Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 13 (1915)
- Issue
- Heft 39 (8.10.1915)
- Date
- 1915-10-08
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4. Nranrsirrier gpioeimiäjt» üuauuciumui.' Frankfurter Milchkuranstalt unter Kontrolle des ärztlichen Vereins Schwiuzbnrgstr. 2—6 Tel. Hsnw 1168 einzige Anstalt Frsnkfurts, welche aussohUessllch : kelmarme Kurmilch — mir ans Mflch der eignen 8Ul*ong liefert. ieiiiMm Um das Glück. Novelle von Jacob Ledh (Fortsetzung.) Die Frau Doktor streichelte Jennys Hand. „Ich wußte ja, daß Dir noch ein glückliches Leben beschiedcn sein mußte. Du hast cs in treuer Pflichterfüllung verdient. Und nach dem zu urteilen, was Dein Zukünftiger von seiner Frau wünscht, muß er ein ganzer Mann sein, der beglücken wird, wenn er glücklich ist." Die Zeit verging rasch. Jenny sah auf die alte Hausuhr und rief erschreckt: „Es ist schon halb elf, komme Karl Günther." Dieser lachte. -„Um diese Zeit gehen nicine Eltern bisweilen erst aus." „Hier ist das nicht angängig, mein lieber Vetter. Der Herr Doktor braucht seine Nachtruhe, und wir alle stehen früh auf, sodaß wir uns zeitig niedcrlegcn." Am andcnr Morgen war Jenny schon uni halb acht beim Doktor und schilderte ihm ausführlich das bisherige Leben ihres Vetters, und was sie mit ihm vorhatte. Der Dollar hörte aufmerksam zu, fragte bisweilen dazwischen, schüttelte den Kopf und nickte am Schlüsse beifällig. „Jenny, ich habe gleich gesehen, daß er ein skrofulöser Junge ist, dazu braucht es keiner Untersuchung. Daß ich Dir treulich zur Seite stehen werde, brauche ich Dir nicht erst zu sagen. Ich will ihn einmal beobachten, er soll nicht wissen, daß Du bei mir warst und mir das erzählt hast. Der arme Kerl ist so viel ärztlich behandell worden, daß er Scheu vor uns haben -wird. Heute Nachmittag fahre ich in meiner Chaise über Land, da kann er milfahren, die Tour in der Frühlingslandschaft wird ihm gut tu». Gegen Mittag schicke ich das Mädchen zu Euch, ihn einzuladen. Und Du gehe heim, wenn Du meiner Frau guten Morgen gesagt hast, damit er Dich nicht vermißt, wenn er aufwacht." Kapitel 9. Karl Günther machte die kleine Wagentour gerne mif and war außerordentlich aufgeräumt, als er vor Abend zurückkam. „Jenny, hast Du auch viel gekocht, ich habe riesigen Hunger. Ich habe Dir viel zu erzählen." Bei Tisch langte er tüchtig zu. Dann lehnte er sich tief aufatmend zurück und begann: „Jenny, das ist ein prachtvoller Mann, der Herr Doktor, er duzt mich. Ms wir im Wall» waren, sagte er: „Herr Kurz, aber nein, ich muß Sie duzen, wie einen Sohn, sonst kann ich Ihnen keine Grobheiten machen. Sage einmal, weshalb siehst Du aus wie ein Pflasterkastcn, Du bist doch nicht krank?" Nun Jenny, ich mußte die Brille abnehmen, er sah in 'meinen jAugen und sagte, ich brauchte nicht wie eine Eule herumzulaufen, ich solle im schattigen Wald> in der herrlichen Luft die 'Brille auslassen und die Augen in der Luft baden. Und als ich ihm weiter erzählte, bat er mich nach zehn Minuten, vorläufig den Mund zu halten, er wisse genug. Wer, so wie ich, ewig unter den Aerzten gelegen hätte, von dem könne man nicht erwarten, daß er gesund sei. Ich solle ihn als Mensch, nicht als Arzt betrachten, dann würden wir die besten Freunde, — er wolle mir aber doch sagen, daß ex keine Kopfhängerei vertragen könne. Wenn ich einen Arzt brauchte, dann wäre er da, aber jetzt, — und da erzählte er mir eine Anekdote. Als wir im Dorf waren, mußte ich im Wirtshaus warten, ich unterhielt mich mit der Wirtstochter sehr gut. Nach einer Halben Stunde kam der Doktor zurück, er trank auch ein Glas Bier, wir steckten uns eine Zigarre an und fuhren heim. Ach, es war ein schöner Nachmittag, cs hat mich nichts und niemand daran erinnert, daß ich leidend bin. — Jennychcn, hast Du Deinem Bräutigani noch nicht geschrieben?" „Doch, heute nachmittag, da ich Zeit und Ruhe hatte." Rar Dil Bai, W. KM Schlllenatn. 18m Telephon I, 8630. Seifen, lichte, Kammnnd Bürsten waren, Besen etc. Cosnretische Spezialitäten. I „Ach, diesen Brief hätte ich gerne einmal gelesen." „O, das war nichts für kleine Kinder, warte, bis Du selbst derartige Stilübungen erhältst. Wir wollen übrigens morgen Deinen Eltern einen großen Brief schreiben." Und so geschah es. Es ging ein sehr vergnügtes ° Schreibe» ab, in dem kein Wort von einem Leiden oder einer Kur stand. Dieser Brief kam zur rechten Zeit an, um einen lebhaften Streit zwischen den Eheleuten schlichten. Frau Gini ivar mit der Kur, die mit ihrem Sohn vorgcnommen wurde, nicht so recht einverstanden, und deshalb versuchte sic auch, ihren Mann dagegen zu stimmen. Sic begann mit leichtem Geschütz: „Wie wird sich der Junge langweilen? So plötzlich aus dem Kreis seiner Freunde herausgerisscn, das Leben im Dorf, ohne jede geistige Anregung." Ihr Mann gab ihr keine Antwort. Nun ivurdc schwereres Geschütz aufgefahren. „Lieber Viktor, ich bin um Karl Günther in Sorge. Er kann die Fürsorge, die Pflege doch in dem Dorf nicht haben, die er bedarf. Und Jenny, die verlobt ist, hat auch jedenfalls andere Gedanken, ist zu zerstreut, um Krankenschwester zu spielen, ich hatte eine andere Idee." Viktor schwieg noch immer. „Nämlich der Junge muß wieder Freude am Leben gewinnen, dann kommt die körperliche Erstarkung von selbst. . Jetzt ist die Jahreszeit schön, wir lassen die beiden heimkommen, und ich mache mit Karl Günther eine Reise nach der Schweiz. Die herrliche Luft wird ihm gut tun, die großartige Natur ihn so fesseln, daß er seinen lcidcndcn Zustand vergißt und wenn er sich besser fühlt, möglicherweise doch studieren kann. Ich kann mich ihm ganz widmen, nick» Du bist durch Jenny gut versorgt. Es ist auch dabei nicht zu unterschätzen, daß mir eine Ausspannung von meiner geistigen Tätigkeit dringend not tut. Was hälft Du von diesem meinem wohlerwogenen Plan?" „Das ivill ich Dir ganz genau sagen, Gini", versetzte er mit großer Ruhe; „daß an Deincni Plan nicht das mindeste ist, das meinen Beifall hat. Ich habe inzwischen auch nachgcdacht und sehe jetzt aus meinen, anstatt aus Deinen Augen. Du hast Deine mütterliche Pflichten bis jetzt sehr leicht genommen — lasse mich "bitte ausrcdcn —, alles andere war Dir wichtiger als Deine Kinder. Karl Günther verdankt sein Leiden der mangelhaften Pflege in seiner Kindheit. Jetzt ist er in guter Obhut, wenn Du auch das Pflichtgefühl Deiner Nichte aus leicht zu durchschauenden Gründen zu verdächtigen suchst. Wenn er gesunden kann, ist es nur auf diese Weise möglich, wie Jenny cs vorgcschlagen und Doktor Lambert bedingungslos zugestimmt hat. Dein Vorschlag ist egoistisch und schädlich für den Jungen. Ich bestreite Dir das Recht, über ihn weiter zu bestimmen und kann Dich nur bitten, dem nichts in 4>en Weg zu legen, was zu seinem Wohl beschlossen ist." „Viktor, ist das die Sprache eines gebildeten Mannes, hast Du nicht immer zugestimmt, wenn ich die Kinder höheren Pflichten hintcnansetzen mußte?" „Ich bin so schuldig wie Du, ich hatte eben einen falschen Begriff von sozialen Pflichten. Sicherlich ist cs anerkennenswert und segensreich, für die Fortbildung, für die Ausdehnung der Arbeitsmöglichkeiten des weiblichen Geschlechts zu sorgen. Du hast unstreitig Gutes angeregt und geschaffen, — aber Du hast Deine wichtigsten Pflichten Deinen Kindern gegenüber vernachlässigt, — uitd die Wohlfahrt der- Familie geht allcni vor. Es nagt Tag und Nacht an mir, daß Karl Günther, der herrliche Junge, ein kränklicher, armseliger Mensch geworden ist durch die Schuld seiner Eltern." Und er barg das Gesicht in den Händen. Gini sah ihn mit großen Augen an, erhob sich und verließ leise das Zimmer. Und sic kam gerade recht, um dem Briefträger den Brief aus Ruland abzunchmcn. Sie kehrte hastig ins Zimmer zurück. „Viktor, ein Brief vom Jungen!" Sic öffnete und las vor. „Nun Mann, ist das ein Schreiben von einem verzweifelnden Menschen?" „Nein Gini, aber von einem genesenden, frohen Menschen, der durch die Natur gesunden kann." „Wenn Du es denn wünschst, sollen sie ruhig in ihrem Dorf bleiben. Vielleicht besuche ich sic später einmal, um festzustellcn, ob Du oder ich recht habe. Lade doch Hermann auf heute mittag ein." Es wurde ein vergnügtes Mittagessen. Beck konnte auch bestätigen, daß die l®ricfc feiner Braut heiter waren, wenn sic auch über Karl Günther nur berichten konnten, daß er sich wohl fühle. „Und daniit müssen wir zufrieden sein, sie sind ja erst acht Tage dort. Mir allerdings ist zu Mute, als ob sie schon acht Monate fort wären. Ich vermisse Jenny doch sehr", sagte er melancholisch, — Cafe Kaisepgapten am Opernpl&tz Erstklassiges Eamilien-Caf6 Nachmittags Konzerte. - Fr. Hansalmann, Besitzet. und dies hätte den unerwarteten Erfolg, daß Theobald in lautes Lachen ausbrach. Die Eltern warfen strafende Blicke auf den jungen Sünder. Theobald aber sagte: „Entschuldige, lieber Hermann, aber für einen sehnsüchtig Liebenden schmeckt Dir der Kartoffelschalet doch außerordentlich gut." „Gewiß Junge, oder glaubst Du, daß mich die Sehnsucht satt macht? Ich muß mich doch meiner Braut erhalten." Alle amüsierten sich. Gini sprach: „Ich lasse noch immer die Hoffnung nicht fahren, daß Karl Günther studieren kann. Ich denke, mir an ihm sowie an Euch, liebe Kinder, Schüler, Gehilfen zu bilden, die mich in meiner sozialen Tätigkeit unterstützen." Theobald lachte. „Dazu werde ich als Ingenieur viele Zeit haben, liebe Mutter." Acitni jedoch meinte: „Vor der Hand macht mir-die .Schule noch zu viele Sorgen. Nächstes Jahr gedenke ich sic zu verlassen, denn ich kann nnd will nicht studieren. Vieles von dem, was ich darin lerne, betrachte ich als überflüssigen Ballast, den ich möglichst rasch zu vergessen suchen werde. Gesegnete Mahlzeit-meine Herrschaften" und verschwunden war sie. Theobald folgte ihr. Hermami blickte den Kindern behaglich nach. „Ich hätte niemals gedacht, daß die Dicke soviel Jnitiativc besitzt." Gini aber rief zornig: „Du nennst das Initiative, ich nenne es Empörung, Auflehnung gegen wohlerwogene elterliche Bcstimmnngcn. Ich werde aber meinem Wille» Geltung zu schaffen wissen." Viktor meinte gutmütig: „Es wird so. keine schreckliche Rebellion sein. Aber damit müssen wir uns abfindcn, liebe Gini, wenn Acnni nicht studieren will, läßt sic cs eben bleiben. Ich rate ihr nicht zu, denn ich glaube selbst, daß sie dazu nicht geschaffen ist. Sic lernt dann etwas anderes, denn faulenzen soll nnd will sie nicht." Gini klagte: „Keine meiner Hoffnungen erfüllt sich. Aber wenn lJcnny wieder lhicr ist, erwarte ich, daß sic mir beisteht und mich in meinen Bestrebungen unterstützt. Sic hat so großen Einfluß auf unsere Kinder, daß dicsc ihr gerne folgen werden." Hermann machte: „Hm. Ich werde ihr selbstredend nichts in den Weg legen, aber ich möchte doch betonen, daß ich meine Braut rcsp. Frau vor allen Dingen für mich beanspruche und ich mir viel wichtiger bin als alle sozialen Fragen." „Aber, Hermann!" ries Gini entsetzt. Dieser und Viktor aber lachten vergnügt, schließlich aber sprach Viktor in ernstem Ton: „Liebe Gini, wolle doch nicht Vorsehung über die Kinder spielen, sowie cs eben Dir sympathisch ist. Sie sollen lernen und werden, was sie wollen, und erst dann, wenn sie etwa» geworden sind, wenn sic reife Ansichten haben, dann können sic am Fortschritt tätig Mitwirken, Aber" — fuhr er mit erhöhter Stimme fort, „ich bitte Dich dringend, sie in ihren Studien nicht durch Pläne zu zerstreucn, für den sic noch zu jung sind.. Erhalte Dir durch lveisc Zurückhaltung, -die Dir schon das mütterliche Gefühl eingeben müßte, die Liebe und die Achtung der Kinder." Gini preßte die Lippen zusammen mit der Miene der gekränkten Unschuld. Hermann wünschte sich hundcrl Meilen hinweg und machte einen Versuch zu scherzen, dcr leider keinen großen Anklang fand. Dann aber sagte er: „Es ist doch jetzt entschieden noch zu früh, die Zukunft der Kinder regeln zu wollen. Laßt sie doch erst einmal die Schule verlassen, dann beantworten sich alle Fragen von selbst." Das Ehepaar Kurz mußte ihm beistimmen, und st war dcr Friede wieder hergestellt. Theobald und Acnni fanden es in diesen Fern» zu Hause reichlich langweilig, da Karl Günther und besonders Jenny nicht da waren. Die Cousine fehlte ihncii überall, sie hätten von ihr Anregung und untcrwarsc» sich willig ihren Anordnungen; sic hielt nicht nur dic Kinder, besonders Aenni an die Arbeit, sondern scherzte, IT- ITitQ m Erlanger Naehf. | Kalser&ofstr. 14. | Waschen, FSnben und Faponnlonon I allen Art Hennen- und Damenhüte. I — Abholung und.Lieferung frei ins Haus. -W