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Neue jüdische Presse · 1915-10-15 · Heft 40 (15.10.1915) · p. Seite 4

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
13 (1915)
Issue
Heft 40 (15.10.1915)
Date
1915-10-15
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Frankfurter Israelitisches FavtilienAakt. Nr. 40. Frankfurter Milchkuranstalt nnfw Kontrolle flyn Hrrtupiipn Vereins Sdmnbnipli. 2—6 Tel. Hansa 1168 einzige Anstalt Frankfurts, welahe aufiSohliessUch t kafmarme Kupmilch — _nnr an« Mfleh der eignen Stallnng liefert. PersouaUeu «. Kleine Mitteilungen. Berit«. Die AgudaS JiSroel-Jugendgruppe veröffentlicht ihr Programm, das reichhaltig mit Lehrknrsen besetzt ist. Jeden Mittwoch abend finden im Bereinsheim des Montefiorr, Bnrgstr. 20, größere Veranstaltungen statt nnd zwar abwechselnd ein Vortragszyklus Rabbiners Dr. Bleichrode („Geschichte des Judentums von Esra bis zur Gegenwart) und Diskussionsabende. Bertt«. Der Verein sür jüd. Geschichte und Literatur kündigt für das Winterhalbjahr folgende Vorträge an: 14. Oktober, Redakteur des „Berl. Tgbl." Paul Block „Die Juden im Kriege"; 28. Oktober, Dr. Jsmar Freund „Die Juden Polens im Lichte der Geschichte"; 11. November, Dr. I. Elbogen „Bilder aus "der jüdischen Vergangenheit; 25. November, Rabb. Dr. .Bergmann „Geschichte nnd Legende"; 9. Dezember, Johanna Meyer „Die Juden beleuchtet von christl. Dichtern"; 13. Januar, Justizrat Magnus „Jüd. Dichter int Weltkrieg"; 3. Februar, Redakteur Albert Katz „Der Talmud nnd seine Sitteulehre"; 24. Februar, Landtagsabg. Traub; 16. März, Redakteur der „Voss. Ztg." Dr. Lcvy „Zur Geschichte der Orgel." Verü«. Isidor Sa ch S. früher Repräsentant der jüd. Gemeinde und in verschiedenen Ehrenämtern der Gemeinde tätig, nnd Kommerzienrat nnb Handelsrichter Louis Lev in, 2. Voxsitzender des Verbandes Deutscher Damennnd Mädchenmäntcl-Fabrikanten, Vorstandsmitglied der Allg. Ortskrankcnkasse der Stadt Berlin usw., sind verschieden. Mainz. Schächter Max Kahn in Hechtsheim hatte drei Ziegenlämmcr ohne vorherige Besichtigung seitens des Fleischbcschanes geschlachtet. Er erhielt einen Strafbefehl, gegen den er Widerspruch' erhob. Im Terinin behauptete er, Schächten nnd Schlachten seien nicht dasselbe, denn erst der Pietzger nehme das Tier aus. Es sei Sache des Metzgers, 'für die Besichtigung ' zu sorgen. Das Gericht ivar anderer Meinung und verurteilte chn zu 30 Akk. Strafe. München. Kommerz'cnrat Frankel- München, Rechtsanwalt Dr. Fenchtw a n g c r - München, Abr. Hirsch- Halberstadt, Rabb. Dr. K o hin - Ansbach nnd Jacob Rosen heim - Frankfurt weilten in Warschau, um sich über die Lage der dortigen Juden zu unterrichten. Groß-StrehUtz. Prediger Felix Steiner, der seit vier Jahrzehnten hier wirkt, stierte seinen 70. Gcburtstag. . Zürich. Dr. Jakob Bernheim, Privatdozent für KindorkrMikheiten an der Universität, wurde zum Professor ernannt. Wien. Die am 2. Oktober verstorbene Frau Betty Fränkel vermachte: 1 Million Kr. für hiesige Wohltätigkeitsanstalten, 300,000 Kr. der israclit. Gemeinde für ein Kinderkrankenhaus, 20,000 Kr. den Armen der Stadt .und 10,000 Kr. den jüdischen Annen. Leenwarden tHollandj. Oberkantor S. Gitters feierte unter großer Beteiligung sein öOjähriges ßlmtsjubilänm. Tawaschow (Rußland). Rabbiner Hirsch Jsralewitsch ist im Alter von 64 Jahren an einem Herzschlage verschieden. i Clflarren-MOlleP, gr.Eschenheiiiier8tr.31. Uebfjraaenztr. 1/3. Tannasstr. 47. ■ Cigarrei |(igarren garetten erstklassigen TJrspmngs. Partien I Frankfurter Berichte. Aus der Feldpost der Agndas-Jisroel-Jngendorganisation. „Sehr fteute ich mich, in Ihren Sabbatbricstn die schönen Thoraworte zu lesen, und wie sehne ich mich nach dem Auneg Schabbos, wie er mich in friedlichen Tagen im Familienkreis umfing. Der wahre Jehudi hat hier draußen große Entbehrungen durchzumacheii und manche Prüfung zu bestehen. Mer wenn der stste Wille da ist, lassen sich auch die täglichen Akizwaus meist erfüllen, wie Tfillinlegen, Mincho- und Maariw-Gebet, Vermeidung des Gemisses verbotener Speisen. Es heißt eben sür uns: „bchol lcwowcho, uwchol nafchecho uwchol m'audccho" die jüd. Pflichten zu erfüllen. Es mögen dann auch bald die Worte in Erfüllung gehen, die wir jeden Mauzoe Schabbos ausruftn: „Scholaum, Scholaum lorochauk welakorauw." „Dank für die geistigen und körperlichen Genüsse. Sie haben mir damit eine doppelte Freude bereitet angesichts des vielen Traurigen, das wir hier erleben. Die Russen hoben hier alle jüdische» Städte in Brand geschossen. Blühende Kehillaus sind zerstört; tausende Familien brot- und obdachlos in alle Winde zerstreut. Es gibt nichts Wehmütigeres, als hier über die Trümmer eines Bet- Hamidrasch, über halbverbrannte Seforim zu wandeln. Eine schwere, aber schöne Ausgabe wartet der ÜIL I. nach dem Kriege." „Mit großer Freude las ich die beiden Bändchen Ihrer Feldbücherei; man sucht hier direkt nach Lesestoff mit jüdischem Inhalt. Ich habe die Bücher meinen Kameraden zum Lesen gegeben, deren Dank ich ebenfalls aussprechcn möchte." „Nehmen Sie herzl. Dank für die letzthin gesandten Konserven. Sie waren Lecker- und Koscher-Bissen nnd vereinten so das Angenehme mit dem Nützlichen. Sie hatten vor einiger Zeit begonnen, /Sabbatbriese zu versenden. Diese bilden ein geistiges Band zwischen der Jugend-Organisation und uns draußen Stehenden, Pas man ungern missen würde inmitten - einer doch so ganz anders gearteten Umgebung, die das religiöse Moment begreiflicherweise nur wenig pflegen kann. Sie zu Hause haben das Glück, in so stürmischer Zeit dank Gottes Hilst ganze Juden sein zu können, ein Glück, auf .das wir schmerzlich verzichten müssen." „Mit Ihren Sabbatbriefen tun Sie ein Werk von besonderem Segen. Mit Sehnsucht erwarten wir den Tag, an dem wir uns mit des Allgütigen Hilfe in den schönen Räumen der Frankfurter Jugendgruppe zu altgewohnter Lerntätigkeit wieder vereinen können." „Besten Dank für die Paketchcn uild das freundliche Schreiben. Ich werde auch weiterhin bemüht bleiben meine Pflicht treu zu erfüllen zum Wähle des Vaterlandes und der Menschheit und tatkräftig mitzuwirken an der Arbeit, die das Programm der A. I. bildet: de» alten Ruhm ' nnd Rus des jüdischen Volkes neu zu ststigcn und zu mehren." Jüd. Fraueuvereinignng. Bon der Jüdischen Fraucnvereinigung geht uns die folgende Mitteilung .zu: „Wie im vergangenen so wird auch in diesem Jahre wieder alle vierzehn Tage ein Haud ar bei tslnachmittag stattfinden. Diese Arbeitsnachmittage, welche im vergangenen Jahre hauptsächlich dem Strickeü von warmen Sachen für unsre Krieger gewidmet waren, sollen sin diesem Jahre eine Aenderung erfahren, daß Arbeiten verschiedener- Art für wohtätige Zwecke angefertigt werden. Es soll dabei jeder Daine sreistehen, sich nach ihrem Wunsche zu beschäftigen. Es wäre jedoch sehr wünschenswert, wenn diese Arbeiten, welcher Art sie auch sein mögen, unsrer seit langem so überaus segensreich wirkenden Nähstube überlassen würden, um von da aus, je nach Bedürfnis, unsern tapferen Sodaten im Felde, unser» Verwundeten oder auch den daheim notleidenden Frauen und Kindern zugcsührt zu werden. Eingcdcnkt des Schiller/schen Wortes: „Wenn gute Rede» sie begleiten, so fließt' die Arbeit Munter fort", haben sich verschiedene jugendliche Mitglieder bereit erklärt, durch Deklamation und Rezitation diese Nachmittage zu beleben. Im Hinblick auf ihren edlen vaterländischen Zweck hoffen wir eine recht zahlreiche und rege Beteiligung au diesen Nachmittagen erwarten zu dürfen. Der erste Handarbeitsnachmittag findet statt am Dienstag, deir 19. Oktober im Kursaal Miliani. Gleichzeitig möchten wir darauf aufmerksam machen, daß unsre seit langem bestehende Stellenvermittlung eine Erweiterung erfahren hat. Diese Einrichtung hat, wie bekannt, den Zweck, fromme jüdische Mädchen in entsprechenden Häusern unterzubringen. Leider wird von dieser Institution nicht der wünschenswerte Gebrauch gemacht, und,dochj sollte es Ehrenpflicht eines jeden Mitgliedes sein, sich bei Bedarf an unsre Stellenvermittlung zu wimden. Wir hoffen, j>ajj dieser Hinweis unsre Damen zur freihigen Benutzung «mrcgen wird. .Eine größere Anzahl stcllensuchender Mädchen ist stets bei uns vorgemerkt. Unsere Stellenvermittlung befindet sich Schützenstraße 14, parterre. Sprechstunde ist täglich von 3—6 nmhmittags, am Sonntag von 10—12 vormittags. , Personalien. R o b. S ch m e r l R a b i n o w i tz ist — 54 Jahre alt — verschieden. Diese Nachricht wird bei allen, die diesen Mann kannten und deshalb hoch schätzten, schmerzlichsten Eindruck. Hervorrufen. Denn dieser bescheidene, einfache Mann, der schwer zu kämpfen hatte, üm seine zahlreiche Familie durchzubringen, war wirklich ein seltener Mensch. Innigstes Gottvertraucn war bei ihm Lebensüberzeugung, und die Erfüllung des Gotteswortes, wie es uns Juden in Thora und Talmud, die er in seinen Ruhestunden studierte, nicdergelegt ist, das Ziel seines Strebens. Reinheit der Gesinnung, Wahrhaftigkit und warme Menschenliebe wahrte er sich so im Lebenskämpfe, — und man kann von ihm sagen: Er ist nicht nur als reiner Mensch geboren, er ist auch als reiner Atensch gestorben. Er war ioie Noah, dessen Lebensbild uns der vorwöchentliche Thoraabschnitt gab, ein pflichtgetreuer Mann, vollkommen in seiner Zeit. - Kleine Notizen. Wie uns der Talmud Thora-Bcrein mitteilt, wird Rabbiner Dr. Nobel in diesem Jahre seine Sonntag- Nachmittag-Vorträge über Jesaja halten. 1. Vortrag am 24. Oktober. „VICTORIA“ Erste Berliner Wäscherei und Glanz-Plätterei Hans« Tel. 2002. lg GnttCntStTRSSS II. Hanai Tel. 2002. Spezialität: Kragen, Manschetten nnd Hemden. Um das Glück. Novelle von Jacob Levy (Fortsetzung.) Karl Günther langweilte sich niemals. Vormittags hatte Jenny wenig Zeit für ihn, da sie die Küche besorgte; dann ging er spazieren, legte sich in die Hängematte, die er im Wald aufspannte, oder begleitete den Doktor auf Wagenfahrten. Und er lernte noch etwas TEE-SCHMIDT So“ NETTE ZSAHE SO. Tel. Hansa 1136. . Nr.12 Soach.-Peko-CongoMisclig.Mk.4.40 „ 7 Ceylon-Orange-Peckoe „ 3.40 Java-Brach-Tee . . Mk. 2.30,2.70,3,20 Kakao Soma Mk. 2.40, 0.—, 3X0. anderes kennen, das ihm bis jetzt fremd geblieben war. Er schlief morgens immer lang, und der Doktor hatte Jenny geraten, ihn nicht zum Frühaufstehen zu veranlassen. Aber eines Abends sagte der Doktor: „Lieber Karl Günther, Du könntest mir einen Gefallen tun. Ich habe übermorgen Jahrzeit, und cs ist an Wochentagen hier schwer, ein Minjan zusammenzubekomnien, ich muß doch Kaddisch sagen. Sei so gut und komme morgen Abend um halb acht und übermorgen früh um sieben Uhr zu mir zum Beten. Ich kann hier noch acht Männer bekommen, aber der Neunte hätte mir Schwierigkeiten gemacht, und da hilfst Du mir aus der Verlegenheit. Willst Du?" „Aber gewiß, sehr gern, Herr Doktor, ich lveiß aber nicht, was ich dabei tun soll, ich verstehe ja von alledem nichts." „Das ist ja bedauerlich, daß Du von Deiner Religion nichts weißt, aber trotzdem komme nnr." „Hörst Du Jenny", sagte er stolz, „Du mußt mich übermorgen sehr früh wecken, um sieben Uhr soll ich beini Herrn Doktor sein." Diese nickte lächelnd und' meinte, es sei deshalb auch jetzt Zeit, sich zur Ruhe zu begeben, wenn er so früh aufstehcn müsse. „Aber Jenny, das ist doch erst übermorgen." J „Tut nichts, es ist ja bereits zehn Uhr," Er erhob sich gehorsam, nicinte aber doch, daß er deshalb morgen auch keine Minute früher zu Bett gehen würde. Er ivar abends pünktlich zur Stelle und wunderte sich darüber, wie gut-'der Doktor vorbeten konnte, wie ernst und andächtig die kleine Gemeinde war. Und er, der Abiturient, der gebildete Jüngling, stand ganz klein daneben und schämte sich, ja er schänite sich vor einem vierzehnjährigen Jungen in blauem Kittel, der dem Gottesdienst mit Verständnis folgte und laut mitbctcte, während er, mit dem geschlossenen Gebetbuch in der Hand, dastand wie ein Fremder, der nicht zur religiösen Gemeinschaft gehörte. — Später bemerkte Jenny, daß etwas in ihm arbeitete, sic fragte jedoch nicht danach, sondern vertiefte sich in ein Buch, sodaß der Abend etwas schweigsamer verlief als sonst. Andern Morgens klopfte Jenny um halb sieben an die Tür Karl Günthers, da antwortete er fröhlich: „Ich bin schon halb angekleidct, Jennychen, und in fünf Minuten zur Stelle." „Hu, da muß ich mich aber eilen." Als. er, zum Ausgehen bereit, ins Wohnzimmer kam, trat ihm Jenny mit einer Tasse warmer Milch entgegen. „So, mein Jüngelchen, die trinkst Du jetzt. Kaffee gibt's, wenn Du wiederkommst. Ich kenne Dich, wenn Du jetzt richtiges Frühstück bekämst, nähmst Du Dir keine rechte Zeit dazu, und Du ließest Dich überhaupt den ganzen Vormittag nicht mehr sehn." Unterdessen schlürfte der Junge langsam die Milch, Dann sagte er, seine Cousine dankbar-.anschauend: „Jennychen, hätte meine Mutter jemals diese Fürsorge für mich gehabt, ich wäre ein anderer Kerl geworden. Deine Kinder werden einmal zu beneiden sein." Und damit eilte er hinaus, ohne eine Antwort abzuwarten. Nach Beendigung des Gottesdienstes sagte Karl Günther zum Doktor: „Herr Doktor, ich möchte Sic einmal sprechen, — nicht den Arzt —" „Nun, fahre um zehn Uhr mit mir zum Forsthaus, wir sind üm zwölf wieder zurück. Daim kannst Du mir Dein Herz ausschütten." „Gern, Herr Doktor." Und unterwegs fing er an. „Herr Doktor, ich habe Ihrer Jahreszeit wegen diese Nacht schlecht geschlafen. Es mag vielleicht Unsinn sein, der mir durch den Kopf ging, Mer stch muß jmit Ihnen darüber reden." ,>Nun los,: mein Sohn." „Sie Herr Doktor, ein gebildeter Mann, der Interesse an dem Fortschritt, an der.Weiterentwickelung der exakten Wissenschaften hat, der Darwin und Häckel kennt, dem auch die Lehren des Monismus nicht fremd sind, — wie kommt es, daß Sie noch an den alten Formen der Religion hängen, daß Sie diese so wichtig halten, uni „Aber Herr Doktor, Sie und der junge Herr trinken ein.Glas Bier, das tut gut bei der -Hitze." i ns. 4 Csl i Cold zhre gai lassen S Zie, die »geistlich zcugung. zebildctei ganzen s ,,J° »ledigen nicht. A mag er seinem <s lönnen. rottbar jlämme Baumstc beten. 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