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Neue jüdische Presse · 1915-08-06 · Heft 30 (6.8.1915) · p. Seite 3

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
13 (1915)
Issue
Heft 30 (6.8.1915)
Date
1915-08-06
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Und wenn» I o s e p h u s anstatt von 24 von 22 Büchern! des Tenach spricht, so scheint — wie auch ausderMiscbnahJadajim und dem Streite darüber hervorgeht — die Ausstoßung zweier von den obenerwähntq», in seiner Zeit von einem Teile der Gelehrten angenommen worden zu sein, doch blieb es nicht von Dauer. Ein ganz verschiedenes Doppeltverhältnis aber waltet bei den historischen Schriften vor, wobei die Schlußredaktion derselben eine entscheidende Rolle spielt. Es gab im alten Reiche folgende Geschichtswerke, die » dein Buche der- Könige und der Chronik erwähnt sind: 1. Annalen der.Könige I u d a' s. 2. Annalen der Könige Israels. 3. Annalen Salomo's. (Könige I, 11,42). 4. Annalen Samuels (I. Chronik 29,29). 5. Des Propheten Natan (ebda). 6. Des Sehers Gad lebda). 7. Mlgemeine Weltgeschichte (B. 30). 8. Des Mija von Schilo (II. Chronik 9,29). 9. Des Sehers Jeddo (ebda). 10. Des Propheten S che Maja (12,15). II. Gemeinsame Geschichte der Könige von Juda und Israel 16,11 u. 24,27). 12.Des Propheten Jehu beu Chanani, das beim Buche der Könige Israels einverleibt worden (20,34). 13. Des Propheten Jesaja (26,22). 14. Proghetenbücher (33,19). 15. Die Hohenpriesteramralen seit den ältesten Zeiten, die Josephus vielfach benutzt hat. Aus all diesen bei den Zerstörungen! größtenteils verloren gegangenen Quellen sind unsere Bücher der Richter, Zamucls, der Könige und der Chronik zusammengestcllt worden. Das Buch der Könige durch den Icchonja und seine Gelehrten in der Gefangenschaft in Babylon. Das Buch der Chronik nach der Rückkchr aus dem Exil bei Cyrns, verfaßt durch Esra. Diese Quellen sind teils allerheiligste —' wie die Aufzeichnungen der Propheten und ihrer Schüler über die Handlungen Achija's, Elia's, Elischa's usw. — teils einfach historische — wie die Regieru-ngs- und Kriegsberichte —, teils profane — wie die von den Sekretären der abtrünnigen Könige des Zehnstämmereiches aufgenom- »lchien chronologischen Zahlen, welche durch bas von Zerobeam eingeführte ägyptische Sonnenjahr anstatt des jüdischen Mondjahres, durch die verschiedenartige Berechnung der Anfänge "der Rcgierungsjahre eines Königs und durch die bei den zehnfalGn Revolutionen im Zehnstänimereiche unvernicidlichxn Unterbrechungen in der Führung der Annalen zu Differenzen zwischen den chronologischen Angaben der beiderseitigen Annalen geführt haben. Unsere alten heilig ftonimen Exegeten — wie Raschi »lid seine Genossen — haben daher an mehreren dieser stellen die Aeutzerung iricht unterdrückt, daß die Zahlen „ungenau" gegeben seien. So l. Könige 1, 25, 32, besonders. ausdrücklich Kapitel 22,52. II., 2,17 ferner 9,29, ganz besonders 13,10 und 15,1 und daselbst 8 und 17,1. II. Chronik 16,1, 22,1 wo R. Jose im Sed'er Ol am diese Widersprüche zu lösen bestrebt war. Fortsetzung folgt. «sarHeii ISA G.M.HOLZ J HOFLIEFERANT FRANKFURTaM ÜIOLFSECK I Diejwpulärste Cigarre unsortiert 12 A Deutsch * Israelitischer Gemeiudeburrd. Die soeben herauskommenden „Mitteilungen" Nr. 87 uid ein stattliches Druckheft von 120 Seiten. An der Spitze des Heftes finden wir die Bekanntinachung, daß der D.-J. G.-B. nach Steglitzerstraße 9 übergesiedelt ist, in welchem Hause auch der „Verband der Deutschen Huden" sich niedergelassen hat. Hieran schließt sich eine Ansprache des geschäftssührmden Vorsitzenden, mit der er die Ausschußsitzung vom 14. Februar, die erste während der Kriegszeit, eröffnete und in der er der Verluste gedenkt, die der D. -I. G.-B. inzwischen erlitten hat, vor allem der Heimgegangenen Ausschußmitglieder: Geh. Hof- und Justizrat Josephthal in Nürnberg und Stadtverordneten Louis Sachs in Berlin. Einen breiten Umfang nimmt der Bericht über die vom D.-J. G.-B. aus Aulaß des Krieges getroffenen Maßnahmen ein. Seine Bereitwilligkeit, die Jüdische Arbeiterkolonic in Weißensee dem Röten Kreuze für Lazarettzwecke zur Verfügung zu stellen, ließ sich angesichts der für den Verein Mbmterkolonie unerschwinglichen finanziellen Ansorderungen nicht verwirklichen. Auf seelsorgerischem Gebiet hat der Bund durch eine Eingabe M das Kriegsministerium sich für die Bestattung der in.heimischen Lazaretten Verstorbenen?uf jüdüchen Friedhöfen interessiert, ferner mit Hilfe stiner Provinzialverbände und der in verschiedenen Bundesstaaten vorhandenen Behörden für jüdische Un¬ W-ankstlrter Israelitisches FamllienAakt. gelegenheiten die Seelsorge für die Kriegsgefangenen und die in heimischen, Lazaretten befindlichen jüdischen Krieger geordnet und dafür Sorge getragen, daß bei der Vereidigung der jüdischen Rekruten seitens der Gemeinden darauf geachtet wird, daß die nach Pen Dienstvorschriften der Preußischen Armee den jüdischen Geistlichen zustehende Vorbereitung auf den Fahneneid überall ausgeübt werde. Alz bedeutsamer Erfolg ist anzusehen, daß die kriegsgeschädigten jüdischen Gemeinden Ostpreußens aus dem in der Sitzung des preuß. Abgeordnetenhauses' vom 22. Oktober 1914 der Regierung zur Verfügung gestellten besondern Fonds für die kriegsgeschädigten Mrchengemeinden berücksichtigt werden sollen, und daß bei der Verteilung der Gemeindebund bezw. als dessen Organ der Verband der Synagogengemeinden Ostpreußens herangezogen werden wird. Unter den durch die Kriegsverhältnisse geschaffenen Fragen,'die die Gemeinde - Unterstützungs - Kommission und die Lehrabteilung beschäftigt haben, ist wohl die wichtigste die nach dem Schicksal derjenigen jüdischen Schulen, deren Lehrer zur Vertretung ihrer im Felde stehenden christlichen Kollegen heraugezogen wurden und deren Schüler ihrem Lehrer gefolgt sind. In einem.Rundschreiben' an die betreffenden Gemeinden vom 9. Ilpril hat die Lehrabteilung ihrem Standpunkt dahin Ausdruck gegeben, daß mit Rücksicht auf die -große Bedeutung der jüdischen Volksschule die betreffenden Schulen nach dem Kriege wieder eröffnet werden sollen. Wo Ltwa aus lokalen Gründen die Auflösung einer Schule erwünscht ist, kann ein solches Verfahren nur gebilligt >verden,, lvenn vorher durch bindende Abiitachung dafür gesorgt ist, daß an der allgemeinen Volksschule, in die die jüdischen Lehrer übertreten, nicht imr der gegenwärtige jüdische Lehrer für Lebzeiten angestellt lvird, sonder» für alle Zeiten eine Stelle geschaffen werde, die durch xinen jüdischen Lehrer besetzt lverden muß. Die Lehrabteilung wünscht von jeder dieser Vereinbarungen benachrichtigt zu werden und stellt ihren Rat zur Verfügung. Es würde zu lveit führe», hier die in den Mtteilungcn mlfgeführten zahlreichen Fälle der vom D.-J. G.-B. geübten Kriegshilfc auf jüdischem wie allgemein patriotischen Gebiete aufzuzählen. Die einzige Einschränkung der Tätigkeit des D.-J. G.-B. während des Krieges besteht in der auf das Jahr 1916 aufgeschobencn Bearbeitung des .Handbuch der jüdischen Gemeindeverwaltung und Wohlfahrtspflege" (Statistisches Jahrbuch). Stark fühlbar ist der Einfluß des Krieges auf die vom D.-J. G.-B. verwalteten Institute. Die Zahl der Insassen der Jüd. Arbeiterbolonie in Weißensee ist von 90 auf kaum 20 herabgesunken. Die Jsr. Fürsorge-Erziehungsanstalt Repzin hat ihren Leiter, Baronowitz, einen ihrer beiden Lehrer und zwei von ihren drei Aufsehern nebst 25 Zöglingen, zu denen noch eine Anzahl früherer Zöglinge hinzukommt, ins Feld geschickt. Die „Fnrsorgeerziehungsmlstalt für schulentlassene isr. Mädchen" ist in den neu errichteten allen Anforderungen der Hygiene und Anstaltspädagogik entsprechenden Neubau in Köpenick übergesiedelt. Auch die Beelitzer Anstalt hat einen Erweiterungsbau erfahren,' der als Lehrlingsheim gedacht ist. Mit Rücksicht auf den Mangel an Personal — die beiden Hilfslehrer und die Handfertigkeitslehrer stehen im Felde — werden 'die 14 neu geschaffenen Plätze nicht mit Lehrlingen, sondern mit Knaben zwischen dein 7. und 14. Lebensjahre besetzt. Der Zudrang ist sehr groß. Die „Mitteilungen" fordern auf Anregung Lehrers Rothschild-Achim die Gemeinden auf, eine Kriegschronik anzulegen, in die Berichte über Verpflegung jüdischer Soldaten, militärische Gottesdienste, Versorgung von Flüchtlingen, Verwundeten, Gefangenen, Beisetzung von Gefallenen, patriotische Feiern usw. einzutragen wären. Es wäre auch der Einfluß der Einberufung von Mitgliedern der Berwaltungskörperschaften und der Beamten auf die Weiterführung der Gemeindeaufgaben zum Ausdruck zu bringen. Es wäre ferner anzugebeir, vb der Krieg Wegzug oder Zuzug bewirkt habe. Sodann wäre auch ein Bild der wirtschaftlichen Veränderungen im Leben der verschiedenen Erwerbsgruppen innerhalb der Geineinden, ihr Einfluß auf den Etat der Gemeinden zu entwerfen.- Das Schicksal der jüdischen Schulen wäre gleichfalls zu berücksichtigen. Schließlich sollen interessante .Einzelerlebnisse und Betrachtungen nicht zu kurz kommen. Als Zustandsbild der Bestrebungen der deutschen Juden für ihre östliche» Brüder ist dasstenographische Protokoll der Jahresversammlung der „Deutschen Zentralstelle fiir jüdisch« Wanderarmenfürsorge" vom 10. Mai 1914 von kulturhistorischem Interesse. Englands Bundesgenosse. Einige weitere Kulturtaten des Bundesgenossen Englands seien hier wieder einmal zum dauernden Gedächtnis verzeichnet. Sie ereigneten sich in der galizischen Stadt Komaruo. Dort packten die Kosaken einen beliebigen Juden und wollten ihn töten. Um das Furchtbare zu verhindern, gab die Frau des Unglücklichen alles, was sie hatte, her: 4000 Kronen und ihren Schmuck.. Die Kosaken nahmen es i— und erschossen den Mann. Einem Juden mit Namen B. Milner zerstachen sie eine Hand und banden die Hand an das Maul eines Pferdes, das sie dami wild machten. Der Mann wurde zu Tode geschleift. Ein anderes Mal ergriffen die Bestieir 25 jüdische Jungen im Alter von 16 und 17 Jahren — und erschossen' sie, nachdem sie in Reihe und! Glied ausgestellt waren. Seite 3. Frankfurter Milohkuranstalt unter Kontrolle des ärstllobeu Vereins Sebwaraborgratr. 2-« Tel. JHanaa MUS einzige Anstalt Frankfurts, eelohe anssohUeaslioh kalntanne Kur milch und Yoghurt nur ans Milch der eignen StaUnng liefert. Der Krieg imd die deutschen Juden. Frankfurt a. M. Leutnant Rechtsanwalt Dr. Lue tan Kahn, Ritter des Eisernen Kreuzes, erhielt den bayer. Militärverdienstorden. Frankfurt a. M. Bar.-Ärzt Dr. Heinrich Ellern erhielt das hessische Sanitätskreuz. Berlin. Reierendar Alfred Hirschberg erhielt das Eiserne Kreuz. Berlin. Das Eiserne Kreuz erhielten: Stabsarzt Dr. Emanuel Frankel, Baumeister Paul Silber, Assistenzarzt Ernst Leibholz, Sanitätsunteroffizier Werner Lach mann, Unteroffizier Regierungsbaumeister Siegfried Latte, Referendar Dr. Sans Masse, Referendar Kurt Pächter, Dr. Th. loeisti, stellvertretender Chefarzt der ersten anatolischen Roten-Kreuz-Expedition, Batäillonsarzt Dr. Seimannsohn, Kolonnenfiihrer Gustav Pinkus, ffizierstellvertreter Architekt Alfons Anker. FrteSberg. Adolf Kann erhielt das Eiserne Kreuz. Markirch L Elf Ernst Weil!, der im Felde zum etatsmäßigen Kompagnie-Feldwebel befördert wurde, erhielt das Eiserue Kreuz. Herr W. ist als Jude streng traditionell .gesinnt. Ihm ist es zn danken, daß die 14 Juden seines Batafllons sich jeden Freitag abend znm 'Gottesdienst versammeln. KSl«. KartMichel, Ritter des Eisernen Kreuzes. Sohn der Witwe I. Michel, ist zunk Leutnant befördert worden. - Mninz. Willy Krieger. Sohn von Moses K. erhielt das Eiserne Kreuz. BreSlna. Erich Franz Brauer. Ritter deS Eisernen Kreuzes, Friedrich Doetor, Karl Graba w s k y (bekannt unter dem Künstlernamen Karl Bergen) und Wilhelm Laboschiner fanden den Heldentod. — Richar d Weißenberg-Benthen und Kurt Wachsner-Scharley erhielten das Eiserne Kreuz. Gerichtsassessor Dr. KurtSternberg wurde zum Leutnant befördert. Wie«. Dr. Bloch'S Oesterr. Wochenschrift" verzeichnet in ihrer letzten Nummer wieder 188 Tapferkeits- Auszeichnungen an Juden (darunter 3 Ritterkreuze, 14 goldene Berdienstkreuze, 3 goldene Tapferkeitsmedaillen). Prera» Mähren). Rabü. Dr Oscar KarpeliS erhielt in seiner Eigenschaft als Feldrabbiner das goldene Bcrdienstkrenz mit der Krone am Bande der Tapferkeitsmedaille. Paris. „Guerre sociale" berichte^ daß infolge des beginnenden Judenhasses die meisten vermögenden russischen Juden in Pmfis 'ihre Geschäfte anflösen Md daß mehrere tausend rnss.-jüd. Arbeiter ihre Reisepässe verlangt haben, um.nach Nordamerika auszuwandern. ICi- I Cigarren ■ Xtebfirat garettea Partie« erstklassigen Ursprungs. Clgarran-HQllep, gr. Esehenheimerstr. 31. . Xtebfiraneaasr. 1/3. Taunamtr. 47. Personalien «. Kleine Mitteilungen. Berlin. Die von dem Konsul Simon s. A. in Hannover beim .Deutsch-Israelitischen Gemeindebund begründete Mont'efiore-Stiftung verteilt alle 5 Jahre die Zinsen des etwa 3000 betragenden Fonds au jüdische Lehrer des Handwerks und des Gartenbaus. Bon den 5 diesjährigen Bewerbern erschienen zwei für die Verteilung einer Prämie geeignet. Es erhieüen: Lehrer Jacob Strauß in Offeubach 250 JL und Lehrer Rothschild tu Achim 150 Jk Berlin. Rebekka Stern geb. Sanier beging den 90. Geburtstag. München. Adolf Oppenheim, bdannt als Theaterschriststeller, feierte seinen 70. Gebnrtstag. O. redigierte in München eine Zeitlang' eine jüdische Wochenschrift, die aber wieder einging. München. Der Studien- und Arbeitsbeförder nngs verein für Israeliten inBayern hat sein letztes Rechnungsjahr mit 14,790 JL in Einnahmen und Ausgaben abgeschlossen. Sein Vermögen beträgt 90,000 JL BreSkaa. Primaner Henry Hirschberg, der unter Lebensgefahr ein scheu gewordenes Pferd zum Stehen brachte, erhielt die Rettungsmedaille. — Viktor Zwiklitz, Rittergutsbesitzer, Direktor der Breslauer Schuhfabrik A.-G-, Mitglied des Bezirks-Eisenbahnrats und der Handelskammer, feierte den 70. Geburtstag. Hainstadt. Louis Kahn-Frankftrrt a. M. sprach hier als Vertreter der Freien Vereinigung für die Interessen des orthod. Judentums. Er schilderte die vielgestaltigen Leistungen der Bereinigung, die leistungsschwache Gemeinden unterstützt und die Interessen der orthodoxen Jndenheit vor den Behörden vertritt. Auch im gegenwärtigen Knege zeige sich die Vereinigung ihrer Aufgaben gewachsen. Sie sorgt für rituelle Verköstigung im Felde, in den.Kasernen und Gefangenenlagern. Die Organisierung des Versandes von Pesachwaren ins Feld war eine Mnsterleistung. Auch den geistigen Bedürfnissen unserer Feldgrauen wurde Genüge zu leisten.gesucht (u. a. wurden Hirsches Werke verschickt). Redner wandte sich zum Schluß an die Frauen und ermahnte sie, durch Emsachheit, Sparsamkeit und besondere

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