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Neue jüdische Presse · 1915-05-14 · Heft 18-19 (14.5.1915) · p. Seite 4

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
13 (1915)
Issue
Heft 18-19 (14.5.1915)
Date
1915-05-14
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Frankfurter Israelitisches FamilienAatt. Nr. 18/19. gegr. So.10.FAonientMlLS.40 NoJL Qrangft-PAftkp^Rlntpngpliy lf y aQ Sc. 18. Teesdunidt-Te# 2l.ck.VV. So. 23. Teespitzeo E2.70. Kakao Soma Uk. 2.40, 3—. Personalien rr. Kleine MitteilUVgerr. Berlin. Dem Stadtrat Geb. Sanitätsmt Dr S tra ßm a u wurde durch eine Abordnung der städtischpll Behörden der 'Ehrenbürgerbrief überreicht. — .Hier verschied im 85. Lebensjahre Rechnungsrat Philibrri Mendelssohn, früher Landmesser in Oels. : . Berlin. Die Zion Bereinigung dernnstaltet nächsten Montag abend 8Vr> Uhr im Meistersaal, Köthenerstraße 38, «inen Perez-Abend. Dr. Martin Büber wird eine Änsprache -über den Dichter halten, und Ludwig H ardi und der hebräische Dichter S. Sch neun werdeürezitieren. Karten zu 3, 2 und 1 Mk. bei der Zion. Vereinigung, Sächsischest!. 8, A. Wertheim und Bote u. Bock. Berlin. Leo L rev m ann so.vn; einer.-der bekanntesten Berliner Aptiguare, eine-Autorität in seinem Fachkreise, ist im 76. Lich'ensjahre »verschieden. Berlin. Die jüdisch»'Lesestalle und Bibliotbek hatte Ende 1914 9189 Bände. 2419 Bände wurden von 265 Benutzern in 1347nmligem Wechsel geliehen Bis L August lagen 118, nach dem 1. August 59 jüdische Zeitschriften auf. Auch in der Besucherzahl äußerte sich die Wirkung des Krieges. Mn stärksten. war die Frequenz im März: > 2607, am schwächsten im November: 1191. Bad Hag. - Der dieser Tage verstorbene.Arzt Dr. Richard Fische 1 .hinterließ dem Ist. Spitalverein 5000 »Kr. und . dem Verein.Bezalel" 5089 Kr. Basel. Die Landesorganisarion her Agudas Jisroel bewilligte 2600 Fr. für die notleidenden russischen und 7250 Kr. für ,die nolleidenden galizischcn Juden. Die Agudas Jisroel setzt ihre Sammlungen fort. Nom Senator Ludwtko Mbrtara ist zum Präsidenten des Kassativnsgerichts ernannt worden. Er ist ein Bruder des katholischen Geistlichen Mortara, der vor .60 Jahren seinen Eltern geraubt^und dann getauft wurde. Haag. Die im April dem Nationalfonds zugeführten Spenden beliefen sich auf 41,647 Mk. Zu diesem Ergebnis haben beigetragen: Nordamerika 28,408 Mk.,, Deutschland 4529 - Mk., Rußland 2363 Mk-, Rumänien 1778.'Mt., Argentinien^ 1054 Mk., Oesterreich 905 Mk., Griechenland 713 Mk., Tunis 668 Mk., Holland 555 Mk.. Italien 274 Mk., Eiland 214 Mk., Schweden 97 Mk., Schweiz 69 Mk. David St. Jordan, derPrästdentder Steusord-Universität von Kalifornien, ein bedeutender Denker,, verlangt in einem sehr warm geschriebenen Artikel für das jüdische Volk eine „jüdische Selbstverwaltung und jüdische Kultur in Palästina." Lomler & LaitMehl TeLHansa8148. Frankfurt ».L, Liebfrauenberg88. ■ SperJalhaos ftlr Unterkleider und Strümpfe. ■ Niederlage echter Dr. Lahmann-Wäsche. | Krarüfurter Berichte. Felstpoftdienst des Vereins Montefiore. Es sei an dieser Stelle wiederholt auf den Feldpostdicnst des Vereins Montefiore hingest lesen. Seit Kriegsausbruch versendet derselbe stöchenllich an über 100 jüdische junge Leute (darunter eine ganze Anzahl Nichtmitglieder) Liebesgaben in Form von Zigaretten, Wein, Cognac, Rauchzeug, Conserven, Zeitungen, Büchern rc. rc. Die Kosten dieser „neuesten" Bereinseinrichtung werden zum größten Teil aus fteistilligen Spenden, -bestehend in Geld und fertigen Liebesgabenpaketchen der Dereinsdamen, bestritten. Die Zahl der eingelaufenen Feldpostbriefe und Karten, die in der Geschichte des Vereins stets ein rühmendes Zeugnis für dessen Tätigkeit in schwerer Zeit darstellen werden, geht in die Hunderte, und täglich treffen neue Beweise der Liebe und Freundschaft ein, die unsere Helden draußen mit ihrem, z. T. frühernoch unbekannten „Monte" verbinden. Es wäre nur zu wünschen, daß diese Einrichtung durch Hinzutritt neuer Gönner auch' weiterhin ungeschwächt bestehen bleiben könnte. Weitere Anmeldungen von erngezogenen jüdischen jungen Leuten sowie Zuwendungen nehmen entgegen das Büro Bleichstraße 70 und der Leiter des Feldpostdienstes Herr S. Singer, Röderberg 32. (Telephon Römer 4989). -Wandergruppe des „Montefiore". .Es fei auf die Pfingstwanderung hingewiesen, die die Wandergruppe für die zwei Psingstfejertage 23.—24. Mai plant. Die Kosten der Fahrt, die durch eine der landwirtschaftlich, schönsten Telle Deutschlands führen wird, lind .aufinsgesamt 5—6 Mk. vorgesehen. Da die Teilnchmerzähleine beschränkte ist, so empfiehlt sich! umgehende schriftliche Muneldungen bis zum 17. Wal direkt an Herrn I. Kühn/ Rechneigraben 10. (TL Römer 6645) zu richten. - PersouaUe«. Im 60. Lebensjahre verschied Herr Jakob Wieseneck, der 23 Jahre hindurch in hervorragender Gewissenhaftigkeit seines Amtes als Synagogendiener der Synagoge Unterllndau waltete. Kleine Notizen. Im Jüd. Turnverein findet die -Turnstunde - der Herren-Abteilung-der.Feiertage halber am Montag Abend, den 17. Mai wie gewöhnlich von. 8Ve—10»/° Uhr in der Selektenschule, Eiserne Hand 4, statt. JmlMon. W dAM. IDie Verjagte«. Eine Erzählung aus der Mitte des vorigen Jahrhunderts. Bon C. Berg. (Fortsetzung.) Herr von Kalagiceanu griff nach seinem Hut. „Man kann die besten Absichten von der Welt haben und erntet doch den schlechtesten Dank dafür", sagte er kalt und wandte sich zum Gehen. „Bleiben Sie, bleiben Sic!", bat Salomon, ihn lebhaft zurückhaltend. „Sie sind unser letzter Freund." „Du wirst jenen Vorschlag nicht annehmen", rief Benno ungestüm. „Ziehst Du es vor, den Vater in Haft zu wissen?! Glaubst Du, Unbesonnener, daß ich all' die schweren Opfer der letzten Zeit umsonst gebracht haben will?" „Willst Du von mir für Eure erbärmliche Charakterlosigkeit noch Dank?" Salomon wurde kreidebleich. Frau Helsia bckani Weinkrämpfc, Claudia führte sie in ihr Zimmer und half ihrzu Bett; nach geraumer Zeit hatte sich die unglückliche junge Frau, überwältigt von Erschöpfung und Schmerz, allmählich in den Schlaf geweint. Aus dem Salon schallten noch immer die heftigen Stimmen der Streitenden herüber. Claudia schloß die Türen und setzte sich an Helsias Bett; sie wollte lvachen und Nachdenken, die Leiden ihrer Freunde gingen ihr schwer ans Herz. Eigentlich mußte sie Benno Recht geben; sie verstand seine Ritterlichkeit, das Andenken einer Tobten zu schonen. Benno war ein Hitzkopf, aber ein treuer, warmer Mensch; nein, um jenen Preis hätte Abraham Licdcrtrost seine Freiheit auch nie gewinnen mögen. Da kannte sie den stolzen, alten Mann. War es nicht viel weniger bloßstellend für die Liedertrost's, Alexandrus Vermittelung anzurufen? Warum hatte Salomon diesen vernünftigen Vorschlag wieder verworfen? Sie waren alle ungerecht gegen Jemllian, Salomon, Helsia, Benno; niemals hatte Alexandru ihnen ein Unrecht zugefügt, niemals sich als.falschcr Freund oder unedel gegen sie bezeigt. Und was konnte er für die Schuld seines Bruders? . . . Wenn sie selbst mit Jemilian Rücksprache nehmen kölmte! .... Ihr, einer Dame, würde er gewiß keine Bitte verweigern. Was würde Helsia wohl zu diesem Plane sagen? Helsia? Sie warf einen Blick auf die Schlafenoe und antwortete sich: Sie würde mirs verwehren. Helsia ist durch und durch aus Extremen und Exaltation zusammengesetzt — unmäßig im Lieben wie im Hassen. Da sie Jemilian Feind ist, belleidet sie ihn mtt den garstigsten, unlautersten Eigensschasten, von denen ihm in Wahrheit nicht eine einzige angehört. Nein, Helsia dürfte davon nichts erfahren.... Wovon? In Claudias Seele wächst und verschlingt sich das Bestreben, ihren Freunden zu nützen, mit dem immer stärker drängenden Wunsch, Jemllian wiederzusehen, ihn zu sprechen, mtt ihm in heimlicher Freundschaft zu verkehren. Jemllian ist ein hoher, reiner Geist; in der Vornehmheit seines Wesens liegt der Grund, warum er sich nicht jedem erschließen mag. Wohl! In Claudias romantischem Köpfchen reift ein toller, abenteuerlicher. Plan. Es klopfte. Benno stand.vor der Tür. „Leben Sie wohl, Claudia! Ich verlasse dies Haus." Claudia erschrack. „Unbesonnener! Sic haben sich mit Ihrem Bruder überworfen?" „Hören Sie, ehe Sie mich tadeln! Kalagiceanu hat sieben Teufel in Sold", berichtete er in fliegender Hast, „er beredet Salomon, den Boromäern ein Sühnegeld anzubieterü" „Das wäre sein Pflicht." „Mag sein. Hören Sie Wetter: Dem Polizeimeistcr eine hohe Kaution zu stellen, damtt er den Vater vorläufig ans freien Fuß beläßt." ' „Eine sehr vernünftige Idee." „Jawohl. Groducza wird die Kaution in die Tasche stecken und .meinen Vater nach wie vor im Gefängnis mißhänedln. Zuletzt sollen Salomon, Sie, ich, Helsia, um unsere Loyalität öffentlich zu bestätigen, übermorgen dem Feste zu Ehren des Fürsten beiwohnen!"" »Ich sehe' durchaus nicht, was daran unrichtig wäre?", fragte Clarckna erstaunt. Pension Deutsch.CDIesbnden Tamrasstrasse 49. 30 moderne Zimmer mit Salons, Balkons. Vorzügliche Wienpr Küche. „Alles ist falsch", rief Benno erregt, aber wie sehr auch Claudia in ihn drang, eine weitere Erklärung war nicht von ihm zu erfahren. „Warum holen Sie sich nicht bei Alexandru Rat?" „Alexandru!", sagte Benno bitter. „Er hätte wohl Einfluß bei Groducza — nein, von Alexandru ist nichts zu hoffen." „Der auch!", dachte Claudia ärgerlich, „alle'verleumden sie den armen Jemilian."" Aber sie wird sie überführen, diese Kleinmüttgen, die Alexandrus Edelsinn stets bezweifeln. . . .. „Ich möchte wissen, was Sie unternehmen", sagte sic nach kurzem, Nachdenken zu Benno laut. „Ich muß Sie heut noch sprechen." „Wenn Sie mir nicht ein Rendez-vous außer dem Hause bewilligen, wird das kaum gehen."" „Ich bewillige Ihnen ein Rendez-vous. Erwarten Sie mich heut Abend um acht vor dem Theater!" Er sah sie verwundert an. „Verzeihen Sie, Claudia, Sie können meine Worte unmöglich ernst genommen haben. Eine Dame wie Sie geht oder fährt hier niemals allein."" „Es scheint Ihnen viel an dieser Unterredung mit mir zu liegen." „Fräulein von Morbach, ich liebe Sie nicht nur, ich verehre Sie wie eine Fürstin zugleich." „Sic sollen mir weder von Ihrer Liebe, noch von Ihrem Respekt sprechen, Pedant, der Sie sind! Hören Sie, was ich von Ihnen verlange", flüsterte sie. „Wir sind von gleichem Wuchs. Sie schicken mir unverzüglich aus Ihrer Garderobe die Ausrüstung eines jungen Stutzers zu — Hut — Rock rc.! Ihren weiten Reisemantel nicht zu vergessen! .... Auf Wiedersehen um acht am Theater!" Sie drängte ihn hinaus und kehrte zu Helsia zurück. Helsia schlief den gqnzen Tag hindurch, sie war gar nicht zu erwecken. „Laßt sie schlafen!", sagte Salomon. „Wer schläft, vergißt."" Das Haus glich dem Dornröschenschloß, kein Laut rührte sich. Der kleine Gabriel hatte sich in das Zimmer seiner Mutter geschlichen und saß finster und bewegungslos in einem Winkel, wie ein ernster, großer Mensch, der Kummer hat. Er wollte weder sprechen, noch essen; man Mußte ihn in Ruh lassen — der Trotzkopf war zu nichts zu bestimmen. Claudia hatte den Tag über die Pflichten der Hausfrau verwaltet, gegen sechs Uhr ließ sie Salomon sagen, sie sei müde und wünsche sich zurückzuziehen, man möchte sie zum Nachtmahl nicht erwarten. Vorher schlüpfte sie noch einmal an Helsias Bett. „Schlaf nur!", flüsterte sie und küßte sie zärtlich auf den blonden Scheitel. „Wenn ich wiederkomme, habe ich eine gute Nachricht für Dich." Der kleine Gabriel nickte ihr ernsthaft zu. Eine Viertelstunde später verließ ein junger Mann, in einen wetten Hohenzollernmantel gehüllt, den Calabreser auf dem Kopfe, das Haus, bestieg eine Droschke und fuhr dem deutschen Theater zu. Neben dem letzteren befand sich das Hotel de Paris, in welchem Alexandru wohnte. Der junge Mann huschte die marmorne Freitreppe hinauf. Jetzt stand er vor einer mächtigen Glastür, an welcher ein Alabasterschild mit großen vergoldeten Buchstaben prunkte: „Jemllian Alexandru, Bureau de change." Er drückte auf den elektrischen Knopf, ein Diener öffnete. „Guten Abend, Herr Doktor') Liedertrost." Er hält mich ftlr Benno, dachte Claudia, sehr gut. „Sie treffen es recht unglücklich; Herr Alexandru ist nicht zu Hans." „Er ist bei seinem Bruder?"", fragte Claudia bestürzt. Daß sie daran nicht gedacht! Natürlich würde Jemilian bei dem Kranken sitzen, in pflegen,' ihn trösten. Nun hatte sie den. beschwerlichen Weg umsonst gemacht; im Kloster, bei den Boromäern konnte sie Jemllian unmöglich aufsuchen. Wenigstens ftagen wollte sie, um den Anschein zu retten: „Ich treffe Alexandru wohl bei den Boromäern?" ' „Durchaus nicht. Herrn Leonid sieht Herr Alexandru nur am Vormittag von zehn bis elf. Er diniert augenblicklich im Restaurant nebenan." „Schön: Ich werde ihn hiererwarten:" Der Diener wurde verlegen. „Herr Doktor, ich bin wirklich untröstlich - . . . ei jki b r $ 8 ii b z a l I I I

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