Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 13 (1915)
- Issue
- Heft 22 (11.6.1915)
- Date
- 1915-06-11
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 22. Frankfurter I sraelitisches FümAienAÄt. Seite 3. Jüdische Vertretung bei der Friedenskonferenz. Die Newhorker jüdische Zeitung „Die Wahrheit" hat eine Umfrage bei den angesehensten jüdischen Persönlichleiten iu verschiedenen Ländern veranstaltet über ihre Meinung bezüglich des Planes, einen jüdischen Kongreß einzuberufen, der einen Vertreter zn der zukünftigen Friedenskonferenz wählen soll. Die Zeitung veröffentlicht jetzt einige Antworten ans die Rundfrage. Lord Rothschild iLondon) telegraphierte: „Nach meiner Meinung können die Juden Englands und Frankreichs alles Nötige tun und deshalb bin ich gegen den jüdischen Kongreß." Israel Zangwill telegraphierte: „Der Kongreß ist unpraktisch." Aus Rom kam folgende telegraphische Antwort: „Unsere Meinung bezüglich des jüdischen Kongresses ist durchaus günstig. Ein ausführlicher Brief folgt. Sorem, Präsident des jüdischen Gemeindebundes in Italien." Zur Vertretung der Juden bei den Friedensverhandlungen werden von der Londoner Zeitschrift „Jewish Chronicle" als geeignetste Männer Oskar Strauß in Newijorf, der frühere amerikanische Gesandte in Konstantiuopcl, und Sulzbcrger in Philadelphia vorgeschlagen. WOLFS-ECK Dfepopulärste Cigarre unsortiert 12H sortiert 15A G.M.HOLZ V HOFLIEFERANT HOFLIEFERANT FRANKFURTS Aus aller Wett. Deutsches Reich. Berlin. DieJüd. Turnerschaft erläßt folgenden Aufruf: Der Kricgswinter ist vorbei, und zahlreiche Briese aus dem Felde haben uns gezeigt, daß die Dahcimgeblicbcnen ihr Teil dazu beigetragen haben, unseren Turnern draußen Erleichterungen bei den schwere» Strapazen der Wintermonate zu verschaffen. Aber wir wollen darum u.icht zufrieden die Hände in den Schoß legen. Die Sommermonate nahen und mit ihnen die drückende Last der Hitze und des Staubes. Wer die Soncmcrarbeit unserer jüdischen Turner kennt, weiß, daß sie sich allen Mühseligkeiten getoachsen zeigen werden. Trotzdem ist es an uns, ihnen mit Liebesgaben zn beweisen, daß unser Herz bei ihnen ist. Auch die kleinste Gabe kamt Erquickung in schwerer.Stunde bringen. ■ Jüdische Turner und Krieger: dieser Zusammenklang macht uns froh, denn er bedeutet Begeisterung und Kraft. Auf diesem Boden kvird die Zukunft unseres Volkes blühen. Daruin wollen joir wie im Winter auch jetzt kvieder Liebesgabeir an unsere Turner ins' Feld schicken. Wir werden auchdiesmal nicht vergeblich bitten. Mle Spenden (Lebensmittel, Getränke, Erfrischungen, Marmeladen, Schockolade, Rauchwerk usw.) sind zu adressieren an das Büro der Jüdischeil Tur>iersck>ast, Berlin \V. 15, Bleibtrcustr. 25. Eingeschriebene und Geldsendungen sind an die persönliche Adresse unserer Sekretärin Fräulein Anni Zucker (für die Jüd. Turnerschaft), Berlin W. 15, Bleibtreustraße 25, zu richten. I Cigäri ■ Uebl Partien garren ■ garetten erstklassigen Ursprungs. Cigärren'MnileP, gr. Eschenheimer8tr.3I. Liebfrauenstr. 1/3. Taanusstr. 47. I Personalien «. Kleine Mitteilnvge». Berlin. Laut Beschluß des Vorstandes u. der Rev-äsentauten der jüdischen Gemeinde ist auf dem Friedhof in Weißensee eine Fläche von etlichen hundert Quadratmetern für die Errichtung eines E hr e n fr iedh o fes zur Beerdigung der gefallenen jüdischen Helden in Benutzung genommen worden. Aus diesem Ehrenfriedhofe, der unmittelbar hinter der neuen Halle liegt, haben bereits etwa 25 gefalleneKrieger Ausnahme gefunden. Die Bestattung erfolgt auf Kosten der Gemeinde. Später soll iu der Mitte des Ehrenfriedhofes ein gemeinsames Denkmal für die Gefallenen errichtet werden. Berlin. Laut Telegramm aus Jerusalem ist dort Frau Professor Schapira, Witwe des Gründers des Jüd. Nationalfonds und Initiators des Gedankens, in Jerusalem eine jüdische Universität zu errichten, nach kurzer Krankheit verschieden. Sie hatte .ihre ganze Tätigkeit der Palästinaarbeit gewidmet. Harburg.' Moritz Jacobsohn erster Vorsteher der israelit. Gemeinde, ist im Alter von 85 Jahren verschieden., > Kolberg. Das Jüdische Kurhospital hat seit Kriegsausbruch als Reserve-Lazarett gedient, ist nunmehr aber seiner eigentlichen Bestimmung znrückgegebcn worden. In den Monaten Juli und August werden im wesentlichen Kinder unter 15 Jahren ausgenommen werden, von Mitte Au gu st bis Mitte O kto b er dagegen auch Erwachsene. Anmeldungen für Juli sind bis zum 15. d. MtS. mit ärzllichen Zeugnissen bei dem Borstcmd einzureichen. Posen. In dem jenseits der Grenze gelegenen Ru da Pabianicka wurden die 37 Jahre alte Ehefrau des Kaufmanns Moses Tugendmann und ihr siebenzehnjährigcr Sohn von Räubern überfallen. Als ihnen die Herausgabe des Geldes verweigert wurde, zerschmetterten sie dem Sohn mit einem Beile den Schnäbel und erdrosselten die Frau. Sie raubten darauf 6000 bis 7000 Mk. und viele Wertsachen und entkamen unerkannt. Wien- Der Kaiser emvfing den Maler David K o h n, der ihm einige seiner Arbeiten vorführte. Lid» (Rußland! Rabbiner Reines, der 76jährige Führer des Misrachi, ist bedenklich erkrankt. Der Krieg und die deutsche« Jude«. Frankfurt a. M. Stabsarzt Prof. Dr. Gott hold Herxheim er und Leutnant Ernst Sucht erhielten baä Eiserne Kreuz. —* Stabsarzt Dr. Silber und Stabsarzt Dr. Natt, die bereits das Eiserne Kreuz erhielten, sind nunmehr auch mit hessischen Orden ausgezeichnet worden. Berlin. Ein seltener Fall von militärischer Beförderung, wie er in Preußen zu den größten Seltenheiten gehört, die sich in Jahrzehnten nur zwei-, drcinial ereignen, ist laut amtlichen -„Militär- Wochenblattes" bekanntgegeben worben. Es handelt sich um den bisherigen Wizewachtmeister der Landwehr a. D. Fritz Haber, Direktor des Kaiser Wilhelm-Instituts für physikalisch.- Chemie und Elektrochemie in Dahlem, der zum H. a u p t m a n n befördert wurde. Berlin. Unterarzt Edm. Mayer. Unterarzt Karl Rosenberger, Artur Lewandowski, Siegfr. Loeser-Berlin und Werner B a r a s ch - Stettin erhielten das Eiserne Kreuz. Die Berbindiliig jüd. Studenten Makkabäer im K.J. B. verlor durcy den Heldentod ihr Mitglied Dr. jnr. LudwigDavidsohn. Berlin. Die Zahl der mit dem Eisernen Kreuze ausgezeichneten Juden hat bereits das dritte Tausend überschritten. Leipzig. Dr. Georg Hecht, ein begabter kruLtbarer Schriftsteller ist, nachdem er jetzt 10 -Monate draußen im Felde war, gefallen. H. wurde 1885 in Schwersenz geboren, studierte Medizin und ging dann zur Literatur über. 1910 erschient von ihm ein Buch Essays „Der neue Jude" und 1913 die Uebersetznng von Pinncs „Geschichte der jüdisch-deutschen Literatur." Posen- Feldwebel Ingenieur Max Goldschmidt, Oberarzt Dr. Walter Gordon und Moritz Sachs erhielten das Eiserne Kreuz. Daemkadt- Leutnant Professor Go Idstein erhielt die hessische Tapferkeitsmcdaille. Breslau. Fritz Lewy-BreSlau. von dem zwei Brüder gefallen find, Rechtsauw. Glogauer -Greisfenburg und Nathan S i t t e n s e l d - Beuthen erhielten das Eiserne Kreuz. Leutnant Amtsrichter Dr. G e o g H a r t m a u n, einziger Sohn des Simon H'schen Ehepaares, Ritter des Eisernen Kreuzes und der Oesterr. Tapferkeitsmcdaille 1. Kl., ist gefallen. Mörchingen- Kantor S. Welsch- Jnsmingeu erhielt das Eiserne Kreuz. Georg Jacob-Nellingen starb den Heldentod. Wien. Auf eine Huldigungsdevesche des Vorstandes der Israelit. Kultusgcmeinde erwiderte der Kaiser telegraphisch, er danke huldbollst für die im Namen der gesamten Judenschäft Oesterreichs erneuert zum Ausdruck gebrachte Versicherung st etsbewährterTreue, Anhänglichkeit und opfcrwilligerBaterlandslieb e. Wie«. Wir verzeichnen wiederum eine Anzahl hoher T>',apferkeitsauszeichnungen au Juden nnN zwar, an: Oberstabsarzt JuliusRottenberg, Stabsarzt Dr. Oskar Löwenbein, Regimentsarzt Dr. Adolf Schwarz (Ritterkreuz des Franz Joseph-Ordens am Bande des Militärverdienstkreuzes), Oberarzt Dr. Siegm. Pollak, Tierarzt RichardPollak, Atzessist Arnold Schwarz, Honvedoberarzt Artur Gapa (Goldenes Berdienstkreuz am Bande der Tapferkeitsmedaille- und Leutnant Wilhelm Stein (Goldene Tapferkeitsmedaille). . Frankfurter Berichte. Jüdische HanShaltungSschule (S. 93 ) Der Bericht über die Jahre 1910 bis 1914 gewährt einen Ucberblick über die vielseitigen Leistungen dieser segensreichen und mustergültigen Institution. Schon die Kapitelüberschriften — Haushaltungsschule, Mädchenheim, Kochkurse, Schulküche — verraten, was der Name jüdische Haushaltungsschule" alles hinter sich verbirgt. In der Haushaltungsschule werden 20 junge Mädchen in einem einjährigen Unterrichtskursus praktisch in Kochen, Hausarbeit, Waschen, Nähen und Flicken und theoretisch in Nahrungsmittellehre, Führung des Wirtschaftsbuches, rituellen Vorschriften usw. unterwiesen. Das Mädchenheim gewährt berufstätigen Mädchen zu einem Monatspreis von 60 bis 75 Mk. volle Pension. Berufstätige Mädchen, die nicht im Hause wohnen, können an dem Mittags- und Abend tisch teilnehmen. Die Ko ch kur sc teilen sich iu Seminarunterricht und .Kochkurse für Haustöchter. Die jungen Mädchen, die sich der Prüfung als Haushaltungslehrerinnen unterziehen wollen, erhalten volle Pension und Kochunterricht und sind in allen anderen Fächern Schülerinnen des Frankfurter Frauenbildungsverein. Dm. Schulküche untersteht einer besonderen Verwaltung, der auch 'Vertreter des Jsr. HAfsvereins und der Frankfurt-Loge angehören. Je 20 Kinder' sind ixt 4 Gruppen eingeteilt, von denen jede einen Herd, einen Tisch und eine nummerierte einfache Küchenenrrkchtung im eigenen Schrank zur Beifügung hat. Jede Gruppe kocht ihr Essen für sich, deckt ihren Tisch und bringt nach dem Essen alles wieder in Ordnung. Die mündlich-besprochenen Kvchvorschriften werden in Hefte eingetragen. Der Bericht schildert auch das neue, prächtige Heim in der Königswarterstraße. dessen. Erwerb, Umbau, und Einrichtung trotz großherziger Zuwendungen dem Verein große, noch zu lösende Verpflichtungen auserlegt haben. PersanaNe». Ein als Inden und Menschen im besten Sinne des Wortes vorbiwliches Ehepaar ist dahingegangen: Jacob Schüler und seine Frau Fanny geb. Fenchtwanger. Der Verblichene entstammte einer gelehrten Familie; sein Vater war Rabbiner und ein wirklicher Godol-bathora; auch ein Bruder von ihm ist Rabbiner. Er war vier Jahrzehnte hindurch Hauptschochet der Israelit. Religionsgesellschaft und als solcher wie ihm der Vorstand dieser Gemeinde bei seinem freiwilligen Rücktritt schriftlich bekundete —- ein „vorbildliches Uman- Jad „in seiner Pflichterfüllung bei der Ausübung seines heiligen Berufes." Auch war er ein ,Var-Urjon", denn er fand im Lernen seinen größten geistigen Genuß. Zn seiner Pflichttreue und zn seiner Liebe fiir die Thora und deren treuen Beobachtung gesellten sich als harmonischer Jlbschluß seiner Persönlichkeit Herzensgute und Bescheidenheit. Es war ihm ein inneres Bedürfnis, Gutes zu üben, und er übte es ,Hechol lcwowcho nwchol naffchecho uwchol 'meandecho" und — wie es einem echten Jehndr geziemt — ,Veseser" im Verborgenen. Dies alles vereinigte sich, um ihn beliebt bei Gott und Menschen zn machen. In seiner Frau hatte er eine verständnisvolle Gefährttn, die ihm stets als „Eser-Kenegdan" treu zur Seite stand. An der Bahre sprachen Rabbiner Dr. Breuer für die Religionsgesellschaft und Herr Z n n.z für den Minjanverein, dessen Borbeter der Verblichene war. Einen Nachruf im Hause hielt ihm sein Bruder. Seine Gattin vermochte seinen Heimgang nicht zn überleben, und ein Herzschlag mmhte einige Tage später ihrem irdischen Sein ein Ende. Kleine Xattzen. Dieser Tage wurde dem Pflegamt des Krankenhauses der Israel. Gemeinde an der Gagernstraßa eine künstlerisch ansgeführte Broncetafel mit folgender Inschrift überleben: „Von den hier liebevoll gepflegten Kriegern der Verwaltung, den Aerzten und Krankenpflegerinnen in Dankbarkeit gestiftet 1914/15." In dem Krankenhaus befindet sich seit Kriegsbeginn ein Lazarett von über 100 Betten. Die Kosten der wertvollen Tafel wurden durch freiwillige Spenden der in belfern Lazarett verpflegten Kriegsteilnehmer aufgebracht. am Opernplatz Erstklassiges Familien-Caf^ - Nachmittags Konzerte. . - Fr. Hansetmann, Besitzer. IßtulMm. Die Verjagte«. Eine Erzählung aus der Mitte des vorigen Jahrhunderts. Bon C. Berg. (Fortsetzung.) Sie lenkten die Bahnstraße ein und schritten immer geradeaus. Ab und zn blitzte ein einsames Licht an einem Hanse und kennzeichnete ihnen dürftig die Straße. Mit einem Mal schimmerte es in buntem Strahl, rote, blaue, grüne Laternen, Gesang und Klavierspiel, johlende Stimmen tosten hinaus, schallten wüst schreiend in die wie ein Totenreich schweichende Nacht. Das ist das Kaffee Nigger, von den Deutschen in der Stadt spottweise Kaffernkaffee getauft. Dann hörte die Häuserreihe auf, und es ward' wieder ringsum lautlose, undurchdringliche Finsternis. Benno blieb oft stehen. „Sprechen wir", sagte er nervös, „damit sie unsre Stimme hört! Vielleicht liegt sie hilflos am Wege." „Sehr wahrscheinlich", murrte Kalagicenu. „Es ist die Gewohnheit von Damen der Gesellschaft, in,, verrufenen, menschenöden Gegenden hilflos am Wege zn liegen! Weißt Du, verliebter Narr, wo wir sind? „In der Nähe der Friedhöfe." Plötzlich stöhnte Benno aus: „Q verfluchter Weg! Hätte ich ihn niemals gesehen!" „Mit solchen Jammerwünschen erreicht man nicht viel", bemerkte Kalagiceann kurz. „Du und Salomon> Ihr seid, Weichlinge, einer wie der andere. Salomon