Mannheim
Compact Memory

Neue jüdische Presse · 1915-09-08 · Heft 35 (8.9.1915) · p. Seite 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Neue jüdische Presse
Volume
13 (1915)
Issue
Heft 35 (8.9.1915)
Date
1915-09-08
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2692297-2692924-2692958--09133-2704321
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Nr- 35 Frankfurter Israelitisches Familienblatt. Lei Kn )g n. h m L I. > 4 t. iwck Bh ) 1. 3ehst 1. i. nten. tllen armen Kameraden ab. Mit mir hat er buchstäblich sein letztes Stücklein geteilt. Alle Strapazen ertrug er geduldig, oft sogar mit heiterem Mut. ' Und tapfer war er. Wir haben ihn oft bewundert, wenn er im fürchterlichsten Kugelregen freiwillige Dienste tat, vor denen andere zurückschreckten. Er sollte die badische Tapferkeitsmedaille haben. Er selbst hat sie aus Bescheidenheit aus geschlagen, weil noch so viele alte Krieger ohne Auszeichnung waren. Ueberhaupt kam seine eigne Person immer erst in zweiter Linie. In tiefster, innigster Liebe sprach er stets von seiner Familie. Wie glänzten seine Augen, wenn er von seinem Vater sprach. Mit welcher Sehnsucht erwartete er die Briese seiner treuen, guten Mutter und Geschwister. Ach! und wie gerne hätte er sie alle wiedergesehen. Wie vieles Edle von ihm könnte ich Ihnen jnoch schildern. Sein letztes Wort an mich war ein Trost bei meiner schweren Verwundung an seiner Seite. . . Curt Waldemar Hendgen. ,Lann Dir die Hand nicht geben bleib Du im ew'gen Leben mein guter Kamerad." Rlche sanft in fremder Erde, mein guter, herzensguter Kamerad, bis wir uns einstens Wiedersehen,. Dein Dich nie vergessender Freund Waldemar. Frankfurter Milchkuranstalt unter Kontrolle des ärztlichen Vereins Scbinunboigatr. 2—6 Tel. Hanse 1168 einzige Anstalt Frankfurts, welohe aussohllesslioh ■ keimarme Kurmilch r nur ans Milch der eignen StaUnng liefert. Badebrief aus Harzburg. Von Lehrer AdolfRothschild, Achim Brenien. Du irrst Dich, wenn Du glaubtst, daß in dem sonst o belebten Bade Harzburg in diesen Sommermonaten, in denen unsere tapferen Söhne für Deutschlands' Ruhm und Ehre einen gewaltigen Kcnnpf zu bestehen haben, dasselbe Leben herrschen würde wie in den voraufgehenden Jahren des Friedens. Du wunderst Dich gewiß, daß ich gerade Harzburg zum Ferienaufenthalt gewählt habe. Meine Zeilen sollen Dich aufklären. Du weißt doch, daß Norderney und auch die übrigen Nordseebäder in diesem Jahre für Kurgäste geschlossen blieben; da blieb uns nichts anderes übrig, als einen Badeplatz im Gebirge auszusuchen, und da fiel meine Wahl auf Harzburg. Wir schlugen mit 20 Berliner Jungen, alles' Schüler aus mittleren und höheren Klassen höherer Lehranstalten, unser Heim in Harzburg auf. Warum gerade Harzburg? Es ist das Herz Deutschlands. Ich vermutete, daß sich viele kur- und erholungsbedürftige Menschen dort einsinden würden, — und ich sehnte mich nach Menschen, insbesondere nach Glaubensgenossen. Bekanntlich findet man Juden an fast allen Badeplätzen, wenn diese nicht einen direkt antisemitischen Charakter haben. Es war für mich stets ein interessantes Studium, die verschiedenartigsten Typs unserer Glaubensgeiwssen kemren zu lernen, und das kann man nirgends besser als in Badeplätzen, wo sie sich geben, wie sie sind. In diesem Jahre sehnte ich mich ganz besonders nach Juden aus den verschiedensten Tellen des deutschen Vaterlandes, um von ihnen zu erfahren, wie es in ihrer Heimat ausschaut, welche Opfer der Krieg bei ihnen gefordert, lvelchen Einfluß er auf das jüdische Gemeindewesc» ausgeübt, — mich mit ihnen auszusprechen über die Kriegsgreuel der Russen, über die Beteiligung der Juden in den verschiedenen Ländern an dem Kriege und mit ganz besonderem Interesse über die Zukunft des Judentums; denn zweifellos wird dieser Krieg die Judenfrage ihrer Erlösung einen gewaltigen Schritt näher bringen. Dies sind - die Gründe für die von mir getroffenen Wahl. * * * Nun, mein lieber Freund, ich war. weder überrascht, >wch enttäuscht. Ich fand es so, wie es der Zeit entsprechend zu erwarten war. Die Härzbürger hätten zwar mit einer Ueberfüllung gerechnet und sich daraus vorbereitet; doch sie erlebten eine bittere Enttäuschung. Hier in Harzburg formte man so recht die Wirkung des Krieges wahrnehmen, trotzdem hier vom Kriege noch weniger zu merken war als in den anderen Städten. Es waren auch Juden da, eine ganze Anzahl, Juden aus' Süd-, West- und Nord- und sogar Ostdeutschland; — aber es waren ganz andere Juden wie in den Vorjahren, — vielleicht mögen es zum Teil auch dieselben Juden ge- _ toefen sein, aber sie waren anders, ganz anders. Der ^1 Ernst der Zeit hatte ihnen ein anderes Gepräge aufgehU drückt, das mir sympathische: erschien. Manchmal kam es w - mir vor — oder war es doch nur eine Traumvorstellung —, als wenn der Krieg schon etwas ausgleichender unter den Konfessionen gewirkt hätte. Kinder erzählten mir mit Begeisterung von den Berichten ihres im Felde stehenden Vaters, und die dabeöstehendc Mutter horte mit tiefem Ernste zu. Mutter und Kinder, wie verschieden sie doch sind! An einem Sabbatmorgen, auf dem Wege zur Synagoge, begegnete uns eine Mutter in tiefem Schwarz, die sich zu trösten versuchte über den Heloentod ihres einzigen Sohnes, der ihre Stütze, ihre Hoffnung war. Ins Gespräch gekommen, sagte sie mir znm Schluß, ihren namenlosen Schmerz verbeißend: „Ich will nicht zagen und llagen in dem Bewußtsein, ein großes Opfer dem Vaterlaiche und dem ——Judentume gebracht zu haben." Du hättest tien Stolz der Mutter sehen sollen, die ^^Dmir erzählte, daß ihr „auch einziger" Sohn, Kriegsfrei- _ Wwilliger, sich das eiserne Kreuz erworben und zum Leutnant Ibesördert worden sei. . . ,I>as sind Zierden der deuti n in! [1.7.5 issell i3821 ettf die eli itö Wischen Armee", rief ein dabeistehender Nichtjude aus „und des Judentums", fügte die Mutter stolz hiitzu. . . ,^Das verstehe ich nicht, jetzt gibt's doch nur noch Deutsche". ., meinte der Germane. . . Ein plötzlich nieberprasselnder Regen trieb uns auseinander. Gär zu gerne hätte ich eine Fortsetzung der Unterredung gewünscht; aber ich habe weder die Dame noch den Herrn jemals wiedergesehen. . . Das sind Badebekanntschaften. . . Ein anderes Bild, . . Einst trafen wir auf unserer Wanderung, einsam sitzend, einen ostpreußischen Flüchtling. Mn dem neben ihm liegenden Siddur erkannten wir. daß er ein Jude war. . . Seine Hände zitterten, und mit seinem Kopfe machte er allerlei unwillkürliche Bewegungen, woraus unschwer festzustellen war, daß wir einen Nervenkranken vor' uns hatten . . Kein Wunder! Was mag der Aermste bei dem Mu»eneinfall erlitten haben! ... In stark gebrochenen Sätzen versuchte er uns von der Schreckensherrschaft der Russen zu erzählen.: doch nur weniges Verständliches vermochte der Schwergeprüfte hervorzubringen . .; seine Stimme erstickte in der Erinnerung an den durchlebten Jammer. . . Ein dicker Tränenstrom rollte über seine zerknitterten Wangen. Er zeigte Mo einen Brief seiner Tochter, die schrieb, daß est zu 'den hohen Feiertagen hvieder nach Hause kommen könne. . . „Aber lieber Vater, erwarte nicht zu viel", schreibt sie in einer Nachbemerkung. . . Wieder ein anderes Bild. . . Auch einige jüdische Frauentypen erregten meine Aufinerksamkeft. . . Der Gatte steht im Felde. . ., und die jGattin verbringt mit den Kindern deren Ferien in Harzburg —, durchstreift mit ihnen das Gebirge, lernt mit ihnen, wo es not tut. . . usw. „Was ist dabei denn Äuffallendes?" wirst Du fragen. . . Es gab . . . oder vielleicht auch es gibt noch gewisse jüdische Kreise, die ihre Kinder gewissen Aufsichtspersonen zur .Erziehung überlassen.... und sie selbst —, ja sic selbst, haben zur Erziehung ihrer Kleinen keine Zeit, . . . keine Lust . . ., keine Geduld . . . Die gnädige Frau merkte mir das Vorhandensein ihrer Kinder, wenn sie lärmten —, und den Lärm konnte sie gar nicht vertragen. . . Dann gab's ein Sollen und Schimpfen , mit der Erzieherin, daß sie nicht einmal verstände, die Kinder in Zucht zu halten. . . Kam Besuch, was sehr häufig vorkam, wurden die Kinderchen — wie dressiert — vorgeführt, um nach der Vorstellung wieder abzuschieben. . . Die gnädige Frau ist recht nervös . . und bedarf der vollständigen Ruhe — Trennung von den Kindern, 6 Wochen nach N. . .'» Anordnung des Arztes . . Wovon die gnädige Frau nur nervös geworden ist. .?", das muß man erstaunt fragen. . . Der Krieg hat auch in diesen Kreisen andere Verhältnisse geschaffen. . . Es ist ganz natürlich, daß diese Mütter jetzt sich mehr mit ihren! Kindern befassen, befassen müssen. . . Jetzt erst lernen sie sie kennen, und sie müssen so oft zu ihrem Leidwesen eine noch größere Respektlosigkeit als ziwor wahrnehmen. . . So manche Mutter kam zu mir und llagte — bitter weinend — über das ungezogene Söhnchen. . , ,Mas fange ich bloß mit dem Bengel an, er gehorcht mir nicht. . . Sonst ist es der beste Junge.. ., klug. ., sehr Nug . . ., gutmütig. ., gefällig . ., freundlich. . . usw., nur er folgt nicht" . . . Mehrere Atütter kamen. . Alle dieselbe Klage, dieselbe Frage. .. Der Pädagoge soll hier wieder gut machen, was ungesunde Verhältnisse verdorben haben. . . Hier hat der Krieg edle Früchte gezeitigt. . . (Schluß folgt.) Kaiser Friedrich Quelle -Offenbaoh a. B. -—— (Stegen Sicht and Bheunatismns bewährt. Alleiniger General-Vertreter: Friedrich 8 Kehl, Frankf.a.M., Günthersb.-Allee37. TeLHansa259n.714. Wocheit-Saleitder. R a u s ch - h a s ch o n o h. Beginn: Mittwoch abend 6.40 Uhr, Frankfurter Zell. Donnerstag abend 7.40 Uhr Frankfurter Zeit. Schabbos Schuwohs Sabbat-Anfang: 614 Uhr in Frankfurt. Sabbat-Ausgang: 7.35 Uhr in Frankfurt. Wochenabschnitt: Haasinuh. — Poetische Darstellung der Geschichte und des hohen Berufes Israels. Gottes Wort an Moses, sich für sein Ende vorzubereiten.' Sonntag: Zaum Gedalja. Prophetenworte: (Ezechiel Kap. 18, Vers 30—32). Einen jeden nach seinen Wegen werde ich euch richten. Haus Israel, spricht Gott. Kehret zurück und macht wieder gut eure Vergehungen, damit euch die Sünde nicht zu Falle bringt. Werfet ab von euch alle neue Vergehungen, durch die ihr euch vergangen habt, — und schaffet euch ein neues Herz und einen neuen Geist! — Warum wollt ihr denn sterben, Haus Israel? Denn ich habe nicht Verlangen nach dem Tode des Sterbenden: — machet wieder gut und lebet! KOllOllO M kW!» kaufen Sie vorteilhaft im neuen Haushaltungs - Magazin von Breitwieser & Franke -1—— Kaiserstrasse 8. —-- Seite 5 7“ Speuoen. i.— l.— £>.— „ 5.— „ Beim Frankfurter Israelit. Familienblatt gingen ein für Ablösung der Rauschh aschonoh-Glückwünsche: Barth-Stiftung der Tachkemoni-Schule. Fritz Geis R. I. R. 84 5.— Jk Martin Feist Stiftung der Tachkemoni- . Schule. Bernhard Schmidt Jüd. Nationalfonds. Familie Markus Kohn, Uhlandstr. 23 Palästina-Hilfsfonds. Oskar Jurovics T. S. Bei der Jüd. Nationalfondskommission (I. Heimann, Zeil 21) gingen ein: Neujahrs-Ablösung. Em. Pick, Ostendstraße 3.— Jk I. L. Goithein 3.— „ I. Heimann 10.— „ Palästina-Notstands-Aktion. Georg Freudenstein 50.— „ Nathan Cässewitz o.— „ ferner: N. N. zum Andenken an Salli Michel, gefallen Erew Rausch Haschonoh 5674 ein Oelbaum im Herzl-Wald 6.— „ I. L. Goithein grätuliert Dr. Sichel, Chemnitz zum Eisernen Kreuz 1.— Jk derselbe dankt Familie Goldmann, Chemnitz für freundl. Einladung 0.50 „ derselbe gratuliert nachträglich Frl. Birnbaum, Fulda zur Verlobung 0.50 „ gesammlet durch Fräulein Alice Nothmann, Theobaldstrahe 6. Philipp Brand 10.—' Jk Mice Nothmann 10.— Estella Drimmer 4.— R. Brandt 5.— Frau Rabbiner Dr. Horowitz, Staufenstr. 5.— Willi Oppenheimer "2.— ges. im Pensionat Dr- Heinemann 12.— Georg Freudenstein für die Martin Feist-Stiftung der Tachkemoni- 'Schwle. "50.— Jk Elektr. licht-, Kraft-* Schellen- und Telefon-Anlagen. Tel. Taunus 4389. ff. Referenzen. Savlgnjstrasae 51. Frankfurter FamMennachrichte». B arm izwos. Robert Bartenstein, Musikantenweg4; Max Aschenbrand, Rechneistraße 5; Hans Lichtenstein, Kantstraße 9, Synagoge Börneplatz. Gestorben. "Hedwig Feldheim, geb. Kromwell, 4L Jahre, Kettenhasweg 113. - Auswärtige FamiliennachriLten. Geboren. E. Sohn Arthur Sternheim (Goldmann), Hamburg. Gestorben. Jacob Hirsch, Mannheim. — Emanuel Hohenberg, 72 I., Wien. — Johanna Abenheimer, geb. Bendheim, 72 I., Mannheim. — Aron Rhein, Zürich — Abraham Ullmann, 60 I., Alsfeld. — Max Machot. 50 I.; Pauline Scheyer, geb. Ziegel, 65 I., Berlin. — Erich Steinitz; Leo Herschtritt; Max Karger; Julius Lewin; Walter Wertheim; James Bachrach; Max Bergers Berlin, im Feld. — Moses Freundlich, 79 I-, Neustettin. — Allbcrt Zentawer, 55 I., Brandenburg. — Sara Mendelsohn, geb. Faust, 61 I., Zumpelberg. — Aron Freimann, Kosten. — Fanny Boas, geb. Rosenbaum, 63 I., Tirschtiegel. — Marianne Süßer, geh. Guttmann, 69 I., Groß-Auheim. — Julius Katz, Halle a. Saale, im Fellu I Offenbaeher Druckluft-Anlag* I Ottenbach a. H. Telefon 123. (Anschluss mitFrankfort). I Bewährteste TepplehrsinlBIing (100,000 qm jährlich) ■ sowie unübertroffen« Battenu. Bettfedernralnl- Im gong Rüttelst Druckluft und Wasserdampi Letzte Berichte. Lida (Rußlrmd). Rabbiner I. I. Reines, der Präsident der zionistischen Foederation „Misrachi" und einer der bedeutendsten Talnmdgelehrten unserer Zeit, ist — 76 Jahre alt — nach längerer Krankheit verschieden. Briefkasten. R. Es war das erste Mal seit Beginn der jüdischen Kolonisation, daß Palästina von der furchtbaren Heuschreckenplage heimgesucht wurde. Der Schaden der jüd. Kolonisten dürfte sich trotz aller Abwehrmaßregeln an nahezu 2Vs Millionen Mk. beziffern. D. in M. Es heißt nicht: „Rückkehr, Gebet und gute Taten führen . das böse Geschick vorüber sondern: „ . . . fuhren das Böse des Geschickes vorüber." Das heißt: „Sie nehmen auch den sogenannten Schicksalsschlägen das Herbe, Niederbeugende." Bereius-Kaleuder. Sonntag. Mekor Chäjim» (Mich. Kohn). 4 Uhr: ^Rikro-Bortrag

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.