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Neue jüdische Presse · 1915-08-06 · Heft 30 (6.8.1915) · p. Seite 2

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
13 (1915)
Issue
Heft 30 (6.8.1915)
Date
1915-08-06
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2. Frankfurter Israelitisches Familienblatt. ging, daß diesen jungen Leuten nicht zugemutet werden könne, gegen chr früheres Vaterland zu. kämpfen. Dennoch meldete sich aus den jüdischen Kolonien jeder wehrfähige Mann, um freiwillig an dem Kriege teilzunehmen, unter besonderer Betonung, daß sie gegen die Russen kämpfen wollen, um die Unterdrückung ihrer Brüder zu ahnden. Das ist auch der Grund, weshalb der größte Teil der jüdischen Legionäre auf dem kaukasischen Kriegsschauplatz kämpft. In den Kolonien arbeiten die Frauen, und es ist bezeichnend für ihren Fleiß, daß sie sehr schöne Resultate zu erzielen vermochten. Die Ernteaussichten sind außerordentlich günstige. Die türkische Regierung rechnet mit einer starken Einwanderung russischer Juden nach dem Kriege. Sie dürste nicht abgeneigt sein, über gewisse konzessionelle Rechte in Beratungen einzutreten. Brief aus Rußland. Die aus Kurland und aus dem Kowiwer Gouvernement ausgewiesene jüdische Bevölkerung hat im Poltawer Gouvernement Unterkunft gesucht und die dortige jüdische Bevölkerung vor große Aufgaben gestellt, denn alle Städte und Städtchen sind von den neuen Ankömmlingen überfüllt. Die jüdischen Genieinden haben , mit Beteiligung des Petersburger jüdischen Hilfskomitees Ausschüsse gebildet, die für Erwerbsmöglichkeiten der Heinilosen bedacht sind und Nahrung und Obdach besorgen. Ueberall hilft das jüdische Herz. Wie sehr die russische.Judenheit trotz der Schwere der Zeit sich bemüht, nach bester Kraft zu helfen, zeigt eine Aufftellung über die Selbstbesteuerung der Juden Moskaus. Dort haben sich 220 Kaufleute eine monatliche Selbstbesteuerung von 49,500 Rubel auferlegt, 745 Geschäftsangestellte 6084 Rubel, 172 Aerzte 3873 Rubel, 180 Ingenieure 3589 Rubel, 96 Apotheker 3069 Rubel, 165 Hilfsadvokaten 1736 Rubel, 176 Dentisten 1466 Rubel, 26 Künstler 265 Rubel. Alles in ollem hatten sich bis Mitte IM 1814 Personen einemonatlicheSelbstbesteuerung von 71,136 Rubel auferlegt. Die neue Verfügung des Generalgouverneurs von Warschau, daß Me seit Beginn des Krieges in Warschau Zugezogenen die Stadt sofort verlassen müssen, trifft fast nur Juden. Die aus der polnischen Kriegszone ausgewiesenen Juden retteten sich nämlich nach Warschau, und jetzt müssen diese 200,000 Menschen wieder den Wanderstab ergreifen. Das g l e i ch e S ch i ck s a l wird in Kürze die großen Judengemeinden von G r o d n o, Bjalestok, Wilna usw. ereilen. c Am 20. und 21. IM hat in Warschau ein Pogrom stattgehabt. Soldaten und polnischer Pöbel plünderten jüdische Geschäfte und mißhandelten eine Anzahl Juden. Brief aus Amerika. Auf der Jahresversammlung der Zentralkonferenz amerikanischer Rabbiner, der Vereinigung der Reformrabbiner, hob Dr. Moses Gries-Cleveland, der Präsident, in seiner Rede hervor, daß endlich der Mangel an Zusammenhalt unter der amerikanischen Judenheit aufhören müsse; vor Men Dingen sei die Schaffung einer Körperschaft notwendig, die das Recht und die Macht habe, im Namen der amerikanischen Judenheit zu sprechen und zu handeln. Vorschläge machte Dr. Gries nicht, und auch die Versammlung befaßte sich nicht weiter mit der Angelegenheit. Die Herren hatten wahrscheinlich nicht den Mut, der Ausführung näher zu treten, da ja die „maßgebenden" Millionäre. im Gegensatz zum großen Publikum die Vertretung der amerikanischen Judenheit nicht auf demokratischem Wege gewählt wissen wollen. — Die beiden jüdischen Hochschulen in Philadelphia befinden sich in einer sichtbaren Vorwärtsentwicklung. Die Räume des Gratz College sind bereits zu eng geworden, sodaß der 1909 errichtete Bau eine bedeutende Erweiterung erfahren muß. Die große Versammlungshallc wird eine eigenartige Einrichtung erhalten; ihre Decke wird nämlich so angefertigt, daß die Halle in eine Sukoh umgewandelt werden kann. Das Dropsie College, dessen Wohltaten im letzten Semester 36 Studenten genossen, unterhält gemeinsam mit der Universität Vorlesungen in orientalischer Philologie, Literatur, Archäologie, Geschichte und Philosophie und in Religionsgeschichtc. Diese Vereinigung mit der Universität darf als Beweis für das wissenschaftliche Ansehen der Lehrer des Dropsie College angesehen werden. Ein Komitee, an dessen Spitze Jacob H. Schiff steht, sucht den in der Kleiderbranche drohenden Streik, der 50,000, meist jüdische Arbeiter treffen würde, zu verhindern. Klavius Josephrrs und feine Zeit.') Bon Ahron Marcus. Fortsetzung. Wen» dadurch die Frage nod) dringender wird, warum das Buch der Könige hier so wortkarg bleibt, so wirft das eben neues Licht auf Tendenz und Verfasser des heiligen Buches. (Ls trägt den Stempel und die Unterschrift des Königs Füchonja — mit dessen Freilassung es schließt —, der in 37jähriger Gefangenschaft die Muß« fand, die aus Jerusalem mitgebrachten Schriften zu sammeln und die Geschichte seines Volkes zu schreiben. Als Werke eines reuigen Wißers ersten Ranges bilden die Bücher der Könige eine Theodizee, eine Rechtfertigung der göttlichen Weltleitung. Alles Ungemach ist Strafe für begangene Sünden. Die Schilderung vergangener königlicher Macht und Herrlichkeit wurde von dem gefangenen König nur als Erregerin größerer Schmerzen betrachtet, und er verwies daher nur auf die königlichen Chroniken Judaeas. ' Aber aus den letzteren lernen wir den Umfang der Störungen begreifen, welche das unglückliche Schicksal des Königs U s i j a hervorgerufen hat. Die Krieger- und Volkspartei,. die bereit war, Gut und Mut für einen König zu vpftrn, der mit seinem Zweistämmereich mächtiger war als selbst David' und frömmer als Salomo, kehrten ihren wuterfüllten Haß gegen die Priesterpartei. Das lehrt uns ein Vers, dessen richtige Erklärung einzig und allein Redak (Kimchi) angedeutet hat. II. Chronik, 27,2. Von Jotam: Ec tat das Rechte in den Augen des Ewyg-cin, ganz wie sein Vater Usija getan, rak d. h. nur (mit Ausschluß), daß er nicht in den Tempel des Ewigen kam, und daß das Volk noch wütete (worunter njcht der Höhendienst der Bamot gemeint sein kann.) Er wollte nicht mit den Priestern zusammenkommen, die seinem Vater so schweres Leid angetan hatten und ließ das Aokk gewährten, das seine Wut an ihrer Partei ausließ.-) Dieser passive Widerstand des Jotam schlug bei seinem jugendlich wllden Sohne Achas in aktive Auflehnung gegen die Religion um. Er zwang den Hohenpriester, einen neuen War nach Muster des heidnischen von Damaskus aufzustellen und behielt sich, dem Könige, das ausschließliche Recht vor, auf dem alten Mosesaltar zu opfern. Er verbrannte (nach Ueberlieferung) die Thora, und dies Verbrechen wird indirekt durch die assyrischen Entdeckungen bestätigt. Wir erfahren aus diesen zum ersten Mal seit 2500 Jahren, daß sein eigentlicher Name Joachas war. Der Name Achas entstand durchs Wegnahme des göttlichen Beinamens, was nicht einmal bei den Königen gleiten Namens in Juda und in Israel geschehen war, trotz ihres Götzendienstes, also auf ein ausnahmsweise schweres Verbrechen hinweist?) Dieser Kampf dauert mit Unterbrechungen Pis zur Zerstörung Jerusalems. Auf den frommen Chiskija folgt der 12jährige Men ascheh in den Händen der Kriegerpartei, ebüiso Amon, dann Jojakim auf Josija. Ganz in derselben Richtung eirthüllt uns I o s e p h n s Geheimnisse und entwirrt Ms dunlle Rätsel über die Bücher Esra und Nehemia. Außerdem ist er für den Verlauf der Perserzeit unser einziger Geschichtsschreiber. Wir kommen vorerst zu dem dunkelsten Kapitel der Chronologie, das eingangs nur flüchtig berührt wurde. R. Jose vom Scher> Olam, der was Genauigkeit betrifft, hoch über Josephus steht, war nicht im Besitz dm: fremden Geschichtsquellen, auch nicht der in den Schrecknissen der wiederholten Römerkriege verloren gegangenen, die noch dem in Jerusalem gchorenen und erzogenen Josephus zur Verfügung stcmden. Er war rjinzig und allein auf seine scharfsinnige Interpretation der Chronologie des Tenach angewiesen. Im Gegensatz zu seinen Kollegen, die sich grundsätzlich nur mit der esoterischen Halacha befaßten, huldigte er wi« sein Bruder R. Simon ben Chalasta aus dem Stamme der Soferim, der Schriftgelehrten, Rechjab iten (Jeruschalmi Taanit), die in Chronik I, 2,55 genannt sind, der exoterischen Forschung. Da zu R. I o s e' s Zeit die Heidnischjüdischen Sekten von Aegypten aus mittelst der Septuaginta sich des Tenach für ihre Fälschungen bemächtigt hatten, trat er .ihnen durch gründliche Untersuchungen *) Zum vorigen Artikel siehe K->M T. erste beiden, zu Schräders Lebzeiten herausgegebene Auflagen. *) Damit wird das Kap. 1 des' Propheten Jesaia verständlich, der über Jerusalem, die Stadt der Gerechtigkeit, llagt, die in Mörderhände geraten. 3) Uebrigens auch in Jesaia 8, 16 sf, wo vondem Verbot der Lehre die Rede ist. Nr 30 Nr uttli o I flcmp es r iclchc ic C entgegen. Wir sindcn daher inl Talmud von ihn« mehren Seiileiizen dieser Richtung. Namentlich in diesem Punkte war es ihm darum zu tun, den chiliastischxn Schwindel zu zerstören, daß das vierte Jahrtausend schon zu Ende gegangen sei, mit welchem.nach einer alten Agada der Messias eintrefsen Ir, c j mußte. R. Jo se hat nachgewiesen, daß dasselbe I_1* *72 Qwftrtrmtrt XoS tHiaiton I*'.,.' ollt« [22 B aus i> hervo tyl, ' qeiton bin j den I dersel C u d [jiitb: »it 11 D ebda Mij Jeddi ll. 6 16,11 [das (20,3 Zeck;ü B lchr ~ief< jcichi baut teils berio der i lnfciti recht [und stäm Whi logst 170—172 Jahre nach der Zerstörung des zweiten Tempels abgelaufen war und zerstörte somit die Träume, für welche die sonst ganz belanglose Agada zur Betörung der Unwissenden verwendet werden sollte. Trotzdem nun seine auf Grund der damals in Umlauf gesetzten Erklärung der dunklen Prophezeiung in Daniel 9,24 angelegte Berechnung für die Perserzeit irrtümlich nur 40 Jahre übrig läßt, hat er dennoch — wie bereits a. a. O. erwähnt — das Richtige getroffen, La vom AusziuKj aus (Aegypten bis zu Beginn der Seleuridenaera genau 1000 Jahre verstrichen waren. L e p. sius war über diese Uebereinstimmung so erstaunt, daß er sich zu der Hypothese veranlaßt sah, Hillel ll, der Verfasser des Kalendariums, habe ägyptische Quellen deuützen müssen. Eck wußte nicht, daß R. Jose schon 200 Jahre früher durch die ihm eigene Methode zu diesem Resultate gekommen war. Er ivar das Schild, das den Pfeil aufgefangen, der eigentlich der salomonischen Zahlenangabe 480 gegolten hat. Davon hatte Josephus keineAhnung. Wie bereits a. a. O. erwähnt, findet L e p s i u s Annahme, daß die Zahl 480 eine symboliHche ist, — nach Art der pentateuchischen 430 durch den tyrischen Bericht Bestätigung, daß die Erbauung des ersten, salomonischen Tempels in das Jahr 143 vor Erbauung Carthago's fällt, so daß di« 480 in äöirtncfjleitlL,, , einen Zeitraum von 350 Jahren umfaßt. An I « dem ptolemäischen Canon, der fünffach kontrolliert ist, I (om läßt sich für die Perserzeit nicht rütteln. |~al Das hat auch eine der allergrößten rabbinischen Auto-1.,»^ ritäten R. Serachja Bal Hamoaur indirekt be-^- stätigt. Er schreibt zu Rif Roschhaschanah I: „Die in einer Boraita ausgesprochene Ansicht, daß die Namen Kore sch, Darjavusch, Artach sch asta nur Titel ein und derselben Person seien, wird zwar von einige» Amoräern vertreten, steht aber dennoch vereinzelt im Talmud. Sie läßt sich schon aus dem Grunde nicht ausrechterhalten, weil zwei Artaxerxes und Därius nachgewiesen sind." Nun kannte R. Serachja den merkwürdigen Ursprung jener Ansicht nicht. Diese stammt nämlich — - - c r nach btjr neuesten Forschung — aus der Chronik der |jcg Sassaniden, gegründet von Sapor I (Schabor des Talunw), an dessen Hof -je Rabbiner verehrten. Diese Chronik steht aber nur als einziges Beispiel da, daß ein Volk wie die Perser seine eigene Altertumsgeschichte so weit vergessen konnte, verleitet durch die sprachliche Richtigkeit, daß Kore sch auf altpersisch Hirte, Artachs ch a s ch t a „gelvaltiger Herrscher" bedeutet, während der Eigenname des Königs nicht profanisiert werden sollte. Nachdem Alexander d. Gr. die alte Achämenidendynastie vernichtet nnd die Seleuciden 84 Jahre geherrscht hatten) wurde ihr Staat durch das Bergsvolk der Arsaciden gründlich in Trümmer gelegt, wobei sämtliche persischen Königschroniken mitsamt den Palästen in Flammen aufgingen. Denselben Vorgang wiederholten die Sassaniden, bei denen ebenso, wie bei Cyrus selbst Bogen und Schwert weit heimischer waren, als Feder und Tinte. Aber die Chronik forderte ihre Rechte, so gut oder schlecht es eben ging und daher stammt die in den Talmud übergegangenc Ansicht. Erforderlich ist nunmehr zum ersten Male die Untersuchung, wir die Chronologie der Richterzeit mit der oben angeführten Ziffer 350 in Einklang zu bringen ist. i Schon unsere ältesten Exegeten haben den Lehrsatz ausgestellt, daß die Ziffern des helligeu Buches der Richter ohne mehr oder minder gewaltsame Interpretation nicht mit der Zahl 480 in Einllang gebracht werden können. 40 Jahre Wüstenwanderung, Eroberung des Landes durch Josua bis zu dessen Tode ohne angegebene Zeitdauer, aber mindestens 28 Jahre laut Ueberlieferung (was mit dem erreichten Lebensätter von 110 Jahren übereinstimmt). Dann folgt die Zeit der Ruhe nach, seinem Tode rmd dem sämtlicher Aeltesten nnd des beginnenden Abfalles mit mindestens 10 Jahren. Dann die Herrschaft Cusch an' s 8 Jahre, O th niel ben Kenas'40 Jahre, Mo ab 18 Jahre, Ehud 80 Jahre, SchaMgar 1 Jahr, Ja b in 20 Jahre, Ruhe -nach dem Siege 40 Jahre, Midjau 7 Jahre, Gideon 40 Jahre, Abimelech 3 Jahre, Tola 23 Jahre, J'air 22 Jahre, Ammon 18 Jahre, Jiftach 6 Jahre, Jbzan 7 Jahre, Elon 10 Jcchre, Abdon 8 Jahre, Philister 40 Jahre, Si inso n 20Jahre, Eli 40Jahre,' Samnel mindestens 20 Jahre, Saul ohne bestimmte Angabe, bei Fofephus 20 Jahre, David 40 Jahre, Salomo bis Tempelbau 4 Jahre, macht zusammen 613 Jahre anstatt 480. Die unwissenden Sektirer haben natürlich für ihre» Chiliasmus die.Gelegenheit bemitzt und mit einigen unbedeutenden Milcherungen nahezu 600 Jahre herausgerechnet, wie es ihnen für ihren Krami gepaßt hat. Unsere Weisen hingegen haben zugegeben, daß diese Ziffern nicht gleichwertig hintereinander, sondern vielfach gleichzeitig nebeneinander verlaufend zu berechnen sind. Wie verträgt sich das mit der Meinung, daß in be« helligeu Schriften — auch die historischest Bücher — vo» Propheten herrühren, die in göttlicher Inspiration schrieben? Zwar gibt es RanguntersMede. Die Thora steht hoch über sämtlichen andern heiligen Schriften, ebenso wie Moses unerreicht hoch über allen anderen Propheten. Denn sie bezeugt vost sich selbst, datzMoses sie vom Anfang bis zu End« ad tumom aß göttliches Diktat niedergeschrieben hat. Aehnsich — wenn auch mit bedeutendem Unterschiede — verhält es ' sich bei den Propheten, während die Hagiographen (Kethubim) keinen Anspruch mehr auf Prophetie mach« (mit Ausnahme von Dackiel, der aber in absitWiches nid stet uni (ond 'flau; |ll. ( ieft fiill Sp [der ist, Zn I'üh voi M G. ga, J° in voi tr in Bc Bk i°i du du au sei Bi

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