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Neue jüdische Presse · 1915-11-05 · Heft 43 (5.11.1915) · p. Seite 4

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
13 (1915)
Issue
Heft 43 (5.11.1915)
Date
1915-11-05
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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ÖWte 4. . - Ar straussfedem -Ap WttotovJl'Ws, Z’«aua,«(nneXnSfti3 in Slntton HähtrStedn,-As Ute - s.'Rütd. Mdg«. AmimKm, Ibteisliteru n- Hnutfertlgtii Um'Uei't Tetoi- Bou etc.. ßiö»«*-*« G"~ohift ud PUt-i . ßegrändet 1-86. Garenfeld-BallH, Bömerberg 84, n: TelephOflfiijmir, 3 '78. ,-Das weiß ich Mutter, aber , so, wie die Verhäl^ nffse liegen; wäre es eine Süiüie von mir, dies Opfer artzunehmen. Uich was sollte aus mir werden, wenn mitten «.meinem Stüdium eg Euch unmöglich würde, diese Kosten weit« zu tragen? Glaube mir, Mütter; es muß sein. Versuchenicht, mich umzustimmen, wirke nur -nicht auf den Btt« ein, mich in Deinem Sinne, beeinflussen zu wollen. Außerdem hübe ich für Rechtswissen; schaff wü> Philosophie gar kein faible, währmd mir das Bankfach sehr sympathisch ist." Gini ließ den 'Kopf sinken. - . »Keine meiner Hoffnungen erfüllt sich. Ich wollte meine Köcher als Leuchten der Wissenschaft glänzen sehn, - sie uwllen den hohen Flug nicht nehmen, den ich' ihnen ersehen." „DÜltter, wir wollen auf der Erde bleiben. Es soll kein'Vorwurf sein, — aber Du bist uns ftemd gewmHen,-weil andere Dir-Mehr galten als Deine Kinder. Warum warst Du früher mit uns, mit mir nicht so wie jetzt; warum hattest Du früher keine mütterliche Liebkosung für mich? Unser altes Dienstmädchen Traudchen sagte mir einmal, als ich als Kind nach Dir rief, und Du mich nicht milnehmen wolltest. -Armer Schelm, mit Dir kamr Deine Mutter keinen Staat machen." Frau Gini wurde blaß, sie sah ihn starr an, und ein Tränenstrom brach aus ihren Augen. Sie umschlang Jbeit Jüngling und liebkoste ihn . wie ein Kind." _ . „Armer Junge, das hast Du der Trandchen doch nicht geglaubt. Nein, esist noch nicht zu spät, meinen Kindern gu beweisen, daß ich eine richtige Mutter mit mütterlicher Fürsorge für sie bin. Folge nur unbedenklich meinen' Anordnungen und — Er unterbrach sie.. „Mutter, das ^darfst Du nicht verlangen. Ich bin -alt genug, um nicht über, mich »«fügen zu lassen."- Lächelnd fuhr er..fort- „Sei doch stolz darauf, daß Deine Erziehung nicht so selbständig -gemacht hat, ynd sich mit wohlwollenden Augen an, wie ich meine Zubmft gestalten werde." _ Kapitch 13. Ms Karl Günt« sich nach Tisch zur Siesta zurück-. gezogen hatte, reichte'Jenny ihrer Tante ein Telegramm, das sie vor ein« Stunde erhalten hatte. „Vater krank, Wuü« sofort zurückkommen. Vor Karl Günter verschweigen. ' i. / Frau Gini sank auf den Stuhl zurück. Jenny sagte müleidig: „Tante, ich durste es Dir nicht verheimlichen, es wird so Gott will nicht so schlimm sein. -Die Kirwer wissen sich keinen Rat, und Hermann ist auch nicht da." „Jumy, tmäm kann ich reisen?"' - . „Um fünf ,Uhr fährt die Post, dann bist Du um elf Uhr. zu Hause. Liebe Tante, Du weißt/wenn ich nötig sei» sollte" — „Gewiß Jenny, aber jetzt bleibe bei Karl Günter, hoffenllich kann ,es ihm verschwiegen bleiben." Als der Junge um drei Uhr heruuterkam, sagte ihm seine Mutter in heü«em Ton: „Mein Sohn, der Zweck meines Besuches ist etfSUt, ich habe Dich gesehen und bin glüLich. Da ich vor meiner Reise doch noch verschiedenes anznordnen und zu besorgen habe,/ fahre ich um fünf Uhr nach Hause." ~ , Kail Günter sah sie veMüfst an: „Wie kommst Du auf einmal zu dies« übereilten Abreise, ich dachte. Du bliebst doch mindestens eine Woche chei uns." , „Nein, mein Kuck», Theobald ist so allein, da Bat« mü> Aenni den ganzen Tag im Geschäft sind, und es ist üb«haupt für meine Reise noch nichts geordnet. Güube mir, ich habe hier keine Geduld mehr. Zu Hause woben sie sich auch freuen, wenn ich -zurückkehre, da ich wirllich etwas leichtsinnig abgereist bin, ohne vorgesorgt zu haben. Ueber Dich habe ich nur Freudiges - zu Lerichten. An Hermann weide ich einen großen -Brief schreiben, Jenny, werde ich-auch etwas üb« Dich darin sagen? Doch jetzt «le ich, mich von dem Ehepaar Mehler, diesen prächtigen Menschen zu verabschieden." ’ - Es giW alles so hastig, Karl Günter wußte nicht, was « . denken sollte, und "als der Postwagen seine Mutter entsthrte, meinte er zu Jenny: „Ich verstehe nicht, ich finde meine Mutter verändert. Ich habe mich Lomler & Xaltsclif Tel.Hans>aS148. Frankfurt &.M, Liebfraueiil)erg,83 H Speeialhans für Unterkleider and Strümpfe. ■ Mederlage echter Dr. Lahmanri-Wflsche. . W Franffuxter Mraelttifch«« FamilieMaÜ. von Herzen mü ihr gefreut, und : nun will sie so unvermittelt weg." „Lieb« Karl Günter, Deine Mutter eilt zu ihren nächsten Pflichten, bei Dir ist sie nicht.nötig, lass' sie ruhig so, sie ist auf dem rechten Weg." Und damit mußte er sich zufrieden geben. Jenny, bas lluge Mädchen hatte bemerkt,- hast im Charakter ihr« Tante eine Neuerung sich vorbereitete: Die ernsten Ereignisse brachteir den guten Kern, der durch Ehrgeiz und fälsche Auffassung der sozialen Pflichten-verdeckt war, an -die. Oberfläche. — Als Frau Kurz zu Hause angelangt, dem Abteil «rtstieg, war Theobald am Bahnhof Sie eilte auf ihn zu. „Theo, was ist mü'Vater?" .-. / „Mutter, fasse Dich, ich werde -Dir eingehend berichten." Sie fasste ihn krampfhaft amArm. „Ist es hedenklich?" - - „Nein Mutt«." . Er hatte unmerllich gezögert, aber sie bemerkte es doch. „Mein Gott, was werde ich hören" flüsterte sie. Er" wollte eine Droschke herbeiwinken, aber" seine MutterIagte: „Nein, nein, wir werden die zehn Minuten gehen, im Wagenrollen kann man nicht sprechen. Also berichte." - , - „Ja Mutter. Heute morgen hörte Aenni, die im Lager Rechnungen schrieb, einen schweren Fall. Sieellte ins Kontor und sieht zu ihrem Entsetzen Vater auf dem Boden liegen. Sie will ihn in die Höhe richten, da bemerkt sie, daß er besinnungslos ist. Sie schreit auf, da kommt eben der Buchhalter von einepi Geschäftsgang zurück, und dieser und zwei Herren vom Lag« heben Vater auf und"- legen ihn auf zwei Stühle auf" weiche Decken. Doktor Lambert, der glücklicherweise zu erreichen war, konstatierte einen leichten Schlaganfall. Jetzt ist Vater selbstverständlich zu Hause, und der Arzt sagt, daß augenblicklich keine Gefahr sei. Wir. fanden aber doch nötig, Dich herbeizurufen." Unterdessen kamen sie nach Hause, und Frau Gini eilte, ohne erst den Mantel abzulegen; .zu ihrem Mann. Am Bette saß Aenni, die den Finger auf den Mund'- legte, ein Zeichen, daß der Vater schlief. Das Mädchen ging leise zu ihrer.Mutter; die sie zärtlich küßte und .auch Theobald an sich zog. „Ich—habe Dich vorhin nicht begrüßt, das mußt' Dü mir verzeihen, mein Junge,. Ich. Neide mich eben um, und dann geht Ihr beiden schlafen. Ich bleibe hier, und wenn Bat« etwas nötig hat, bin ich da: Wo ist Kätchen?" - xj.:} „Das Mädchen.wird Dir jetzt Tee und kalten .Braten brmgen. Du mußt doch essen, Mutter." . > . Eben kam das Mädchen und flüsterte:- „Der' Tee steht im Wohnzimmer, gehen- Sie mit den Kindern, ich bleibe so lange hier." ' ’ " Die treue Kätchen hatte für die Kinder mit serviert wld "sagte vorwurfsvoll: „Frau Drrz, sie haben noch kein Abendbrot gegessen, sprechen Sie doch ein Machtwort." Wo war die Gleichgültigkeit der Frau Gins gegen die häusliche Miseren geblieben! Früher predigte. sie, man solle Kiiü> « nicht zum Essen veranlassen, was. soll man sie zu Hause einladen, als ob es Besuch wäre! wenn sie nicht essen wollen, mögen sie eben warten — urck jetzt befahl sie: „So Aenni und Theo, jetzt , wird gegessen und das ordentlich, wenn Ihr wollt, daß es mir schmecken soll" und damit legte , sie ihnen reichlich vor. Und dann erzählte sie von Ruland, ime sich Karl Günt« unter der Pflege Jennys gut erhall, und daß - er — ja, daß er nicht studieren will, obgleich er es sein« Gesundheft gemäß dürfe, sondern daß er ins Bankfach gw. treten beabsichtigt! . „Mutter, wird es Jenny nicht zu langwellig, strebt sie nicht zu ihrem Bräuttgam, der in acht Tagen" zurückkommt?" ' -. " „Wftkönnen ihr nicht dankbar genug sein, sie lebt nur für Karl Günt« und wlll' noch einige Monate mit ihm dort bleiben, wenn es seiner Gesundheit zü-- träglich. ist." . ' : ■ . - Das Mädchen trat ein. „Der Herr ist aufgewacht.^ Frau Gini erhob-sich hastig und ellte ins Schlafzimmer' Da lag ihr Mann, den sie vor wenigen Tagen in d« Fülle der Gesundheit verlassen hatte regungslos, blaßundrichtete seme Blicke auf sie. Sie stürzte an sehr Bett und «griff seine Hund. ,, ' „Mktor, sprich, wie befindest .Du Dich?" > - .' 77Er' lächelte mühsanr und versuchte, zu sprechen, - ab.« vergÄens. ' - .; .. . r Nr. 43. I Clgarren'HQllen, gr.Esehenlielniierstr. 81. Xlcbftunniatr. I/a.. Tauoniuatr. 47. rgarren^ i garetten r 3n«en - . erstklasaigep Ursprungs.; „Strenge Dich nicht an. Bleibe ruhig, - es wird schon alles' gut werden. .Ich fchicke^sben die Kinder ins Bett und ödnn bleibe ich bei Dir. Einen Augenblick." - Die beiden standen vorder . Tür und" wollten sich nicht fortweisen lassen. Sie könnten dev Mutt«-nicht zümuten, nach der langen, unbequemen Post- und Bahnreise auf ‘ einen Pattenten zu 7 achten. Sie, schob, die Kinder sanft, aber unwiderstehlich fort. „Ich bin nicht müde, und ihr wäret mir nur im Weg. Ich habe es Bat« gesagt,, daß Ihr schlafen müßtet, also ärgert uns nicht durch Ungehorsam. Für Vaters sorge ich gut, des seid Ihr sicher. Also gute Nacht." ' ' . Und sie küßte die beidendie sich zögemd entfernt«:, dann setzte sie sich ans Bett des " Kranken.' „Wlllst Du schlafen, oder soll, ich erzählen.'. Wenn Du Ruhe wünschst, so werde ich Mle sein. Ich lege mich nittier, bin aber bei Deiner kleinsten Bewegung bei Mr. Wenn ich aber sprechen soll, so bewege Deine Hand^." - \ ■ Viktor gab sofort das gewünschte Signal. Sie berichtete nun voN Ruland und erzählte von ihrer Freude, in welchem wahren Aufblühen sie Karl Günter gesimden. „Und Viktor, beim Spaziergang hat er mir alle die Wunder des. Waldes erllärt, er hat lvie ein Kavalier für mich gesorgt. Seinen fesselnden Erklärungen hätte ich den ganzen Tag lauschen können. Viktor, wie hat sich der Junge geändert — oder wielleicht kannte ich ihn noch nicht. Du sollst ihm eine Stelle inr Bankgeschäft besorgen, obschon er kräfttg genüg zum Studieren ist, - wie mir Dollar Mehler versichert." Da bem«kte sie, daß ihr Mann eingeschlafen war, und nun suchte sie auch ihr Lager auf, sicher, daß der geringste Laut sie wecken würde. — Die Nacht verlief ruhige Der Tag graute eben, da stand'Gini am Bett ihres Mannes, her ruhig atmete und fest schlief. Sie -hörte draußen leichte Schritte, und als sie" die Tür öffnete, stand Aenni vorihr; blast und Übernächttg aussehend. „Was wlllst Du, weshalb schläfst Du nicht mehr?" - ' „Ich wollte sehe, wie es Vater geht, in der Nacht >vär er ja ruhig", stammelte sie/-und' jetzt stellte sich heraus, daß sie und ihr Bruder einigemal-in. der Nacht an' der Tür gelauscht hatten, ‘ „Dü hättest ja fest schlafen können, Mutter." ' »Ich habe Euch doch versichert, da'',' ich die Verantwortung übernehme, Ihr dulNmen Gören.. Marsch ins jBett uich-laßt Euch nicht vor' acht 'Uhr' blicken." ,;Ja Mutter, ich werde es Theo sagen, der auch mcht schläft." . ,7 . - : Die Mutter ging ins Schlafzimmerzurück und legte , sich uied«, konnte aber nichtmehr schlafen,, und jetzt Flamen die -Gedanken wied«, die sie in der letzten xZeft so oft quälten. Sie fühlte, daß die Kinder ihr ftemd gegeNüberstanden, daß sie die Fürsorge, die sie jetzt für die Ihren hatte, verlegen, skepttsch empfanden. Wie durften die betten, die sonst den festen, gesunden Schlaf der Jugend hatten, so oft' in d« Nacht an der Tür des 'Krankenzimmers lauschm, ob sie, die Mutter und Gattin'ihre Pflicht erfüllt! Mit üefer Scham sagte sie sich, daß das Mißkauen, der - Glauben an die Jnteressenlosigkeit an dir Ihren nicht unberechtigt war. . ' . '7' Aber jetzt sollte and«s werden! Was sie an Karl Günter . gesündigt hatte, . war nicht mehr' ganz gutzumachen, aber, gesund'konnte er trotzdem sein und zufrieden mü seinem Loos, —- und dafür wlll sie. jetzt leben. Und ihr-Mann, d« jetzt todttank ist,dergutc Mann, der sie so verwöhntfür den ihre Worte Jets eitel Klugheit waren und der alles bewilligte,' was sic tat, — ja, das war nicht recht, sie ttug die Schuld nicht allellr. Wenn sie auf falschem Weg war, hätte, er sie warnen,,zurückhalten müssen, dafür war er ja Mann! Kapüel 14. : 'Ein Geräusch unterbrach die unerquiMche Gedanken Gini's. Sie blickte aNf. Ihr Mann, war .«wacht, und als sie zu ihm trat, lächelle er und sagte mit leiser Sümm^, stockend:,. „Guten Morgen, Gini",.'. . .. „Viktor, Du" sprichst wieder, — sei ruhig. ftr'enge Dich nicht'' an. - Hast DU verstanden, was ich Dir gestern von also ich Tir nock hier letzt also ein her< hat« vier Kai and st kün mir oll die das lies wol mit Fei 801 in mit kl! kraftktAplsp'MittrkkiznLiislLll »ültor UovtroU« Nss Lrrtlloksa Verein* | Sebwanbnrffstr. 8—6- T»l. Haou lies eüulga AnsUIt irraiikfnrts. itelohe anssoUleisIlah " fcalmärinä Kurmiloh nnr.fwui UDoh der elpien 8UHung. liefert.; I

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