Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 13 (1915)
- Issue
- Heft 34 (3.9.1915)
- Date
- 1915-09-03
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 34. Seite 2. Die Judenheit der Türkei kämpft mit freudiger Begeisterung den großen und schweren Kampf mit, den rhr Vaterland um seine Existenz jetzt führt. Vor kurzem erst hat der jungtürkische Kriegsminister Enver Pascha den jüdischen Soldaten seiner Armee ein glänzendes Lob ihrer Tapferkeit erteilt. Zu sehr viel Sorgen und Befürchtungen Anlaß gegeben hat im vergangenen Jahre die Lage der Judenheit in,Palästina. Es war von vornherein klar, daß der Krieg gerade der palästinensischen Judenheit unermeßlichen Schaden bringen würde; ist sie doch wie die Judenheit keines anderen Landes auf die Unterstützung ihrer Brüder ini Ausland angewiesen und lebt doch ein sehr erheblicher Teil lediglich von den Spenden und Unterstützungen der anderen Länder. Der Krieg hat all diesen Spenden ein jähes Ende bereitet und so das gesamte Chalukajudentum in unbeschreibliche Not gebracht. Zum Unglück kam noch die zeitweilige rohe .antisemitische Politik eines judenfeindlichen Beamten hinzu, der für eine kurze Zeit die gesamte palästinensische Judenheit terrorisierte und einige Tausend ausländischer Juden auswies. Und wie kein Unglück allein kommt, so brachte gerade dieses Jahr auch die seit dem Beginn der neuen Kolonisation Palästinas noch nicht dagewesene Heuschreckenplage, die ungeheuren'Schaden verursachte und die Ernte des.ganzen Jahres in wenigen Tagen vernichtete. All dies zusammen mit der durch den Krieg bedingten Unterbrechung der Ein- und Ausfuhr hat Mer die Judenheit Palästinas große Not herbeigeführt und das Werk vieler Jahre geschädigt und zum Teil auch vernichtet. Glücklicherweise hat die jMische Hilfstätigkeit in allen Ländern, vor allem aber in Amerika, rettend eingegriffen und so das Land vor dem Schlimmsten bewährt. Wer sehr Vieles und Wertvolles ist zerstört, und es wird intensiver, energischer Arbeit bedürfen, um alles wieder neu aufzMauen. Die Merans wohlwollende Haltung der türkischen Regierung gegenüber der palästinensischen Judenheit, die Tatsache, daß die meisten der in Palästina wohnenden ausländischen JMen jetzt die türkische Staatsangehörigkeit erworben haben, die tiefe, unauslöschliche Liebe, die jeder Jude für Palästina empfindet, all dies berechtigt zu der Hoffnung, daß eine Hebung der Schäden sehr bald nach dem Friedensschlüsse möglich sein, und der Krieg keine dauernde Störung in der Verwirklichung unserer historischen nationalen Bestrebungen in Palästina bringen wird. Vielmehr dürfen wir hoffen, daß gerade nach dem Kriege unsere Arbeit in Palästina eine bisher ungekanNte Bedeutung erhalten und ein neues, unvergleichlich schnelleres Tempo einnehmen wird; denn auch den Blinden muß dieser Krieg sehen gelehrt haben, daß für unser Volk die Schaffung einer Heimstätte in seinem Vaterlande die einzige mögliche Erlösung und Errettung aus den Leiden des Golus darstellt, aus den Leiden, die unser Volk im vergangenen Jahre in einer bisher unerhört furchtbaren Weise wieder neu hat Mer sich ergehen lassen müssen. Brief aus Oesterreich. Eine interessante Versammlung hielt am 24. August das Palästina-Hilfskomitee ab. Dr. Guftav Kohn, der Vizepräsident des Wiener Kultusvorstandes, leitete die Versammlung, auf der der von Wien abwesende türkische Botschafter durch seinen Sekretär vertreten war. Einer der ersten Redner war der ungarische Ministerialrat Dr. Lederer. Er bemühte sich zunächst, den schlechten Eindruck, den das seinerzeitige Verhallen der offiziellen ungarischen Juden gegen die galizischen Flüchtlinge hervorgerufen hatte, zu verwischen und verblüffte dann dadurch, daß er, bisher ein ungarischer Assimilant radikalster Richtung, warm für Palästina eintrat. Das Referat der Tagung hielt Rabbiner Reich-Wiesbaden. Aus seinen Ausführungen hörten wir, daß bereits 50,000 Kronen für das Hilfskomitee und 25,000 Kr. für das Landeskomitee und für spätere Zwecke gesammelt worden sind. In der Debatte wurde wiederholt der Wunsch ausgesprochen, bei der Geldvcrteilung in Palästina mit dem System der Landsmannschaften — Kollelim — aufzuhören und nur eine Zentralstelle für die gesamte Judenheit zu bilden. Frankfurter Israelitisches FamilienAatt. Der Präsident stellte zum Schluß erfreut die Einigkeit der Versammlung — sei es Orthodoxer, sei es Neologer oder Zionist — fest, und es wurde sodann an Stelle des vorläufigen Hilfskomitees ein Verein „Palästina-Hilfswerk" gegründet. Würden sich in Ungarn und Deutschland gleiche Vereine bilden, dann würde sich der Verein zu einer Organisation „Zcntraleuropäischcs Palästina-Hilfswerk" erweitern. Am gleichen Tage noch erklärten drei Vertreter der ostgalizischen Kollclim den Beitritt zu dem neuen Verein. — Schon die ersten Wochen der Tätigkeit Generals von C o l l a r d als Statthalters von Galizien haben gezeigt, daß er die in ihn gesetzten Erwartungen rechtfertigt. An seine Beamten richtete er in einer Ansprache die Mahnung, gegen alle Bewohner des Landes ohne Unterschied des Glaubens und der Nation streng unparteiisch zu sein. Er selbst ging sogleich mit gutem Beispiele voran, indem er anläßlich Kaisers Geburtstag in seinem Amtssitze Biala dein Festgottesdienste in der Synagoge beiwohnte. Möchte sein Programm überall Durchführung finden; vorläufig haben die Juden mancherlei Anlaß, sich über verschiebliche Behandlung — so durch die Magistratsbehörden in Lemberg und in Krakau — zu beklagen. lieber die von der Regierung unternommene Hllfstätigkeit in Galizien verlautet amtlich, daß sie bereits in eine zweite Phase eingetreten ist. Sie hat jetzt nicht mehr allein die Befriedigung der schlimmsten Not im Auge, sondern will auch die wirtschaftliche Wiederaufrichtung betteiben. Die galizische Kriegskreditanstalt wird kreditfähige Persönlichkeiten durch Darlehen unterstützen, aber auch nach den Statuten nicht kreditfähigen Persönlichkeiten unter staatlicher Aussallsbürgschaft Darlehen gewähren. Ist aber ein Hilfsbedürftiger mit Rücksicht auf seine wirtschaftliche Notlage voraussichtlich überhaupt nicht imstande, ein Darlehen aufzunehmen, dann können ihm nichtrückzahlbare Notstandsunterstützungen seitens der politischen Behörden gewährt werden. Brief aus Rntzland. Wie verlautet, hat der Ministerrat in seiner letzten Sitzung bezüglich der Wohnungsfrage der Juden beschlossen, ihnen das Aufenthallsrecht in allen Städten und Dörfern mit Ausnahme Moskaus, Petersburgs, . der Orte im Gebiet des Hofministeriums, des Kosakengebietes und Turkestans zu gewähren. Da an IV» Millionen Juden aus den besetzten Gebieten in das Innere Rußlands vertrieben worden sind, so mußte der Ministerrat diesen Beschluß fassen. Der Beschluß ist das Ergebnis einer Notlage und bedeutet politisch nichts. — Sämtliche Juden in Bjalostok sind nach dem Jrkutsker Gouvernement verschickt worden. In Smolensk befinden sich 12,000 jüd. Flüchtlinge, Auch die Städte Orol, Charkow, Tw er, K o st r o w a und Samara sind mit jüd. Flüchtlingen überfüllt. Die Sorge für diese Heimlosen fällt ganz auf die seßhaften Juden; der Ministerrat hat ja beschlossen, von den Unterstützungsgeldern der Regierung Deutsche undJudenauszuschließen. An sämtlichen jüdisch enSch ulen in Lodz wird mit Beginn des neuen Schuljahres, Anfang Oktober, die deutsch e Sprach e als Unterrichtssprache eingeführt. Auch das jüdische Gymnasium in Lodz ist wieder eröffnet worden. Eine Bekanntmachung des deutschen Kommandos in Warschau verlangt, daß die Geschäftsschilder entweder deutsch und polnisch oder deutsch und jüdisch sind. Die russische Sprache ist. verboten. Für und gegen einen jüdische« Kongretz. Der Kopenhagener „Jüd. Volkszeitung" wird geschrieben: Wie es scheint, wird sich das „Amerikanisch-Jüdische Komitee" nicht mit den anderen Organisationen au dem jüdischen Kongreß beteiligen. In einer Veröffentlichung der Zionistischen Föderation von Amerika wird berichtet, daß die Verhandlung.cn zwischen Louis B.ran¬ Nr. deis, dem Führer der Kongressionisten, und! Cyrus Adler, dem Führer der Kongreßgegncr,s abgebrochen worden sind. Die Kongreßgegner werden in Washington! unter Führung des „Amcrikan.-Jüdischen Komitee"! eine Konferenz abhalten. Dagegen hat der Orga-I nisationsausschuß der Kongressionisten als Demon-I stration für ihre Sache eine Massenversammlung! in New Jork einberufen. Richter LconSanders,! Dr. Louis Robinsohn, Josef Baron des, Dr. Julius Weis, I. Bcrlinger, Meier! Berlin, B. Zuckermann und H. a t f cf)cr| sind die Einberufcr. Flavins Josephns «nd seine Zeit. Bon AhronMarcus. (Fortsetzung.) Für die Neugestaltung der Verhältnisse durch die neue Herrschaft der griechischen Kultur gilt Josephus Geschichtswerk als der einzige Leitsadert. Nach einem in der jüdischen Geschichte ersichtlichen gesetzmäßigem Vorgänge schließt das Ende einer Epoche an den Anfang an. So erschienen am Ende der 1600 jährigen religiösen und sozialen Entwicklung in Babylonien zum Ende des Gaonats die zwei letzten Gaonim R. ..Sch erira und sein Sohn R. Hai aÜ würdige Vertreter Daniels und Jecheskeels, deren Glanz ihre Vorgänger überstrahlte, so wie die scheidende Abendsonne den Horizont mit der Pracht der Morgenröte erfüllt. So war es auch mit S im o n Hazaddik, dessen außerordentlich glanzvolle Persönlichkeit an seinen Urahnen Ahron anschließt: Der Talmud selbst bemerkt, daß der eigentliche Glanz des Hohenpriestertums ebenso mit ihm erlosch) wie das westliche Licht ner maarowi im Heiligtum. Wir erfahren auch lediglich durch Josephus, wie weit die „Kneseth hagdolah", die große Versammlung, bei Nehemia mit ihren Gesetzes-Berschärftchrgen gegangen war, nachdem sic die Gesetzesübertretungen durch die Mischehen, die Entweihungen des Sabbat usw. ausgemerzt hatte. In seiner Verteidigungsschrift e. A p i o n e m zitiert er das Me. Geschichtswerk des Agatharchides, der sich über den „Aberglauben" der Juden lnstig macht, die am Sabbat mit ausgcbrciteteu Händen bis zum Abend beten und bei der Belagerung Jerusalem's durchs P t o l e m ä u s I Svter ihm ihre feste Stadt bei einem Angriffe am Sabbat ohne Gegenwehr auslieferten. .Dasselbe wird aus der Makkabäcrzeit berichtet, wo im Anfänge der Bewegung 1000 Seelen, die in eine Höhle geflüchtet waren, am Sabbat ohne Gegenwehr sich von den Griechsen nieberhauen ließen. Erst Mattias der Hasmonäer, der Vater der fünf Helden, hob darauf diese Beschränkung auf und gestattete den Kampf am Sabbat. Abtzrs in "Babylonien hielten die Juden an derselben noch,' so jsest, daß Mithridates den kleinen neugebildeten Staat am untern Eufrat, der sich unter den Brüdern Asinai und Msellai aus Nehardea zu Hillel des Alten Zeit gebildet hatte, am Sabbat zu überrumpeln zu können glaubte, weil die Juden an diesem Tage nicht kämpfen. Er kam zwar nicht auf seine Rechnung, aber der herrschende Gebrauch ist bewiesen. Auch bei der Belagerung Jerusalem's durch Pom pejus wurde die Ausstellung der Belagerungsmaschinen am Sabbat nicht gestört. „Das Gesetz erlaubt nur zu kämpfen, aber nicht anderen feindlichen Unternehmungen entgegenzutreten. S. 215. Auch in Gi< schala (Guslch chalab) im Tituskriege gelangtes Joch an an nur dadurch, mit 1000 Mann noch Jerusalem in der Nacht aus Sabbat zu entkommen, daßt er mit dem römischen Belagerer einen Waffenstillstand für den Sabbat durchgesetzt hatte. Noch fünf Jahrhunderte später berichtet ein griechischer Histolrirer, daß in dem Kriege zwischen Kosrves von Persien und Belisar, dem Feldherr» der Byzantiner, als das Pfingstfest auf einen Sonntag siel, wegen der vielen in beiden Heeren kämpfenden Juden für die zwei Tage Sabbat und Sonntag eine Waffenruhe vereinbart wurde. Im Talmud selbst, ist es Sch amiNa,i, der den Lehrsatz aufftellte, daß eine Belagerung auch durch den Sabbat nicht unterbrochen werden solle. (Ad ridetto, Vers' 20,20 afillu beschabbos), und fein Schüler R. Elieser ben HyrkaNos vertritt in per Mischuah die Ansicht der Minorität, daß das Waffentragen als Zierde des Mannes am Sabbat erlaubt sei Mit dem Tobe Simons im Alter von 80 Jahren beginnt der Kampf zwischen Hellenismus und Judentum. Die talmudische Tradition, die sich überhaupt mit der Geschichte! jener Zeiten nur gauz nebensächlich befaßt, schweigt darüber, und da springt Josephus ein. Aber der neue Einfluß; ist aus dem durchaus nicht geringfügigen Ilmshande ersichtlich, daß der Nachfolger Simons im Lehramte als Haupt in der Kette der Träger der Ueberlieferung den Namen Antigonos (von Socho) trägt, ruck) sein hebräischjer Name nicht einmal bekannt ist. Der Bruder des verstorbenen Simon namens Elasar fungiert als Hoherpriester, da der einzige Sohn des elfteren namens Onjäs (Ch.onio verkürzt für Jochanan) beim Tode seines Vaters erst 5 Jahre alt >var. In seine Zeit fällt die Herrschaft des Aegypterkönigs Ptolemacus II Philadelphus. Seit Alexanders d. G r. Erscheinen bis znm Antritt dieses Königs ist eine Zeit von 52 Jahren verflossen. Er legt die berühmte Bibliothek von 200,000 Büchern in Alexandria an- Sein Bibliothekar Demetrius PHalerens im Vereine mit des Königs Freund Ariftaeus erwirkt das Verlangen an Elasar, die jüdischen heiligen Schriften ins Hebräische übersetzen zn lassend Vergeblich haben sogenannte jüdische Gelehrte als Handlanger antisemitischer Feinde des Tcnach sich bemüht, diese Tatsache mm ein Jahrhun meto r Aano». B crita „indische cntsprcch hat die (das Or driens c auch ins den Gen Wirkung steht, da gehabt; Literatu koinint. Philo dricn a Ncbejrsetz während Fasttag geliefert Nac wurde i Mündig dauer l Unter t Volkes c Armut Assimila religiöse zum lkt Lei! 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