Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 13 (1915)
- Issue
- Heft 40 (15.10.1915)
- Date
- 1915-10-15
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Wenn man die Frage bejaht, und das tut jeder, mag er sich stellen, wie er will,, so muß man auch mit feinem Schöpfer reden, ihn bitten — kürz, zu ihm beten können. Uchd dies ist in der menschlichen 'Seele unausrottbar gepflanzt. Die wildesten, vertiertesten Völkerjlämnte haben ihren Fetisch, wenn es auch nur ein Baumstamm, ein Felsen in bizarrer Form ist, den sie anbetcn. Und bei den zivilisierten Völkern hast Du die geistig höchststehenden Menschen, die den Gottesglauben nicht entbehren können. Weißt Du nicht, was Voltaire gesagt hat? Wenn Gott nicht existierte, müßte man ihn erfinden. Und die Gottesverehrung ist Religion. Und jede Religion hat außer den Moralgesctzen ihre Formen, ihre Ordnung der Gebete, welche die Seele emporschwingen und zum Thron des Höchsten tragen. Und tvir Faden! Wenn wir die Thora lesen, welche Ehrfurcht muß uns vor ihrer Weisheit erfassen? Sic enthält die llhabenste Moral, die reinste Sittenlehrc; die christliche und muhamcdanische Religion haben die Lehren der Thora Übernommen. Nun gibt es ja bei uns sehr kluge Leute, die —"wie Du auch — sagen, wir glauben nicht, wir sind aufgeklärt. Die Aufklärung aber besteht"darin, daß sie nichts gelernt haben und nichts wissen." Mit erhöhter Stimme fuhr er fort: „Die aber etwas gelernt haben, die unsere Thora, unsere Gebete kennen, die-hängen daran, sie finden innerste Befriedigung in Ausübung der Gebete unserer Religion. Siche, mein Junge, heute habe ich Jahrzcit für meinen seligen Bater. Für alles in der Welt würde ich nicht den itäddisch an diesem Tage versäumen, ich konnte sogar ein Minjan an dem Tage ermöglichen, da ich 1870 als Militärarzt in Frankreich war. Nun ist das ja allerdings auch Pietätssachc. Mein Vater tvar sehr fromm und würde eine solche Unterlassung einfach als nicht möglich gehalten haben. Ich kenne, wie Du eben richtig vorausgesetzt, Darwin und Häckcl und den Monismus und kann Dir nur sagen, daß mir die Leute leid tun, die klüger sein wollen als die großen Gelehrten und die schlichten Arbeiter und Händler, die Du bei mir gesehen hast, und die glücklich sind in ihrem Gottvcrtrauen und in ihrer Ehrfurcht vor der Religion. — Und woran lichtest Du Dich auf, wäre es Dir nicht wohl, wenn Tu auch Deine religiöse Pflichten erfüllen Ivürdest, wenn Du glaubtest, was klügere Leute als Du,glauben." Tief aufatmend /vischte er sich den Schweiß von der Stirn. „Herr Doktor, ich habe mich niemals unterfangen, nicht an Gott zu glauben, aber ich weiß eben leider gar zu wenig von unserer Religion. Bei uns im Hause gibt es nicht viel derartiges, tvir haben eine koschere Haushaltung, das ist wahr, aber meine Mutter ist nicht dafür, die ist Monistin. Mein Bater würde gerne, — aber cs macht sich eben nicht. Was man in der Religivnsschule lernt, kaim leider nicht genügend sein, wenn das häusliche Beispiel nicht mitwirkt. Was soll man da tun?" „Das will ich Dir sagen. Komme jeden Tag eine Stunde zu meiner Frau, die hat die Facultas Docendi auch im Hebräischen und wird Dir schon etwas beibringcn, sodaß Du wenigstens dem Gottesdienst in unserer 'Synagoge folgen kannst, wenn Du sie besuchen willst." „Glauben Sic, daß Ihre Frau Gemahlin?" „Gewiß, sie unterrichtet gerne und hat auch Deine, Cousine verschiedenes gelehrt. Und jetzt sind wir am Forsthaus, Du kannst mit cintreten." — Karl Günter wartete im Wohnzimmer, während der Arzt seines Berufs bei der Frau Försterin waltete. Nach einer kurzen Zeit kam er zu Karl Günter, gefolgt von dem Förster, der sehr erfreut sich nochmals von dem Doktor bestätigen ließ, daß die Unpäßlichkeit seiner Frau nichts zu bedeuten habe. Der joviale Mann verhielt sich durchaus nicht ablehnend, und ihm sowie Karl Günter mundete der kalte, frische Trunk sehr gut. Mit einem Seufzer der Befriedigung erhob sich schließlich der Doktor. „Herr Förster, unfern Dank und, adieu. Grüßen Sie mir nochmals Ihre Frau." Der Wagen rollte über die gute Straße, die durch den schatUgen Wald führte. Der Jüngling saß gemütlich neben seinem alten Freund imd blies nachdenklich die Rauchkringcl seiner Zigarre in die Luft. „Ich glaube, daß der Aufenthalt in Ruland mir sicher von, Nutzen sein wird, nicht nur in gesundheitlicher Beziehung. Von morgen an werde ich meine Tage nicht nur zum Herumschlcndern benutzen." „Halt mein Junge, ich glaube daß man Dich etwas air die Zügel nehmen nruß. Du sollst hier kräftig werden. Dich stärken, und dazu gehört doch in erster Reihe das, Ivas Du herumschlendern nennst. Wenn Du wirklich die Pflichten, die Gebete unserer Religion kennen lernen willst, so sollst Du hier nur die Anleitung bekommen, sollst sehen, wie es in einem religiösem Haushalt zugeht. Von jetzt an bist Du, so lange Du in Ruland bist, .am Freitag abend' und Samstag mittag unser Gast, Dn gehst mit mir zur Synagoge, wenn ich nicht Zeit habe, gehst Du allein. Dann lernst Du, was der Sabbat uns bedeutet. Aber Du sollst hier nicht studieren, das kommt alles, wenn Du wieder daheim bist. Faullcnze nur, iß, trink' gut, gehe spazieren und folge Deiner Cousine." Karl Günter lachte und drückte dem Doktor die Hand, llnd er lebte so weiter. Er redete nicht mit seiner Cousine über sein 'Gespräch mit dem Doktor, und diese, die von allem unterrichtet >var, äußerte keine Verwunderung, als ihr Vetter Freitag ein Gebetbuch zur Hand nahm und sich von ihr den Gang des Gottesdienstes erklären ließ. „Es ist, damit ich unter den Leuten nicht als teilnahmlos dastehe." „Beruhige Dich Karl Günter, der Doktor geht auch zur Synagoge und nimmt Dich in seinen Schutz." . Kapitel 11. llnd an denk nächsten Samstag wurde ihm noch eine besondere lleberraschung zu Teil. Es kam ein Brieflein' von Frau Gini,, und das zeigte ihre Ankunft auf Montag an. Er reichte schweigend den Brief seiner Cousine. Diese las, und ihr Gesicht drückte nicht eben strahlende Freude aus. „Karl Günter, Du gehst nicht mit Deiner Mutter zurück." „Nein Jenny, ich weiß, was mir not tut. Ich wünsche auch, dieser Bestich wäre unterblieben. Es ist ja unkindlich, ich kann aber nicht dafür." „Schäme Dich. Du mußt Deine Mutter hochachten; sic ist eine sehr begabte Frau rmd wirkt sozial segensreich. Wenn Du glaubst, als Kronprinz etwas vernachlässigt worden zu sein, was noch zu beweisen wäre, so mußt Du dies der Stellung zuschreiben, die Deine Mutter nun einmal im öffentlichen Leben einnimmt." Die Stirn des Jünglings faltete sich, er sah auf einmal viel älter aus. „Jenny, ich >vill vorläufig mit Dir mcht darüber reden, ich habe lange beobachtet und mir eine Meinung gebildet. Lasse uns jetzt darüber schweigen. Weim wir wieder zu Hause sind, soll vieles anders werden." _(Fortsetzung folgt.) _ Kaiser Friedrich Quelle - Ofienbach a. X. Gegen Rieht «nd Bheuutisniu bewährt. Alleiniger General -Vertreter: Frladrloh Stahl, Frankf.fuM., Güntherab.-Allea 37. TeLHanaa259n.714. Wocheu-Salerrder. (Zeitangaben nach dem Luacb.) Samstag, den 16. Oktober (— 8. Chescliwan.) Gabdat-Anfang in Frankfurt a. M. 5 Uhr — Min. Sabbat-AuSgang in Frankfurt a. M. 6 Uhr 15 Min. in Berlin 5 Uhr 53 Min. Wochenabschnitt: Lech-Lech o. — Abrahams Auswanderung nach Kanaan auf Gottes Geheiß. Abraham und Lot. Hagar. Der Bund der Beschneidung. Als Gott Mraham verheißt, daß er seine Nachkomnien zu einem großen Volke mache» werde, fügte er hinzu: „Werde du ein Segen!" Damit ist den Nachkommen Abrahams als einzelnen und als Volk das Höhenziel ihres Strebens vorgezeichnet, das da nicht laufet, Segen zu empfangen, sondern, Segen zu geben. Es muß auffallen, daß Malki Zedek, der König von Schalem, sich Priester des höchsten Gottes, der Himmel und Erde geschaffen, nennt. Die Ausgrabungen haben erwiesen, daß - die Urbevölkerung Palästinas Semiten waren, von kanaitischen Eroberern dann unterjocht wurden, ihnen aber ihre höhere Kultur gaben. Diese Semiten nun huldigten dem Henotheismus, jener Zwischenform, zwischen Poleytheismus und Monotheismus: sie erkannten einen allgewaltigen Gott an, dienten aber daneben noch den Naturkräften. Wochengottesdienst in Frankfurt a. M- Morgens: 6(4 Uhr in den rneisteir Synagogen (Synagoge Bockenheim und Unterlindan 63/l Uhr, Hauptsynagoge und Königsteinerstraße 73/s Uhr). Abends: 5 Uhr in den meisten Synagogen (Hauptsynagoge 4 Uhr, Königsteinerstraße 7 Uhr). ir Straussfedern Waschen. Flrtcn. K-ansen, sowie Knüpfen tos Pfenreusen Biier Binden, Fan aiia u. Flflgai. Beinlgen, Aulartelten. Modernisieren n. lleaanfeitlgen sämlici-r Federn- Boas etc. Qjösstes Geschäft am Place . Gegründet 1.85. 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