Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 13 (1915)
- Issue
- Heft 21 (4.6.1915)
- Date
- 1915-06-04
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 21. Heimat neu Hu beleben; Europa, will sckne Ehrenschuld seiner Mutter gegenüber abstatten; die in Todesagonie stöhnende will es mit jungem, blühendem Leben befruchten. Wer soll der Vermittler sein? Wiederum ergeht der Ruf an uns; die Vermittler von einst sollen die Boten von heute werden. Hieß das grausame Gebot von damalst Hsnaus^ in die Zerstreuung, Träger der Ethik und Religion, so lautet der beglückende Knpeirativ von heute: Zurück in Deine Heimat, heroischer Dulder der Menschheit. In 2000 Jahren schmerzensreicher Europawanderung bist Du Europäer geworden; einiger Rest der alten vorderasiatischen Kultur, hast Du die neue, die ihr Erbe angetreten, miterlebt und mitgeschaffen. Sei, nun der Sendbote, deir der alten Mutter Kunde zuträgt vom Werke ihrer Kinder; werde der geflügelte Herold, der ihr den belebenden, befruchtenden Odem bringt, durch dein, sie erwacht und die Bahn neuer glänzender Entwicklung betritt. Fürwahr, meine Freundin, wenn ich, die Geschichte unserer Diaspora, die Tragödie unseres 2000jährigen Martyriums unter diesen! Gesichtspunkte Werschaue, überkommt mich ein Schauer vor der unendlichen Größe und Weisheit dessen, der alles Tun der Menschen und alles Geschehen, der .Historie lenkt und ordnet und Ereignissen, die scheinbar nur sinnlose Tragik und nutzloses Leid enthalten, tiefsten Sinn und höchsten Wert verleiht. So gesehen, erkennen Sie die große weltgeschichtliche Bedeutung und Berechtigung des Zionisums. Ms die Zeit reif war, da Borderasien verfallen und Europa emporsteigen sollte, verließen wir unsere Heimat und wanderten zum neuen Zentrum der Kultur; nun, da der Tag gekommen, da Borderasien erwachen soll, erfaßt nies das Streben, wieder in die alte Heimat zurückzukehre». Die Zeichen der Kultur wechseln, Völker gehen darob zu Grunde; wir aber wandern mit den Wanderungen der Kultur und bleiben bestehen; denn wir sind das „anr aulom", das ewige Volk! Und nun ist Ihnen der tiefe welthistorische Grund, der unsere Zukunft Mit der des Deutschtmns verbindet, klar. Es ist das große geschichtliche Ziel deutscher Weltkultur: Vorderasien zu beleben. Es ist die große Aufgabe jüdischer Zukunft: in diesenr Wmkc der Vermittler zu sein. Es sind gleiche Ziele weltgeschichtlichen Tuns, denen die Geschichte des Judentums und die! des Deutschtums zustrebt; so ivird'ein Bund zwischen Deutsche tuM und Judentum gekniipst, der seinen Grund hat in deM Sinn der Geschichte selbst; und dies gibt ihm die Gewähr seiner Dauer und die Gewißheit seines Wertes. Unabhängig von momentanen Konstellationen und aktuellen Ereignissenwurzelt er in der Entwicklungstendenz der Kultur und gewinnt so die Bedeutung einer weltgeschichtlichen Mission. Nur in seinen großen Umrissen habe ich Ihnen, weine Freundin, diese Gedanken gezeichnet. Zu groß sind sie, als daß sie sofort .erschöpfend erfaßt werden könnten. Die Zukunft erst wird uns die nähere Ausgestaltung bringen. Mer es genügt, den Gedanken dieses Zukunftsbundes von, Deutschtum und Judentum erkannt zu haben, um seine Bedeutung zu verstehen und die beglückende Ueberzeugung zu gewinnen, daß er bestimmt ist, Leistungen von größtem historischen Werte zu vollbringen und das Proße Ziel, um dessetwillen er geknüpft ist, zu erreichen. Dazu aber tut es not, daß dieser Gedanke von uns Inden wie vom deutschen Volke erkannt und verstanden wird. Ihn innerhalb des Judentums' zu predigen und zu verbreiten, wird eine der vornehmsten Aufgaben der nahen Zukunft sein. Daß aber auch weite Kreise des deutschen Volkes den Gedanken zu erkennen.beginnen und so manche seiner führenden Dönker und Politiker ihn bereits voll uiÄ ganz würdigen,, will ich Ihnen iw folgenden Briefe zu zeigön versuchen. kl. —u. Nur während des Kriegest Durch die Tagespreise geht soeben folgende, .nachdenklich stimmende Notiz: „Der Unterrichtsminister hat genehmigt, daß Während der Kriegszeit jüdische Lehrer und. Lehrerinnen zur .Vertretung christlicher .Lehrkräfte vexwaM werden können, wenn die Schulaufsichtsbehörden damit einverstanden sind-" Frankfurter Israelitisches Familienblatt. Seite 3. . Wir waren der Meinung, daß nicht nur während' des Krieges, sondern auch nach deim Kriege die Gleichberechtigung der Indem endlich einmal Wahrheit werden solle. In diesem Sinne hatten wir das Wort unseres erlauchten Kaisers „Ich kenne nur Deutsche" verstanden, — der Unterrichtsminister scheint aber, wenn die Notiz den Tatsachen entspricht, anderer Meinung zu sein. gegr\ 1730 Htvit ao. INo. ^Deutsche National-Misohang No. 2S. Teespits. U.2.50* No. 3. Wedda Assam-Peckoe-MIsch.lL 8.20. No. 30. TeegrussH.UO. Kakao Soma Mk. 2.40, 3 — Meuschenwiille. Dem englischen und dem französischen. Kulturvolke, den Verbündeten Rußlands, und döu. „neutralen" amerikanischen „Friedensfreunden, die Rußland für runde Goldstücke das Kriegsmaterial liefern, sei folgende Notiz zunc ewigen. Gedächtnis ihrer Schande aufbewahrt. Das österr. Kriegspressequartier melbet nämlich : „In den letzten Kämpfe,t an der südöstlichen Front haben die Russen einen Mt besonderer Grausamkeit verübt. In Szipenitz haben dioNische Kosaken die jüdische Bevölkerung, die sie aus den Bezirken eingofangen hatten, vor ihre Front postiert und gegen unsere: Stellungen getrieben." Hilfsverein der deutschen Jude«. Berlin» 1. Juni 1915. Dr. I a m e s S i in o n eröffnete die Generalversammlung. Dr. Paul Nathan gab sodann einen Ueberblick über die Arbeit des Vereins. Diesen Ausführungen sei folgendes entnoiiiinen: 35 Mrstalten in Osteuropa und im Orient mit rund 5()00 Zöglingen — Kindergärten, Knaben- und Mädchenschulen, Kvlonieschnle, Talmud-Thora-Schülen, Mädchenheim, Kindergärtnerinnenkursus, Rabbinerkursns, Lehrerseminar — wurde» unterhalten bezw. unterstützt. Kosten 270,000 Mk. Der HilsSvercin war in hervorragendem Maße auch an der Schöpfung des Technikunis in Palästina beteiligt, das eine selbständige Gründung gewesen ist. Durch Unbequemlichkeiten aller Art feit Ausbruch des Krieges auch durch finanzielle Schwierigkeiten war es nicht möglich, das Institut wie gewollt fortznsühren. Die einzige Möglichkeit zur Sanierung bestand darin, daß die alte Gesellschaft, die es in der Hand hatte, den Konkurs an- , meldete, und daß der. Hilfsverein nach sehr eingehenden Beratungen dieses große Unternehmen übernommen hat. In diesem Augenblicke wird es nicht betrieben und kann cs nicht betrieben werden. Man muß den Frieden abwarten, um definitiven Beschluß darüber zu fassen, nach welcher Seite hin die'weitere Entwicklung des Werkes stattfinden kann. Uinnittelbar nach. Ausbruch« des Krieges sah sich der Hilfsverein vor Aufgaben gestellt, wie noch niemals zuvor. Der Krieg erstreckte sich auf jene Gegenden im Osten, denen in Friedenszeiten in erster Reihe die Tätigkeit des Hilfsvereins gegolten hatte: Russisch-Polen und Galizien. Zuvorderst kamen in Betracht die große Zahl der Russen, die sich bei Ausbruch des Krieges in Deutschland befanden. Der Hilssverein hat sich von vornherein auf einen interkonfessionellen Standpunkt gestellt. Es handelte sich schätzungsweise um 60—80,000 Russen, nicht mitgerechnet die Saisonarbeiter. Es bildete sich im Einverstndnis mit den Staats- und Militärbehörden ein interkonfessionelles .Komitee. Der Vorsitzende dieses Komitees ist Jnstizrat Breslauer, die Arbeiten. derselben >verden im Büro des Hilfsvereins erledigt. Durch das Komitee wurde zunächst die Abreise einer großen Anzahl von Russen organisiert. In 17 Sonderzügen, die über Saßnitz nach Schweden gingen, wurden inklusiv der Kinder 13,000 Personen von Berlin abbcfördert. Dazu, kamen Sonderzüge ans dem Reiche und die Abreise einer großen Anzahl von Personen, die mit den gewöhnlichen Zügen fuhren; insgesamt belief sich der Abtransport ans etwa 25,000 Personen, davon waren die Hälfte mittellos. Durch Vermittlung der Spanischen Botschaft wurden die Mittel für das Hilfswerk zur Verfügung gestellt. Es sind für die Abreisenden und für die Unterstützung derjenigen, die in Deutschland und Berlin geblieben sind, bisher 2Vr Millionen Mk. ausgegeben worden und zwar in rund 60,000 Einzelfällen. Noch immer werden im Deutschen Reicht ungefähr 10,000 Russen unterstützt, von denen zwei Drittel in Berlin ansässig sind. Die monatlichen- Aufwendungen hierfür betragen 200,000 Mk. Die Tätigkeit des Komitees kam nicht nur den Not leidenden selbst zu statten, sondern stellte auch eine erhebliche Erleichterung für das Deutsche Reich dar. Die Arbeit des Kvmitees ist auch von den höchsten deutschen Behörden in jeglicher Weise gefördert und warm an< erkannr wyrden, wie besonders daraus hvrvorgeht, daß der Reichskanzler in einem besonderen Erlaß allen Behörden des Reiches den Hilfsverein als die osfizielle Fürsorgestelle für das Hilfswerk an russischen Staatsangehörigen, an die die Behörden sich wenden sollen, bezeichnet hat. Ein zweites Erfordernis war es. für jene zu sorgen, die sich in den Gebieten aufhielten, wo sich der Krieg selbst abgespielt hat. Für die Juden in Russisch-Polen hat. sich ein besonderes Komitee gebildet, das Jüdische Hilfskomitee für Polen, dessen Vorsitzender der Vorsitzende des Hilssvereins Dr. James Simon, dessen Schatzmeister Max M-, Marin Hamburg und dessen Schriftführer der Generalsekretär des Hilfsvereins Dr. Bernhard Kahn ist. Zum Geschäftsführenden Ausschuß gehören ferner Dr. Paul Nathan, Dr. Franz Oppenheimer, Landtagsabg. Jnstizrat Waldstein-Altona und Hauptmann Carl Melchior. Dieses Könnte« verwaltet die amerikanische» Hilssgclder. Es beschloß, in die erreichbaren Gebiete Polens eine Kommissioil zu senden, mit dem Aufträge, an Ort und Stelle die Verhältnisse zu prüfen. Die Kommission» der Dr. Paul Nathan, Rabbiner Dr. Fink, Hermann Struck, Dr. Eduard Heimmm und Dr. Bernhard Kahn angehören, hat in der Zeit vom 17. Februar bis znm 17. 4lprit vier Reisen nach Polen unternommen. Die Kommission hat sich bemüht, Aufnahmen über die Greueltaten zu machen, die begangen worden sind, und es wird erwogen, das bezügliche Material zu veröffentlichen. Es wurden von der Konnnission zur Ausführung des Hilfstverks in Polen lokale Komitees eingesetzt; zur Hilfeleistung über die Grenzen hinaus auch «in deutsches Konritec t,t Schlesien. Die deutschen Zivil- und MÜitärbehörden in den besetzten Gebieten haben der Kommission bei ihren Arbeiten, die nach verschiedenen Richtungen hin auch im Interesse des deutschen Reiches liegen, jedes Entgegenkommen bewiesen und ihren Vorschlägen Berücksichtigung zngesagt. Dr. Simon' ging noch des näheren auf die in Palästina erfolgte Hilfeleistung ein. Es sind zunächst -10,000 Mk. dorthin überwiesen worden. Justizrat Berger-Königshütte wies darauf hin. daß das schlesische Hilfskomitee dank den ihm zur Verfügung gestellten Atitteln eine sehr segensreiche Wirksamkeit in den russisch-polnischen Grenzgebieten zu entfalten in der Lage sei. Rabbiner Dr. Werner- München hob hervor, daß im speziellen die hingebende Arbeit des Hilfsvereins für das interkonfessionelle Hilfswerk an den vielen, tausenden in Deutschland befindlichen Russen, insbesondere auch ihre Rückbeförderung nach Rußland größten Dank verdiene und dem ganzen deutschen Judentum Ehre und Anerkennung gebracht habe. Rabbiner Dr. Renhans-Ostrowo übermittelte den Dank der Gemeinde und des Komitees in Kalisch für die erwiesene Hilfeleistung, die direkt eine Rettung für den Ort bedeutet habe. An Stelle des Schatzmeisters, der sich ans einer Reise befindet, erstattete Dr. James Simon den Kassenbericht. Die Auswandererfürsorge in der ersten Hälfte des Jahres hat rund 144,000 Mk. erfordert, das allgemeine Subventionskonto Und das Schulwerk rund 280,000 Mk. Die Einnahmen ans Mitgliederbeiträgen und einmaligem Zuwendungen beliefen sich incl. eines Beitrages der Jewish Eolonisation Association auf über eine halbe Million Mk. I« I Cigar ■ Mel Partien garren garetten erstklassigen Ursprungs. Cigarren-MQUen, gr. Esehenhelmerstr.31. Llebfraaemstr. 1/3. ' Tranaaate. 47. George Keuuau über de» Zaren nnd die Jude«. Im .Outlook" dem Organe Roosevelts, veröffentlicht George Kennan «inen Artikel, der wie folgt schließt: »Mas muß das für ein Herz sein, das verwundete jüdische Krieger aus den Spitälern weist, das indische Pflegerinnen und Schwestern ablehnt, das invalide Juden, die für Rußland in Frankreich kämpften, in dem geschlossenen Bezirk zurückgeschickt, das den Kindern dekorierter Militärärzte den Schulbesuch verweigert nnd schließlich einem jüdischen Flieger nicht einmal den mageren Trost einer freundlichen Todesanzeige gewährt in der Presse des Landes, für das er gefallen? Es ist des Zaren Herz, das sich da in dem Gehirn törichter,'aber' serviler Untergebener wiederspiegelt. Die Oligarchie, die Rußland regiert, möchte die Welt glauben machen, daß die schlechte ^Handlung der Juden einem unüberwindlichen Vorurteil und Hasse im Bolle selbst zuzuschreiben ist. Aber nicht das Volk trifft bin Schuld. Die wirklichen Jndenverfolger sind der Zar, die antisemitischen Würdenträger der einflußreichen „Sphären" und die Kohorten der „Schwarzen Hundert", welche sie in der Organisation von Progromen verwenden. Der Zar hat sicherlich seit Kriegsausbruch von den Juden so loyale und treue Dienste empfangen, wie nur irgend ein Herrscher sie verlangen kann. Indem er sie so behandelt und behandeln läßt, wie es tatsächlich geschieht, hat er offensichtlich den schwärzesten Undank gezeigt, dessen ein Anto- .krat sich schuldig machen kann." m ■i.% Ä |f V I Offenbaeher Druckluft-JLnlag* I Qffanbach a. M. Telefon 123. (Anschluss mitFrankfart/. I Bewährteste Tapplchvallllgillig (100,000 qm jährlich: ■sowie unübertroflanaBattann. Battfadarnralatgung mittelst Druckluft und Wasserdampf, rnmm