Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 13 (1915)
- Issue
- Heft 18-19 (14.5.1915)
- Date
- 1915-05-14
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite L. hajah leachad mönenu Uwaat tob wara" folgendermaßen: Der Mensch ward wie Einer (der fähig ist) ans sich zu wissen das Gute wtb das Böse, und zwar verfuhr er dabei folgendermaßen: er trennte das „ieächad" von „mimenu." Doch die Akzentuatoren gingen darauf nicht ein und haben „keächad" mit j^iincnn" eng verbunden. Und siehe wir besitzen zur Erklärung Rabbi Mibas ein Gegenstück und zwar von Hillel, der uns maßgebend selbst in Sachen der halachah (siehe Traktat eiruwin 13' ist; da lesen wir sin wasikra rabba, wenn Hillel sich von seinen Schüler zu verabschiÄen Pflegte, sagte er zu ihnen: „Ich gehe ein Gebot zu üben, mich im Badehaus zu waschen", da sagten zu ihm die-Schüler: „Ist dies denn .ein Gebots „Gewiß, wenn die Statuen der KBnige, die in öffentlichen Gebäuden aufgestellt werden, g«vaschen werden, um wievielmehr ich, der im Ebenbild Gottes ■ geschaffen ist." Und dabei muß Man dessen eingedenk sein, daß auch Rabbi Wba .fest an die Begabung des Menschen mit einer Berstandesseele, die unsterblich ist, geglaubt hat, denn sonst fällt die ganze Vorzugsstellung des Menschen airf Grund seiner Unsterblichkeit und seines ewigen Lehens in-einem Jenseits in nichts zusammen. s) „Rabbi Akiba omer (oboth) hakol zofuj wehärschuth nitanoh" ' — alles,ist vorhergesehen, die Freiheit.sedvch' ist gegeben. ,Hatol bider schamajim chutz - mejirath ^schamajim" — alles liegt in Händen des Himmels GoWs, mit Ausnahme der Gottesfurcht, die liegt außerhalb der. Sphären der göttlichen Allmacht, dies wlll sagen, daß der Bensch kraft seines freien Willens Herr seiner Sittlichkeit ist, er hat sie zu vollziehen und daher auch zu verantworten. e) Die Pardies - Erzählung gibt uns'- Aufschluß darüber. und sagt in unzweifelhafter Weise, daß dem. Menschen die Erkenntnis wie mich Das Gefühl des Guten und Bösen inne wohnen. Auf Grund dieser Tatsache hin und gestützt auf diese Paradies-Erzählung, kam Rabbi Wba auf den Gedanken des Bewußtseins des Menschen aus sich heraus, was gut und was böse ist und zwängte, wie gesagt, diesen an und für sich richtigen Gedanken in den Satz „keechad mimenu" hinein. Wülche ansehnliche Stälung der Subjektivismus des Gefühls, das intensivste Zentrum des Menschenwesens, beim Judentum einnimmt, werden wir in der Folge -näher ausführen. ~) .Haba letaher mesoain oto — der sich moralisch zu bessern sucht dem wrrd (von oben) geholfen. 8) „Remschelah Thora lesam chajrm usw." Die Thora gleicht einem Lebensbalsam, ich habe den bösen Trieb geschaffen, gleichzeitig aber schuf ich die Thora als' Heilmittel (tablin) sofern ihr euch mit der Thora abgibt, seid ifjr ihm (dem Äsen Trieb) nicht ausgellefert. (Traktat Keduschin 30, Aboda sara 5), hameschmner Thora nischmate mischtameret —. der die Thora beobachtet, dessen Seele wird erhalten (menachoth 99). ' 8) ^,,So geburato schelobesch et jizro, schenoten ärech apajim lireschaim" — dies ist seine Stärke, daß erseinen Willen (Trieb-jizro) hintanhält, indem er die Bösewichte gewähren läßt. (Traktat juma 69), weiat jacho hachasaka erklärt Raschi: scheata kobesch berachmnim et midat hadin" — indem Du in Gnade mit Kraft die gerechte Strafe hintanhälst (Deuteronomium 3. 24). Ob dieser göttlichen Eigenschaft der Entholtsamkeit wird Gott mit dem Attribut „Kadosch" heilig bellgt, die Helligkeit ist neben der Gerechtigkeit das.bedeutendste Attribut, diese beiden Urattribute bilden das Zentrum aller anderen Attribute wie z.B.: Weisheit, Macht,- Barmherzigkeit, -Zorn. Diese sind entweder F o lg e n oder M i t t e l zur Verwirklichung dieser beiden Hauptattribute, da zur Gerechtigkeit und Heiligkell Krcht und Weisheit gehört; um Gerechtigkell zu üben muß mau weise sein, das Recht von Uursht unterscheiden können, und um es überhaupt üben zu können, muß man die Kraft besitzen, es zu üben; ebenso verhält es sich mit der Heiligkit. 'Um sich enthalten zu können, muß man über Weisheit und Kraft verfügen. Die Heiligkeit ist im Sinne der Sittlichkeit und der dazu gehörigen Enthaltsamkeit und Bezwingung der eigenen Kräfte nach der Richtung der Gerechtigkeit hin aufznfassen, Gott als Verkörperung der Ethik muß gerecht sein, gerecht gegen sich. — „Alles was Gott in seiner Welt geschaffen, hat er sich zu Ehren geschaffen, denn es heißt: Alles hat Gott Meinethalben hergerichtet" — Kol wasche bara haschem likwodo barv, schenämar kol poal haschem lemaano." (Traktat Juma S. 36), gerecht gegen Natur und Mensch Um aber Gerechtigkell üben zu können, muß er sich selbst bezwingen, muß seine unermeßlichen Kräfte Hintauhalten, er mutz hellig .Kadosch" sein. Und der Mensch im Ebenbill« Gottes muß gleich seinem Gotte gerecht und hellig sein, gerecht gegen sich, gegen seine Materie, gerecht gegen seinen Schöpf fer und Nebenmenschen, — und daher muß er seine Leidenschaften zügeln und seinen Körper seinem Geiste uuterorduen. Daß nur im Sinne'der Enthaltsamkeit das Heiligsein zu verstehen ist/beweist unumstößlich die erwähnte Melle in Numeri 6:- „Die ganze Zell seiner Enthaltung für den Herrn komme er zu keiner Leiche. Denn die göttliche Krone — der Enthaltsamkell — ist auf seinem Haupte." Cs ist klar, die göttliche Krone ist die Enthaltsamkeit, der sie übt, ist heilig— .Kadosch" — wie er selbst." Nur im.Sinne Der Enthaltsamkell sind die zahlreichen Stellen der Thora/ die von ,Kndoschim" sprechen, zu verstehen. Man lese darüber auch Neumark-„Geschichte der jüdischen Philosophie", B. 2 und Marti „Gestochte der israelitisch«! Religion." Jedoch weichen unsere Ansichten Von den ihrigen ab. Mcankfurter Israelitisches KmnAienAatt. Briefe über den Krieg. VI. 'Meine Freundin! Ich handelte in meinem letzten Briefe voll der spezifischen Form des Nationalgedankens innerhalb der beiden Kultnrsysteme des Deutschtums und Judentums und will nu'n versuchen, die Konsequenzen darznlegein, die sich daraus für die Lösung des Problems von Individuum und Gesellschaft ergeben.. Wir gelangen damit zur praktisch! bedeutsamsten Frage unserer Untersuchungen. Ich brauche Ihnen nicht erst auseinanderzusetzen, welche! grundlegende Bedeutung dieses Noblem hat, wie che jeweilige Art seiner Lösung entscheidend ist für _ die Gestaltung des sozialen Lebens eines Volkes und damit für die Eigenart seines Schaffens und Wirkens. Gibt es doch , viele große Historiker, die die ganze Weltgeschichte als einen unausgesetzten Kampf voll Einzelnen und Gesamtheit ausfassen. Und' in der Tat, es bedarf keiner besonders tiefen Einsicht in das Wesen des sozialen Daseins, um zu erkennen, wie der Antagonismus zwischen Individuum Und Gesellschaft überall und jederzeit wirksam ist und wie die Schlichtung dieses Gegensatzes richtungweisend und maßgebend ist für das gesamte innere! Leben eines Volkes. Es ist von vornherein klar, daß das Problem zunächst zwei bestimmte Formen seiner Lösung besitzt, je nachdem man im Begriffspaar Individuum- Gesellschaft entweder das eine! oder das andere Element als das höhere ansieht. Entweder man erklärt das JndivMlllM als den letzten Sinn und Zweck des Lebens underhebt feine Selbstherrlichkeit und völlige Autonomie Mm obersten Gebot, oder aber man betrachtet die Gesellschaft als das allein Wertvolle und Bedeutsame und verleiht ihr demgemäß absolute Herrschest und unbegrenztes Berfügungsrecht über bdn Einzelnen. Wir gelangen in dem einen Fall zum schrankenlosen Individualismus und enden das andere Mal bei der extremsten sozialen Tyrannei. Beide Formell der Lösung des Problems sind in der Geschichte anzutreffen; wir dürfen wohl als die reinste historische Kristallisationsform der ersten Lösung das alte Griechenland, als die vollkommenste Verwirklichung der anderen Lösung den alten Orient betrachten. Die bedeutsamsten Strömungen der grie-i chischcn Kultur haben die völlige Autonomie des Individuums prollamiert. Die Sophisten, Aristoteles, Epikur, die Stoa, die Neoplatoniker, ihnen allen ist das Glück oder die sittliche Vollkommenhett des Einzelnen letzter Zweck des Daseins, und auch Plato, der einzige unter allen griechischen Philosophen, der dem Staate, der Gesellschaft -höhere sittliche Aufgaben Mellt hat, auch ihm ist letzten Endes der Staat nur Mtttel zur ethischen Erziehung und Vervollkommnung .des Individuums. Demgegenüber sehen wir in den großen Reichen des Orients, die völlige Unterwerfung und Unterdrückung des Einzelnen durch den Staat. In China, in Babylonien, Assyrien, Persien, überall das gleiche Blld der stärkst«! sozialen Despotte, und das Japan unserer Tage zeigt, daß Men in dieser Hinsicht sich treu gebliÄen ist. Welches war das Resultat dieser beiden extremen Lösungsformen des Problems? . IN Griechenland sowohl wie in dien großen orientalischen Reichen .setzte nach einer kurzen Zeit der Blüte und der Macht der Verfall ein und führte Mm Untergang. Jll Griechenland äußerte sich die Entartung in einer wachsenden Interesselosigkeit des Einzelnen dem Staat gegenüber; das Individuum stellte 'seine Ziele höher «3s diejenigen 8er Gesamthett, die Stoa und Epikur'predigten geradezu die! Abkehr vom Staate, und so löste sich dieser in einer allgemeinen Anarchie Und einem Kampf aller gegen alle auf. (Ich erinnere Sie an die Epoche der Eroberung Griechenlands durch Rom.) In den orientalischen Staaten hingegen führte die Allmacht der sozialen Tyrannei p einer Ertötung aller individuellen Initiative .und damit M einer Unterdrückung jeglichen Fortschritts; die soziale Despotie artete so meist in die eines einzelnen aus, womit der Untergang .des Reiches' besiegelt war, oder aber, wo diese Gefahr glücklich vermieden wurde, trat innere Stagnation ein; der Staat vegetterte fort, aber ihm fehlte jedes Leben; das beste Peispiel bietet China.; Nr 18/19 Nr. Ei So gelangen wir zu einem Ergebnis, das wir eigentlich a priori hätten Voraussagen können: beide extremen Lösungen des Problems haben in der Realität des historischen GeschelMs Schiffbruch gelitten; sie erwiesen sich als unfähig, das soziale Dasein auf eine gesunde, dauernde Grundlage zu stellst; wie alle einseitigen Lösungen eines Problems trugen sie die Keime des Untergangs von vornherein in sich. Gehen wir nunmehr nach diesem einleitenden, allgemeinen Ueberblick dazu Mer, die Form der Beantwortung des Problems, wie sie Deutschtum und Judentum erteilen, Uarzustellen. Wählen wir auch hrer — wie int vorigen Briefe — die deduktive Methode; die Erfahrung wird auch, hier die Ergebnisse der Deduktion bestätigen und wird uns so die grandiose innere Harmonie und Konsequenz beider Kultursysteme offenbaren. Wir hatten konstattert: Deutschtum wie Judentum fassen das Leben als Mission auf:- beide formulieren auch den Nationalgedanken im Sinne einer nationalen Mission. Aus diesen beiden Erkenntnissen ergibt sich die erste, grundlegende Folgerung für unser Problem: ist das Leben eine Mission, besteht der Sinn und/ Zweck des Bolksdaseins in der Erfüllung gestimmter sittlichen Aufgabsr, dann ist von den beiden Elementen Individuum-Gesellschaft die Gesellschaft unzweifelhaft das höhere. Denn die nationale Mission zu ersüllen, vermag nur die Gesamtnation; mithin hat sie das Recht, tue Unterordnung des Einzelnen unter ihre Gebote zu fordern, insofern 'dies zur Erfüllung ihrer nattonalen Mission notwendig ist. Mit diesem einschränkenden Nebensatz haben wir aber auch die zweite große Folgerung gezogen: Die Unterordnung des Einzelnen unter bjiel Gesamtheit wird allein bedingt und gerechtfertigt durch die große sittliche Mission dersewxn; damit ist vor allem die schrankenlose gesellschaftliche! Despotie der Gesamtheit beseitigt; 'nicht um ihrer selbst willen kann sie die Unterwerfung der Individuen unter ihren Willen fordern, sondern nur auf Grund ihrer historischen Mission; bannt aber ist auch das autonome Recht des Individuums anerkannt und sanktioniert: nicht zum willkürlichen Unbedingten Dienst der Gesellschaft ist der Einzelne bestimmt, vielmehr nur zur Mitwirkung und Unterordnung in der Erfüllung ihrer sittlichen Aufgaben. Diese ihre sittlichenAufgMen aber sind auch die seini- Len: dient er also 8er Gesellschaft, so dient er damit nur sich; erWlt er ihre Gebote, so erfüllt er damit nur die ihm selbst gestellten ethischen Imperative; indem er sich der Gesamtheit tymgibt, vervollkommnet er sich selbst; in seiner scheinbaren Unterordnung erringt er die höchste Wüjrde>. mit ai heit d I Gebote intb $ Gesam! Reche dern fc leine g ] große znM e I Gottes zipiert« I die Si einen zip d « | strafnn Generc den si zip d« Kolkes Grupp nur E Seite das £ itnrb Idee, schast Weil gaben Einzel Wegen dann digt! schuld« kennui schlinc gesetzt den i seine < die R tigt i wird Leben iM D Diese Form der Lösung des Problems aber ist in Wahrheit mehr wie sne Lösung, ist vielmehr eine Neuformulierung des gc!samten Problems. Die Frage ist auf Grund dieser Auffassung überhaupt falsch gestellt; JUdividuum und Gesellschaft bilden keinen Antagonismus, den es zu schlichten, keinen ewigen Gegensatz, dün es p versöhnen gilt; das Verhältnis, das zwischen ihnen herrscht, ist nicht das des Kampfes und des Widerspruches, sondern der Gemeinschaft und Verknüpfung. Sie sind beide aufeinander angewiesen; das Individuum kann seinen sittlichen Pflichten nicht gerecht werdsr, wenn nicht im Dienste der Gesellschaft; die Gesellschaft kann ihre Mission' nicht erfüllen, wenn nicht durch die Lsstung Und das Zusammenwirken der Individuen. So liegt die neue! eigenartige Lösung des Problems in der neuen Fassung desselben schon begründet; 'wie ja. im Grunde! jede Antwort schon in der Formulierung der. Frage berefts enthalten ist. Geht man von der Auffassung des Verhältnisses von JUdividuum und Gesellschaft als einem Kampfe aus, so muß man pr Unterdrückung des einen Elementes durch das' andere gelangen; aller Kampf endet mtt dem' Sieg des einen und der Bewegung des anderen. Sieht man hingegen das Verhältnis beider .als das der Harmonie und der gegenseitigen Verknüpfung an, so kommt man mtt Notwendigkeit zu einer harmonischen Lösung, die beiden gerecht wird. Prüfen wir nunmehr, ob diese Lösung auch in der Tat die von Deutschtum und Judentum gebotene ist, ob die WrÜMeit. die Schlüße unserer Deduktion auch bestätigt. .Es wird nicht schwer sein, .das Lu beweisen. - ' die j grand len ist des 6 km. ' unbed Arnch und i schrist irird ist be völlig C im T Gesell duum deutst Rieht; feilsch schon gespri der X Bote ist kl ist d als! die U die l Idee schm gestal berge order die 'S tnvnte das rische den gesser nung Stre! mögt wird Begi