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Neue jüdische Presse · 1915-11-19 · Heft 45 (19.11.1915) · p. Seite 2

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
13 (1915)
Issue
Heft 45 (19.11.1915)
Date
1915-11-19
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2^ ^trL^«1ier FämMnAäH - L Nr. 45 , ,v als; bie jübjschell/,M. deren? Bcr-- tretnng sie gegründet ward! Was Wünder< Äso, daß Herr JacquesBigart kalten Blutes die Alliünce zur' Propaganda, fran--/ zösischer Interessen mißbrauchte? Was hatte ihn' dcüoon «Lhalten soll«:?: Das jüdische SolidaritÄs- gefühl, das er nie besessen?- Das persönliche PflichtbttvlWsein, das er nie gekannt? Die Rücksichtnahme ans die deutschen Mitglieder,', auf - die er stets gepfiffen hat? Wozu braucht Herr Jacques Bigart die deutschen Mitglieder? Die Fonds der Mliance sind sicher und unantastbar in Paris festgelegt, von den Mitglicdsbeiträgen der -deutschen Mitglieder ward nur ein minimaler Teil nach Paris abgeführt, da fast alles zur Propaganda -und Hilfstätigkeit -in Deütschlmrd verwandt würde, der internationale Charakter der MlianveÄar Herrn Bigart schon längst recht gleichgÄtig geworden. Warum hätte er sich also nicht zum Agitator französischer Politik hergeben sollen, nachdem er dies seit langen Jahren schon planmäßig tut? k; k V - Und weil die Verhältnisse so liegen, besteht auch nicht der geringste Grund, dem Ende der Alliance eine Träne nachzuweinen. Was mit ihr verloren gegangen ist, war schon seit langem nicht Mehr wert, erhalten zn bleiben. Die Leser werden sich noch des scharfen und heftigen Kampfes entsinnen, der vor einigen Jcchrey von Teilen der Deutschen Konfereuzgemeinschast gegen die Leitung der Alliance geführt wurde, an dessen Spitze dann die Herren Pros. Landau, Dr. Friedemann, Dr. Mhudah und andere standen, und der mit einer Polemik dieses Mattes mit Herrn Salomon Reinach, dem damaligen Vizepräsidenten der Alliance, seinen Anfang nahm. Der Kainpf wurde mit Energie und Eifer geführt, der -Erfolg war, gleich 9MI; einerseits weil gegen die Zentralleitung in Paris der Kampf äußerst schwer war, da die Gelder der Alliance aus Paris nicht wegzunehmen sind, anderseits wegen der Uneinigkeit der deutschen Alliance-Mitglieder. Seitdem jener letzte Versuch einer Reform der Alliance an Haupt und Gliedern mißlungen war, war eigentlich schon das Todesurteil über die Müance gesprochen; ob sie noch fortexistierte oder nicht, aus dem Buch der jüdischen Geschichte war sie, die sich zur Dienerin französischer Interessen entwürdigt hatte, gestrichen. . / Mellehh^ sM/doH^JsihenW« geßriM. hcchE/als: ' sie rs ' m :. Mi. letzten Jahren duM shr^ BeWem -und Wirken getan- -hat.: - Brief W Daß dieses Todesurteil in diesen Kriegsmonaten nun sich endgültig erfüllte und fin der Krisis, in der wir leben, sich das wcchre Antlitz, der Alliance in solcher Deutlichkeit enthüllte, daß selbst der letzte Rest jener, die. ihr noch Treue wlchrten, empört ihr den Rücken wendet, wer wollte es bellagen? Im Gegenteil. Mgn kann diese endgültige Lösung der Frage nur begrüßen und'sich freuen, daß die Verhältnisse endlich endgültig gellärt sind. £ f; Es k~ l&- , Wir hoffen aber, daß der Fall der Alliance der einzige bleiben wird, und sich alle anderen jüdischen Organisationen an ihrem Ende ein Beispiel nehmen werden, auch für die -weitere Dauer des Krieges ehrlich und gewissenhaft die Neutralität zu wahren, da jedc Verletzung derselben in diesen Monaten höchster vaterlä,Wischer Begeisterung unfehlbar zur Spaltung und damit zum Untergang der Organisation führen muß. Darüber hinausgehend - aber' inag - das Ende der Alliance allen Juden, vor allem allen jüdischen Organisationen, auch eine allgemeinere Lchre geben: daß nämlich jeder Verrat eiir-er jüdischen Organisation an ihren jüdischen Aufgaben und Zielen früher -od er sp ader zu ihrem Ende führen muß. / & t u &-■ p- - Es wird dies nach diesem Krieg' in noch höheren Grade Gütung besitzen als bisher.. Wir treten -mit diesem Krieg in eine Zeit höchstgesteigerten nationalen Empfnwens, und zweifellos wird das Verhältnis der Judenheiten der verschiedenen Länder zueinander-nun noch empfindlicher und sensibler sein als bislang.. Es wird so in Zukunft für die Juden aller Länder mchr noch als bisher nur eine Plattform geben, auf der sie zusammenhallen und sich einigen^ fönnen: die rein jüdische. Möge das Ende der Alliance, die an der Verkennung dieser-Einsicht so rühmlos zugrunde ' ging, dazu beitragen, diAe Erkenntnis fies in alle jüdischen Herzen und? Wpse. zu verwurzeln! .Die , Alliance wird danndurch ihren Untergang mehr / / < y Don BeII - Ieph ün e.-: : -/ ■ " .. .:B.... , ,.E»de öitoBci-.- - Das. Interesse der .neutralen Welt.-wendet'sich, seit einiger - Zeit der - Flüchtlingssrätze in - Riißland zu, und so ' versuchen tpir:ein; wenn auch ungenaues JBUb -J&er / Lage -zu entwerfen^ Die Zahl der' Flüchtlinge,'unter denen die Juden prozentual ammeisten sind, steigt ins "Ungeheure. Die Behörden haben "neuerdings ihre völlige Unfähigkeit erwiesen, das Unglück zu mildern und die .Hilfstätigkeit z» organisieren, ihre Mäßrdgeln sind -wirkungslos, und so wächst das Elend von Tag zu. Tag: ^Die Hilfe des Jüdischen Komitees von" Petersburg und anderen großen russischen Städten nutzte nicht viel bei-der großen Anzahl von" Heimatlosen. Im tiefen Rußland in der Stadt Pensa allein bcsindeu sich gegenwärtig etwa 900lX) Flüchtlinge. Diese sind von ihren verwüsteten Heimstätten in Polen und Litauen hierher gebracht worden und leiden jetzt fürchterlich unter dem Hunger. Aehnliche große .Zahlen weisen noch andere/ lies im Innern Rußlands liegende Städte auf. Besonders traurig ist das Los derjenigen — es ist ihrer eine beträchtliche Anzahl —, .die, nach Sibirien verschleppt worden sind; hier kümmert sich kein Mensch um ihre Angelegenheiten, und so müssen sie elendiglich zu Gvunde gehe», wenn nicht rechtzeitig Hilfe ankommt. Vielfach kam es und kommt jetzt noch vor, daß die Geflüchteten planlos von Ort zu Orttransportiert werden und endlich Aach langen Entbehrungen am Ziel angelangt, unbarmherzig" ausgcwicsen werden; so geschah es/jüngst in Kaukasien, wo es auf Veranlassung des Großfürsten Mkolai den jüdischen Heimlosen verboten wurde, dort zu - bleiben. Auch sind dieseoft der Willkür einzelner Beamten preisgegeben. Ein drastisches Beispiel sei hier erwähnt: Am 2. September 1915 bereitete die jüdische Organisation in dem Städtchen Krementschni Lebensmittel vor, um sie . in dem erwarteten Flüch.tlingszug zu verteilen. Der antisemitische Polizeimeister jedoch wollte zuerst die Personen .verhaften unter dem Vorwände, cs sei. ungesetzlich, denn das Ziel des Zuges sei nicht diese Station. Später erklärte er, die Eßwaren besichtigen zu wollen. Diese Revision dauerte volle drei Stunden, und die Folge davon war, das; der Zug längst weggefahren war, als man endlich die Spenden unter den tlüchtlingen verteilen wollte, und diese mußten nun ungerqualen erdulden. . . . Aus ,vorgehendem Beispiel ersieht man,-welche Leiden die Geflüchteten, besonders aber unsere Brüder auszuhalten haben. Unsere Lage ist eine unheilvolle; drum haben die Geldspenden der amerikanischen Juden, wenn auch .nicht souderviel, so doch etwas geholfen. Die bekannten Dichter Ch. N.. Bialik und Sch. F-rug haben im Verein Mt dem russischi-jüdischen Dramaturg S. Juschkewitz und dem Zionisten M. Ussischkin beschlossen,, ein literarisches Sammelbuch herauszugeben. Die Einnahme» sind für die durch den Krieg notleidenden Juden stimmt.. Bialik soll für dieses Buch ein neues Werk geschrieben haben. Die russische Regierung. ordnete an, wahrscheinlich, um ihre große „Judenfreundlichkeit" zu zeigen und den Neutralen zu imponieren, daß den. Inden »Ausent-- haltsrecht und Erlaubnis zum Handelbetreiben im ganzen Gouvernement Moskau , gegeben werden soll, allerdings mit Ausnahme der- „heiligen Zarenstadt" Moskau. 'Auch erlaubte sie den Juden in Petersburg, eine tägliche Jargonzeitnng zu gründen. Sie erscheint schon jetzt nnter den, Titel „Petrograder Tageblatt". Diese Erlaubnis kann man vielleicht zum Teil aus die Di;ma zurückzuführen, die mit Ausnahme der „recht schwarzen Reaktionäre" das Verlangen geäußert hat, daß die Regierung das Verbot des Erscheinens jüdischer Zeitungen zurücknehmen möge. Jedenfalls-tut das diese nicht den Juden zuliebe, vielmehr verfolgt: sie dabeiihre eigenen Interessen. Wie-eine russische Zeitung berichtethat sich der Präsident der Moskauer ' Advokaten an den Minister des! Innern — den sattsam bekannten — Chwostow mit der Bitte gewandt, die Beschränkungen der jüdischen Advokaten anfzuhebeit Der Minister habe sofort versprochen, diesen Wunsch „auszuführen". Um Chwostows Versprechen richtig einschätzen zu können, braucht tznan sichs nur an sein früheres Verhalten gegen die Juden zu erinnern. ' So wird das- , reaktionäre Regiment in Rußland fortgesetzt, und die Regierung "ist nicht um ein Jota liberaler geworden, die Fremdvölver werden weiter unterdrückt, und gar manche Zeichen deuten auf nicht zu verleugnende ,Pogromanzeichen hin, denn unter Chwostows innerer Verwaltung ist vieles möglich. Die Duma, Aon der man . in Rußland nicht ’ minder als in anderen .Ententeländern gar viel erwartet hätte, mußte sich nach einigen bedeutungslosen Reden zurückziehen, ohne Laß etwas - Wesentliches dabei herausgekommen wäre. Auch Aon der künftigen-Dezembersitzung erhoffe man nichts, denn,, wie es in den Regierungskrisen verlautet, werden da nur die' Staatsäusgaben be- ° sprachen werden, die inneren Angelegenheiten /sollen für spätere Zeit verschoben werden. Stäq. und gut: unsere Lage in Mußland ist. verzweifelter und hoffnungsloser denn je. -Die vorher drückende Arbeitslosigkeitrgehl allmählich z»- : zurück., , .. ,.,-/ ^,; * ./.Afe /erskn 'Aii'zeichen.. der ..steigenden -Konjunktur 7„ach z lmigeni . 'Arbeitshünger .find."' natürlich/ : <uißerorüe>itlich ' lange Arbeitszeit und Lohndrnck seitens 'der Unternehmer Die . jüdischen Arbeiter treten ihnen diirch . gewerkschast- : sichen Züsammenschluß entgegen. Jii./allen. Branchen wird ' für -den Ausbau' der professionellen ' Vereine energisch : geworben' und gearbeitet. - Biele jüdische Arbeiter lassen sichauch' durchs das Arbeitsamt näch Deutschland / 'qnwerben/ ' :k‘^ // y ' 1 '"/Eö? 'ist -' interessant,- daß/ die 'giwieMchastlich'/prga- \ nisilsiten;' Arbeiter in - der .. letzten'- -Zeit ' bestrebt - sitid, die Wirkungen der- Arbeitslosigkeit 'auch durch dir Bildüng von P r o du k ti v - G e n o s.se n s ch asten zn niil-! der». Der Erfolg dieser Kooperation ' ist allerdings - ab- : züwarten, aber das Entstehen genossenschaftlicher' Werkstätten spricht siche'rlichfür den Geistder Selb ft hülfe. - Die jüdijch-ewGewerkvereine begnügen -sich . nicht mit der Wahrnehmung ihrer Bernfsangelegenheite». /Siesind der Mittelpunkt .auch^,-der politisch, gesellschast- 'lichen 'Wirksm'nkeik. Das Hauptinteressekonzentriert sich : auf die Schulfrage.' . .. . ' . Die Schulfr^e führte bereits zu riner Krise im' ' provisorischen Vorstand der jüdischen Gemeinde. Zwei . Mitglieder, ein -Pole mosaischer Konfession und ein Chassid, verlangten einoj Stellungnahme für hie . polnische Lehrsprache. Der Vorstand lehnte dies ab, ivoraps die zwei Herren demissionierten. Ueber das merkwürdige Bündnis so entgegengesetzter Elemente braucht inan sich nicht zu wundern; die Wunderrabbis waren häufig die politischen Werkzeuge der.Assimilation... - Aus aller Wett. Devisches Reich. Das gesellschäftlche und das ökonomische Leben -kommen allen ßbrzeichen nach! in das nor- . male iGeleis«. . Die Ordnung der - politischen Verhälnisse - hat auch die langsame. Erholung des ArbeitsmarkteS zur Folge. Die verschiedenen Zweige' des »der Ir' - Handwerks undderIndustrie bekommen mehr Beschäftigung Berlin. Rabbiner Dr Bane t h «Adresse: Charlotte»? bürg, Snarezstr. 39) und Rabbiner I: Weinberg erlassen, folgenden An fr n s: . , - Die Wogen des Krieges haben hierher nach Berlin eine Reihe junger Leute aus dem Osten verschlagen, die, von Hause aus begütert, ärm und leer hier anlangteir. Nichts anderes brachten sie-mit sich als ihr srolnmes Empfindcn und'-den sesten Willen, auch, hier in dem Getriebe des Großstadtlebens sich die srommen Ideale ihres Elternhauses zu bewahren. ' ' - Nun durchziehen sie die Straßen Berlins, klopsen an die Türen aller Büros, von denen sic Rat.Und V,Hilfc in ihrer' Not erhoffen, 'von denen sie erlvarten,'daß diese ihnen erwünschte Arbeit zuweisen werden, die ihnen loohl Mer die Not hinweghilft, die sie aber nicht zwingt, ihre-jüdische Ideale aufzngeben, ihren Sabbat zu entweihen. Doch umsonst! Sic Pochen vergebens an alle die Türen, sie finden weder die erwünschte Teilnahme, weder ein offenes Ohr, noch die nötige Unterstützung zum Ergreifen einer ihnen möglichen Arbeitstätigkeit. So droht diesen Unglücklichen die Gefahr, auch ihr letztes Gut zu verlieren: den heiligen ,',S ch a b b o s". Bon welch schwerwiegenden Folgen solches für die ganze Ostjüdcnheit sein kann, die allein durch die Krast.' der Tradition dem Judentum so stark zugehört, laßt sich kmim ausdenken! Die hierher Verschlafenen werden mit G. H. einst wieder heimkehre», sie werden ihre zerstörten Häuser wieder aufbauen. ' ' ~ - - Doch der Bruch mit der Tradition würde sich schwer wieder heilen lassen, gehört ja gerade Tradition -zu jenen Bollwerken, die schwer erreicht, und getroffen, aber, /wenn einmal angctastet, schwer wieder hergestellt werden können. Wem sollte die hohe Aufgabe, diesem Unglück vorznbe'ugen, eher zufallen, als in erster Linie denr gesetzestreuen Judentum!', . Doch mehr: jeder, der sich Jude suhlt und jüdisch denkt, muh "es sich zu feiner Pslicht machen, diesen überzeugungsstarken Juden ihre Ueberzeugung zu - erhalten, ihren Willen, auch-Mer. als Juden sich zu fühlen und zu leben, möglich zumachen. . - — Daher gestatten wir uns, in Anbetracht dieser mißlichen Lage unserer Glaubensbrüder, die einer schnellen Abhilfe bedarf, folgenden Vorschlag zu unterbreiten: Esmöge sich ein Komitee bilden, das es in die Hand nimmt, dies«, jungan. Leute solchen Arbeitgebern zuznweifen, die/es ihnen ermöglichen, den Sabbat zu erhalten. Das würde heißen/Segen stiften für die Gesamtheit unseres Judentumst , .. y Berlin. Der Hilfsv erein der Deutschen- Juden erläßt geineinschäftlich mit der Großloge für De u t sch l a n d U. O. B. B.' und dem Hi l f s ko nt i t e c für die notleidenden Inden in Frankfurt am Maiu einen Aüfr-us, für die jüdische Bevölkeruiig in den-besetzten Teilen Rußlands. In Liesen Gebieten leben,2Ve Millionen Jude», von denen Hnndrrttausende durchj die grausame Kriegführung nnserek Feinde von Hans und / Hast wertriebe» worden sind .nnd nichts als dys nackte Leben, retten konnten. Der Beginn des Winters vexschürft die traurige Lage / dieser ' unglücklichen /Opfer des" Weltkrieges., Die Hilfsaktion vollzieht sich engster Zusammenarbeit inft dem Interkonfessionellen Deutschen Zentralhilfskomitee .für Polen, ferner in .Uebereinstinimnng und. lmter .gojbetuttB bev zuständigen deutschen Behörden. Pole«. Warschau. Hier sind von dem jüdisch-amerikanischen Hjlssko-mitäe-- //- . , . . ' .e in/e halb £ Mil li o n. Maw k eingetroffen.Ein -ans Vertretern der zionistischen, und der chassibischen /Richtung zusammengesetztes Mmfttze'.wird "das Gelb-'verteilen.. ' - -

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