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Neue jüdische Presse · 1915-07-23 · Heft 28 (23.7.1915) · p. Seite 4

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
13 (1915)
Issue
Heft 28 (23.7.1915)
Date
1915-07-23
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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©eile i Mannheimer^ Unterarzt Robert Abraham, Adolf Jastrow, Unterarzt Alfred Cohn, Dr. Theodor Liepmann, Walter Metzenberg, Stabsarzt Dr. Fritz Tarrasch, Offizierstellv..Siegfried Licbermann, Lazarettinspektor Hans Zweig, Privatdozent Ernst Courant, Dr. Ludwig Sänger, Offizierstellv. Otto Mond', Walter Stein, Ewalb Hirsch, Assistenzarzt Ko st ersitz, Dr. M i ch a «ff Cohn, Rvchtsanw. Jakob Groß erhiellen das Eiserne Kreuz. Berlin. Der SchSneberger Stadwerordnete Fritz Bamberg, Frauenarzt Dr. Edmund Hadra-Charlottenburg und Unterarzt Dr. U l l m a n n - Westerburg erhielten das Eiserne Kreuz. BreSla«. Oskar Schüfran. Fritz Schlesinger- Breslau, GeorgFelixGoldschmidt-Neustadt, Leo Caspari-Ratibor und Ernst Toeplitz-Waldenburg starben den Helden t o d. Assistenzarzt Dr. Walter N e d l i ch - Breslau, Siegfr. L c i p z i g e r - Schlichtlingsheim, Jsmar Herr stad t-Glogau und Assessor Süßmann-Liegni» erhiellen das Eiserne Kreuz. München. Rechtsanwalt Dr. Ernst- Berg. Sohn vom Justizrat Berg in Grünstadt, und Jakob Kr ä m e r aus Rockenhausen wurden zu Leutnants befördert. (1,1 Posen. Unterarzt Perser wurde zum Assistenzarzt befördert. Adolf Jastrow, Sohn des Stadtältesten Jastrow in Rogasen und Unteroffizier G o t t h i l f, Sohn des Kaufmanns Gotthilj in Lissa, erhielten das Eiserne Kreuz. Witt». Die Regierung hat folgende galizilche Bezirke für die Rückkehr der Flüchtlinge freigegeben: . Biala, Oswiecim, Chrzanow, Zywiec, Nowy Targ, Wadowice, Bochnia, Myflenice, Limanowa, Nowy Sacz, Brzesko, Dabrowa, Mieter, Kolbuszowa, Pilzno, Kopczhcc. Grybow, Strzyzow, Krosno, Stary-Sambor und die nicht zum Fcstnngsberciche gehörigen Gebiete der Bezirke Krakau, Wieliozka und Podgorze. Wie». Mchdem Dr. Meier Balaban sich geweigert hat, im Aufträge des PolnischcnNationalkomitee nach Russisch-Polen zu fahren, um gegen Georg Brandes Behauptungen Material zu s<ünmeln, hat Präsident Jaworski den Lcmberger Ghninasialprofcssor Bertold Mer Win mit der Aufgabe betraut. Marieubatz. Die 150V galizischen Flüchlliuge, die in dem schönen Maricnbad Aufnahme fanden, können das Verhalten der Bevölkerung zu ihnen nur rühmen. Besonders dankbar fühlen sie sich aber Bankier Buxbaum, dem Vorsitzenden des Hilfskomitees, gegenüber, der jetzt seit Monaten schon seine ganze Kraft den Interessen der Flüchlinge widmet. Auch Rabbiner Dr. Diamant hat sich den warmen Dank der Heimatlosen erworben. B. Schl. Orsova (Ungarn). Leutmmt und Kompagnieführer Alex Nobel, Sohn des Vorstehers der jüd. Gemeinde, erhielt zum zwellen Male die allerhöchste Belobigung (signnm laudis). Kopenhagen. Wie „Berlingske Tidende" aus Paris erfährt, sollen die in Frankreich zurückgebliebenen 20,000 bis Z0,000 russischen Militärpflichtigen nicht in die Fremdenlegion, sondern in reguläre französische Regimenter eingereiht werben.*) Pa rtien garren ■garetten erstklassigen Ursprungs. Cigarren-MQlIer, gr. Esehenheiinerstr.Sl. UeUhunutr. 1/3. Taunnaatr. 47. I Persovatte« «. Kleine Mitteiümgen. Homburg. Mehrere biesige Mische Bereinigungm haben sich unter dem Vorsitz der Oberlehrerin M. Marcus zu einer Vereinigung zur Errichtung von Tagesferienkolonien für jüdische K i n d,e r zusammengetan. Diesen Sommer erhalten 200 Kinder einen fünfwöchentlichen Ferienaufenthalt in Fuhlsbüttel. Berlin. Justizrat Th. M arcuse ist zum Borsitzenden am Gewerbe- und Kaufmannsgericht ernannt worden. vnh Oeynhausen. Unter Aussicht des Vereins zur Einrichtung ritueller Speisehäuser hat R. Spiro im Hanse Kaiserstr. 6 ein Restaurant eröffnet. HoppftLdteu. Da Landesrabbiner Dr. Straßburger in feine Heimatgemeinbe Buchau berufen ist, fo ist das Landesrabbinat Fürstentum Birkenfeld seit Anfang Juli unbesetzt. Danzig. Vor dem hiesigen Kriegsgericht wurde Rabbiner Dr. Tirsch lieget aus Könitz zu sieben Monaten Festung verurteilt. Er war bei einem Ersatzbataillon eingestellt und beurlaubt worden, aber trotz nochmalig:.' Befehle zu seiner Truppe nicht zurückgekehrt, da er — unter Verschweigung seiner Einstellung — bei dem Generalkommando um die llebertragnng der Seelsorge eingekommen war. Timmendorfer Strand (Lübecker Bucht). Dank der Fürsorge des Vereins zur Förderung ritueller Speise- Häuser ist hier zum ersten Male ein rituelles Restaurant eröffnet worden. Bereits am gestrigen Samstag waren so viele Herren aus Berlin und Hamburg anwesend, daß Gottesdienst abgehallen werden konnte. Memel. Rabbiner Dr. Isaak Stein ist am 13. Juli in Berlin verschieden. . Budapest. An Szeghalom verschied der dortige Oberrabbiner Leopold Landesberg und in Magyar-Geuj; Rabbiner Israel Deutsch. ■ *) Es handelt sich meist um russische Juden. Die Zahl 20,000 bis 30,000 dürfte viel zu hoch gegriffen sein. Die Rcdattion. Frankfurter Israelitisches FamilienAait. Franzeusbad. Hier verschied im 6'. Lebensjahre Ingenieur Emil Edler von M ises, Oberstaatsbahurat in Lemberg. ' Lemberg. Das „Lemberger Tagblatt", die bekannte jüdische Zeitung, erscheint wieder. Als Herausgeber zeichnen Dr. Herz H alp er u und Dr. M. Geyer, Sekretär der zionistischen Partei Galiziens. Lausauue. Aus der am H. Juli im hiesigen Rathaus stattgehabten, zahlreich besuchten Tagung der .Kommission zum Schutz bedrohter Menschheitsintercssen" des „Bundes für Menschheitsinteressen und Organisierung menschlichen Fortschritts" — Vorsitzender Professor Dr. R. Broda — wurde einstimmig folgende Resolution Dr. Klatzkin und Epstein angenommen: „Die Kommission appelliert an die intellektuellen und liberalen Schichten Rußlands, sie möchten sich dafür einsetzen, daß endlich den systematischen Grausamkeiten der russischen Regierung gegenüber der jüdischen Bevölkerung (Massenansweisungen, Plünderungen und Metzeleien — unter dem Namen Pogrom bekannt — sowie Mißhandlung der verwundeten jüdischen Soldaten), wie sie seit Beginn des Krieges bis auf den heutigen Tag verübt werden, ein Ziel gesetzt werde." Odessa. David Frisch mann ist schwer erkrankt und liegt im jüdischen Krankenhaus. Die angesehensten Schriftsteller und Journalisten besuchen ihn. P»riS- Dr. Elias Schwarzfeld, Sekretär der Aewish Colonisation Association (Jca"), einer der ältesten und tüchtigsten Beamten der Organisation, ist verschieden. Amsterdam. Bertha Cohen-Stuart wurde zur Erzieherin der sechsjährigen Kronprinzessin bestellt. Cincinnati. Bernhard Bettmann, einer der. angesehensten Juden des Staates Ohio, Mitbegründer der Vereinigung der jüdischen Gemeinden Amerikas, ist vers ch icdcn. Rew-Uork. Ein hebräisches Theater dürste hier bald Wirklichkeit werden. Der Verein „Habimoh" will es gründen. Er hat bereits einige Einatter mit Erfolg .aufgeführt. Auch eine hebräische Wochenschrift wird geplant.' Der Lehrerverband will sic unter dem Namen „Hoowiw" herausgcben. Frankfurter Berichte. ,,Moutestore"-Verein. Anläßlich des Sch'abb os Nach amu veranstaltet der Montefiore-Berein Samstgg nachmittag 5 Uhr in seinen Räumen eine gesellige Zusammcnkunft, bei der u. a. Se. Ehrw. Rabbiner Dr. Horovitz eine Ansprache halten und der Chor der Synagoge Börneplatz singen wird. Zu der Veranstaltung ist an die jüdischen Soldaten der hiesigen Lazarette Einladung ergangen. „VICTORIA“ Erste Berliner Wäscherei und Glanz-Plätterei Hansa Tel. 2002. || GOtlBlltStr&SSB II. Hansa Tel. 2Q02. Spezialität: Kragen, Manschetten und Hemden. „Der erste Brief.. Bon Josef Löwy, München. leniffrim Aus dem jiddischen Mannsttipt von Dr. Max Mayer. IV. Es war in der ersten „Slichos"-Nacht. Da und dort hörte man das Oeffnen von Türen, stille Seufzer: „Herr der Welt!" und geheime, müde Tritte wurden irgendwo von der Nacht verschlungen... Der Mond schimmerte bleich am Himmel und goß seinen gelben Schein auf die melancholischen Trauerweiden. Die schon getreidelosen Felder schmiegten sich, elend wie verlassene Mädchen, an das Herz der Nacht. Bei Schloimeh im Zimmer war es grabesstill. Am kleinen Fenster stand Röchele bleich mit verweinten Augen und blickte starr in die Nacht hinein. . . . Einige blasse Sttahlen fielen auf Dowidls Bettchcn, spielten mit seinen goldenen Locken und tanzten auf seinen roten Lippen. Stumm nahm Schloimeh sein Tallis und seine Tefillin, legte sie in sein Köfferchcn und wandte sich bang und erschrocken an Röchele: „Leb wohl meine teure Krone; Gott halte über uns seine Rechte!" . . . Röchele nahm ihn bei der Hand: „Du gehst wirklich schon Kn j&en Krieg?"... Aich, Schloimeh, Schloimeh nnh M Atrom von Tränen ergoß sich aus ihren Augen.. „Noch gar nicht gelebt und schon von einander Abschied nehmen! Wer weiß? . . . Ach, wie weh ist mir zu Mute! . . ." ' Dann ließ sie feine Hand los; ging zum Fenster zurück und blieb dort wie eine Mumie versteinert stehen. Schloimeh antwortete ihr nicht, küßte dreimal die „Mesuse" und sagte ein Reisegebct. ... Als er schon die Türe geöffnet hatte^ und gehen wollte, stieß ihn eine furchtbare Macht zurück. Nr. 28. Und noch einmal wandte er sich an Röchele: „Mein, I Teure, denk an unser einziges Kind, daß es auf einen I gottesfürchtigen Wege wandle!" . . . I Dabei .fiel sein Blick auf Dowidls Bettchen. I Er schlich sich hin, nahm sein Händchen und küßt, I jedes weiße Fingerchen besonders ... ~ „Mein Kind,. mein armes Vögelchen!" sagte c, unter Tränen zu ihm, „Wo lasse ich Dich, wo lass, ' ich Dich? Wer wird Dich beaufsichtigen? ... Gotl . wird Dein Hüter sein . . ." Dowidl öffnete mit Mühe die Augen und murmelte ) „Tatischy, Tattschy!" . . . schloß sie und schlief weiter!: Schloimeh küßte sein Gesichtchcn in tiefem Schmerz im> sagte dabei: „Schlaf mein Söhnchen, schlaf, Dein Bate> 1 geht weit — weit fort von Dir ... er bedarf de, Gnade, die Gott seine» Vorvätern erwies . . . Bleil - gesund, Du mein Kaddisch! Mit großer Mühe habe« ' wir Dich erzogen, aber unser Gott ist gerecht", und c, wischte heimlich eine Träne ... Als er schon die Stube verlassen hatte, lief ihn Röchele rufend nach: „Schloimeh, Schloimeh! Vergeh nicht, bald ein Briefchen zu schreiben, ich werde cs nicht aushalten, ich werde es nicht aushalten . . . Uni nimm auch das Geld, das Du vergessen hast." Schloimeh wandte sich um: „Nein, nein! Nicht vergessen. Das habe ich dagclassen für Dwosche, di. Krämerin. Geh hin in ihren Laden und zahl unser, Schuld! ..." „Schloimeh, dann loirst Du doch keinen Groschc« bei Dir haben! Ich will das nicht, ich will das nicht!..' „Nimm das Geld, Röchele, nimm es, sonst wird Di, die Krämcrin nichts mehr borgen wollen!" Und ging seines Weges weiter ... Sie blieb beklommenen Herzens allein stehen . .. Als er schon ein gutes Stück Weg von ihr entfernt lvar, ermannte sic sich und rief ihm nochmals nach: „Im Namen Gottes, Schloimeh, denk an uns, im Namen Gottes, und schreib bald einen Brief! . . ." Als sic in ihr Stübchen zurück kam, setzte sic sich neben Dowidl und schluckte still eine Träne nach bei anderen hinunter. Die Finsternis lag lvie eine schwcrc Wolke im Zimmerchen und drückte sie unbarmherzig wi, eilt Alp . . . Der Mond ivar schon untergegangen. Zerschlagen und verzweifelt erhob sie sich von Dowidls Bett und ging ans Fenster. Ihr Blick schweifte irgend wohin, weit, weit, schwebte über die einsam nackten Felder, arbeitete sich durch die grauen, verweinten Trauerweiden und begleitete ihn, ihren teuren Schloimeh. Und Plötzlich verirrt sich der Blick irgendwo auf den krummen, abschüssigen Wegen und sie hat ihren einzigen Schloimeh verloreir . . . Seine Spuren suchend, erhob sie erschrocken ihr Köpfchen >vie ein schwaches, im Walde verirrtes Reh, wenn es in der Nähe die Schritte des Jägers vernimmt ... V. Den ganzen Tag regnete es draußen! . . . Die Wolken wälzten sich grau und langweilig am Himmel hin, wie Schlangen in der Wüste ... Di, Weichsel, die unweit von Rocheles Fenster vorbeisloß, hatte eine sonderbare, grüngläserne Farbe wie die Auge» eines ururalten Zauberers ... Und ihr Rauschen war so traurig, so traurig . . Mery konnte mit ihrer Sehnsucht nach ihrem liebe« Ludwig hricht Allein zu Hause bleiben. Sie kam zu Rochcl, herein, denn sie waren schon seit ihren jüngsten Jahm gute Kameradinnen. Beide in einem Dorfe zusammc« ausgewachsen und erzogen. Die Verschiedenheit ihre, Relegionen schadete ihrer Freundschaft wenig . . . Mai kann nicht leugnen, daß vielleicht tief im Herzen de, beiden ein Fädchen von Fremdheit verborgen war; - man kann aber auch nicht leugnen, daß stets, wen« sie zusammenkamen, dieses Fädchen vollständig riß . Sie fühlten sich eine der anderen nahe, nicht so wie ein Jude zu einem Christen . . . Einfache, aber tiefreligiöse Naturen waren es. Sie, Mery, war di, Tochter eines ehrlichen polnischen Bauern, der mit dem Schweiß seiner eigenen Hände das Brot verdiente, und Rocheles Vater wiederum auch ein ehrlicher Schneider, der alle Tage nur die Arbeit kannte und ejden Bissen redlich verdiente. Auch zwischen Mery's und Rochelc'S Vätern hatte eine gewisse gegenseittge Sympathie geherrscht, wenn auch nur aus der Ferne ... lind stets, wenn sie sich begegneten, hat einer den andern herzlich begrüßt, denn anders, ganz anders war dieser I frankfurter Sdelmetatlverwerhwg Gerlaoh ft Welse - Qold-uSilberscheideanBtalt.Met&llurg.Laboratorium Tannnaatr. 28. Frankfurt a. H. Tel. Börner 6743. Ankauf aller Edelmetallr-Rückstände, Bruchgold u. Silber. Barren — Fellang — OebHUren — Abfällen.

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