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Neue jüdische Presse · 1915-11-12 · Heft 44 (12.11.1915) · p. Seite 4

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
13 (1915)
Issue
Heft 44 (12.11.1915)
Date
1915-11-12
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Sette *. Warckfurter FSraÄtttscheS- FawilienSlÄL des Germanisten Professor Akax Herrmann an der Berliner Universität, ist. — 80 alt — verschieden. Hamburg. Julius Meyer, Inbaver der Hess. Lapferkeitsmedallle 1. Kl. und des Eisernen .Kreuzes, starb den Heldentod. Marburg. K Strauß u Frau Johanna geb. Kann feierten >in Gesundheit die diamantene Hochzeit. . Herr Strantz, der ein Jude alten Schlags ist, war drei Jahrzehnte hindurch Vorsteher der jüdischen Gemeinde und erhielt Lei seinem Rücktritt den Kronenorden. Göttin««« Heinrich Fa bisch, der 2. Vorsitzende des Allg. Deutschen Kantoren-Verbandes, weiteren Kreisen auch Lurch verschiedene Kompositionen bekannt, feiert am 15. November-sein ^25jähriges Jubiläum als Kantor und' Lehrer der hiesigen jüdischen Gemeinde. Fürth. De Kreis der gesetzesueurn Mt«li-d-r unserer GenreinLe hat wiederum über einen, schweren Verlust zu klagen. v Meher «Weisköpf, der über 40 Jahre in hiesiger Gemeinde -als treuer gewissenhafter Becunter tätig war, ist am 31. Oktober im Alter von 83 Jahren dahingegangen. Mit ihm verliert die-Gemeinde nicht nur einen Mann, wie man sie, heute so selten findet, sondern, jung und alt betrauern Auch in ihm einen Lehrer von seltener Frömnngbejit pno Gewissenhaftigkeit. Obwohl ihn sein Beruf bis vor ganz kurzer Zeit stark in Anspruch nahm, hatte er doch früh und spät Zeit gefunden, sich selbst dem Gesetzesstudium zu widmen und auch anderen darin Belehrung zuteil werden zu lassen. . Die große Bescheidenheit, die ihm eigen war, hat er auch darin kundgegebendaß er sich bei der Beerdigung, welche unter äußerst zahlreicher Beteiligung stattfand, jede Grabrede verbeten hat. Sein Andenken wird in der hiesigen Gemeinde stets ein gesegnetes seich. ' -. - - ~ ' Koveuhagen. Hier starb im Alter von 84 Jahren der Student Michael Rabinowitz, der älteste Sohn des .bekannten hebräischen Schriftstellers Scholaum Aleichem. Scholaum Weichem hält sich gegenwärtig in New DorKuns. N»«-N»rk. Eine halbe Million Dollar hat Jakob H- Schiff dem B.arnard College zum Bau eines Studentenheims gespendet. und zwar anläßlich der 50. Mederkehr des Tages, an jbent er nach, Amerika kam. Cigarren-HOllsP, gr. Eschen fieimer«tr. 31 Uebfraaenslx 1/S. TannnMtr. 47. || ■ garetten erstklassigen Ursprungs Partien \ Kra»kf«rter Berichte. Welche Aufgabe« harre« ««ser «ach dem Krieg? Ein Thema von Unerschöpflichkeit und Großzügigkeit. Doch wir kennen Dr. Arthur Kahn's Steckenpferd, I—. und so ahnte uns gleich etwas.. . Nicht, als ob wir Dr. Kahn einen Borwurf aus seinem ' Lieblingsgedanken machten. Selbstlos, treu und unentwegt Jahr für Jahr, Jahrzehnt für Jahrzehnt eine Aufgabe verfolgen, die nicht im Interesse des eignen Jchs, sondern in irgend einem Gesamtinteresse liegt, gibt der Menschenpersönlichkeit gehobene Bedeutung, ist das, was man einem jeden Menschen wünschen möchte, — denn wer so strebt, arbeitet, mag seine Aufgabe welche auch immer sein, für den Fortschritt. - ' ~ Aber alle Fragen der Welt/ob sie Hineinpassen oder nicht, in das Prokrustesbett seines Ideales hineinzwüngen -Nt -wollen, ist ein häufig beobachteter Fehler. :Von dieser Schwas ist auch Dr. Kahn nicht frei. / Gr Halle in seinem Vorrrage in Der Aguidas Jsroel-Jugendgruppe recht verheißmigsvoll nach der Größe seines Zhemas begonnen, indem er den moraWch-ethischen Stand der Kultur Welt vor demKrieg festzustellen suchte. - . Unter einer glänzenden Oberfläche wucherte .Fäulnis. Oberflächlichste Bildung, die sich erhaben über -Religion und Trqditwn fühlte, aber auch sittlich versumpfte (Zweikindersystem), da sie nur der Gegenwart lebte, die Zukunft jedoch gleich der Vergangenheit nicht beachtete. Wie wohl wäre es heute manchen Eltern, wenn sie so „unpraktisch" gewesen wären, sich „im Vertrauen auf Gott" mit dem Kindersegen zu freuen! Wie tief das „Menschliche" im Kulturmenschen gesunken war, dafür ein treffendes Beispiel aus bitten. 1906 legten die Berliner Bankiers Mendelssohns die christlicken Enkel des großen Juden Moses. Mendelssohn, zur Zeit - der furchtbaren Judenmetzeleren «in« /rulssißhe Anleihe von '60 Millionen Rubttn auf, undMnderte/ „moderne", „gebildet" Grrß'adtjndr» drängten sich zur Zeichnung in die Büroräume dieser Bankiers, ohne daß die von dem Blute unschuldiger jüdischer Aiütter, Väter und Kinder noch feuchte russische Erde ihr Gewissen zurückhittt. - Der Krieg hat die Selbsttäuschung über diese .Kultus zerrissen, der Krieg hat das Gute der Selbsterkenntnis gebracht. Ob aber «ine „Umwertung al'er 'Werte", wie ein stolzes Wort, hinter dem man -sich nichts benkch stautet? Ob die westeuropäischen Menschen nach dem Kriege andere sein werden? Während des Krieges 1870/71 setzte man auch große Hoffnungen auf die „Um» „Wertung", —nachher blieb aber allles "b eiin alten. Nun hatte man erwartet zu hören, wie diese Empfänglichk-eit'fnr eine idealere/ religiösere Lebemsansfa'sfung nach dem Kriege für das Juden tum fruchtbar gemacht wrprden könne. Doch nichts von dem. Mt einem kühnen Sprunge, den man dem würdigen Herrn im weißen Haar garnicht zugetraut chatte, befand er sich bei der Gleichbercchtignngssrage. Stets, wenn wir auf unsere bürgerliche Gleichberechtigung hofften, erwies es sich als trügerisch. So nach den Freiheitskriegen, .so nach 1870/71. Nach den Freiheitskriegen hat ein Großer in Israel, Rabbi Akkiba Eger in Posen, die Ursache erkannt, woran ^die Durchführung der Gleichberechtigung Sei der Bevölkerung scheitert. Dier Juda muß Ackerbauer werdensich ein Anrecht pn den Boden erwerben! Rabbi Mkiba Eger fand die Unterstützung der preußischen. Regierung, jedoch nicht die der Juden, und seine Bemühungen verliefen im Sand. Später trat Gustav Kuh für den Gedanken ein und Konsul Simon-Hannover opferte sein Vermögen von fünf Millionen Man für Lessen Verwirklichung. , Die Frage ist jetzt wieder zeitgemäß. Schon allein aus rein materiellen Gründen, weil nach! dem Kriege im Handel zahlreiche Kräfte übers üssig werden dü.ften. Besonders aber dürften zahlreiche junge Mädchen dann vor der Frage ihrer Lebensgestältung stehen, und da sollte die landwirtschaftliche Lausbahn ernst ins Auge gefaßt werden. Ein jüdisches junges Mädchen ist heute bereits Besitzerin eines Bauerngutes, sie ist dadurch frei, glücklich und weiß, wofür sie arbeitet, was man von den jungen Mädchen im Hamdelsberuse nicht sagen kann. Redner forderte zum Schluß auf, dem „Verein zur Förderung der Bodenkultur unter den Juden Deutschlands" beizutreten, damit auf dem Gebiete der Zuführung her Juden zur Landwirtschaft das Mögliche getan werde. lieber die Beziehungen von Schule und "Hans. Eine große Anziehungskraft übte der erste gemeinsame Vortragsabend der ,>Jüd. Fr anenverEinigung" und der „Agudas Jisroel-Mädchengruppe" aus. Oberlehrer I. K a u f m a n n sprach „lieber ' die «Beziehungen von Schule und Hans". Ws' fachwissenschaftliche Belehrung empfahl der Vortragende den 4. Band der gesammelten Schriften des ,Jeschurun" und die Encyklopädie der' Schulwissenschaft. ■ * Die erste Schule, so führte der Redner aus, in die das Kind eingeführt wird, ist das 'Haus: die Mutterschule, wie sie Pestalozzi nennt. In ihr vollzieht sich die erste Entwicklung des Geisteslebens und somit durch die Mutier . die Vorbereitung für die Schule des Lebens. Da ein gesunder Geist einen gesunden Körper verlangt, so ist jede Vorbereitung für die Schule zu verwerfen. Sie bedeutet im vorschülpflichtigen Alter eine Belastung des Kindes, der Reiz des ersten Einströmens in der Schule geht ihm verloren, man hat es direkt um ein Erlebnis gebracht. Wenn der Geist selbstständig aüfdämmert, Fragen stellt, soll man sie beantworten; das ist keine Uebermüdung; jedes Mehr ist vom Uebel. Vorbereitend für die Schule wirken kann die Mutter, inöMr sie das Kind sichtig sprechen lehrt, sich in ganzen Sätzen klar anszudrücken; indem sie seinen Sinn für Sauberkeit und Ordnung weckt und cs znm Gehorsam erzieht. So überwindet auch! das Kind mit Leichtigkeit den großen Kontrast, der zwischen Schule und Hans in sein Leben tritt, den Zwang. Das Ideal der Schule wie des Hauses ist,, das Kind zu einem gebildeten Menschen zu erziehen, aber mit Nichten ist es Endzweck der erstercn, einen fertigen Menschen zu entlassen. Die Schule lehrt die Grundlagen des Wissens, vermittelt Ausschnitte von Stoff und Wissen, deren Erfassung von Hause verfolgt und möglichst vertieft werden soll. Die -Kontrolle des ^Verkehrs liegt mehr dem Hause' ob, ebenso wie die der Lektüre; gehen ja dem Kinde nicht nur Bücher der Schulbiblwthek durch die Hand. Auch für richtige Zeiteinteilung muß das Haus' Sorge tragen, damit dem Kinde neben der Erfüllung seiner Schulpflichten, Zeit zur Erholung bleibt. Darum ist jede äußere Ablenkung wie Theaterbesuch usw. im frühen Alter möglichst zu vermeiden. > Eine wertvolle Unterstützung der „Beziehungen von Schule und Haus" bilden die Sprechstunden. In ihnen kommen sich Eltern und Lehrer näher. Will doch der Lehrer in allen Fällen Freund und Berater seiner Schüler seim - . - Aber wie das Verhältnis zwischen Lehrer und Schüler von zu Hanse gefördert, kann cs auch getrübt werden, wenn Eltern dem Schüler gerade willig ihr Ohr leihen. Jede abfällige Kritik ist im Interesse des Kindes unbedingt zu vermeiden, der Respekt und der Glaube an das Gerechtigkeitsgefühl der Lehrer stets hoch zu halten. Auf die speziellen Bestrebungen der jüd. Schule eingehend, -schlvß dar Redner mit einem warmen Appell an die Zuhörer, deren Ziele mit allen Kräften zu unterstützen, die Erfassung der Religion und deren Studium als Hauptsache zu fördern und zu vertiefen, denn aus ihr kommt uns alle Ethik und alle Herzensbildung, alles Große, dessen der Mensch in seinein Leben fähig ist. ZloutMLe J««en-gruvve. Die Zion. Jugendgruppe ist wie-alle Vereinigungen infolge des Krieges sehr in ihrer Arbeit behindert. In einer Besprechung der noch anwesenden Vorstandsmitglieder wurde beschlossen, auch in diesem Winter von größeren Veranstaltungen abzusehen. Es werden nur alle 14 Tage Diskussionsabende im Mitgliederkreise veranstaltet werden-. Der 1. Abend sinket Montag den 15. d. M. abends 9 Uhr tut oberen Saale des Kaffee Hauptwache statt. Frl. Sitta Goitein wird über Perez sprechen. Besondere Einladungen ergehen nicht. - Frankfurter Verein kür Statistik «ud Demographie der Änden. , " Der Frankfurter Verein für Statistik der Juden wird im lausenden Winter seine' wissenschaftliche und Vortragstätigkeit wieder aufnehmeir, Er. veranstaltet eure Reihe Vorträge und Diskussionsabende. - Vorträge haben' zugesagt: Dr. A- Feuchtwanger, Frau. Heneriette Fürth, Nachnm, Goldmann, San.-R. Dr. Hancüie« Nr. 44 Prof, Hülsen, Prof. Nippold-Oberursel, Privatdozent Dr.» Franz Oppenheimer-Berlin- Prof. Schaumberger und! Rabbiner. Dr. Winter-Homburg. Sämtliche Beranstal-s tungen-finden in der Frankfurt-Loge stgtt. Süd. Franenveretnignn«. Die Jüd. Frauenvereinigung beabsichtigt, zu C h a - I nuka -größere Sendungen selbst angesertigter Wäsche und! Liebesgaben ins Feld zu schicken und bittet,-diese»! Bestreben zu unterstützen. Die Ausstellung der ange-I ferttgtün Gegenstände ist ab Montag von 10—12 und von! 3—7 Uhr im --Hause Hanauerlandstr. 1 zu besichtigen. Steklenvermittlnn« der Weibliche Fürsorge. Die Weibl. Fürsorge (Langestr. 30, Telef. Hansa 3728)! diesem Grunde sei an dieser Stelle auf die gemeinnützige, kostenlos bedienende Stellenvermittlung! der Weibl.! Fürsorge hingewiesen. „VICTORIA“ Erste Berliner Wascherei und Glanz-Plittereil Han«« Tel. 2(W2. Jg GlltlBDtStr&SSB II. HanssTel 2002.| Spezialität: Kragen, Manschetten und Hemden. Um das Glück. Novelle von I a c o b L e v y. , (Schluß). Er hielt erschöpft inne., Äini hatte erschüttert zu-! gehört. Aber den Schmerz des totkrankeil Mannes zu! sehn, ging über ihre Kräfte. Laut weinend kniete sie I am Den nieder und ergriff die Hand des' Kranken.! „Viktor, habe Mut, es wird alles gut gehen. Glaube I mir, ich sehe ein, worin ich gefehl habe. Du brauchst Dir keine Vorwürfe zu machen, Dein Fehler war nur I Deine allzugroße Liebe, mit dex. Du mein 'Leben, mein Tun und Treiben in allzu "rosigem Lichte anschautest. Nun höre zu.. Ich habe gefehlt, ich werde nun auch | zu helfen suchen. Ich bin trotz meiner idealen Bestrebungen praktisch veranlagt, ich 4veiß es und kenne auch I den kaufmäimischen Betrieb von Haus aus. Von heute an ergreife ich die Zügel des Geschäftes, ich werde rasch lernen. Also wenn Aenni bei Dir ist und Du mich nicht siehst; dann brauchst Du nicht zu fragen, dann bin ich im Geschäft. — Dich gut zu pflegen" fügte sie lächelnd bei, „werde ich noch Zeit finden. Und das Vertrauen der Kinder "erringe ich mir, ich glaube,, daß ich Karl Günter schon gewonnen habe. — Bist Du jetzt beruhigt?" / Utfi> sie sah ihn mit einem Lächeln, das sie verjüngte und verschönte, an. .... Viktor horchte noch, als sie. schwieg. Er drückte fest ihre Hand und flüsterte: „Jetzt möchte ich doch noch-leben, da das Leben für mich noch schön werden kann." „Viktor, unserm alten Freund, dem Doktor Lambert,- vertrautest Du doch stets, warum jetzt, nicht? Er stellt Dir noch manches Jährlern auf unserer schönen Erde in Aussicht. Wenn Du wieder hergestellt bist, gehst Du nach Ruland und bringst, selbst gesundet, den Jungen geftnck» und stark Mit Jenny zurück." „Und Deine Reise Gini?" „Sei Ml, ich habe keine Zeit zu reisen. Jetzt wollen wir noch zu schlafen versuchen." So sagte sie, obwohl sie selbst keinen Schlummer jetzt fand. Und sie hörte nach einer kurzen Weile an seinen tiefen, regelmäßigen Atemzügen, daß er wieder eingeschlafen war. , Aber es war noch lange nicht acht Uhr,, als die Kinder die Köpfe durch die Tür steckten. Die Mutter winkte nick begab sich zu-ihnen. „Der Vater hatte eine gute, sogar sehr gute Nacht gehabt, und die Sprache hat sich wieder eingestellt. Geht und laßt das FrühMck auftragen, das Mädchen kann die kurze Welle bei Vater bleiben." Ms die drei am Tisch saßen, begann Frau Gini: „Aenni, von heute ah bin ich Deine Prizipälin." Und sieerzählte den erstaunt aufhorchenden Kindern das Resultat ihres Nachdenkens oder, vielmehr, das, was sie mit Vater die Nacht überlegt und beschlossen hätte. „Ich 'warte jetzt Doktor Lambert ab, und dann gehe ich ins Geschäft, Solange bleibst-Du beim Vater, Aenni. Ich bespreche mit dem Buchhalter undnehme Einsicht, denn ich' werde von nun an das Geschäft leften. Dann soll Vater es leichter haben, Ivenn er tvieder gesund ist, ich wlll ihm immer zur Sette stehen. Ich werde für meine Vereine wohl vorläufig keine Zeit Mehr haben," setzte sie wie beiläufig hinzu. .

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