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Neue jüdische Presse · 1915-06-18 · Heft 23 (18.6.1915) · p. Seite 3

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
13 (1915)
Issue
Heft 23 (18.6.1915)
Date
1915-06-18
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 28 lichte». Bei geringster Fahrlässigkeit wurden sie von den gosaken mit Peitschenhieben zur Arbeit angetrieben. Auch Jüdinnen wurden zum Straßenkehren herangezogen. Die Russell hatten die Absicht, zahlreiche Juden als Geiseln sortzuschicken. Sie hatten es aber mit dem Rückzug so eilig, daß sic ihre Msicht anfgeben mußten. Unter solchen Umständen war auch der Enthusiasmus der Bevölkerung unbeschreiblich, als die siegreichen verbündeten Truppen unsere Stadt von dem quälenden Alpdruck befreiten. „Nowa Reform«." Russische Arbeit in* Galizien. Einem Briefe an die „Wiener Morgenztg." entnehmell wir folgendes: Alls Gorlice wurde» u. a. nach Rußland verschleppt: Avigdor Roßner, Abraham und Naftali Weinbcrger, Moses Binder, I. D. Gleicher, Moses Fensterblau und Sohn, Josef Landau, Jsak Köhler, Wolf und Iccheskel Bergmann mit Schwiegersohn, Jakob Fenster, Benzion Stieglitz, Wolf Bergmann, N. Goldfinger, Moses und Elimelech Spitz, Naftali Spitz und Meier Nebel. Letztere beiden sind während des Transports gestorben. Ullter den vielen, die eines nicht natürlichen Todes starben, befinden sich: Abraham Spira, Jesaja Bruder, Israel Ulmann, Elimelech Penzig, Hinde Frankel und Tochter, Reche Spitz und Rachel Goldstein. Die Getöteten konnten nicht auf den Friedhof beigcsctzt werde», da dort die Russen ihre Stellungen hatten, und so nnlßten sie in den Höfen der Häuser ihre Ruhestätte finden. Auf dem Hofe der Frau'Engelmann sind allein 40 Gräber. Bon B i e c z wurden gleichfalls zehn Juden nach Rußland verschickt. Alle Läden wurden dort ausgeplündert. Auch aus I a s l o wurden eine Anzahl Menschen verschickt, darunter der Rabbiner. Der Polizeimeister ließ die Geschäfte der Verschickten ausräninen, dir Waren verkaufen oder mit dem Train nach Rußland schicken. Unter diesen. Geschäften befand sich das von Josef Menasse im Werte von 100,000 Kr. und das Eicrlager von Markus Karpf im Werte von 80,000 Kr. Mehrere Holzgebäude — darunter das Beth-Hamidrasch — trugen die Russen ab und verkauften das Holz als Brennholz. Bon Gorlice bis Strzyzow wurden sämtliche Häuser am Kaiserweg ausgeraubt und dann den Flammen" übergeben. Aus aSCev WeLt. Deutsches Reich. Berlin. Dem Berichte des Verband j ii d. F rauen f ü r Kulturarbeit i » Palästi n ä seien folgende interessante Einzelheiten entnommen: Gegenivärtig ist nur das S p i tz c n alt e l i c r in Jaffa mit 26 Mädchen im Betrieb. Die Arbeiten können jetzt natürlich nicht nach Europa gesandt werden. In Europa, wird nur die Ware verkauft, die vor Ansbruch des Krieges bereits auf Lager war. In der Mädchens arm zu Kinereth arbeiten ll Mädchen. Da ziemlich viel Gemüse gepflanzt worden war und auch Eier und Milch vorhanden sind, j)t die Lebensführung nicht sehr kostspielig. Das Krankenhaus in Haifa mußte geschlossen werden, da sein Leiter, Dr. A u e r b a ch, in Deutschland Dienste tut. Berlin. Aus der letzten Sitzung der Repräsentanten der jüdischen Gemeinde sei folgendes mitgcteilt: Der Etat des Krankenhauses schließt bei einem Gcmeindeznschuß von 216,875 Mk. in Einnahme 'und Ausgabe mit 553.085 Mk. ab. Die Versammlung bewilligte für den jüdischen Hilfsfonds 1915 mit der Zweckbestimmung für Palästina 3000 Mark als einmalige» Beitrag. Rußland. Lodz. Die Regierung hat für Petersburg die Herausgabe einer jüdische» Tageszeitung erlaubt, die auf die jüd. Bevölkerung 'im Interesse der russischen Politik wirken soll. Die Zeitung heißt „Die Volks st i ui m e." Rabbiner C h a j i m O s e r G r o d s e u s k i - Wilna hat eine Statistik ausgestellt, nach der in Russisch-Polen und Litauen jetzt mindestens 200 R a b b i n e r o h >l c E i ii n a h m c ii sind und vor Hunger sterben. Wilua. Als Folge des Krieges ist die Schließung der bcrühiiitc» Jeschiwas zu L i d a, T e l s und Lomsa zu verzeichnen. Trotzdem ist in der russischen Judenheii noch nie so viel wie jetzt gelernt worden. Da die Leute beschäftigungslos sind, greifen sie zu den Talmudbüchern und lernen. Personalien «. Kleine Mitteilungen. Berlin. Dem soeben erschienenen B»riLt desBereins Israelit. Erziehungsanstalt für g e i st i g zurückgebliebene Kinder „Wilhelm-Auguste Victor ia-Sliftnng" in Beelitz (Mark) entnehmen wir, daß der Krieg, der während des größten Teiles der Berichtszeit herrschte,. zwar viele Erschwerungen des Unterrjchtsbetriebes durch die militärische 'Einziehung der beiden Hilfslehrer und der Handsertigkcitslehrer mit sich Frankfurter Israelitisches Fanrilienblatt. gebracht hat, daß aber dennoch das Erziehungswerk dank der pädagogischen Mithilfe der Gattin des Anstaltsleiters in gewohnten Bahnen weiter geführt werden konnte. Ja, die Anstalt hat sogar eine Vergrößerung erfahren durch einen Anbau an den Knabenflügel, der neben den erforderlichen Räumen für den Unterricht noch Platz für weitere aufzunehmende 14 Knaben bietet. Der Erweiterungsbau ist für eine Lehrlingsabteilung bestimmt und soll den älteren Zöglingen Gelegenheit geben, sich für den Uebergang in eine freie Handwerkslehre vorzubereiten. Da aber zur Zeit die für die Aufgabe geeigneten Handwerksmeister im Felde stehen, so sollen die neuen Räume zunächst für jüngere Zöglinge im aufnahmefähigen Alter zwischen 8 und 14 Jahren Verwendung finden. Bereits liegen zahlreiche Reuanmeldnngen vor, die beweisen, einem wie dringenden Bedürfnisse die Anstalt entspricht. Während des verflossenen Jahres waren die alten Anstaltsräiime mit 33 Knaben und 12 Mädchen voll besetzt. ° Hamburg. Rabbiner Dr S t e i n g u t. seit 40 Jahren an der Vereinigten Alten und Reuen Klaus, feierte am 9. Juni seinen 70. Geburtstag. Hamburg. Der Verein zur Förderung rituell er; S v e i s e h än s e r schließt sein Rechnungssahr zum ersten Male mit einem Defizit ab: es beträgt 1220 Mk. Die Mitgliederzahl hat sich auf der gleichen Höhe gehalten, doch die Spenden sind um 1270 Mk. zuzurückgegangen. (L) Posen. Moritz Aschbeim konnte das 4üjäbriae I n b i l ä n in als Vorstandsmitglied des Latzschen Altennnd Siechenhanses begehen und war ans diesem Anlaß der Gegenstand zahlreicher Ehrungen. Rentner Michaelis Jacoby. Schwiegervater Rabbiners Dr. Mannes-Schwabach, beging unter großer Anteilnahme seinen 70. Geburtstag. Vom isr. Wohltätigkeitsverein der nächst der Grenze gelegenen Ortschaft Bend z in wurde eine b i l l i g e K ii ch c eröffnet, von der täglich bis 2500 Mittagessen znm Preise von drei Kopeken verabfolgt werden. Der Verein erteilt an etwa 6000 Notleidende Geldunterstützungen. Größere Beträge erhält er vom Hilfsverein in Posen und den jüdischen Gemeinden in Oberschlesien. Verben a. Aller. Selig Schrägen heim, der sich nni unsere Gemeinde sehr verdient gemacht hat und sich durch Frömmigkeit und jüdisches Wissen ausgezeichnet, erhielt anläßlich seiner silbernen Hochzeit vom Landrabbiner Dr. Groncmann den Chower-Titel. Teplitz. Leo Herzberg-Fränkel, bekannt als Verfasser jüdischer Novellen, ist in seinem 88. Lebensjahre verschieden Haag Der jüd. Nationalfonds vereinnabmte in den ersten vier Monaten des Jahres 145,000 Frcs. und der Zion. Zentralfonds in den ersten fünf Monaten 60,000 Frcs. Haag. Im Mai betrugen die Svendeneinnahmen des j n' & Rationalfonds 42,261 Mk. Rew Aork. Der Blumentag zu Munüen des Jüd. Ratio»alsonds brachte 15,000 Dollar. '7o»9.3>eat8<3lie*NRtfoQ«l~Yteehaa?3£ft.—•' 25.Teasplts. No. 3. Wedda Ass*m-P*ckoe-Ul8cti.M. 3.20. No. 30. TeegxassM. 1.80. Kakao Soma Mk 2.40, 3—. >H\Wv gegr, Der Krieg und die deutschen Juden. Frankfurt a. M. Wilbelm Frankl, O'fizierSstcllvertreter, Flugzeugführer bei der Feldfliegerabteilnng 40, erhielt das Eiserne Kreuz l. Klasse. Der mit der hohe» Auszeichnung Bedachte ist Schwiegersohn des .Herrn Moritz May. Frankfurt a. M. Manfred Bing, Sobn des Kaufmanns Karl Bing, Bärcnstr. i2, wurde zum Leutnant befördert. BreSla«. Amtsrichter Alfons Bandmann. Leutnant Wilh. Ehrlich, Oberapotheker Willy Rose n t h a l - Breslau, Alfons Berg -Hindenburg. Unterarzt Fritz Herlitz- K'attowitz und Günther Graetzcr-Langenau erhielten das Eiserne Kreuz. Köln. Hans Block. Sohn von Louis B., ist znm Leutnant befördert' worden. Kaiserskauter«- Wildrlm Weil -Kaiserslauternu. Eugen R o s e n f e l d er - Ziveibrnckcn wurden zn Leutnants befördert. SoarlouiS. Auf dem Felde der Ehre fiel Stabsveterinär Hugo W c r t h e i in, Ritter des Eisernen Kreuzes, des Komtiirkreuzes des sächsischen Lllbertnsordens und des Bcrdicnstkreuzes. Wie«. Leutnant Robert Boden st ein. Assistenzärzte Dr. Marzell Udler, Dr. Albert Löw, Dr. Philipp Steiner. Dr. Maximilian Rennrlaiin, Fähnrich Karl Rosner wurden mit dem G o ld en e n V e rd i c n st k rc u z am Bande der Tapferkcitsmedaille und Feldwebel Leo Lustig mit der Goldenen Tapferkeitsmedaille ausgezeichnet. Petersburg. ..Rjetsch" meldet, daß aus Drzemysl rund 100 Juden mit ihren Kindern nach Sibirien! verschickt worden sind: — Die Regierung verbot eine Broschüre, die den Anteil der Juden am russischen Heeresdienst seststellen will. Das hiesige jüdische Hilfskomitee unterstützt etwa 153,000 Juden in 146 Orten. Lodz. Das Volksblatt meldet: Infolge Ausweisung der Juden aus oer Festung Grodno hielt der dortige Rabbiner M. I. Rabbi n o w i t s ch in der großen Synagoge eine Predigt, die er mit den Worten: „O Gott, nimm Seite 3. nie ine Seele zu Dir und rette die Bewohner der Stadt" schloß. In diesem Augenblick verschied c r v o r dam Orann Hakandesch. Frankfurter Berichte. Ausschutz der Israelit. Gemeinde Eingangs der Sitzung wandte sich der Vorsitzende, Rechtsanwalt Dr. B ä r w a l d, gegen die tendenziöse Berichterstattung einer Zeitung. Sodann gab er Kenntnis von einer Schenkung des Herrn Ludwig Schiss im Betrage von 10,000 Mark. Diese Summe soll den Grundstock eines „Dispositionsfonds des Vorstandes" bilden. Unterstützung von Gemcindebeamten in außerordentlichen Fällen, philanthropische, wissenschaftliche Zwecke usw. machen einen solchen Fonds wünschenswert. Der Polizeivräsident hat die Wahl des Herrn Dr. Georg D r eifns in den Vorstand, den Haushaltsplan der Gemeinde und den Steuersatz genehmigt. Nach Mitteilung dieser Genehmigung wurde ein Schreiben der durch den Krieg in Notlage geratenen Synagogen gemeinden O stutzrenßens verlesen. Die Angelegenheit liegt der Konferenzgemeinschaft der Großgemeinden vor, — dolchj erklärte sich der Ausschuß bereits setzt im Prinzip bereit, Unterstützung zn leisten. Der letzte Punkt der Tagesordnung lautete: Statistik der jüdischen Kriegsteilnehmer. Gemeinsani mit der Isr. Religionsgesellschaft soll an sänitliichc Frankfurter Juden — nach, dem Vorschlag der besonderen Kommission — ein Fragebogen mit frankiertem Rückkuvert versandt werden. Der Ausschuß bewilligte die von der Kommission geforderten 1200 Mk. Almoseukasten der Israelit. Gemeinde. Im Jahre 1914 betrugen die Einnahmen: Spende» znr Verteilung 53,187 Mark, Jahresbeiträge 18,091 Mark, Beiträge für Spezialzwecke 61.918 Mark, Zinserträgnisse - und Zuschuß aus der Reserve und dem! angreifbaren Fonds 56,942 Mk. und die Ausgaben: Unterstützungen 178,073 Mk., Berwaltungsspesen 11966 Mk. Der Mmosenkasten hat die Vormundschaft über 138 Kinder. - '' Seine Einrichtung, Grabstätten ani dem hiesigen jüd. Friedhofe zn unterhalten und zu schmücken, wird in steigenden Maße benutzt. Fraueuvereiniguug der Frankkurt-Loge. (Ans dem Jahresbericht). Als sich für die speziellen Aufgaben der jüdischen Kriegsfürsorge nnicr der Leitung des 'Vorstandes der Israelit. Gemeinde eine „Bereinigung jüdischer Wohlfahrtspflege 1914" bildete, nahm auch die Frauenvereinigung der Franksurt-Loge an den Beratungen und Beschlüssen teil und war durch mehrere Vorstandsmitglieder vertreten. Insbesondere arbeiteten wir in der .Kommission für Familienfürsorge". Alle Unterstützimgsfälle Ivurdcn in den regelmäßigen Sitzungen der »^leiblichen Fürsorge", bei denen wir stets amoesend waren, besprochen. — itm de» Armen, sei es den hier Ansässigen, sei es den Flüchtlingen ans Feindesland, die Wirtschaftsführung zu erleichtern, und um sicher zn sein, daß sie ihre Familien gesnndheitsgemäß ernähren, wurden durch eine Komniission. in der wir mitarbeiteten, Lebensmittel verteilt. Dieselben werden gegen Zettel, hie man ini ,.Jsr. Hilfsverein" verabfolgte, abgegeben. Die Mittel hierfür gab das Komitee i914. — Außerdem wurden der Frauen-Bereiiiiqiing der Frankfurt- Loge von einenr mildtätigen Gönner täglich 50 Liter Milch zur Verfügung gestellt, die mehrere Wintermonate hindurch nachmittags an arme Kinder verteilt und znm Teil auch an das Flüchtlingsheini in der Fischerfeldstraße abgegeben worden sind. Bo» einem Logenbruder bekamen wir 50 Pfund Strickwolle, ans der wir von armen jüdischen Frauen und Mädchen Socken stricken ließen, die wir dann dem Lazarettzug der Großloge und dem La arettzug P. I der Jüdischen Krankenschwestern zur Verfügung stellten. Die Entlohnung der Frauen und Mädchen erfolgte durch uns nach der Lohnliste des „Nationalen Frauendietnstes." Unsere Jugendgruppe hatte gleich nach. Beginn des Krieges, unter Leitung unserer bewährten Damen, die Näharbeit für Flüchtlinge und Verwundete begonnen und eifrig fortgesetzt. An der Einrichtung eines Heims für Ausländer, für das die Frankfurt-Loge ihr Ncbenhaus zur Verfügung gestellt, beteiligten wir uns. indem wir die ganze innere Einrichtung beschafften und die Beaufsichtigung des Heims mit übernahmen. Nach der Internierung der Insassen des Heims, meistens junge russische Studenten, diente das Haus als Wohnung für zwei deutsche Flüchtlingsfapiilien. Auch im „Israelitischen Mädchenheim" yatte» wir einige Ausländerinnen untergebracht. Hier möchte ich hinzufügen, daß wir auch für niehrere junge Mädchen zum Teil die Pension im Heim bezahlt haben und noch bezahlen. — In dem Flüchtlingsheini. Fischerseldstr. 18. jetzt Fcihrgasse 148, waren einige unserer Vorstandsdamen und Mitglieder unermüdlich tätig. Um das entsetzliche Elend unserer armen vertriebenen Glaubensgenossen, die ans dem Osten geflüchtet sind, lindern zu helfen, veranstaltete die Fraueuvereiiiignng mit Billigung des osteuropäischen Komitees, des Komitees von 1914 eine Sammlung von getragenen Kleidern. Wäsche, Schuhwerk rc. So konnten wir 16 sehr umsangreiche Kisten nach Böhmen an verschiedene Gemeinden und drei große Kisten an das Gefangenenlager in Holzminden schicken. Zwei andere Sammlnngeii, die wir einerseits gemeinsam mit der Frankfurt-Loge, andererseits mit der „Weiblichen Fürsorge" veranstalteten, waren gleichfalls von

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