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Neue jüdische Presse · 1915-12-17 · Heft 49 (17.12.1915) · p. Seite 2

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
13 (1915)
Issue
Heft 49 (17.12.1915)
Date
1915-12-17
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2. Frankfurter Z-raelitWes Familienblatt. JHr. 4 Regetmlg der polnisch-jüdischen Krage in entscheidender Weise, mitzuwirken und "diese Regelung nicht — wie es Herr-'Lauer forderte -^ allein den Polen überlassen könne, da cs zu großes und gewichtiges Interesse an der Lösung dieser Frage habe: Er fährt sodann fort: „Nachdem diese prinzipielle Berechtigung, ja. Verpflichtung Deütschlarids, bei der Lösung des polnisch-jüdischen Problems in entscheidender Weise mitzuwirken, klargestellt ist, können wir der Frage ^nähertreten, welche Art der Lösung für Deutschland die gegebene ist: diejenige, die die polnischen Juden als Nation erhalten, oder jene, hie ihre Assimilierung an die Polen herbeiführen will. Für die Beantwortung dieser Frage müssen für Deutschland zwei Gesichtspunkte entscheidend sein: der allgemein sittliche und kulturelle, der füralle Völker gilt, und der spezifisch deutsch-politische, der für Deutschland gilt. Damit, soll nicht etwa gesagt sein,, daß die Jirtercssen der Polen wie. der Juden keinerlei Berücksichtigung finden sollten, denn wenn der allgemein sittliche Gesichtspunkt als Leitnorm erklärt wird, so bedingt dies schon die Berücksichtigung und Wahrung der berechtigten Interessen und Ansprüche der Polen und Juden. Vom allgemein menschlichen, vorn sittlichkulturellen- Standpunkt scheint mir ein Bedenken gegen den von mir vertretenen Standpunkt kaum denkbar. Wie in aller Welt könnte es sittlich begründet und gerechfertigt werden, der polnischen Judenheit das Recht zur nationalen Fortexistenz abzusprechen? Stellt inan sich auf den Standpunkt des Nationalitätenprinzips — auf dem ja die Polen stehen —, dann ist cs schlechterdings unmöglich, irgend einer Nation das Recht zum Dasein und zur Wahrung ihrer nationalen Eigenart zu bestreiten. Die Frage, welchen Kullurwert eine Nation besitzt, welche Bedeutung ihrer Kultur und ihrem nationalen Schaffen zukommt, ist dabei ganz gleichgüllig. Die Tatsache, daß sie eben existiert, begründet auch vollständig ihr Recht auf Existenz. Auch die in diesem Zusammenhang immer wieder vorgebrachte Behauptung, der Jargon könne für die Zukunft^ doch nicht fortbestehen bleiben und müsse untergehen, ist ohne jeden entscheidenden Wert. Ob der Jargon untergehen wird oder nicht, darüber zu ffcreitcn hat keinen Sinn. Nur die Zukunft kann über solche Dinge entscheiden. Jedenfalls aber wird man zugeben müssen, daß die doch immerhin anzweifelbare Ueberzeugung jener, die an freit- Untergang des Jargon glauben, ihnen noch lange nicht das Recht gibt, diesen Untergang nun auch gewaltsam gegen den Willen der polnischen Juden zu dekretieren. Vom sittlichen Standunkt wäre - sonnt die polnisch-jüdische Frage sehr klar. Allein mit dieser sittlichen Bettachtung ist das Problem noch keines- ' falls gelöst, denn die polnisch-jüdische Frage ist — für Deutschland wenigstens — ein vorwiegend politisches Problem, und polttische Probleme, müssen in erster Reihe auch politisch betrachtet und gelöst werden. Und damit gelangen wir zur zweften und entscheidenden Frage: Welche Lösung des polnischjüdischen Problems gebietet das deutsche Interesse: die nationale Erhaltung der Juden oder ihreAssimilierung an die Polen? Mir scheint, auch von <• diesem Gesichtspunkte aus betrachtet, liegt die Sache ziernlich klar. Das-Interesse, das Deutschland an der gesamten polnischen Frage besitzt und um dessentwillen ei" in mühevollen Kämpfen Polen erobert hat, ist von der gesamten deutschen Oeffentlichkeit, von der Presse wie von der Regierung, mit vollster Klarheit ausgesprochen worden: Es besteht darin, sich in Polenein Bollwerk gegen Rußland zu schaffen, dieses - Land, das jahrhundertelang dem westeuropäischen Kultnrkreis angehörte, bis. es zu Rußland kam, wieder an Mittel- und -Westeuropa anzugliedern und es zur Mauer gegen Rußland auszugestalten. . Deutschland, hat mithin . alles Interesse daran, die Bevölkerungsteile in Polen zu stärken, von denen ein Widerstand gegen die innere Wiederangliederung, an Mitteleuropa am wenigsten zu erwarten ist. Wer aber müßte diese Neueinbeziehung Polens in den mitteleuropäischen Kultnrkreis freudiger begrüßen und unterstützen als die polnischen Juden? Die Polen sind, das vergesse matt doch nie, trotz aller Verfolgungen, die sie unter der russischen Herrschaft zu lewen hatten, Slawen, in upserer Zeit - der Rassentheorien und Rassenfideale ein nicht zu unterschätzendes Moment. Ihre Sprache und mithin ihre Kultur ist der russischen eng verwandt,, und zu alledem kommt die nicht zu beseitigende Tatsache hinzu, daß die polnische Politik in den letzten Jahren imnier offener und ausgesprochener auf die Aussöhnung und Verbindung mit Rußland hinarbeitcke. Es ist ein bequemes Mittel von seiten der übereifrigen Polenvertei-. diger von der Art des Herrn Lauer, heute diese ganze Phase der polnischen- Politik als krankhaft, als Psychose zu erklären. Hat-man es aber schon vergessen, daß Herr Roman Dinowski, der Führer der russophilen nationaldemokratischcn Partei, bis zum Einzug der Deutschen in Warschau der allmächtigste und populärste Parteiführer in Polen war, daß der größte Teil der Bourgeoisie, der gesamte Klerus' und damit auch die gesamte Bauernschaft unbedingt zu ihm hielt? Hat man die Reden und die Treucgelöbnisse der polnischen Vertreter in Duma und Reichsrat vor wenigen Monaten vergessen? Ich will mit alledem nicht mißverstanden werden; ich will damit nicht sagen, daß eine Frontänderung der polnischen Politik unmöglich, daß ihr Anschluß an Deutschland, nicht zu erwarten sei; im Gegenteil: ich hoffe bestinnnt auf einen solchen Anschluß, der die unerläßliche Voraussetzung fiir eine gesunde und ftuchtbare Lösung der polnischen Fragen darstellt. Aber bei allem Optimismus für die Zukunft -hieße es doch Vogelstraußpolitik treiben, wollte man in Deutschland die deutschfeindliche Wendung der offiziellen Politik in den letzten Jahren über Nacht vergessen und übersehen, daß auch heute noch große und einflußreiche Kreise der Polen mit ihren Syinpathien auf seiten Rußlands stehen. Die polnisch-deutsche Spannung ist also nicht zu bestreiten; ein Ausgleich ist gewiß zu er- Uvarten; aber immerhin, die Tatsache, daß erst ein Ausgleich geschaffen werden muß, beweist, daß die Polen, für die nächste Zeit wenigstens nicht als unbedingt verläßliche Wahrer' der Borhut Mitteleuropas gegen Rußland zu betrachten sind. Ganz airders jedoch liegen die Dinge in bezug auf diepolnischen Juden. Jhnen^gegenübcr hat sich Rußlaird stets viel brutaler "verhalten als gegenüber den Polen. Ihnen sind keinerlei feierlichen Autoiwmieversprechungen von Oberbefehlshaber, Ministerpräsident und Reichsduma gemacht worden. Ihnen wird und muß der Einzug westeuropäischer Staats- und Regierungsformen in Polen Befreiung und Gleichberechtigung bringen. Hinzu kommt ihre ohnedies schon bestehende Verwandtschaft mit deni Deutschtum, die durch ihre jüdisch-deutsche Sprache bedingt wird. Schon diese beiden Momente allein — die brutale Vergewaltigung der russischen Juden durch Rußland, an der auch der Krieg nichts geändert htt, und ihre Verwandtschaft mit dem Deutschtum infolge ihrer Sprache —, ganz abgesehen von ' manchen tiefer wurzelnden Gründen, auf die. ich ..hier nicht eingehen kann, machen es klär, daß'von allen Bevölkerungsteilen Polens die Juden anr leichtesten fiir den. Wiederanschluß Polens an Mitteleuropa zu gewinnen sind und die. treuesten Stützen und Träger dieser Politik werden können. Und hieße es nicht mithin für die . deutsche Politik, sich ins eigene Fleisch schneiden, wollte sie die polnischen Juden den Polen ausliefern und sich damtt zwei Millionen tteuer und sicherer Freunde entziehen?" und gerechter gedacht wäre, den Polen zu entpsc! die Existenz der 'jüdischen^Nation doch anzuerkc, und sich mit ihr als einer-iiün einmal Vorhand em Fr 49 ls kürz! >ebürtst »ursche, a ein:. Tatsache abzusindcn? Anschauungen wie die Herrn Lauer sind lediglich die. Folge jene-: wahren und ungerechten Axioms, in das sich polnische Chauvinisten verbissen ' haben,., daß % ein reut polnisches Land sei. .Das ist eben ivaht. Niemand bestreitet, daß Polen ein vorwi polnisches Land sei, niemand bestreitetdass' Polen das Recht und die Pflichthaben/'den irischen Charakter des Landes .als den bei schenden zu erklären und zu wahren, aber möge - dochauch niemand von den ireundlil l. Dank hin dar ngen ir uns v ren.6i [ec Polen I streiten, daß in ihrem Lande neben den Hx Ar - noch andere Nationalitäten leben, die vD^nkkui Recht auf ' ihre Fortexistenz besitzen. - Weiiii«nisa Herr Goldmann wendet sich nun gegen den Vorwurf, der gegen ihn erhoben wurde, daß er die polnischen Juden germanisieren wolle und erklärt, daß er eine Germanisierung derselben ebensowenig wünsche wie eine Polonisierung, vielmehr eine Erhaltung als Juden fordere. Darauf fährt er fort: „Bleibt noch ein letztes Argument: Die Forterhaltung her polnischen Juden als Nation, meint Herr Lauer, wird zwischen chnen und den Polen dauernde Reibungsflächen schaffen und so die innere Ruhe des Landes, die doch Deutschland herstdllen will, untergraben. Ich muß. gestehen: ein merkwürdiges Argument. Es klingt ebenso, wie wenn jemand sagen wollte, die Fortexistens meines Hausnachbars stört' mich, wird somit zu Reibungen zwischen ihm und mir führen,, also weg mit chM. So dachten und denken Naturmenschen; die noch jenseits .von Gut und Böse stehen. Ein Kulturmensch sollte, aber Bedenken tragen, einen solchen Naiv-brutalen --Egoismus zu vertreten. Weil die Polen die Fortexistenz der-jüdischen Nation ' ein wenig stören könnte, müßte, diese verschwinden? Meint nicht Herr Lauer, daß es etwas moralischer Polen sich endlich einmal zu dieser Erkenntnis bllc Cl” ringen werden —^ ... 'w;”"“uben und es gehört nur ein Mii>iE°,den von Gerechtigkeitssinn dazu -dann wirbt! Büch Fortexistenz der jüdischen Nation in Polen d«iese W aus nicht die innere Ruhe des , Landes E» im graben, sondern beide Nationen werden uebA^^a nandcr leben und schaffen, wie . es JahrhuiljUrig ha hindurch der Fall war, im friedlichen WettbciLlen: Di aber nicht in häßlichem Kampf und Haß. r ge sie itfacu zuzui der! uneüi erm um b reslar lanlfn Hingegen würde man in der Tat den FriH/anttu des Landes untergraben, wollte man die ». beim schlüge des Herrn Lauer befolgen und . die t Fried, nischen Juden zur Assimilation an . die Pßtz/rü zwingen. Denn man glaube doch nicht, das,Iden b> eine solche Vergewaltigung ruhig hinnehmen «erlin. den. Vielmehr werden diese zwei Millionen Juladtes die dort in Polen in kompakten Massen zusamiU^^ leben, mit aller Kraft und Energie, die sie», _ "g sitzen, sich dagegen sträuben und umihr iiVmtmach nales Dasein kämpfen; und welch' unerWnsveröj Energie und Zähigkeit das jüdische Volk im K um sein Dasein als Volk zu entfalten, im St ist, dafür hat es wohl in seiner zweitäuseNdji gen Diaspora-Geschichte einen Beweis erbri dessen grandiose Ncberzeügungskraft Wohl der ä Judenfeind nicht bestreiten wird." Der Artikel sagt sodann, daß an dem heuteIicr--§ stehenden polnisch-jüdischen Gegensatz lediglich»" Polen Schuld tragen und cs von ihnen dahcr»^^orl hänge, den Gegensatz zu beseitigen. Er schliß Leu, ,„Jch resümiere: Die Lösung des pol jüdischen Problems durch die Anerkennung »il Sicherstellung der polnischen Juden als Nation irgend welche Art der Germanisierung istk°rtmu einzig mögliche, und fruchtbringende. Sie beiden Parteien das, was sie fordern biirt r u e. den Juden das Recht zur Fartexistenz, den Pktuita« die Anerkennung des vorherrschenden 'polniM hast Charakter ihres Landes. Für Deutschland 1**.^ ist' diese Lösung darum von größtem Nutzen, ’ sie ihm in den Juden sichere und treue Frei undd zuverlässige Wahrer der Bande gibt, Polen in Zukunft mit Mitteleuropa verbii sollen. So ist diese Lösung vom sittlichen Punkt ebenso geboten wie vom reäl-politis Den Standpunkt des Herrn Lauer akzcpw träfe* ß-L wend eich I andel sürsoi sheti hieße fiir Deutschland sittlich eine Sünde politisch eine Dummheit' begehen. Eine S» Die kann man mal vergeben, eine Dummheit zuwlpmflor entschuldigen, eine Dummheit aber, die zuglTeilnek eine Sünde ist, ist immer unverzeihlich. Man R" » Wo aber überzeugt sein, daß die deutsche öffcuÄrfnn& Meinung und die deutsche Regierung diesen ßgers - verzeihlichen Fehler nicht begehen, sondern ihre nationalen Däseinsrechte sicherstellen : womit sie sittlich eine Großtat und politisch Klugheit vollbracht haben wird. Aus aller Wett. Deutsches Reich. Bad Dürkheim. Bon den in .-er neulichen Mitgli Versammlung des Vereins für das V' Friedrich - Lnisen - Hospiz gefaßten Beschlüssen, ist neben der Anschaffung einer zeitlichen Röntgeneinrichtung und der Errichtung weiteren großen Liegehalle namentlich' die Offenhal der Anstalt während dieses ganzen Winters zur <5i lichnng der ausgezeichneten Winterkuren hervorzül Zur fielt genießen über -20 Pfleglinge diewirst Heilmittel, unseres Hospizes, und auf die Weihnal serien erwarten wir eine größere Anzahl. Der schönes lauf 'der Chäflukäfeker wird allen eine: liebe Crinnej bleiben. ' - ' ichtum fiSten. letztt gen 1 N sienstkre bronzei der § iienfttc silbern« strkeits et 52 ,te n schaft af irsl en Na<

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