Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 13 (1915)
- Issue
- Heft 28 (23.7.1915)
- Date
- 1915-07-23
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 28 Nachschon an: Salma, Boas, Oved, Jischai, David, weil sowohl Boas als mich Jischai erst jn ganz hohem Mer. als Stammväter in Betracht kommen, wie dies Tenach ausdrücklich bezeugt (Ruth und B. Aamuel). Das Alles stimmt dann auch mit der wirklichen Chronologie des Buches der Richter, worüber später. Damit sind wir bei 'der kostbaren Tradition, die uns einzig und allein Josephns auf Grund der Hohenpriesterannalen überliefert hat, zur Lösung der bisher trotz intensivster Behandlung ungelösten Schwierigkeiten eines dritten Stammbaumes, desjenigen der Hohenpriester. Esra bei seiner eigenen Genealogie (Esra VII, 1 sf) zählt Won sich bis Zurück zu Ahron nur 17 «Generationen, indem er, bald! an S e r a j a den letzten Hohenpriester des Salomonischen Tempels anschließend, nur noch dessen Vater A s a r j a, Sohn des C h i l k i a (aus Kg. Zosia's Zeit bekannt), Sohn des Schal ln m erwähnt, dann mit Ueberspringung sämtlicher Hohenpriester des crsten Tempels an den ersten, Zadok ben Achitub »»schließt und dann genani die in I. Chronik V. 28—33 »»gegebene Ahnenreihe wiederholt. Diese umfaßt dort 23 Generationen, da aber Esra hier noch ein Zwischenglied rrwähnt, den Asarja ben Merajot, der in Chronik I fehlt, so sind es 24. Demgemäß hat Esra 6 Generationen übersprungen und zwar den zweiten Zadok ben Achitub ben Amarja ben Asarja ben Jochanan ben Achimaaz. dafür in der vorsalomonischen Epoche einen zugesetzt. Besonders ausfallend ist, daß non den in Esra übersprungenen 6 Gliedern deren 4 dieselben Namen in selber Reihenfolge haben wie 4 aus der ersten Epoche, nämlich: Zadok 'ben Achitub ben Amarja ben Asarja, obwohl in der Geschichte der Könige, auch in der Chronik keine Spur ihrer Namen zu finden ist. Uni« das Rätsel noch unlösbarer zu machen, kommt der früheste dieser! 4, «nämlich Asarja noch mit bcnt Prädikate: „Derjenige, der die Hohenpriesterwürde bekleidete im Tempel, den Salomo in Jerusalem! gebaut." Man sieht, wie gerechtfertigt der Verzweiflnngs- Lusruf unserer Weisen (mijom schenignas) gewesen ist. Nichtsdestoweniger haben es sich die Tossafisten nicht nehmen lassen, mit ihrem alles durchbohrenden Scharfsinne in Joma 8 eine sehr eingehende und ausgedehnte Untersuchung darüber anzustellen. Nachdem kein Zweifel bestehen kann, daß Zadok der erste Hohepriester des Tempels war, so entscheidet mau sich .dafür, daß hier eine Tatsache wegen ihrer Peinlichkeit 'verhüllt ist, die darin besteht, daß es dieser Asarja war, der den König Usiah für aussätzig er- Uärt und so die Priesterwürde gegen den Eingriff des Königs siegreich gehalten hat. Der Zusatz: „Im Hause, das Salomo, in Jerusalem' erbaute" würde somit sagen: Trotzdem das Haus dem Königtum, nicht dem Priestertum seine Entstehung verdankte. So! stimmt auch der Name Asarja mit dein des. in II. Chronik 26,20 genannten Hohenpriesters. Dagegen erheben sich aber folgende Bedenken: Achiii, a a 5 hatte bereits für David im Kampfe gegen A b - jalom Dienste geleistet, war daher bei Antritt Salomo's zwischen 20 nnd 30 Jahre alt. Rechnen wir die Regierungsjahrc Salomo's und seiner Nachfolger bis Regierungsende U s i j a' s, das wohl .erst auch als Lebensende des Hohenpriesters Asarja in Betracht koinmt, so ergibt sich ein Zeitraum von mindestens 270 Jahren für 4 Generationen der Hohenpriester. Das ist zu viel. Zweitens: Welchen Zweck sollte die Verheimlichung des Vorfalles an dieser Stelle haben, nachdem er mit allen Einzelheiten du Ort und Stelle mitgeteilt worden? Drittens: Wo bleibt in der Liste der bei König Joas so hervorragend tätige Hohepriester Jo ja da? Jn dieses Dunkel leuchtet uns die Fackel des Iosepl: ns, zivar nicht mit. Tageshelle, aber dennoch sreudig begrüßt. Er überliefert uns die Reihenfolge von 17 Hohepriestern des Salomon-Tempcls, freilich in griechischer Verballhornung ihrer Namen nnd Zeit. Josephns Seder Olam Suta Sadok Achimaaz Asarja Joachas Jarib Josafat Jojada \ beide während der Regierung Pedaja j Königs JoaS, Seder O. S. Zidkija Joel bei Josephns u. i. Seder O. S. Jotham d. Hohepriester bei Usija. Urija Nerija Hosea Schallum Chilkija Asarja Seraja Josadok 19 Wir sind aber in der Lage, die Nanien in ihrer Ursprünglichkeit ans derselben Quelle herzustellen, der Josephns sic entnommen hat. Denn das Seder Olam Suta — mitgeteilt bei Malbim zur Stelle — hat sie in der Reihenfolge, die ich neben die -es Josephns stelle. Malbims Erklärungsversuch ist auf halbem Wege stehen geblieben, ohne zn einer Entscheidung zn gelangen, ^or allem hat er «unberücksichtigt gelassen, daß die Namen Asarja, Amarja, .Secharja,' u. a. als Beinamen gebraucht wurden. Unumstößlich beweist dies U s i j a, dev im Buch Könige Asarja genannt toird. Da auch die assyrischen Keilschriften ihn ausschließlich Asarja nennen, hat Schräder mit einer sonst bei ihm seltenen Uebereilung die Lesart Usija nmkorrigieren trollen, obwohl sie noch besonders durch die Zellgenossen Frankfurter Israelitisches Familienblatt. Jesaia, Hosea, Amos unumstößlich festgestellt ist. Dagegen hat L e p s i u s den Doppelgebrauch dieser Namen richtig erkannt. Ein dritter Name, den derselbe König in der Prophetenschule führte, tvar Secharja, wodurch die dunkle Stelle II. Chronik 26,5 erst verständlich wird. Ebenso wechselt der Name Jochanan mit Jojada bei ein nnd derselben Person in Nehemia 12,10 Elj a s ch i b, Vater des Hohenpriesters Jojada nnd 12,23. Jochanan, Sohn des E l j a s ch i b, als Nachfolger im Hohenpriesteramt. Es empfiehlt sich daher die Identifizierung der hiergenannten Jochanan und Asarja mit Jojada nnd dessen Sohn S e ch a r j a, der im Beth Hamidrasch wegen seiner Strafrede gesteinigt wurde. Das ist. mit dem Ausdruck „ascher Kihen" beabsichtigt, der die Priesterwürde mit dem Opfer seines Lebens aufrecht erhalten hat. Die Verhüllung wurde deshalb gebraucht, um die dem Priestertum angetane Schmach nicht nochmals in der Stammliste zum Ausdruck zu bringen. Auf diese Art wären für die 4 Generationen auch ohne die Ergänznngsliste des Seder Olam Suta eine Differenz von über 70 Jahren gewonnen, wozu noch das .ausnahmsweis hohe Alter des Jojada (130 I.) in Betracht gezogen werden muß. Stach Seder Olani Suta wären es überhaupt 7 Generationen auf kaum 200 Jahre. Noch einen Beweis dafür, wie kostbar die Quellen warepi> ans denen Josephns nnd Seder Olam Suta geschöpft haben, liefert der Talmud selbst. Er hat nämlich (Joma 9a) die Ueberliefernng, daß im ersten Tempel 18 Hohepriester nacheinander fungiert haben. Das erwähnte T o s s a f o t (Joma 8) möchte nach einer Ansicht dem trockenen Wortlaut gemäß von Arsarja bis Seraja (Jozadok ging gefangen nach Babel, ohne fungiert zu haben) die Zahl 18 in 8 korrigieren. Doch hat bereits Raben u Tam gegen Korrekturen sich streng ausgesprochen. Sinn sicht man, daß die Zahl 18 einer alten Quelle entspringt. Daß Josephns hier nur 17 namentlich anführt*), ist jedenfalls Omission eines unzuverlässigen Kopisten, denn er selbst gibt bei Berechnung der Gesamtzahl der Hohenpriester bis zur letzten Zerstörung für den ersten, Tempel die. Zahl 18 an. (S. 671). Daß hingegen bei Seder Olam Suta 19 herauskommen, beruht darauf, daß Jozadok mitgezählt, aber (wie oben) nicht mitgerechnet werden soll, da er im Exil starb, ohne funktioniert zu haben. Daß Josephns für die Zeit von Ah r o n bis A ch it u b Vater des Z a d o k 13 Hohepriester zählt, während hier I. Chronik V nur 10 genannt sind (A h r o n, Elcisar, Pinchas, Abischua, Bnki, Usi, Serachja, Merajot, Amarja, Achitub) beweist, daß er, ebenso wie Esra zwischen Merajot und A m a r j a den A s a r j a vorgefunden hat und dann noch die Hohenpriester Eli und dessen Enkel Achimelech hinzuzghlt. Warum Eli aus der Nebenlinie JtHaimar die Kette der 'Linie Elasars zeitweilig unterbrach, darüber schweigt die heilige Schrift. Es wird aber wohl in die Zeit des hier übergangenen Asarja gefallen sein. Eine leise Andeutung kann darin gefunden werden, daß Vers 33 der einzige in der ganzen Stammtafel ist, der nicht mit dem Bindebuchstaben ,Maw" ansängt, also isoliert bleibt! Nachdem die dunkle Stelle der Hohenpriesterliste auf angegebene Art erklärt zu sein scheint, ist auch der Zusatz „der die Pricsterwürde hoch hielt — im Hause, das Salomo in Jerusalem erbaute", auslegbar. Es soll damit angcdeutet sein, daß mit jenertranrigenEpisode der Ilntergang'deS Tempels in die Wege geleitet wurde. Denn damit .trat der erste Riß zwischen Königtum und Priestertum ein. Durch das Eingreifen des Hoheiipriesters Jojada, der de» Joas, den letzten Sprossen des Königshauses gerettet nnd im Heiligtum verborgen hatte, war die Dynastie vor gänzlicher Vernichtung bewahrt worden. Es war daher der schnödeste Undank, wie er nur bei einem sich selbst vergötternden Herrscher gefunden werden konnte, daß er den Sohn seines Retters, den Hohenpriester und Propheten Secharja (Asarja), wegen mißliebiger Strafpredigt im Heiligtum töten ließ. So deutet auch Jeremias Klaglied doppelsinnig die Ursache des Unglücks au (E ch ah II, 20); „Wenn im Heiligtuni des Ewigen Priester und Prophet nmgebracht wird." Der Enkel Joel als Hoherpriester rächte sich dafür an dem großen König Usija, .den» nach der halachischen Tradition lag cs in Händen des Priesters, seinen Ausspruch: „Unrein", ohne den es keine Ausschließung für den Aussätzigen! gab, unter Umständen zurückznhalten. Die dabei in Betracht kommenden Ausnahmen (für einen Bräutigam während der Hochzeitwoche oder für jeden anderen für die Festtagsseier) konnten sicherlich bei dem König in Anwendung kommen.. Dadurch entstand ein offener Bruch zwischen Königtum und Hohenpriestertum, der die antireligiösen Ausschreitungen der folgenden Könige hervorgerufen und zu blutigen Bürgerkämpfen geführt hat. Mehr als Joseph us haben die neuesten assy r olo gischen Entdeckungen ein gradezn blendendes Licht auf jene Zeiten geworfen. *■) Warum aber sind bei Josephns die Namen so g r a c c i s i e r t, daß man die althebräischen teillveise gar nicht wiedererkennt? Diese Frage gilt nicht nur für diese Liste, sondern für sämtliche biblische Namen, die er — gerade so wie die S e p t u a g i n t a — gezwungen war, für seine jüdischen wie auch heidnischen Leser, dem griechischen Idiom anzupassen, um nicht als Barbar mit für griechische Sprachorgane grade so unaussprechlichen Namen zu gelten wie die persischen und babylonischen. Dieselben werden ja von den griechischen Schriftstellern bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt. Auch berichtet er in seiner Borrede selbst, daß er hellenistische Freunde für seine Werke herbeigezogen hat, da seine Kenntnis der griechischen Sprache doch für einen tadellos klassischen Stil nicht ausreichte. Sadok Achimos Azarias Joram Aus Arioram Phideas SiideaS Juel Jotham, Urias Nerias Odeas Salluni Elikias Sareas Josodok 17 Seite 3. Der König Usija wird im Buche der Könige Kap. 15 mit wenigen Worten abgetan, mit bloßer Alters- und Regierungszeit-Notiz. Eine eingeschränkte Anerkennung seiner .Religiosität und 12 Worte über seine Erkrankung am Aussatz ohne sonstige Angabe der Begebenheit seiner Ausstoßung und Hinweis auf die Chronik von Judaea. Diese widmet dem König ein großes Kapitel, in welchem sein Verkehr in der Prophetenschule, seine Vorliebe für Ackerbau nnd Festnngsbauten, seine Fürsorge für Schaffung eines gewaltigen Heeres, seine Eroberungen nnd sein Ansehen bei den Mächten nnd zuletzt seine unglückliche Vorliebe für den Opferdiensh nnd die daraus erfolgte Katastrophe geschildert wird. Die Feinde unseres Schrifttums verfehlen nicht, durch diese, so gegensatzreiche Erzählungen ermuntert, das heilige Buch der Chronik einfach als Dichtung zu erklären, und unsere feigen Pseudo sekundierten ihnen natürlich. Nun kamen die assyrischen Entdeckungen. Schräder, dem man nicht den leisesten Vorwurf von Philosemitismus machen kann, der eher zerstören als anfbauen möchte, aber ein ernster, Wahrheit suchender Forscher ist, rief dann auch bald: Umkehren! Nmlerncn! Es hat sich herausgestellt, daß Usija .— der ebenso wie im Buche der Könige mit dem wohl mehr inr Gebrauch stehenden Namen „Asarja" benaimt wird, — der einzige König Weflasiens wav^ an den der gewaltige, bis nach Indien vorgedrungene Welteroberer Tiglat Pileser sich nicht heranwagte, obwohl er 21 von Assyrien abgefallene kleine Reiche für ihr Bündnis mit Usija züchtigte. Schräder äußert sich geradezu verächtlich über die Verleumder des Buches -er Chronik (auch bei Menasse's Geschichte), zu denen auch Zunz gehört hat. (Fortsetzung folgt.) sortierf 15 aS G.M.HOLZ J HOFLIEFERANT WOLFS-ECK DfepopularsleCfqarre unsortiert 12H FRANKFURTa-M Aus aller Welt. Deutsches Reich. Großbritannien. London. „Aewish World" tadelt in heftigen Worten Board of Deputies, die offizielle Vertretung der englischen Judenheit, die verweigert hat, sich der als feindliche Ausländer internierten Juden anzunehmen und ihr Schicksal zu erleichtern. Diese Feigheit und dieser Mangel an jüdischem Brudergefühl waren bei den reichen Assimilanten, die so gNadig sind, die höchsten Ehrenstellen der englischen Judenheit einzunehmen, zu erwarten. Inzwischen sind private jüdische Kreise bei der Regierung vorstellig geworden, nnd es ist daraufhin ein Teil der Internierten wieder entlassen worden. LonSo». Die verflossene liberale Regierung hat während ihrer zehnjährigen Herrschaft — zuerst unter dem verstorbenen Banerman, dann unter Asqnith — die Gleichberechtigung der Juden zum ersten Male wirklich durchgeführt; die Juden haben Stellungen erreicht, die ihnen bis dahin stets verschlossen waren. Für die ungünstige Beurteilung der neuen, nationalen Regierung liegt eigentlich kein stichhaltiger Grund vor, denn bie Entfernung von Herbert Samnel und Edwin Montagu aus dem Kabinett braucht nicht gerade jn Rücksicht auf den russischen Bundesgenossen geschehen zn zu sein, wie man in der jüdischen Oesfentlichkeit vielfach annimmt. Niederland. Haag. Unter dem Vorsitz des Staatsrats Professor Dr. Oppenheim hat sich hier ein „Internationales Jüdisches Emigratiousk o m i t e e " gebildet. Die Veranlassung zu der Gründung gab die Ansicht, daß nach dem Kriege eine Massenanswanderung osteuropäischer Juden einsetzen werde. ILomler & Lailsc]i| Tel. Hansa 3148. Frankfurt &.M., Liebfrauen1>erg33. I Specialhaus für Unterkleider und Strümpfe. I Niederlage echter Dr. Lahmann-Wäsche. M Der Krieg und die deutsche» Jude». Frankfurt a. M. Salli Grünebaum Hölderlinstraße 27, Beamter der hiesigen israelit. Gemeinde, erhielt die hessische Tapferkeitsmedaille. Frankfurt a. SW. Alfred Wertdeimer. Ritter des Eisernen Kreuzes, Sohn von Leopold Wertheimer, Grünestr. 15, erhielt das bayer. Militärverdien stk.reuz 3. Kl. mit Krone und Schwertern. verlt». Dr.Erwin Straus. Siegsr. Heinrann. Paul Friede, Martin Weißenberg, Alfred