Mannheim
Compact Memory

Neue jüdische Presse · 1915-09-21 · Heft 37 (21.9.1915) · p. Seite 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Neue jüdische Presse
Volume
13 (1915)
Issue
Heft 37 (21.9.1915)
Date
1915-09-21
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2692297-2692924-2692960--09150-2704338
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Seite 2. Frankfurter Israelitisches FamilienAati. Skr. 37. Nr. 37 lung der jüdischen Rechte in den exober ten Gebieten, die Herstellung völliger Gleichberechtigung der Juden mit den Polrn und anderen Nationalitäten. Werden die polnisch-litauischen Juden völlig gleiche Rechte haben, so bieten sich ihiren in ihren bisherigen Heimatsgebieten so' viele gute, aussichtsvolle Erwerbsmögllcyteiten, daß ein Abströmen nach dem dichtbesiedelrcn, in allen Berufszweigen überfüllten Deutschland gar nicht nötig sein wird. Und daneben gibt es dann noch das andere Mittel, das auch Fritz empfiehlt: Die Förderung der zionistischen Bestrebungen. Ein gewisser Teil der Ostjudenheit wird auch bei völliger Gleichberechtigung der Juden in den eroberten GÄieten emigrieren, weil zu viele von ihnen all ihr Hab und Gut durch den Krieg verloren haben, als daß alle wieder in ihrer bisherigen Heimat sich eine neue Existenzbasis errichten könnten. Diese eingrierenden Teile können und sollen nun nach Palästina geleitet werden, zumal, da andere Emigrationsländer kaum offen stehen werden. Mit einer solchen Förderung der Emigration nach Palästina, würde Deutschland auch noch den anderen Vorteil haben, daß die Türkei neue, für den wirtschaftlichen Aufschwung des Landes bedeutsame Elemente und damit die deutsche Orientpolitik eine wesentliche Förderung erhielte. Wir hoffen, daß die deutsche Regierung, wie auch die deutsche Oeffenllichkeit erkennen wird, daß neben einer völligen Gleichberechtigung der polnischlitauischen Juden die wirksame Förderung und Unterstützung des Zionismus das wirksamste Mittel zur Verhinderung einer ostjüdischen Masseneinwanderung nach Deutschland ist, daß aber solche Forderungen wie die eines völligen Grenzschlusses von vornherein als der Würde und Kultur Deutschlands widersprechend energisch abgelehnt werden. Dafür Sorge zu tragen, daß solche Vorschläge keine Anhänger finden, ist vor allem dringende Pflicht der deutschen Judenheit. Und so ist zu hoffen, daß die Schrift des Herrn Geh. Regierungsrat Fritz für diese eine neue Mahnung sein wird, möglichst bald an eine eingehende, offene und gründliche Erörterung der Ostjudenfrage heranzutreten. Amerika nuÄ Ser Fall Frank. - Was sagt Amerika zu dem Fall Frank, der ein unauslöschlicher ' Schandfleck für Amerikas Menschlichkeit und Gerechtigkeit bleibt? Was es sagt? Es schämt sich und sucht sich herauszureden. Die Tat beflecke nur den Staat Georgia, denn es fehle die Möglichkeit, sich in die inneren Angelegenheiten eines der Staaten einzumischen. Man sucht den Fall auch als eine Ausnahme hinzustellen, und einmal ist nach einer berühmten Regel keinmal. Er ist aber leider keine Ausnahme, — nur daß es sich sonst um Neger handelt und es. diesmal ein Jude war. Noch sind es keine acht Tage her, da wurde in Temile in Texas ein Neger lebendig verbrannt, während zahlreiche junge Pärchen um seine Flammen tanzten und die Alten tranken und schmausten gleich wie bei einem Volksfeste. Und vor etwa drei Monaten hat man in dem Georgia des Leo Frank einen Neger nebst seinem Sohne und. seinen zwei Töchtern an einem Strick aufgehängt, weil er, der Vater, einem Polizisten eine Ohrfeige gegeben hatte. Der Mob im Süden findet geradezu ein sadistisches Vergnügen daran, einen Menschen zu Tode zu martern. Selbstverständlich sieht das „moralische" Amerika diesen Krebsschaden im eigenen Bolkskörper nicht und regt sich heuchlerisch weiter über das „barbarische" Deutschland auf. So riet dieser Tage eine angesehene New Iorker Morgenzeitung der Jugend, .nicht mehr zu ihrer Ausbildung nach Deutschland zu fahren, denn „das idealistische Deutschland hat moralisch bankrottiert und das barbarische, mörderliche Deutschland lebt". Natürlich gibt es auch anständig denkende und Üarsehende Menschen in Amerika: Zu diesen gehört der frühere Präsident Taft. Er schreibt in einem offenen Briefe: „Die Ermordung Leo Franks ist ein viel größeres Verbrechen als der Mord, für den man den unglücklichen Juden verurteilt hat, denn diese Ermordung ist ekelhafter, schauderhafter, ausgeklügelter und giftiger. Es kommt schon einmal vor, daß ein Gericht einen Irrtum begeht, den man nicht wieder rückgängig machen kann. Die Richter sind eben sterbliche Menschen, — und Jrrtümer, wer schützt vor ihnen? Aber Franks Ermordung kann niemals entschuldigt werden, denn die Ermordung von Leo Frank und die Szenen, die sie begleiteten, sind das schauderhafteste Verbrechen, das je bei uns zu Lande begangen wurde." Zum Schluß seien zur nochmaligen Beleuchtung des Falles Frank und damit seine Lehren nicht vergessen werden, die Worte des „Hewish Exponent" hier wiedergegeben. Er schreibt: „Es. ist schwierig, mit Ruhe über die Lynchung Leo M. Frank's durch, den Pöbel von Georgia zu schreiben. Die teuflische Grausamkeit der Tat, die scheußliche Weise, in der er hinausgebracht wurde, die gänzliche Abwesenheit von Herz oder Gefühl nicht nur bei den Tätern, sondern auch bei den verborgenen Mördern, die sie anstifteten, hat den Staat Georgia in den Augen der Welt entehrt. Und die Leichtigkeit, mit der ein kleiner Mob von Leuten sein Werk vollführte, zeigt die Nachlässigkeit, wenn nicht gar das Einverständnis der Behörden, die über Frank zu wachen hatten. Wir glauben, daß Frank unschuldig ist. Wir glauben es, weil eine Anzahl Rechtsvertreter von reinstem Charakter und reinster Unparteilichkeit, welche den Fall studierten, die Ueberzeugung von Franks Unschuld aussprachen. Der Verdacht, der gegen ihn durch das meineidige Zeugnis eines Negers gerichtet wurde, der selbst im Verdacht der Tötung der Mary Phagan steht und wegen Mitbeteiligung mit der lächerlich geringen Strafe von einem Jahre Gefängnis bedacht wurde, wurde zu einer Flamme entfacht durch die Demagogie eines Generalanwalts, der nur um sein politisches Vorwärtskommen besorgt ist, und durch die antisemitische Voreingenommenheit unverantwortlicher Journalisten und lügnerischer Jsmaeliten vom Schlage Tom Watson's. Frank wurde verurteilt, weil er ein Jude war. Die böswillige Verleumdung, daß „jüdisches Gold" überall das Land für seine Verteidigung gewonnen habe, und die verderbten antijüdischen Aeußerungen des Mobs infolge der braven Handlung des Gouverneurs Slaton verraten den geistigen Hintergrund des Trauerspieles . . Der Krieg und die Forderungen der jüdische» Arbeite» schafr. (JAK) Aus Newyork wird uns per Kabel mitgetellt: „Die jüdische Arbeiterkonvention erhob einstimmig die Forderung nach bürgerlicher, politischer und nationaler Gleichberechtigung der Juden aller Länder und nach fteier Einwanderung, Kolonisation und ungehinderter Entwicklung der Juden in Palästina. Die Konvention sprach sich auch einmütig für die Einberufung eines jüdischen Kongresses in Ztznerika auf demokratischer Grundlage aus." Die Konvention fand am 4. und 5. September statt und war von sämtlichen jüoischen Arbeiterorganisationen des Landes beschickt. Die Newyorker Delegation allein zählte 130 Mirglieder. Die Konvention ist die erste Tagung dieser Art in der Geschichte des jüdischen Proletariats. Die Kriegsereignisse mit ihren tragischen Folgen für das Judentum Osteuropas haben die Einigung der jüoischen Arbeiterschaft zustande gebracht. ' Die Forderungen nach nationaler Gleichberechtigung unS in Bezug auf Palästina sind eine entschiedene'Absage an die Assimilation. Die Tatsache, daß die Vertretung des amerikanisch-jüdischen Proletariats diese Forderungen besonders namhaft macht, beweist, daß die jüdische Arbeiterschaft, ihren Anschluß an die alten Ideale des jüdischen Volkes gesuden hat. Die Stellungnahme zugunsten eines jüdisch-amerikanischen Kongresses auf demokratischer Grundlage bedeutet den Todesstoß für die vom „American Jewish Committee" geplante vertrauliche Konferenz und eine Niederlage für diese von der jüdischen Plutokratie Amerikas den Massen aufgezwungene politische Repräsentanz. Arb ad Haam «ud die jüdische Lage. Der „Tag" bringt folgende Aeußerungen be§ bekannten hebräischen Schriftstellers Achad Haam, der sich jetzt . in London .anshält, über die jüd. Lage: Die wichtigste Aufgabe des jüdischen Volkes im gegenwärtigen Augenblicke ist, der Welt die schrecklichen Ge- 3* iwi Dl ei i er DCi walttaten zu verkünden, die die Juden über sich ergel» lassen mußten. Seit vier Jahrhunderten haben die I« den nicht solche Leiden erlebt.!wie jetzt. Sie sind, tjcj in eiltet viel schlinuneren Lage als zur Zeit der Äc, treibung aus Spanien, als zur Zeit der Inquisition. D mals durften sie wenigstens weinen; jetzt ist ihnen so« das Weinen nicht erlaubt. Die .'gesamte,^jüdische Press Rußlands ist gezwungen worden, ihr >Erscheinen einst stellen. Ueber die russische Grenze kann zu uns sei Nachricht gelangen, die von der Tragödie erzählt, die si. dorten abspielt. Es ist die schauderlichste Lage des jübj scheu Volkes, — uud die Juden schweigen. Es ist keine Frage von Sympathien, keine Frage, » man für die Verbündeten oder für die Deutschen » — vielmehr eine Frage der Gerechtigkeit. Und deshalb j es die Pflicht der Juden Amerikas, die Tatsachen über di Leiden des jüd. Volkes festzustellen, denn die Jude Europas können es aus mancherlei Ursachen nicht. lieber das, was wir aus der Friedenskonferenz tr können, darüber läßt sich heute nichts gewisses sagen. D steht aber fest, daß vorher xin jüdischer Kongreß „e wendig ist, der die Welt mit der entsetzlichen Lage de russischen Judenheit vertraut macht. Wir Juden haben kein eigenes Heer, das einzig womit wir der Welt imponieren können,, ist Selbtz achtnng. Diese Selbstachtung müssen die neutralen I den zeigen, indem sie aus ihrer Passivität heraustrete und ihre Aengstlichkeit bei 'Seite lassen, um offen jj die Besserung dis jüd. Volkes einzutreten. Es ist ni Vogelstraußpolitik, wenn sie vor der entsetzlichen La, ihrer Brüder die Augen schließen und mit allen nicht sagenden Gründen ihr Gewissen zu beruhigen suchen. T Kownoer jüdische Gemeinde mag ihnen ein Beispiel sei die lieber in die Verbannung ging und Hab und opferte, als aus ihrer Mitte zwei Geiseln für ihre lität zu stellen und so gegen ihre Ehre zu handeln. (Schluß .folgt.) and, and »° ia! les. Dr. iim bc der eit und tengew ' halt Dr. L ad beide hoffer geben. Bon i ach.Belie teilt wo «isung Stein Hilfder ande der Kom ach körpe Ster v l Wied ei G, flei Loy, fl Ransch-haschonoh in St. Quentin. 5 at ichc reckt lieber die Rausch-haschonoh-Tage der nach St. Quenti beurlaubten jüdischen Krieger wird uns der folgende Brii eines Feldarztes zur Verfügung «gestellt: „Die drei zurückliegenden Tage .gehören zu schönsten meines Lebens. Im gewissen Sinne erinnerte» i an die Stimmung bei den fZionistenkongressen, nämld durch die große Menge der versammelten Juden und du, die ernst feierliche Begeisterung, die bei allen herrscht Insgesamt waren etwa 900 Inden, fast alle aus fc Front, versammelt. Sie rekrutierten sich fast alle a, dem 10. Korps und stammten meist aus dem Großherzq tunt Hesfen und aus der Provinz Hessen-Nassau, sprach u. a. . . ., auch meinen Studienbekannten . . mich damit empfing, daß er im Schützengraben Zioir geworden sei. Die meisten der hier iveilenden Kameraden hatten oder 3 Tage Urlaub. Es gab dabei sehr merkwürdi Zufälle; z. B. erhielt ein Kamerad Samstag einen. Bri von einem christlichen Kameraden, in dem er ihn Begföi wünscht, über die Feiertage in St. Quentin gewesen z sein, da nachts in seinem Quartier, sonst sehr ruhig g legen, bei .einem Fliegerangriff eine Bombe sein Be getroffen und zertrümmert habe. „Mi jischoket" und „? jitores" könnte wirklich nicht treffender illnstriert werde In St. Quentin verabschiedeten die Flieger sich Mittwo zu „Sechor Berith" und ließen sich angenehmer De während der Tage nicht sehen, was selten vorkommt. ) ich aufwachte, mußte ich lebhaft an den „Sechor Bcrii denken, nur daß die Abwehrkanonen die Stelle des CH sons und das Maschinengewehrgeknatter die Stelle Kohols übernommen hatte, allerdings nicht ganz so regelmäßig durcheinander. Aber wenigstens über die Tage hatten wir Ruhe, während Dr. Felix Lehmann d französisch. Bericht durch einen größeren Besuch von o! beehrt wurde. Die Soldaten waren in St. Quentin in der Käse» untergebracht, die Offiziere und solche im Ossiziersrai z. B. die zahlreichen jüdischen Offiziersstellvertreter » ich selbst logierten auf Kommandanturausweis im Hoi Ihr könnt Euch gar nicht denken, wie regelmäßig « bürgerlich, es im Hotel zugeht. Geschäftsführer, Porti und Oberkellner fittb Deutsche, im übrigen ist französisch Personal. Es ist jetzt alles erheblich bequemer in Quent als damals im Oktober vorigen Jahres, als ich im SW übernachtete. Insgesamt waren 6 jüdische Offiziere cd getroffen, mit Ausnahme von Leutnant Hantke (Brud don Dr. H. aus Berlin), "alles süddeutsche Herren Der Gottesdienst selbst fand in einem ausgeräumb Kino statt, das jedoch nur 500 Menschen faßte, so ' in zwei Schichten geort wurde. Die ersten von 6 SVa Schachariß, Leinen und Blasen, die zweite Abteilw von 8V2 oiS 12, wonach bie erste nach Saallüftung « 12Vs Uhr Mussef und Mincho orten. Auf tziese 3Bd kamen auch die Chasonim zu ihrem Recht, da sich entschied mehr Chasonim meldeten, als Tesiloth zur Verfügung ste den. Jeder verteidigte seinen Anspruch mit der Zähigk eines bedrohten Grabenstückes, hatte aber so viel Diszipli sich den Anordnungen von Dr. Levy, ohne beleidigt i sein, zu fügen. Ueberhaupt hat es. mich sehr gefreut, wel wohltätiger Einfluß in disziplinarischer Beziehung die M tärtätigkeit ausgeübt hat. Für mich als Zionisten ® der Anblick dieser vielen so stramm stehenden und gehend und durchaus auch jüdischen Vorgesetzten gegenüber Schul ihre Haltung bewahrenden jüdischen Soldaten große Freude. Es wurde ganz vortrefflich geort und zwar von Lehrer aus der Nähe pon Darmstadt, der in jeder ziehung seinem Stande Ehre macht, sowie von ei Lehrer David, der sonst am Waisenhaus in Frankst tätig ist. Das Waisenhaus hatte übrigens noch einen 3 tretet, Dr. Sondheimer, der ganz vorzüglich Schau? eine memei mächst r icher un echten e alber sei ictt in 1 och nien ic in d ie fast i lle oren schickten 'achten, s Sou war. Wenn cuck hat »den wc haben aß die n rtreten nd als f rängte s eisterter Eit ans Lr Verl rtsgl sich aus ur rwerk iesem H eben, it erbslebl ererfeits mrden Sprachen »d es f ie Fori eitspfle; nd nd für die Die ichert, r lese Eil znhalt j Viel Nein 1 ommend ruße Kädchen m Erw,?erhältn Das ie der ' lubbeit nmeldi ntgegen et . ei« Sani ahm e zu n und hechte i ind, ei Am uchte j md Ei Ssung

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.