Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 13 (1915)
- Issue
- Heft 28 (23.7.1915)
- Date
- 1915-07-23
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 28 Frankfurter Israelitisches FamilienAatt. Seite 5. I Frankfurter Milchkuranstalt unter Kontrolle des ärztlichen Vereine Bdnnnbnrgatr. 2—6 Tel. Hanes 1168 . einzige Anstalt Frankfurts, «eiche ausschliesslich kalmarme Kurmilch und Yoghurt nur ans Milch der eignen Stallung liefert. Bauer als die heutigen Polen, noch nicht verseucht und vergiftet von falschen Schikanen ... Eben diese Ehrlichkeit und Liebe hatten sie beide ihren Kindern vererbt . . . Und sonderbar, — tief im Herzen einer jeden war ein großes Verständnis für die Religion der anderen verborgen . . . Darüber geredet haben sie nie, — jede bewahrte.es als tiefes Geheimnis in ihrer Brust. Und in der letzten Zeit war ihre Freundschaft noch größer geworden. Weil ihre Männer in den Krieg gezogen waren, fühlten sie sich einander noch mehr verbunden ... So pflegte eine bei der anderen bis spät in die Nacht zu sitzen. Und Mery, da sie noch keine Kinder hatte, liebte Dowidl aufrichtig wie eine eigene Mutter... Sie brachte ihm ständig Spielsachen, und wenn das Kind an ihnen Freude hatte, glänzten ihre Augen, und dann umarmte sie es und drückte es fest an ihr Herz, und trotzdem cs sich wehrte und es nicht zulassen wollte, küßte sie es . . . Und heute, als Mery Dowidl erblickte, beklemmte cs doppelt ihr Herz. Die ganze kindliche Lustigkeit war verschwunden, — er geht herum, traurig und nachdenklich wie ein Erwachsener. „Er hat Sehnsucht nach dem Vater," dachte sie bei sich. „Jesu, Jesu, was ist aus dem Kind geworden, nicht mehr zu erkennen!" . . . Und trübe, finstere Gedanken stiegen vor ihr auf, und da sie sich nicht davon befreien konnte, ging sie auf Röchele zu und schüttete vor ihr ihr bitteres Herz aus . . . „Es niacht nichts," wollte Röchele sie trösten, „es macht nichts, Gott ist überall . . . wie es bei uns geschrieben steht, jeden verborgenen Winkel sieht er, jedes leidende Herz findet er... da wird er uns gewiß auch nicht verlassen." Mery antwortete ihr mit tiefem Schweigen: „Jesu, Jesu!"_ und beide versanken in Schweigen. . . Im Stübchen hörte man nur die kindliche Stinime Dowidls, der das „Chumcsch", das er im Cheder gelernt hatte, wiederholte. Seine Stimme brachte noch mehr Melancholie über sie... Aber bald brach auch die kindliche Stimnie ab; — er batte aufgeschaut und plötzlich seines Vaters Schabbes — Kapote an der Wand hängen sehen. Schüchtern stand er vom „Chumesch" auf, lief zu ihr, begann sie abzuküssen und rief dabei: „Tatischy, Tatischy, warum kommst du nicht zurück?!_" Röchele verging, als sie die Worte ihres Kindes hörte, schier die Seele . . . Mery stellte sich in eine Ecke und hielt sich mit allen Kräften vom Weinen zurück, denn sie verstand jedes jüdische'^ Wort. Und bald darauf wandte sie sich an Röchele: „Röchele, was schreibt Dein Mann? Gestern habe ich erst einen. Brief von meinem lieben Ludwig bekommen, in welchem er schreibt, daß die Kugeln hagelgleich über seinem Kopf fliegen und er wie eine Maus in seinem Schützengraben liegt und daß eine große göttliche Gnade dazu gehöre, wenn er lebendig vom Kriege nach Hause kommen sollte." Röchele antwortete nicht, sondern biß sich bleich und stumm auf die Lippen; ihre eingefallenen Brüste wogten schmerzlich schwer . . . Der Abend spann dunkle Fäden im Stübchen,.und der Regen llopfte unaufhörlich mit seinen dürren grauen Fingern an die Fensterscheiben. Röchele erhob sich plötzlich von ihrer Bank, ging auf Mery zu und warf sich mit hysterischem Weinen an ihren Hals: „Schon zwei Monate und ich habe noch keinen einzigen Brief von ihm erhalten, schon zwei Monate.Gott weiß, wie es ihm geht, Gott weiß, ob. er noch lebt" . . . Sie erschrak vor ihrem eigenen Wort._ „Schweig, teure Röchele, schweig!" bat Mery sie, indem sie sich bekreuzigte, „schweig, und sprich nicht so, sonst werde ich von Sinnen kommen." ... Und wieder wurde es still im Stübchen. Nur der Wind pfiff mit monotoner Melodie, und der Regen klopfte noch immer unaufhörlich gegen die Fensterscheiben. (Schluß, folgt.) Cafe Kaisergarten am Opemplatz Entklasdges Familien-Cafö Nachmittags Konzerte. Fr. Hansolmann, Besitzer. Im Gewitter. Sitze ich da am vergangenen Sabbath bei einem gelehrten Buche und erwarte freudig im Interesse der so sehr nach ihm lechzenden Natur den erfrischenden Segen des Himmels, den langersehnten Regen. Die Erwartung aller wird keineswegs getäuscht; nach langer Zeit ein wirklich ausgiebiges Gewitter: Blitz, Donner und Regenschauer. Nach der Schwüle des Tages ein herrlicher Genuß, den man sinnig der Natur nacherlebt. Plötzlich leuchtet es grell vor meinen Augen auf; blendender Lichtschein spiegelt sich auf dem weißen Blatt meines Buches wieder, so daß ich erschreckt zurückfahre. Eine gewaltige elektrische Entladung folgt unmittelbar darauf, die das Haus in seinen Grundfesten erschüttert. Mein erster Gedanke sind naturgemäß die Kinder und insbesonders das kleinste, von einer Krankheit eben genesende, kaum sechs Jahre zählende Töchterchen Blima. Ich springe rasch ins Nebenzimmer, in der Besorgnis, das im Bett liegende Kinde könne durch den Schreck Schaden genommen haben. Und sehe da im Halbdunkel mein anderes Töchterchen, die ungefähr zwei Jahre ältere Riwka, mit einem Buche in der Hand am Bett stehend. Bei meiner erschreckten Frage, ob sie etwa Angst ausgestanden hätten, werden von beiden mir die Worte: „Ausse maasse bereschis!" entgegengerufen, sodaß ich noch rasch freudig bewegt mit „Amen" zu antworten vermag. Riwka hatte ihrer Schwester — mit ihr spielend — Gesellschaft geleistet und dabei auf den ausdrücklichen Wunsch der frommen Blima eine Tefilla vor sich hingelegt, um bei Erscheinen des Blitzes den vorgeschriebenen Segenspruch zu machen. Beide hatten treulich den gegebenen Augenblick abgewartet und — ohne jedes Angstgefühl — in frommer Herzcnseinfalt die Berocho hergesagt. Kindlich an den himmlichen Vater denkend, waren sie sich eines Schreckens garnicht bewußt geworden. Ich aber schämte nnd freute mich zugleich, und dankte freudig meinem gnädigen, gütigen Schöpfer. I. N. in L. \\ävcvy>N\W\ . 9e9r* 1730 HtMt «2.0. No. 9«JDeatsahe]NationÄHklischangÄL3.—. gNojSS. Teespitz. M.2.50. No. 3. Wedda.Assam-Pechpe-Mlsoh.M. 3.20. No.SO.TeegrussM.1.80 Kakao Soma Mk. 2.40, 3—. Aus Feldbriefeu. Sehr geehrte Redaktion! Als Teilnehmer der südöstl. Armee, deren Aufgabe es war, Galizien von den russ. Horden zu säubern, erlaube ich mir. Ihnen einen Bericht über die Not nnd Leiden der jüdischen Bevölkerung zu geben. Ich will nur Tatsachen anführen, die ich als Augenzeuge mitangesehen habe. Am 11. Juni kamen wir nach Jaroslau. Schon die Orte vor Jaroslau zeigten uns, wie die Russen gehaust hatten! Alle öffentliche Gebäude — wie z. Bdie Bahnhofsanlagen — sowie die ansehnlichsten Privatgebäude waren ihrer Zerstörungswut zum Opfer gefallen. Der jüdischen Bevölkerung sah man die Not schon von weitem an den leidenden, von Gram gebeugten Gestalten an. Auf unserer Russenverfolgung gelangten wir nach beschwerlichen Märschen am 17. 6. nach der Stadt Niemerow. Die ehemals blühende Stadt, die fast nur von Juden bewohnt ist, war nur noch ein Trümmerhaufen von Schutt und Asche. Es stand nicht ein einziges Haus mehr. Die lebend gebliebenen Einwohner saßen stumpfsinnig neben den Aschenresten ihrer ehemaligen Häuser. Znm Teil ist aber doch schon wieder Tatkraft erwacht, und so suchen viele ihren Lebensunterhalt dadurch zu bestreiten, daß Männer, Frauen und Kinder Tabak und dergl. an die durchziehenden deutschen Truppen verkaufen. Ein Teil der Einwohner — vom Kinde bis zum Greis beiderlei Geschlechts — ist von den Russen lebendig verbrannt worden. Die verkohlten Reste dieser Armen konnte man in den Aschenhaufen liegen sehen. — Aber auch diejenigen, denen der „rote Hahn" nicht aufs Dach gesetzt worden war, hatten ihr ganzes Mobiliar verloren. Was nicht der Zerstörungswut zum Opfer gefallen war, das hatten die Russen mitgenommen. Man konnte überhaupt merken, daß es die Russen fast ausschließlich auf die jüdische Bevölkerung abgesehen hatten, denn, während in den Ortschaften, die wir fernerhin durchzogen, vielfach die Häuser der Polen geschont waren, sah man sehr selten ein heiles jüdisches Anwesen. Um einen annähernden Eindruck von dem Leiden nnd der Not zu geben, welche die Russen während ihrer neunmonatigen Herrschaft hervorgerufen haben, dazu reicht die glühendste Phantasie nicht aus. Zum Schlüsse will ich noch bemerLn, daß die Juden gegen nns sehr zuvorkommend waren. Selbst das wenige, was-sie noch besaßen, teilten sie mit nns. Es wäre dringend nötig, daß diesen Armen schnelle und reichliche Unterstützung zu Teil würde. Sally Stein aus Goldstein. Franz Dittii Ml A. KM Schllloratl’. 18. Telephon I, 8630. Seifen, liebte, Kamm- und Bürstenwaren, Besen etc. Cosnretlsche Spezialitäten. Knust und Literatur. Die weltgeschichtliche Bedeutung Galiziens von Stephan Tomaschiwskyi, ukrainischer Dozent für Geschichte an der Universität Lemberg. 75 Pfg. München, F. Bruckmann A.-G. Nicht England und Frankreich, sondcril Rußland har Leu Krieg a n g e s a n g e n, den es ichon seit Jahren Galiziens wegen vorbereitet hat. Doch nicht der geographisch und strategisch so wichtigen Lage Galiziens galt es in erster Linie, sondern der Vernichtung der ukrainischen (ruthenischen) Nation, dessen politische, kirchlich- und sprachliche Sonderstellung das . Allrussentmn Rußlands stören, und dem man nicht eher beikommen kann, als bis der in Galizien wohnende, sich freibcwegende und entwickelnde Teil dieses Volles auch in die Gewalt Rußlands gekommen ist. — Das ist der Grundgedanke der Broschüre, zu dessen Verständnis der Verfasser einen Ueberblick über das Land und seine Geschichte gibt. I e s ch u r n n. Monatsschrift für Lehre und Leben im Judentum. Herausgeber: Dr. I. Wohlgemuth. 2. Jahrgang, 7. Heft. Inhalt: Das Heerwesen nnd die jüdische Erziehung (S. Carlebach). — Probleme der Pentateuchexegese (D. Hosfmann). — Die Auslösung der Gefangenen (I. Münz). — Das Kriegslasten (A. Neuwirth). — Talmudische Miszellen (I. Schisser). — Ein Feldpostbrief. — Der 9. Ab- Kaiser Friedrieh Quelle —— Offenbacb a. Z -- Segen Siebt nnd Bhenmatiamms bewSkzt. Alleiniger Seneral -Vertreter: Frledrloh Stuhl, Franbf.a.1^ Gttntherab.-Allee 37. Tel.TTnn8a259n.7I4» Wocheu-Saleuder. (Zeitangaben nach dem losch.) Samstag, den 24. Juli l— 13- Aw.) Sabbat-Anfang in Frankfurt a. M. 7 Uhr 45 Min. Sabbat-AuSgang in Frankfurt a. M. 3 Uhr 15 Min. in Berlin S Uhr 08 Min. Wochenabschnitt: Woes'chanan. — Moses Bitte, das gelobte Land sehen zu dürfen. Ermahnmigen an Israel. Die 6 Zufluchtsstädte. Die 10 Gebote. Das Schema. Nach den Ansangsworten des Prophetenabschnittes heißt der Sabbat „S ch a b b o s N a ch a m n." Ans den Prophetenworten seien die folgenden hierher gesetzt: „Alles Fleisch ist Gras, und all' seine Hingebung ist wie die Feldblume. Es dorrt das Gras, es welkt die Blume, sowie der Hauch Gottes dagegen weht. — Wahrlich, wie Gras ist das Volk! Es dorrt das Gras, es welkt die Blume, — aber das Wort unseres Gottes bleibt für alle Ewigkeit." Wochengottesdienst in Frankfurt a. M- Morgens: 6 Uhr in den meisten Synagogen (Bockenheim, Unterlindau 6J/a Ahr, Hauptsynagoge 7 Uhr, Königfwinerstr. 7ty» Uhr). Abends: 7 Uhr (Montag abeNd 3 Uhr 20 Min.; Dienstag abend 73/t Uhr). Frankfurter FamUieuuachrichteu. Barmizwos: Henry Fuld, Eiserne Hand 3; Herbert Stern, Sandweg 143; Oskar Goldschmidt, Kantstr. 3. Synagoge Börneplatz. Verlobt: Miriam Eisenmann, Antwerpen, zur Zeit Bad Homburg, mit Rechtsanw. Dr. Herbert Brinkmann, Schefselstraße 7. Gestorben: Emilie Marx geb. Marx, 74I.,Rückertstraße 50. — Johanna gen. Hilda Gans geb. Hirsch, 45 I., Gagernstraße 36. . Auswärtige FamUieuuachrichteu. Geboren: E. Sohn Erich Kochmann (Barczinski), Charlottenburg. — Zahnarzt Hirschseld (Herzberg), Karlsruhe. E. Tochter Carl Abraham (Elkeles), Posen. — Adolf Rosenblum (Just), Breslau. Verlobt: Edith Buchholz, Hannover mit Unterarzt Alfred Cohn, Charlottenburg, z. Zt. im Felde. Gestorben: Adolph Oppenheimer, 60 I., Wiesbaden. — sind. jur. Otto Cahn, Sohn von Sanitätsrat Dr. Cahn, 20 I., Straßburg. im Feld. — Albert Plaut, 59 I., New Jork. — Fritz Kaufmann, 18 I., Freiburg, im Feld. — Bankier Wolf Beatus, 47 I., Kalisch. — Sam. Liebes, Albert Hahn, Wolf Holländer, 72 I., Berlin: — Martin Hirsch, Potsdam, im 'Feld. — Frau Julius Rothschild geb. Bing. 70 I., Köln. — Samuel May, 35 I., Lampertheim, im Feld. — Marcus Goetz, 70 I., Briefen. — Alfred Golschiner, 48 I., Berlin. — Gerhard Moses, 20 I., Tuchel, im Feld. — Sally Schmerzler, Berlin, im Feld. — Adolf Baron Kürschner; Dr. Isidor Müller, 80 I., Wien. — Ernst Kaufmann, 23 I., Lichtenau, im Feld. I Olfenbaeftier Prnehlnft-1 nlag»| I Offtnbach a. M. Telefon 133. (Aimchhuw mitFrankfart).» I Bewährteste TeppiCbFalQiBOaQ (100,000 qm j&bi]ich]E ■sowie unQbertroflena Battenu. Bettfedsrnralnl-R. goBfl mittelst Druckluft und Waaseidampf,