliger Helferinnen im Hort angefertigt wurden. Auch sie geben Zeugnis von der wertvollen Arbeit, die hier für die Jugenderziehung geleistet wird. Wohltätiakeitsveranktaltung. In den edlen ILettbewerb, in dem seit langer Zeit zahlreiche Schulen und Bereinigungen im Dienste der Wohltätigkeit sich Lberboten, ist auch das Dr. Heinemannsche, Privat-Lyceum mit einer wohlgelungenen Feier eingetreten. . ' Nach einer von Frl. E, Meyer mit vielem Verständnis und Ausdruck vorgetragenen Gedicht zeigte ein Schubertscher Militärmarsch.die gute Schulung der spielenden Damen. Ein fröhlicher Kinderreigen, ein Fahnenreigen und vor allem die mit großer Sorgfalt von'Fräulein Gochsheimer einstudierten deutschen Bauerntänze boten eine für eine KinderauMhrung überraschende Leistung. Ein sinniges, poetisches Winterspiel, dramatisiert und eingeübt von Fröillein Wertheimer, wurde von' Schülerinnen -er 7. und 8. Klasse, was Sprache, Gesang und Tanz anbelangt, fast künstlerisch zum Ausdruck gebracht. Daran schloß sich ein wirkungsvoller Dortrag von Fräulein I. Unna aus den „Piccolomini", dem als Schluß und Höhepunkt der Feierder „Rangstreit der Feste" folgte, ein Festspiel von Frau R. Meyer. Schülerinnen der Oberllassen trugen ihre Rollen in durchaus durchdachter, zum Teil tief empfundener Weise vor. Der reiche Beifall, den jede Nummer bei..dem sehr zalhMch erschienenen Publikum erntete, belohnte Darsteller und Leiter für ihre sorgfältige und fleißige Arbeit. Der Ertrag, der dem „jüdischen Hilfsfonds 1315" zufließen wird, soll recht erfreulich gewesen sein.; fj- - w ' * Erste Berliner Wäscherei und-Glanz-Plätterei' Hanta Tel.2Qr2 |g GütleiilSlraSSBlS. Ha"«» Tel 2Q02 Hpezlftlltät.: Kragcn.Manschelten undHemden. Meuvel Gtbbor. MS»ckenkl«b. Am Sonntag veranstaltete der hiesige Mädchenllub einen Mörike-Wolf Abend. Fräulein Charlotte i Steinitz zeichnete in einem Dortrage das" .Wesen des leiKr allzuwenig gekannten und gewürdigten Dichters, der in seinen Dichtungen oft au Goethe heranreicht. Sein bedeutendstes Werk ist die Sammlung seiner ^Gedichte", die sich durch Innerlichkeit, Volkstümlichkeit und feine Form auszeichnen. Biele von ihnen sind in genialer Weise durch Hugo Wolf vertont. Herr Siegfried Würzburger und Fräulein. Cäcilie Wagner hatten es daher verhältnismäßig leicht, mit ihren Gefaugsvorträgen eine gute Wirkung zu erzielen; umsomehr als beide'vut geschulte und angenehme Organe Desitzen und deshalb in der Lage waren, Vollwertiges zu geben. Schwerer hatte es Fräulein Cjrlly Rapp; Venn sie ,nußte in ihre Rezitationen auch das hineinlegen, was bei ' den Gesangsvorträgen durch die Komposition von vornherein gegeben war. Wer dieses gelang ihr nicht nur, sondern erst durch ihren vol lendeten' Dartrag hat das Publikum den Di chter eigentlich lentict^ gelernt. Sie verstand es mit wahrhafter Begabung, sich in alle seine Stimmungen zu versetzen, mochten sie ernst, wie in „Besuch in Urach" oder fröhlich, wie in „Swrchenbotschaft" sein. Dieses bewirkte die große Lebendigkeit und Natürlichkeit des Vortrags, und dieses wieder den nicht andenwollenden Beifall des Publikums. KD. AySschutzwahle«. Bei den Ausschüßkoahlen zur israelitischen Gemeinde war nur .die gemeinsame Liste der beiden Gemeindevereine ausgestellt, und so wurden deren Kandidaten einstimmig gewählt. Es sind also gewählt worden: Arthur Forchch eimer, Dr. Richard Merzbach uvd Lud.-, wig Groedel. Der von den beiden Vereinen als konservativer Kandidat aufgestellte Eli Michael hatte in letzter Minute aus Gesundheitsrücksichten das Mandat äbgelehnt. - Personalien. Lehrer Mvses Kaufmaun von der Realschule der Israelit.. Religionsgesellschaft feierte seinen 60. Geburtstag. Sein strenger Gerechtigkeitssinn,' der niemals Ansehen oder Reichtum der Person kennt, solcher» in reiner Sachlichkeit nur . die Leistungen der Kinder in Betracht zieht, seine feurig-ernste und begeisterte Auffassung vom Wesen des Judentums und ihre -ungekünstelte, ciichrucks- . volle Verdeutlichung, seine mild-verständnisvolle, manchmal humoristisch durchwürzte Art der Behandlung der ihm anvertrauten Seelen' tzlssen les begreiflich erscheinen, daß die Allgemeinheit sich zu den /Glückwünschen der engeren Familie gesellt. - ’ : "; . .. Möge er in ungeschwächter 5kräst noch viele Jahre weiter segensreich wirken. - Kleine Notizen. Die Frankfurter Zion. Vereinigung teilt mit, daß der Königl. Bibliothekar Dr. Heinrich' Lötve -Berlin in ihrem. 'Aufträge Montag abend 8V- Uhr im Steinernen Hairs, Bräubachstr.'37, über die jüdisch deutsche Sprache in der >L i't er atu r-sprechen wird', und daß zn-diesen, Vorträge". Göste^ svillkominen sind- Novelle von Aron David Bernstein. (Fortsetzung.) Doch abgesehen von den theoretischen Problemen verschwor sich die Praxis zwischen Bauern und Juden ganz entschieden, um die beglückenden volkswirtschaftlichen Verordnungen zii untergraben. Die Bauern nnd Juden lebten und handelten nämlich sehr friedlich und gemütlich miteinander. Wenn dazumal auf Bällen, Abeitdgesellschaften und ästhetischen Zirkeln in großen Städten immer noch trotz der beflissensten Vorurteilslosigkeit, eine gewisse Spannung zwischen zuvorkommenden jüdischen und toleranten christlichen Mitbürgern herrschte, so fand zwischen Christoph und Jtzig auf dem Dorfe bei einer und derselben Schüssel Pellkartoffeln das allerbeste Einvernehmen statt. Christoph brauchte ein neues breites Halstuch, und Jtzig nahm dafür ein bischen alte Schweineborsten; die Christophin suchte sich bei Jtzig Bänder aus und gab ihm gern eine Hand voll Federn mehr dafür, wenn das rote Band recht hübsche gelbe Sprenkelchen hatte. Dabei kam ihnen garnicht in den Sinn, daß es besser wäre, wenn sie zur Stadt fahren müßten, um darauf Reisegeld auszugeben. . ' Und ivie's mit Jtzig ging, gmg's mit Jakob, und was dem Jakob galt, galt'dem Josef. — Und alle ohne ein bischen gebildete oder eingebildete Toleranz. Der Jlüre-fand beim Bauern Nachtlager und Quartter, so oft er kam. Er war nicht allein Geschäftsmann, sondern auch Zeitung und Briefpost für den Bauern und wandelndes Modejournal für die Bäuerin. > Auch in der Religion genierten sie sich beide nichtim Gegenteil,, sie gingen sich dabei gern zur Hand. .Wenn die Bauernfamilie in die Kirche ging, wiegte Mdefsen der Jude das Kind und sah nach dem, Feuer, und; wenn der Jude fort ging, übergab er getreulich der Bäuerin das Töpfchen, inwendig mit Kreide als „koscher" bezeichnet, damtt sie es wohl verwahrt und gesondert aufhebe, nm das Gewissen eines andern Glaubensgenossen zu beruhigen, der nach ihm dasselbe für ein bischen warmes Essen benutzen wollte. Was konnte es unter solchen Umständen verschlagen, werm die hohen Behörden Verordnungen machten, um Ucbeln der Volkswirtschaft zu steuern, wo die Wirtschaft dem Volk ganz wohl gefiel. Freilich die Gendarmen, diese wirklichen Volksbewirtschaftcr, dachten hierüber anders. Nicht die Erfahrungsreicheren, die den kleinen Krieg mit der Mensch» hett schon hinjer sich haften und mit Bauern und Juden gern in Frieden leben wollten, wohl aber die frischen, die von Zeit zu Zeit auf dem immer breiter werdenden Gezweige der Gesetzlichkeit chervorknospeten, unter dessen Schatten das Volkswohl gedeiht. _ . Wenn wir sagen, sie dachten anders, so gehen wir, in Anbetracht, daß . es. uns Sterblichen nicht gegeben ist, Herz und Nieren der Menschheft und noch viel weniger der Gendarmen zu prüfen, hierin vielleicht etwas zu weit. Es . ist auch unsere Absicht nicht, sie zu verdächtigen, daß .sie-sich. bei ihren Taten mft Gedanken plagten. Im Gegenteil: wenn sie erst zu denken anfingen, pflegten sie mft Tatew aufzuhören.- Aber war ist es: so lange sie in paradiesischer Unschuld der Neuheit das erste Schnäpschen vom Baume der Erkenntnis noch nicht genossen hattenwaren sie eine Kalamftät für Juden und Bauern, — und ein solches Opfer dieser Kalamftät haben wir in Mendel Gibbor, der weder verordnungs mäßig krank.Hoch - vorschriftsmäßig schwach und noch weniger als dies mft einem Schein versehen vom neuen Gendarm beim Hausieren sin Dorfe betroffen worden war. In der Tat: er war nicht vorschriftsmäßig krank. Das mußte jeder fühlen,' der jetzt ' Mendels gewaltige Gestalt dahinschreften sah zwischen dem-^eftbeimg, wie ein Pendel 'dahinwandelnden Schutzpatron 'der Gemeinde I - . Schtllermtr* .18« Telephon I, 8630. Seifen,. Liebte, Kammnnd Bü^stenwaren, Besen etc. Coswetlsche-SpejdaUtlteh.: und dem-"gleiH einet: Welle auf und niehersteigenl»! Freunde'Jänkele Mesmer. SBfärbe es hem Beschau auch'schwer geworden sem, in MmMcheren desi Aval ÄlleS'Mchzeitsideln zü DenneM in^dem -smft Mnen Weichselufer dahinschreitenden Mendel: würde er Herkules" der Khille sofort, erkannt haben. Körperlich krank war Mendel-nicht, das-sah jedem seiner Schritte an, obwohl er jetzt/ die H auf dem Rücken, mit tiefgebeugtem. Nacken und schim! lichem Ausdruck im Gesicht nurlangsam dahinwand nmd zuweilen, den Kopf schüttelnd, stehen blieb, alle Frostgründe seiner Begleiter abzuwehren. I? -.I «er das.! ben Pent (ll 2 istl la C Schwach war er ebenfalls nicht, dagegen sprß Dasein schon ererbter Name: Gibbor (der Starke), de» beul er sich schon im Alter von sechzehn.-Jahren nriiij nr I gezeigt hatte, als er bei einer.,.großen Banernschlägl auf dem Marktplatz aus dem schreienden Lager der jüi scheu Zuschauer in das tatenlustige Lager der Goß mitten hinein sprang, den gewalttgsten und gefürchte» arte Bauern hcrausholte und ihn separaüm über dem jüdis« sein. Scharrenklotz verarbeitete. Er wurde auch von je» j£?| Freitag ab offiziell als Gibbor behandelt, '-denn £ Kogute fromme Rabbi ließ ihn Sonntags darauf zu rufen und verfuhr mft ihm wie sich's gebührt: er na! ihm nach einer Vermahnung, .bei welcher der jm starke Mendel sich ganz gewaltig unter dem Wort kleinen altersschwachen Rabbi beugte, auf Handschlag Der beid rust Rar sich, hat Eidesstatt und unter dem gefürchteten Bann des Ra» b?it Verschon, das Wort ab, daß er gegen keinen Juden Hand und gegen keinen Goy die Faust-nufheben weis solange er nicht in lebensgefährlicher Notlvehr so dein müsse. Mendel ivar gutwillig darauf eingegangen uns in frommer Erschütterung, als seine gewalttge bn Hand zitternd in der schwachen des Rabbi lag: „Rabf ich seh', es ist eine Gnade von Gott, daß ich ein Gibl bin,- da Hab. ich doch die Vergünstigung, Eure frontj Hand zu berühren, in die mein Vater, Friede sei ihm, auch seinen Handschlag gegeben." In der Tat war der Name Gibbor ihm ebei erblich,!vic diese Behandlung. Mendels; Großvas Meyer Gibbor oder auch Ivegen seines bäuxMen Wese „Meyer Bauer" genannt, tmrrde durch einen gleit Handschlag zu einem Menschen umgewandeltdessen Lei wir noch Gelegenheit nehmen werden, üpsern Lese vorzuführen. Mendels Vater, Chaskel, ebenfalls Gibbor gezähmt, hatte durch seinen frühen Heldentot, t>| dem keine Urkunde rühmend erzählt, den Beweis führt, wie in starke» Leibern oft eine gewalttge, gri Seele tätig gewesen ist. Er ertrank im Frühjahr 18| im Weichselstrome, als er beim Eisgang eine Bäuei mft zwei Kindern retten Ivollte, die auf desti Str^ dache ihres vom Strom sortgeführten Hauses um .hi rief. — Mendel, damals vier Jahre alt, blieb elternlose Waise der Sorge der Gemeinde, der Pslel Salmes und dem Wohlwollen einer geheimen Wos täterin überlassen, die wir bald näher kennen lern! werden, und die mehr von ihm wußte, als er selber ul alle, die ihn sahen. Was aber alle von ihm wußll und was' uns zunächst angeht, ist die Tatsache, ds er ganz gewalttg enrporgewachsen war und durch sei ganze Gestalt ein unumstößliches Zeugnis Megte, er keineswegs kränllich und altersschwach tvar und de« nach nicht im geringsten sich, dazu eignete, einen rcgl mentsmäßigen Haüsierschein zu erhalten.. Obwohl in der damaligen Zeit der wunderwirke»^ volkswirtschaftlichen Reftripte gar viele Wunder Gegenwirkung an der Tagesordnung waren,.wie dil immer unter gleichen Verhältnissen.der Fall war u> stets sei», wird, obwohl der'Kreisdoktor so merkwürdig Krankenatteste und der Bürgermeister so wunderbare burtsscheine ausstellte, daß, wenn "es >aüf eine Wet angekommen, wäre, man vief hätte darauf geben könne daß Mendel Gibbor trotzdem noch hausierfcheinfähig hä! sein können, so war dies doch nicht der . Falldi Mendel Gibbor war eigentlich kein Hausierer. Er ha! einen Abscheu vor dem Kleinhandel, und. auch dies Abscheu war e.m Erbstück, wodurch er. sich, als Rae komme -der Gibbörfamilie knnd - gab. Er' fand »ü Lust daran, in der Gemeinde die schwersten Handdieng -zu leisten. Er könnte Holz hacken, Wasser tragen, Bal! schleppen und Ballen, schnüren wie ein „Goj", bei den Wollmärkten war^eine Lust für jung und ihn Wollsäcke auf Frachtwagen aufladen zu sehen.'. Aci er sie spieleüd hinäüfgebracht hatte /ich dann sich «I den haushohen Frachtwägen hinaufschwang,-um mit dl 'Beinen zu sackeit und-fest zu treten, war der^gewalk Mensch, wie.er da oben in der Lust.Herumwirtschaft! ni^t bloß im«'/'Mgenweide.:M^H«'twd. dep'Kini «und.-dds' H sche Aü! Aü! Nil den nei ein die aut gle stel mi He bei vo ml lch El gi! üb fü zn w, R de hc dl g' tt II - A ft v S 8 v a n