Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 13 (1915)
- Issue
- Heft 20 (28.5.1915)
- Date
- 1915-05-28
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 20 sortiert 15<3\ G.M.HOLZ J HOFLIEFERANT •> FRANKFURTaM Bor Jahrtausenden und Heute. Bon Stella Rothschild, Frankfurt. Es ist kein neuer Gedanke, daß der Krieg, diese chllose Reihe von Kämpfen und Schlachten, die Europa lntcr ihrer Wucht erzittern lassen, daß trotzdem auch ieser Krieg manch Gutes gezeitigt hat. Bor allem zeigt r uns -Deutschen, welcher Reichtum von innerer Kraft md - Stärk uns Leseelt, welch unermeßlich^ Baterlandsiebe in uns wohnt. Diese heilige Liebe zum Vaterland Pt der erhebenden Einigkeit die Wege gebahnt, ierch welche unser ganzes Volk plötzlich wie eine aus irs gegossene Masse, von gleichem Willen erfüllt, für diser und Reich zur Verfügung stand. So überraschend md unvermutet das Verhängnis über uns hereinbrach, j» überwältigend und beinahe vernichtend es wirken mußte, i» wenigen Tagen so zahlreiche und mächtige Feinde gegen mser Vaterland erstehen zu sehen, es geschah, was nieland, am wenigsten diese voraüssehen konnten: es entfand kein Augenblick der Verwirrung, keine Störung t«r gewohnten Ordnung. In wenigen Tagen stand ein kolk in Waffen da. Ohne Unterschied der Parteien zog msere Jugend mit Begeisterung hinaus zu ihren Fahnen, nt Freudigkeit folgten ihr die älteren Jahrgänge. Mit »ürdiger Ruhe und treuer Gesinnung sahen die Eltern hren Söhnen, die Frau ihrem Gatten nach beim Abschied, «enn auch nassen Auges. Die zweite große Errungenschaft unserer Zeit ist die uigeahnte Opferwilligkeit, mit welcher unser «utsches Volk Milliarden hingibt für die großen Kriegsmfwendungen und ebensoviel für die Privatwohltätigkeit. V läßt sichkincswegs genau mit Zahlen fixieren, was lieriit geschieht, wie bei den politischen Opfern. Es ist acht festzustellen, welche Opfer an Geld und Geldeswert »wohl für die Armee, als für die betreffenden Familien mfgewendet werden, weil nächst den Beträgen, die der iriegsfürsorge und allen möglichen besonderen Zwecken »gewiesen werden, jede Familie und jeder Einzelne mit reudigem- Herzen ungezählte Liebesgaben versendet. Es ößt sich annehmen, daß der Gesamtwert aller freiwilligen haben für Kriegssürsorge in Deutschland denjenigen der ieatlichen Kriegsanleihe wenig nachsteht. -'Und gewiß ist >ie Freudigkeit und die Selbstverständlichkeit, mit der illes geschieht, eine Quelle unerschöpflichen Mutes für msere Soldaten, denn sie wissen, draußen, in der lieben icimat denkt, fühlt und arbeitet alles für uns, nicht mr Mütter, Frauen und Kinder, das ganze deutsche 'Volk letzt mit liebendem und wachsamen Augen hinter uns. Die dritte Wohltat des Krieges kommt uns Juden!» gut. Was uns Jahrhunderte lang versagt war, ist jetzt erreicht worden: die A n e r k e n n u n g unserer körperlich und geistig hoch veranlagten Nation und Hand in band damit die Erkenntnis, von welcher Treue, von welcher Lesinnungstüchtigkeit, von welchem Mut unsere Jugend und msere Männer beseelt sind Das Vorurteil der Feigheit ist durch zahllose Beispiele des Wagemuts widerlegt worden, mtb die Anerkennung in Wort und Tat ist nicht ausge- Neben. Unsere Jünglinge und Männer haben sich nicht mr äußere Ehrenzeichen erworben, sie sind vielfach in jähere, verantwortliche Stellen eingerückt und zwar sowohl » militärische, als in Berwaltungsposten. '"Ungeteilte Einigkeit, großzügige .Wohltätigkeit und veitgehende Toleranz sind die erfreulichen Früchte des Krieges. Mögen wir Juden die Zeiten der Zurücksetzung ur immer überstanden haben. Möge unsere Gesinnung acht mehr verdächtigt und angefeindet werden, damit wir ts freie und selbstbewußte Bürger dem Vaterland auch m Frieden treue Dienste leisten können zu seinem und lnserem Hell. Lomler & Laitsch l Tel. Hansa 3148. Frankfurt a.H., Liebfrauenberg 33. B Specialhaus für Unterkleider und Strümpfe. ■ Niederlage echter Or. Lahmann-Wäsche. | Aus aSCex Wett. Palästina. , Jaffa. Im Laufe der KriegSmonate hat sich unter den >uden Palästinas die allgemeine Stimmung »jeder gebessert. Auch in wirtschaftlicher Beziehung sind die Verhältnisse jedenfalls nicht schlechter geworden, teils weil erhebliche Geldbeträge' aus Amerika ingetroffen sind, teils auch well die Administration der >ca Len Kolonien Kredite gewährt hat, und schließlich, »eil es den Kolonisten selbst gelungen ist, wenigstens in geschränktem Umfange Wein um> Mandeln nach dem Ausande zu verkaufen. Die Orangenernte muß jetzt ltlcrdings als gänzlich verloren betrachtet werden. Ztzcankfurter Israelitisches FamLienblatt. Seite 3. Von der städtischen Bevölkerung leiden am meisten die armen Juden in Saffed, Tiberias und in Jerusalem. Da die Chaluka-Spenden, von denen sie leben/ nur kümmerlich einfließen, so sind diese Leute ohne das Allernotwendigste geblieben. Hier wurden nun aus den Geldern des amerikanischen Hilfsfonds Brot und andere Lebensmittel verteilt, Darlehen gegen Pfänder gewährt und auch Kredite zur Beschäftigung von Arbeitern bei Privatuuternehmungen und Notstandsarbeiten hergegeben. Bisher ist so das Schlimmste verhütet worden. Trotzdem jetzt eine gewisse Konsolidierung der allgemeinen Verhältnisse «ingetreten ist, wird die Lage doch immer kritischer werden, da die Krisis nun schon 8 Monate dauert, und die Bevölkerung bald ihre letzten Reserven verbraucht hat. Personalien «. Kleine MMeilnngen. Berlin. Ehrentag der Synagogengemeinde des Jsr. Religionsvereins' der Oranienburger Vorstadt (Ohel Jitzchak). Rabbiner Dr. Ludwig A. Rosenthal beging am 13. d. M. (1. Tag Schewuoths seinen 60. Geburtstag. Eine besondere Feier wurde in der Synagoge abgehalten, der außer dem Vorstände und vielen Mitgliedern der Gemeinde zahlreiche Deputationen beiwohnten. Nachdem der Vorsitzende, Joseph Zucker, in einer herzlichen Beglückwunschansprache der Leistungen und des Pflichteifers des Jubilars gedacht hätte, ergriff Stadtverordn. Direktor Knauer, an dessen Anstalt der Jubilar den Religionsunterricht erteilt, das Wort und schilderte die erfolgreiche Tätigkeit, die Dr. Rosenthal an seiner Anstalt entfaltet hat. Dann sprach Dr. Weiß, Lehrer an der Relrgionsschule des Vereins, die Glückwünsche im Namen der Lehrer, Schüler und Schülerinnen aus. Der Gefeierte danke in erhebenden Worten. Berlin. Am Montag, den 17. Mai veranstaltete die Zion. Vereinigung eine würdevolle Perez-Feier. Der Meistersaal war überfüllt. Martin Buber würdigte in gedankenvoller Rede den Dichter Perez und gab eine Uebersicht über sein reiches Schaffen. Der talentvolle Rezitator Ludwig Hardt trug mit Wärme und Verständnis die Skizzen „Bonzie-Schweig", „Der kranke Knabe" und „Die Verwandlung einer Melodie" vor, während, der bekannte hebräische Dichter Schneür einige der besten Gedichte Perez' im Jargon zum Bortrag brachte. Es ist eigentümlich, daß man nicht des hebräischen Perez gedachte und keine seiner hebräischen Gedichte zum Bortrag brachte. S. rio.1v. Familientee M.3.40 No.3. Orange-Peokoe-Blütenspi*z.M.3.SO No. 13. Teesohmidt.Tee M. 4.90. No. 23. Teespitzen M. 3.70. Kakao Soma Mk. 2.40, 3 —. k\?V®vcw>N\.W\ gegr. Der Krieg und die deutsche« Jude». Berlin Gefreiter Gerbard Löwinski. Sohn des Drogeriebesitzers Isidor L., erhielt das Eiserne Kreuz. Breslau. Unterarzt Georg Heldenfeld erhielt das Eiserne Kreuz. (L.) Pose«. Auf dem Felde der Ehre fielen: Siegfried Baer und Sally Abraham, beide Mtter des Eisernen Kreuzes. Breslau. Stabsarzt Dr. Walter Oettinger erhielt das Eiserne Kreuz. Leutnant Assessor Dr. Wronker wurde zum Kriegsgerichtsrat in Gleiwitz ernannt. Langenschwalbach Umerosfizier FritzStrauß von hier wurde zum Bizefeldwebel befördert, nachdem er erst jüngst die Hessische Tapferkeitsmedaille erhielt Wien. Die Majore Moriz Wiener und David Hirsch sind zu O b e r st l e u t n a n t s, die Hauptleute Friedr. Tauber, Hugo Hirsch, Jakob Fischer und Michael Bondy zu Majoren und die Oberleutnants L u d w. G oldschmid und Al ad ar T außig zu Hauptleuten befördert worden. Slockhalm. Die russische Regierung hat sämtliche Juden Kurlands aus gewiesen. I Offenbaeher Druckluft-Anlage I I Ottenbach a- H. Telefon 123. (Anschluss mit Frankfnrt) I I Bewährteste Topplchrolnlqnng (100,000 qm jährlich I I sowie unübertroffene Bettena. Bettfedernrelnl-I gung mittelst Druckluft und Wasserdampf.. ^^1 ÜBttiOeton. Ü Die Verjagten. Eine Erzählung ans der Mitte des vorigen Jahrhunderts. Bon C. Berg. (Fortschung.) Claudia trat erschrocken mitten in das Zimmer zurück. Mit unterdrücktem Lächeln fuhr George fort: „Sobald jemand diese Tür benütztrührt sich eine elektrische Klingel. Eben durch diese Tapetentür wird Herr Alexandru in vierzig bis fündig Minuten erscheinen." Er sah, wie sie zusammenzuckte; das schöne Geschöpf tat ihm unsäglich leid, am linsten hätte er ihr gesagt: „Armes Kind, geh — Du bist an falschen Orten!" Aber George war ein konventioneller Mensch, er kannte seine Stellung. „Haben der Herr Doktor noch einen Befehl für mich?" „Keinen, mein Lieber. Ich danke Ihnen." „Meinen Respekt." Er beugte sich tief. In der nächsten Minute war Claudia allein. Im Borsaal ergriff George seinen Hut. „Mein Alter mag sich heut ohne mich behelfen", sagte er, als er die Freitreppe herabsprang, „unser reizender Gast könnte sich kompromütiert fühlen, wenn er mich wiedersähe." Darauf machte sich der zartfühlende, gute Junge einen recht ausgedehnten freien Abend, — es war das nichts Seltenes bei ihm. Mittlerweüe betrachtete Claudia, neugierig wie Frauen sind, die Einrichtung des Salons. Wohlhabend war Jemilian, sehr wohlhabend. Davon sprachen die dunkelrote Sammettapete mit den eingewirkten goldenen Vögeln und Blätterranken, die Smyrnateppiche und Tigerfelle, die in 'beabsichtigter Unordnung auf dem Divan und den Fauteulls lagerten, ein echter Steinway, zu dessen Seiten hohe, schwarze Marmorsäulen, auf denen überlebensgroß der gallische Hahn und der russische Adler, Meisterwerke der Kupferindustrie, auf einander zuzuflattern schienen. Die Sessel und Divane von dunkelgrünem Sammet, der zierliche Schreibtisch aus Polysanderholz mit seinen bunten Mosaikeinlagen und dem Paradebordbrett voll von kostbaren Nippes und Japonniaiserien, die Fächer und Dolche, Pfauenwedel in vergoldeten Basen, die venetianischen Spiegel, vor denen echte Sevrespüppchen tanzten, die silbernen Wandteller und Prachtkrüge, alles verkündete den üppigen Geschmack eines eleganten, verwöhnten Garyons. Die eine Wand bedeckte zur Hälfte ein Portrait Jemllians, ein vorzüglich gemaltes Bild, das in dem milden, rosigen Licht der Ampel zu leben schien Es war in Jan van Beersscher Manier, die den Hauptwert auf die ultramoderne Eleganz der äußeren Erscheinung legt und dem Antlitz ein so rätselhaft spöttisches Lächeln verleiht, und darum täuschend ähnlich. Claudia konnte sich gar nicht satt sehen an diesem Bilüe. Durch die oünne Wand llang deutlich Gläserllirren, Tellerllapper und Stimmengewirr. — Claudia horchte auf. Sie unterschied die Stimme Jemllians von einem volltönenden, etwas dunllen Frauenorgan, dazwischen ein rauher Baß, offenbar einem älteren Manne angehörig. Der Baß lachte viel und sehr laut. Dann antwortete wieder der Mezzosopran, gleichfalls mit unmäßigem Heiterkeits-Ausbruche. Man amüsierte sich da drinnen ganz vortrefflich. Wessen!war die Frauenstimme? Claudia quälte sich, daß ihr der Kopf schmerzte: Wo hatte sie diese gezierten Laute mit dem künstlich schnarrenden R schon gehört? Sie kannte diese Stimme und auch dieses übermütige Lachen, das sie begleitete, so genau. Aber wo im Leben hatte sie das gehört? Und in welcher Verbindung stand jene Frau da drinnen zu Jemüian? Da war etwas nicht geheuer, etwas, was ihr besser verschwiegen blieb! Mit einem Mal ergriff Claudia eine fürchterliche Angst. In welche schiefe Situation hatte sie sich gebracht. Albern, unsagbar albern, wie ein verliebter' Backfisch hatte sie gehandett, in einer lächerlichen Verlleidung hierherzukommen. Zwar, ein guter Zweck hatte sie hergeführt, für die Freüassung des Patriarchen zu bitten Du lügst, tobte es in ihr, hättest Du darum an Alexandru geschrieben, es wäre für die Liedertrost dasselbe gewesen. So mußte es sein, sie wollitz Alexandru schreiben und dann auf und davon, so schnell sie ihre Füße tragen konnten. Hastig ergriff sie eine der Elfenbeinplatten, die mit goldnem Crayon versehen auf dem Schreibttsch umherlagen, und schrieb darauf in fliegender Elle, während ihre Pulse Köpften und ihr Herz zum Zerspringen schlug; wahr und gut wie immer, und selbst in dieser höchsten Aufregung noch romanüsch und voll Vertrauen: „Werter Herr! Claudia von Moorbach kam hent hierher. Sie zu sehen. Für das Wagnis dieses Besuches schulden Sie ihr ein Gastgeschenk. Erwirken Sie die sofortige Freilassung des unglücklichen Herrn Liedertrost. . ." Da hörte sie Schritte. Erschrocken ließ Claudia die Platte fallen Wo hinaus? Sie wollte und mußte fliehen Dann aber siegte ein wahnsinniges Verlangen in ihr, jene Frau zu sehen, sie zu sehen, um jeden Preis: sie flog hinter die Portiere, um zu lauschen Durch die Tapetentür traten Alexandru, Life Lehmann