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Neue jüdische Presse · 1915-07-16 · Heft 27 (16.7.1915) · p. Seite 2

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
13 (1915)
Issue
Heft 27 (16.7.1915)
Date
1915-07-16
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2. vermischt, die Las französische Heer bilden, verspritzen seit 11 Atonalen wie die anderen Franzosen ihr Blut für das gemeinsame Vaterlands Diejenigen aber, die seit den Pogromen der russischen Revolution von 1206 gekommen sind — der Leser schlage im Larousse (Konversationslexikon) nach, was ein Pogrom >M, wenn er' es nicht weiß —, die bleiben, da sie die zur Naturalisation nötigen 10 Fahre Landesaufenthalt nicht geltend machen können, vorläufig Ausländer. 'Diese letzteren sind es, die man sich nicht entblödet vorzuladen, um ihnen zu sagen: „Entweder ' geht Ihr wieder zurück nach Rußland und dient im russischen Heere, oder Ihr meldet Euch in unsere Fremdenlegion; eins von beiden, oder marsch! ins Konzentrationslager!" Nach Rußland! Sie würden ja, selbst wenn sie den Wunsch hätten, nach diesem Rußland zurückzukehren, dem sie,, um der Verfolgung, zu entgehen, den Rücken gekehrt haben, und das sie sich weigern, als ihr Vaterland LU betrachten, bei der Anbinft dort wegen UnbotmKßigkeit ins Gefängnis eingesteckt werden! In unsere Fremdenlegion? Tausende haben das auch am Anfang des Krieges freiwillig.getan. Als das deutsche Heer im August auf Paris marschierte, find sie massenhaft eingctreten. Nun, ihr Lohn dafür ist nicht ausgeblieben. Hat doch eine Behörde ohne Herz und ohne Verstand — deren einzige Entschuldigung im August die war, daß sie den Kopf verloren hatte —, die Sinnlosigkeit. begangen, diese leidenschaftlichen Gefühlsmenschen, die, ohne jemals Soldaten gewesen zu sein, zur Wtragung einer Dankesschuld an das - republikanische Frankreich in Reih' .und Glied traten, bei der Ausbildung und Einreihung ausgerechnet auf Unteroffiziere und Gefteite der Legion aitzuweisen, die in Algerien und Marokko an eine Untergebenenbehandlung gewöhnt sind, wie sie bei den afrikanischen Kommißbrüdcrn und den Strafsoldaten, bei den Tunichtguten und gestrandeten Existenzen aller Elationen, die in Friedenszeiten in unserer Fremdenlegion Soldatendienst nehmen, am Platze ist. Heldenmütiger Litvak, von dem ich neulich den herrlichen Brief abgedruckt habe,*) Deinen letzten, ehe Du neben 2000 anderen Juden bei Carency den Heldentod fandest, verzeihe den armen Unteroffizieren, die Euch nwnatelang „Dreckjuden" und „Menageftesser" geschimpft. Euch, die sich in einer Stunde' edler Begeisterung freiwillig gestellt hatten, um ihr edles Blut für das Frankreich hinzugeben, das in Euren Augen das Symbol aller Freiheiten und aller sittlichen Großtaten war; verzeiht ihnen, sie wußten nicht, was sic taren! Und nun sollen die russischen Juden, die erfahren haben, wie die ersten Freiwilligen ihrer Rasse behandelt worden sind) und . die das fürchterliche Drama kennen,- das erst vor ganz wenigen Tagen nicht weit von Carency die Mische Legion mit Mut überschwemmt hat — ein Drama, von dem ich aus patriotischer Scham nicht sprechen will,. tan dem aber die ganze jüdische Kolonie bereits unterrichtet ist —, die sollen in die Fremdenlegion rintreten! Wir suchen allenthalben Sympathien; die schamlose Drohung gegen die zu uns geflüchteten russischen Juden wird uns schon Sympathie eintragen unter den 2*/» Millionen amerikanischer Juden, die in New Zork so einflußreich sind! Ich ftage, welche Verfügungen die Regierung gegen jene Polizeibeamten zu erlassen gedenkt, die unter Verletzung .des heiligen Rechtes der Gastfreiheit diesen Flüchtlingen gegenüber, mitten im Kriege, in dem Augenbück, wo wir so dringend alle sittlichen Kräfte zur Verteidigung des Vaterlandes aufrufen müssen, Frankreich und - die Republik' mit diesem Schandfleck besudelt haben. Gustave Herv'e in „La Guerre Sociale" vom 26. Juli 1215. Brief aus Rußland. Rechtsanwalt M. M. Win «wer bringt in „Rjctsch" einen Artikel über die polnischjÄdischen Beziehungen, der folgenden Inhalt hat: *) Es ist wohl der Brief gemeint, de» wir in unserer vorigen Nummer zum Abdruck brachten. D. Red. Frankfurter Israelitisches Familienblatt. Als vor hundert Jahren für Polen eilt ernster Moment war, da standen Persönlichkeiten mit politisch. weitem Blick an der Spitze des polnischen Volkes, die auch. die Rechte der Juden anerkannten. Die heutigen Führer kennen aber nur eine Leine Politik mit kleinen Mitteln und wollen nicht berücksichtigen, daß die jüdische Masse ein einheitliches national-kulturelles Element bildet ... In der Jahresversammlung der Petersburger jüdischen Gemeinde verlos M. A. Wärschawski den Bericht über das Jahr 1914. Danach hat die Gemeinde in großzügiger Weise die durch den Krieg entstandenen Anforderungen erfüllt. Sie errichtete ein Lazarett und' sammelte dafür 104,722 Rubel. Für die Frauen im Felde stehender Mitglieder verausgabte sie bis zum' 1. Januar 33,406 Rubel, für aus "dem Ausland angekommene jüdische Bedürftige in 2556 Füllen 8686 Rubel. Den jMschen Soldaten im Felde wurden von der Gemeinde Liebesgaben gesandt; mehr als 4000 Dankbriefe zeigten, wie dankbar die Empfänger die Gaben annahmen. Aus Odessa wird berichtet, daß die 'Führer der dortigen Judenheit eine freie Universität für jüdische Studenten gründen wollen, damit die von den Universitäten ausgeschlossenen jMschen Studenten sich wenigstens' das erforderliche Wissen aneignen können. Die Abdankung des Justizministers Schtelowitow wird in jüdischen Kreisen angenehm empfunden, denn er war der Macher des Beilisprozesses und der Hauptförderer der Pogrome. Auch die Nachricht, daß Gutschkow und der frühere Premierminister Ko ko Wz no ins Ministerium eintreten, berührt angenehm, obwohl wir Juden daraus keine großen Hoffnungen schöpfen können, — aber immerhin dürfte so die Gefahr der Pogrome wohl beseitigt sein. Die amerikanische Misrachi-Föderatio«. Die Föderation besteht jetzt ein Jahr. Sie hat sich gut cntiöicfelt, denn sie zählt bereits über 50 Vereine und dürfte an 4000 Schekolim zur Ablieferung bringen. Ein Ausruf der Föderation zum Besten der palästinensischen Notleidenden brachte 16,000 Doll. Am Erew Jomkippur wurden für den Misrachi- Kolonialfonds 362 Dollar gesammelt. Die Sammlungen für den Nationalfonds betrugen, soweit sic von den Misrachi-Vereinen allein vorgenommen wurden, mehr als 1000 Dollar. Wie bekannt, hat Dr. Schmarja Lew in ein provisorisches Komitee für zionistische Angelegenheiten gegründet. In diesem Komitee ist auch der Misrachi vertreten. Das Komitee bewilligte für die Tachkemoni-Schulc in Jaffa für die Dauer des Krieges 100 Dollar monatlich. Generalsekretär Meier Berlin ist jetzt zum zweiten Male nach Amerika gekommen. Nach Beratungen mit ihm wurde beschlossen: 1. die Eröffnung eines besonderen Büros in New Jork und 2. Anstrengungen zu machen, alle streng orthodoxen Synagogen zum Anschluß an den Misrachi zu bewegen. Einige der größten Synagogen in New Jork und in Broollyn haben bereits ihren Anschluß erkärt. Vom Jüdischen Nationalfonds. Spendeneingange im 1. Halbjahr 1915. Wirksamkeit in Palästina. Die Einkünfte im t. Halbjahr 1915 betrugen 211,840 Mk. (gegen 366,958) im 1. Halbjahr 1914; gewiß ein beftjedigendes Ergebnis angesichts derdurch! den Weltkrieg entstandenen Schwierigkeiten. Fast nirgends ist die Sammclarbeit unterbrochen worden: In den Vereinigten Staaten ist —: infolge der veranstalteten Blumen- und Flaggentage — ein Zuwachs von 50°/« gegenüber dem Vorjahre festzustellen. Auf die einzelnen Landessammelstellen verteilen sich die Eingänge folgendermaßen: Nordamerika 112,152 Mk., Deutschland 24,014 Mk., Oesterreich! 19,813 'Mk., Rußland 17,971 Mk., Rumänien 8548 Mk., Kanada 7742 Mk.,' Holland 6773 Mk., England 5302 Mk., Argentinien 1759 Mark, Griechenland 1747 Mk., Italien 1509 Mk., Schweiz 1382 Mk., Frankreich incl. Tunis 673 Mk., Australien 466 Mk., Südslavische Länder 429 Mk., Bulgarien 404 Mark, Schweden 375 Mk., Dänemark 343 Mk-, Ostasien 224 Mk. und Aegypten 214 Mk. Seit Beginn dieses Jahres sind die Einnahmen, des Nationalfonds von Monat zw Monat gewachsen. -Sie bezifferten sich im Januar auf 20,094 Mk., Fekvuar 22,406 Mk., März 30,223 Mk., ' April 41,647 >Mk., Nr. 27. Mai 42,262 Alk., und schließlich im Juni ans 55,208 Mt Die ununterbrochene Sainmeltätigkeit für den Tup tionalsonds hat es ihm ermöglicht, für die Erhaltung seiner Wirtschaften zn sorgen und auch Notstandsarbeiten (Häuserltnb Wegebantc») zu unternehmen. Bon welcher Bedeutung die landwirtschaftlichen ^Betriebe des Nation alsonds schon jetzt für die Lebensmittel-Versorgung Palästinas sind, ergibt sich aus folgenden Tatsachen: - Bei Beginn der Wirtschaftskrise verfügten die genossenschaftlichen N.-F.-Betriebe Dagania, Merchawjah, Hattin, Kineectl, und Mesra über insgesamt 556,865 k» Weizen. Für die Versorgung der Städte und einiger Pslanzungskolonien wurden 364,200 kg benutzt, während der Rest von 192,665 kg für die Verproviantierung der Farmen selbst und die Unterhaltung der bei de» Notstandsarbeiten beschäftigten Arbeiter verwendet wurde. Außerdeni wurde auf den Ländereien des^ Nationalfonds der Anbau voir G e m ü s e planmäßig gefördert, während die Farm Bcnschemen und die Genossenschäst Mcrchawjah die benachbarte jüdische Stadtbevölkcrung mit Milch versorgten. Es ist zu erwarten, daß es dem Nationalfonds durch steigende Spendeneingänge ermöglicht werden wird, auch fernerhin für die Steigerung der Eigcnprodilktion und die Schaffung von Arbeitsgelegenheiten in Palästina vorzusorgen. Jüdischer Frauenbund. Berlin, im Juli 1915. In der Borstandssitzung, zu der trotz der Kricgszeit fast alle Mitglieder erschienen waren, wurden folgende Arbeitsgebiete dürchgearbeitet und folgende Beschlüsse gefaßt: 1. Besprechung n e u e r E r w e r b s m ö g l i ch k e i t e» für Frauen und Mädchen!.-. Bei Frau Eugenie Wertheim- Cassel soll die Sammelstelle von Anregungen neuer Erwerbs- und Bernssmöglichkeiten für jFrauen sein. Es wird die S tr ohn äh eri n, die Ausbildung als Gesa n g n j s b e a m t i n und die Seiden; n ch t als vorliegende Ideen zur Bearbeitung übergeben. 2. Die B a h n h o f s h i l f e wird als wichtiger Teil der sozialen Arbeit besprochen, .und die angcschlossene» Vereine sollen angeregt werden, sich. tunlichst den christlichen Bahnhossmissionen anzugliedern. Man bedauert, daß die Frankfurter Bahnhofshilfe, die nun endlich die organisatorischen Schwierigkeiten überwunden hat, aus Mangel an Mitteln nicht dauernd gesichert ist. 3. Bericht über die beiden Häuser in Isenburg, die z. Zt. 28 Pfleglinge beherbergen, darunter 6 Säugling:. Die Kriegsarbcit besteht in der Aufnahme von Flüchtlingsfällen und in Uebernahme von Näh- und Strickarbeit für Kriegsfttrsorge. Vom Frankfurter Frauen-Scminar sind 2 Schülerinnen zur halbjährigen Ausbildung in den beiden Häusern übernommen worden. Frau Htzim-Nürnberg wünscht, daß auch jüdische Privats ch n l e r i n n e n zur Ausbildung angenommen werde». Der Vorstand bespricht die vielfach vorkommende Notwendigkeit) eine Heimstätte zur Ausnahme von Personen, die erzieherisch wenig mehr zu beeinflussen sind, aber dennoch einer Dauerpflcge bedürfen. Es wird scstgestellt, daß solche Dauerfälle nicht zwischen die Erziehnngsfällc gebracht werden dürfen; doch will der Bundes- Vorstand dem Bedürfnis, Grenzfälle schwach befähigter weiblicher Personen pflegerisch gut -nnterznbringen, entschieden näher treten. Frl. Pappenheim spricht für die Heimkommission die Be- -reitwilligkcit aus, diesen Zweig der Fürsorgetätigkeit zu übernehmen, sobald eine finanzielle Grundlage dafür da sei. Die Heimkommission habe schon oft Anträge und Gesuche ans Aufnahme von Dauerfällen ablehnen mtzssen. Biele Familien und Gemeinden würden die Möglichkeit der einwandfreien Unterbringung solcher „Grenzsällc" sehr begrüßen. 4. Besprechung der Bnndesarbeiti in der Er nährnngsfrage und der Aufklärungsarbeit. Das Flugblatt „dichtet Brot" ist, in einer Auslage von 20,00» Exemplaren zur Verteilung gekommen. Das Kochbuch des Francnvcrcins der Frankfurt-Loge fand ebenfalls graste Verbreitung. . 5. Eine ausgedehnte Besprechung erfährt die Fortsetzung der Beratung des 'Antrages Werner vom Januar 1915: Kulturarbeit in Polen. Die maßgebenden Männervereine haben bisher die Mitarbeit der Frauen abgelehnt, doch steht noch «ein gangbarer Weg für dieselbe in Aussicht. 6. Die Angelegenheit der .Kasse 1915 ist noch zu wenig geklärt und soll noch zurückgestellt werden. 7. Frau Ollendorff stellt den Antrag auf Einrichtung einer „Zentrale zur Unterbringung jüdi-! scher Kinder, die der Ortsgruppe Breslau zur Vorarbdit der Organisation übertragen wird. 8. Frau Wiener-Kattowitz' bittet um Zuweisung von brauchbaren Kleidern und Wäsche für die galizischcn und ostpreußischen Flüchtlinge. 9. Anträge Werner und Vogelstein auf -Anstell»»g jüdischer Lehrerinnen werden zur Weitergabe au die maßgebenden Zwischenstelle beschlossen. Der Krieg und die deutschen Juden. Frankfurt a. M. Osfizierstellverlreter Referendar Karl Liebmann, Sohn, von Ferdinand Liebman» Liebigstraße 1, erhielt das Eiserne Kreuz. Berlin. Dr. Max Moszkowski, durch seine Forschungsreisen nach Neu-Güinea bekannt und jetzt als Stabsarzt bei einem bayer. Reg. im Westen tätig, Hai den bah er. Mili tärsa nitätsorden 2. Kl. erhalten. Dr. M. hatte schon vorher das Eiserne Kreuz

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