Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 13 (1915)
- Issue
- Heft 42 (19.10.1915)
- Date
- 1915-10-19
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Frankfurt» DüwMiWN FamÜieMM. --4KMI2 -r-17 mit Hrotzmi Erkotze imÜngltt.NätwMtheäwräufgeführt.: Er redigierte Las großangelegte „Gedenkbnchbes Pcirla« Lonvoü. Nach' Wem' chrrÄre har die In l ernakton a l e' Bibel-Gesellschchf.-t1914-weun AMioüen unb ISIS mehr «lsr^zehn MilMouen Exemplare der ®i!j£l verbreitete. An dieser Permehrung dürfte, der .ffrtffl frflflPir. PererSvniji. Wie „Shtgföjt SMuo" meldet, ist die Wahl von Weinstein--Odessa in den Reichsrat für nichtig erklärt worden, da Juden keinen Sitz im-Reichsrat Haben dürften. - Rew-Hork. N. Slouchz. P ofrssor an der Sorbonne in Daris und bekannter hebräischer Schriftsteller,, ist.hier ekngevwffeu. ,• ■ . -- -’7..,7.7, •’ ,- San FrauüSco. Auf dem hier statifindenden W e ltbibelklongreH. wurde hervorgehobendaß im Jahre 1814 nicht weniger äls 28 Millionen Mbeln .in der! Wett verbreitet, würben. IFranl Sehmirx] etnsij ' v Frankfurter Milchkuranstalt vmter Kontrolle des ärztlichen Vereins SdiviuribiirsRfr. a-6 TeX. Hans» 1168 ein*ige Azutalt Fi&Dk%rts./v«Iohe ausschlie»slJßh k*im*rme K-rmilch m>r an» V|u-'h t\»r ung liefert. .. statt ■ uns» 1168 slloh MM Fraulfuner Veptchte. AnSfchntz -er Israelit, Gemeinde. Aus der letzten Sitzung ist folgendes zu berichten: Die Gemeind r e ch n u Ng für 1914/15, die einfchl. der Nachbcwilligungen mit 55,405 Mk. Mehrausgaben (davon 44,000 Mk. für Krankenhaus) und 29,000 Mk. Minderausgaben (11,000 Mk. durch Kapitalverschiebuugen und 18,000 Mk. durch Ersparnisse bei einer Reihe" Etats- Posten) abschließt, wird bewflligi / Der Posten Schulrechnung 1913/14 wird vertagt, bis das Kuratorium die Aufstellung des Vermögens an Stiftung«! eingesandt hat. Bon bau Kriegsznschlag von 2 Mk. in Klasse la Und 1 ML täglich in der Klasse 1b und 2 zu den Verpflegungssätzen-des Krankenhauses wird zustimmcnt Kenntnis genommen. Auch die anderen hiesige», Krankenhäuser 'haben diese Sätze erhöht. Nachdem infolge der Bemühungen des Verbandes der deutschen-Juden den jüdischen Feldgeistlichen ab 1. August die gleichen Au f w a n d s ent schädigungen wie den christlichen Feld geistlichen bewilligt worden sind, kommt der Zuschuß der Gemeinde für die Feldseelsorge in Fortfall. - Zum Punkt „Serschiedenes" brachte der Vorsitzende, Rechtsanwalt Dr: B ä-xw a l d, die Frage Ossi-- zieller Mitteilungen der Gemeinde zur Sprache. Diese Angelegenheit stand, vor dem Kriege vor ihrer Verwirklichung und wurde infolge des Krieges vorläufig bei Seite-gelegt. Dr. Bärwald sprach den Wunsch aus, daß der Vorstand sich schon jetzt wieder mit der Ausführung des wünschenswerten Güanken beschäftigt. Es Wan ein jeden zweiten Monat erscheinendes Organ gedacht. Las einen Ueberblick über die Institutionen der Gemeinde, die Beschlüsse des Ausschusses usw. gibt und auch einen homiletischen Auflatz seitens der Gemeinderabbiner bringt. Das Organ, das allen GemAndemitgliedern zngesandt'werde, werde den Zu- - sammenhang zwischen den Mitgliedern und der Gemeinde festige». Uns scheint, daß man sich die Verhältnisse in Berlin zum Muster genommen hat, ohne dabei zu bedenken, daß in Berlin die Dinge ganz anders liegen. Frankfurt hat 30,000 und Berlin 150,000 Juden, von denen in dieser Millionenstadt naturgemäß ein sehr großer Teil die. Fühlung zur-Gemeinde verlieren muß. Hier war es notwendig, ein Instrument zu schaffendas die beiderseitige Verbindung herstellt. In Frankfurt liegt an und für sich diese Notwendigkeit nicht, vor. Die Gemeinde ist mit ihren Institutionen alll ihren, Mitgliedern; greifbar nahe, soweit sie ihr nur nahe sein wollen. Hier würde ein Gemeinde- Jahrbuch, düs Aber' die Gemeinde, ihre -Stiftungen; und Vereine informiert, vielwicht auch das jüdische Kalendarium enthält Und bei Gebrauch stets zur-Hand ist, zweckmäßiger urü> bedeutend w.uigw kostspiäig sein.. . dlußerdem.wäre noch eines zu bedenken: Es sollen Aussätze 'der Gemeindcrabbiner gebracht werden. Liegt" da nicht''bei den entgegengesetzten religiösen Anschauungen der Herren ein gefährlicher Zündstoff für den GemeindefrickeN? V Zum Schluß der Sitzung behandelte Herr Hugo Fraenkel eine Lebensmittelsrage. Er wünschte -nämlich, es möge "Vorsorge getroffen werden, daß das Publikmn bei den unter Aufficht stehenden Metzgern stets genau'wisse, ob es Ochsen- oder Rindfleisch bekomme. Die Angelegenheit wurde lebhaft besprochen und soll, weiter bchandelt werden. Kleine Notiz«. Sonntag nachmittag 43/^ Uhr wird Herr Ja c ob S. Posen. Hermesweg 25/27 ei» Hesped auf Rabbi Liepman Philip Prins s. A. halten. Der Maler Rudolf von Goldschmidt-Rothschild erhielt dom König von Württemberg die große - gvldene.Medaille für Wissenscha ft un d Kunst am Bande des Kronenordens. In den dichtbesetzten Räumen der Agudas 'Jis- -roel-Jugendgruppe würdigte -Direktor 7 Dr. Langtz' im «LnÄn warm empfundenen Hesped die Persönlichkeit Rabbiners S. H. Schüler s. A, der wie überall auch in der Jugendgrüppe selbstlos und mit Hin- 7 gäbe wirkte, als das Muster eines. Rabbiners alten Schlages. -.-v...-,. - Am das MüL Novelle rvon J a c ob Levh ' - (Fortschung.) - Sie küßte ihre Nichte,- die lächelnd nähertrat. „Jenny,-das verdankeil wir Dir!" > - ' ' „Nein, Tante, nicht, mir, sondern, der güten Lust ' und dem naturgemäßen Leben." - - : „Und den guten Ratschläge» des Doktor Mehler" unterbrach sie-Karl Günter schmunzelnd und reichte seiner Mutter den Arm. Langsam, wandelten sie weiter nach Hause, und am Kaffeetisch war Frau Gini eine ganz andere wie. zu Hause — besorgt um ihren Sohn,, den sie unausgesetzt betrachtete, und so innerlich vergnügt -war sie. Sie ließ sich erzählen, wie die zwei den Tag verbringen und. schüttelte nun doch den Kopf darüber, daß sie sogar'nichts von geistiger Beschäftigung hörte. Sie selbst hatte auch viel von Hause zu berichten, und so verging die Zeit rasch. Die Frau Doktor Mehler kam zur Begrüßung der Frau Gini, nick diese sah mft Vergnügen eine fein gebildete Dame; sie hatte sich die Frau Doktor, die im kleinen Orte ihre.Befriedigung fand, als sehr hausbacken vorgesteltt, als eine Art Gouvernante, die Jenny unterrichtet hatte. Sie nahm auch gerne die Einladung zum Abendbrot an und verstand sich mit-dem alten - prächtigen Doktor sehr^ut, der sehr ritterlich und galant war. So verlief der erste Tag in Ruland ohne Mißklang. Am anderen Morgen waren Gini, eine Frühaufsteherin, so. wie ihre Nichte, um sechs Uhr unten. Gini sprach sogleich von Karl Günter. „Jenny, ich bin glücklich, wie-sich das Befinden, des Jungen gebess^t Hat. Ordentlich schneidig ist er geworden. Hast Du bemerkt, wie er, der sich ipimer auf ' andere gestützt hat, mir"gestern den Arm gereicht hat?" „Ich wußte es ja, liebe Tante. Es . fehlt ihm iwch an Selbstvertrauen und an Lebenslust- und das wird mit seiner körperlichen Erstarkung auch kommen." „Jenny,-meinst Du nicht, daß er.doch kräftig genug zum Studium ivird, es ist. doch eine Lebensfrage^" „Tante, Du kennst meine Ansicht darüber. Abe sprich mit dem Doktor darüber, der kennt den Jungen jetzt ganz genau, ohne ihn ärztlich zu behandeln, und eben deshalb hat er großes Zutrauen zu ihm und spricht mit ihm über alles." < - - „Das ist ein guter Rat, Jenny, ich wfll ihn befolgen, damit ich beruhigt meine .Sommerreise machen kann." „Wohin willst Du Deine Schrttte lenken?" „Nach der Schweiz mit einem keinen Wstecher nach Italien. Ich schließe mich der Familie Doktor Bonn an. Ich wäre natürlich beruhigter, weim Du bei uns sein könntest." „Hier bin ich nötiger, Tante," erwiderte sie kurz. Kapitel 12. Unterdessen kam Karl Günter imd setzte sich vergnügt an den Kaffeettsch. Später kommandierte Jenny: »Jetzt machst Du-Deiüen Morgenspaziergang mit Deiner Mutter, ich habe-zu tun und muß kochen." Karl Günter sagte: „Dagegen gibt's keine Otzjto-! süion, komm'- Mutter." Sie erhob sich gar nicht unzufrieden, '^und Mutter und Sohn gingen — zum ersten Mal in ihrem Leben - spazieren lediglich des Spaziergangs wegen und ohne sich mtt aiüierer Gesellschaft treffen zu wollen. Unterwegs kam Gini auf ihr Lieblingsthema zu sprechen, über ihre Stellung im sozialen. Leben und Wer das geringe Verständnis der Kinder dafür, und daß diese kein höheres Stteben hätten, — wie ihre Aenni so ganz aus der Art geschlagen sei und lieber Packetchen macht und Rechnungen sWeibt, anstatt zu studieren. ' . „Laß gut sein Mutter" sagte Karl Günter,, gutmütig „die dicke Aenni hat nnrllich nicht das Zeug zum Studieren in sich. Sie ist jetzt an ihrer Stelle und lvird Vater eine gute Stütze." „Und Du Karl Günter, hast Du nicht. Verlangen zur. afirdemischen Laufbahn,, da Du Dich so gut erholst."- 7,Mutter"-entgegnete er finster, „lasse uns darüber - schweigen, das. ist für mich erledigt. Ich bereite mich hier' zu einem neuen Leben/.vor, das mir bei meinem körperlichen Zustand Befriedigung gewähren soll. Maube nicht, daß ich hier so vegeüere, ohne nachzudenken. Ich werde mit einem ferügen Programm nach Hause zurückkehren- Dafür muß ich so. gesund -.werden, < wienröglich, ein' ganz mck»erär-: Kerl - gewördm- .ich - laäfe-^trinke ^Bin und rauche." - Er nghm im Waldesschatten' seine'^Britle ab, und seine Mutter -bemerkte, daßer schöne, ilachdmlliche Augen - hafte.: Im plötzlichen- .Impuls - -umfaßte - und küßte-sie ihn. Er, der nicht durch., nvEtterliche-'Zärtlich. kett verwöhnt war, blickte sie verblüfftbkinahe verlegen Dannfragte sie: „Karl Günter/ wäre 'es. nicht zuttäglich für Dich, wenn Du als- Präludium zum Wiedereintritt, in VU zivilisiette Welt mich aüf -meine .Sommerreise begleiten würdest/ ich labe Dich .nn und verspreche Dir gute Pflege." - - „Nein, liebe Mutter. Ich danke Dir sehr/ aber der Aufenthalt hier ist das beste -und' wohltättgste für mich. Wenn es mir hier zu ruhig wird —"was doch einmal, eintreten wird —, dann ist mir das. ein Zeichen, daß ich hergestellt bin. Siehe, Mütter/ diese alte Eiche inmitten der Wiese. In Ruland heißt sie die Heide», eiche, mch man schreibt chr ein strst tausendjähriges Alter zu. Unter ihrem Laubdach sei noch heimlich Odin angebetet wott>en, und heute ist es noch nicht geheuer unter ihrem Schatten., Ein Rulaicker würde nachts nicht auf die Wiese gehn, wenn man ihm weiß Gott was verspräche. Siehe einmal gerade aus. und - rühre Dich nicht" flüsterte er erregt. ' Gini blickte auf. Da trat aus dem Waldesschattcn ein Reh, äugte die beiden regungslosen Menschen vcrwundert an und flüchtete dünn nach einem Augenblick ins Dickicht zurück. „Siehst Du, Mütter, so bringt jeder Schrttt Neues mld Schönes, von dem ich keine Ahnung hatte, das man in der Stadt nicht kemtt. Und daß ich alles das bemerke, daß mk nichts von all den Wundern entgeht, dafür sorgt Jenny. Sie belehrt mich über das Sprießen und Wachsen in der Natur, über das Leben der Vögel, der Insekten. Mir ist das Leberi und Treiben der Bauern nicht mehr ftemd, ich war mit auf Feld und Wiese mid in dm Ställm. Ich besuche den Schneider, der auf seinem- Tische hockt und merkwürdige Ansichten über die "Weltlage äußert. Ich war einmal nachts in der Backstube beim Bäcker, wo das Heimchen zirpt, und .auf dem Heimweg hörte ich vom Kirchtürm die Eule schreien. 7Es war wie ein.-.'Märchen! Ich - 'habe . meine Zeit nicht verloren. Und ich habe noch, etwas gefurchen, was uns Kindern fehlt, das. Gottvertrauen, und die Religion. ^Nur das, Beispiel bei dem Ehepaar Mehler helehrte und bekehrte mich.-. Beide, sind. feingebildete Leute und sehen als höchste Pflicht. die^ Ausübung der Religionsgcfetze an. ^Jch wußte, daß mir' etwas,-fehlti', konnte es aber nicht in- Worte fassen. Das ist. die Ehrefürcht vor den . Geböten unserer Religion. Ich habe von Frau Dottör mir manches erllären lasserr und habe die feste Absicht, zu Hause alles nachzuholen, .was ich versäumt habe. Ich-.glaube, daß. Theobald und Aänni ebenso denken." 7,^/. Er hatte sich heiß geredet.' Seine Mutter hatte ihin still zugehört und zog nun seinen Arm in den ihren. „Rege Dich nicht auf. Junge,, es soll sein, ivie Du es wünschst. Du weißt, daß wir rituell leben, und wenn Dir an den Zeremonien liegt, — nun, das wird Vater gern übernehmm. Aber .jetzt hast D» zu viel und zu.anhaltend gesprochen, und jetzt redest Du vor- . läufig kein Wort niehr. Hier liegt ein gefällter. .Banm, ,und -da setzen wir uns und /ruhen uns, aus." .7 - / '-Karl ^Günter folgte gerne und lehnte sich wohlig an seine Mutter,^die ihn umschlang. . 7 < Beim Mittagessen begamr Karl Günter::Mutter, jetzt bist Du bereits eine Nacht und zwci halbe Tage hier-und hast noch kein Wort von Hermgim Beck gcsprochm. Ebenso rätselhaft .ist mir desscü'Braut, dir ihn vergessen zu häbm feint." .77^7 Jenny lachte und faßte ihren Vetter. ans Ohr. „Deine.Mutter har mir alles Wissenslverte ^berichtet, als Du noch fest schliefst." „So, urü> ichü erfahrenichts. Wie sieht- , er aus Mutter, hat er Verlangen, spricht er oft von Jenny, ist er böse: über mich, will er nicht einmal nach hier kommen?" ' * ,7 „Ja, liebes Kind, ich habe ihn lange nicht gesehen. Er ist auf einer Geschäsisreise und so weit von-Ruland, daß er an einen Besuch seiner' Braut nicht, denken kann. . Und ob er Verlangeu hat? -Die Kinder^ necken chjr. damit. Nun, sie find ja so' Gott Ml" bald zu« ' saMMM." . ~ . . . ' ' : a; Als sich Karl' Günter nach. Tisch zur Mittagsruhe zurückzogsäßen die Frauen noch - beisammen. - ,-Jcnny. hätte ich -meinen Jungen ftüher gekannt! Morgen gehe ich zu Doktor Mehler, der einen-? sehr Zutraüerr er« tveckenden Eindruck macht--Änd befrage ihn/< < °