Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 13 (1915)
- Issue
- Heft 17 (7.5.1915)
- Date
- 1915-05-07
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Serie 4 Frankfurter Israelitisches FamilienAatt. Nr. 17. Nr Berlin. Von Len 950 Mitgliedern der im Kartell- Convent vereinigten jüdischen stlürentischen Korporationen XK. C.) stehen z. Zt. 722 unter Len Massen. 100 von : ihnen wurden mit dem.Eisernen Kreuz ausgezeichnet; 14 erhielten andere Kriegsauszeichnungen. Zu preußischen -Ossizieren wurden 11, zu bayrischen 2 befördert. Der Verband hat bisher, soweit bekannt ist, den Verlust von 23 Mitgliedern, die den Heldentod fürs Vaterland starben, - zu beklagen. Mainz. Leutnant Rechtsanw. Dr. Paul Simon,; Ritter des Eisernen Kreuzes, erhielt nunmehr auch pic Hessische Tapscrkeitsmcdaille. I Lomler & Laitich I TeLHansa3148. Frankfurt a.H., Liebfrauenberg 33. I Speeialhaus für Unterkleider und Strample. ■ : Niederlage echter Dr. Lahmann-Wäsche. | Personalien u. Kleine Mitteilungen. Berlin. Für den Zion Zentralfonds einschließl. dem hebräischen Schulwert wurden im, 1. Vierteljahr 1915 46,000 Mk. gespendet und für den Nationalfonds im; Monat März 30,223 Mk. Die hebräischen Schulen in Palästina (mit Ausnahme ' der Mädchenschule in Jaffas sind in regelrechtem Betrieb. Hamburg. Oberlandesgerichtsrat Dr. Schaps ist zum stellvcrtr. Mitglied des Kaiserl. Prisengerichts ernannt - worden. Bronlberg. Der als SchriWeller, besonders auf dem Gebiete der Jugendliteratur, bekannte Lehr«: I. Herzberg begeht am 1. Juni sein 25 jähriges Ortsjubiläum und sein 40 jähriges Dienstjubilänm. Lber-Endingeu. Im 80. Lebensjahre verschied hier Wilhelm Dreyfuß, ein wahrhaft frommer Jude und : eine bei der ganzen Bevölkerung angesehene Persönlichkeit. Er bekleidete mehrere Ehrenämter. Wie». Moritz Sacher/ ei» angesehener Kaufmann aus Czernowitz, hat infolge Schwermut Selbstmord verübt. Prag. Eine Statue des hohen Rabbi Löw wird an der Fassade des neuen Rathauses ausgestellt werden. PurlS. An Stelle von Narcisse Leven ist Eugen See zum BizestrLsidentenLesJsrael.Zentrab' konsistoriums gewählt worden. Bankin: SaulMerzbach, ein bekannter Wohltäter, ist verschieden. Tripolis. Joseph Arawiw, der verstorbene Führer der hiesigen Judenheit, hat für jüdische Wohltätigkeitszwecke 250,000 Mk. hinterlassen. Frankfurter Berichte. Personaüe«. Montag nachmittag 4Ys Uhr fand hier die Beisetzung des unvergeßlichen Martin Feist statt/nachdem er fast vier Monate auf französischem Boden geruht hatte. Neben seinen Eltern hat er nunmehr eine Stätte gefunden. Trotzdem von einer öffentlichen Anzeige Abstand genommen war, hatte sich eine stattliche Trauerversammlung zu dieser letzten Ehrung eingefunden. Rabb. Dr. Nobel pries den im Kmnpfe sür die Ehre des Vaterlandes Gefallenen im Hinblick auf die Sephira-Zeit als einen Jünger Akibas; wie die Jünger Akibas habe er sich durch sein Sehnen nach dem Unendlichen, in dem Bestreben, in den Wegen Gottes zu wandeln und in einer glühenden Liebe zum jüdischen Volke und jüdischen Lande ausgezeichnet, und wie bei der Uebersührung .der sterblichen Hüllen der Jünger Akibas nach.dem Heimatboden der Segensspruch „Hatauw webameittv" gesprochen wurde, so dürfe man diesen Segensspruch auch!. hier sagen. Der zufällig anwesende Feld-Geistliche Rabbiner Dr. Emil Levy schilderte in ergreifenden Worten den unvergeßlichen Eindruck, den Martin Feist in den wenigen Minuten auf ihn gemacht hatte, in denen er ihn gelegentlich eines.Feldgottesdienstes zum ersten und letzten Male sprach. Die jüngst verstorbene Frau Rosa Kahn gcb. Lichtenstein, Witwe des Herrn Anselm Kahn jr., .verdient einige Worte des Gedenkens. Sie war das würdige Haupt jnnes .großen Familienkreises und genoß .wegen, ihrer Charaktereigenschaften allgemeine Wertschätzung. P. «leine Notizen. Sonntag, den 9. Mai, .werden der Jüd. Turn-; verein.und der Jüd. Wanderbund eine Turnsahrt in den Taunus unternehmen. Treffpunkt 7,45 Uhr vor dem Biletthäuschen am Hauptbahnhof; Abfahrt 7,52 nach Oberurscl. Wanderung bis zum Gim- -bacher Hof. . Um allen Mitgliedern Gelegenheit zu geben, sich zu beteiligen, -findet auch eine Nachmittagstour statt. Abfahrt vom Hauptbahnhof 1,40 Uhr nach Hosheim, Lorsbacher Kopf — Gimbacher Hof — Zusammentreffen. — Die Liederbücher sind mitzubringen. Auch! die Veranstaltung von Turnspielen ist vorgesehen. — Gäste sind willkommen. Die Verjagte». Eine Erzählung aus der Mitte des vorigen Jahrhunderts. Von C. Berg. (Fortsetzung.) Helsia entkleidete das Kind schnell, badete es behutsam in der Flut, nahm dann ein seidenes Tuch von ihrem Halse und rie§ oas Körperchen sanft und leise damit trocken. Darauf warf sie oas Tuch, samt dem kostbaren, gestickten Sterbekleidchen des Kindes ins Wasser. Nun riß sie ihren Schleier vom Haupte, wickelte die Leiche hinein und verbarg sie wieder unter ihrem Mantel. Ueber den Bach führt ein Laufsteg. „Geh' achtsam!", rief Helsia hinter sich, „der Bach gibt keinen wieder." Jenseits des Ufers, fünf Schritte entfernt, 1 da liegt der Friedhof der Juden. Die Mutter des Totengräbers ist ein stocktaubes, vor Alter halb blödsinniges Weib. Helsia mußte lange rufen und schreien, ehe sie hörte; überdies ist jetzt Sabbath, sie steht am Zaun, um den Friedhof zu schließen. „Was wollt Ihr?", frägt sie mürrisch. Helsia öffnet ihren Mantel und zeigt ihr das Kind. „So kommt man nicht zu uns", sagt die Alte brummend. „Wo sind die Leute von der Gemeinde?" Ohne zu antworten, eilt Helsia ins Haus. Der Totengräber ist jünger, man kann sich nrit ihm verständigen. Aber auch er, schüttelt den Kopf. „Das dürfen wir nicht — nein, o nein! Wenn es rauskomnrt, müssen wir ins Zuchthaus. Quält mich nicht, ich kann nicht! Es ist auch Sabbath. Vielleicht tut es mein Knecht." Der Knecht ist ein Rumäne, ein blutjunger, beherzter- Bursche. Ihn dauert die schöne Frau, die so kläglich bittet; stumm nimmt er Grabscheit und Schaufel und geht hinaus. Nach langem Bitten gibt die Alte knurrend ein Laken, in welches Helsia jetzt die Tote hüllt. Helsia fliegt über den Gottesacker mit ihrer teuren Last, Claudia - hinterdrein. Endlich erreichen sie die Stelle, wo der Bursche gräbt. Fast hätte Helsia einen Freudenschrei getan. O Du guter Knecht, das hast Du recht getroffen! Rechts und link von der Grube liegen zwei Gräber mit umgestülpten Steinen als ' Merkzeichen, darauf stehen in jüdischen Lettern: Golde Liedertrost und Emma Liedertrost. Frau Helsia ist ganz glücklich: ihr Kind wird bei den Ihren ruh'n. Sanft, ergeben betet sie, während der Bursche die stille Saat versenkt. Nach fünf Minuten starrt der junge Bursche bald nach den blinkenden Goldstücken-in seinen Händen, bald nach den schlanken Gestalten, die über den Steg am Kais er garten ani Opernplatz Erstklassiges Familien-Cafö . Nachmittags Konzerte. Fr, Hanselmann, Besitzer. Ufer im Dunkel verschwinden. ... Waren dies Jüdinnen? Nicht, nicht doch! Christinnen waren es. O, er wird nichts verraten, wenn man ihn fragen sollte, nichts. Und wer weiß, ob nicht alles ein Spuk gewesen? Endlich, als die Freundinnen nach stundelangcr Wanderung wieder sicher in ihrem Hause waren, brach Helsia in Tränen aus und sank Claudia ans Herz. „Ich wlll es Dir nie vergessen, daß Du heut um mich tvarst", schluchzte sie, „allein — hätte ich es nicht ertragen." Achtes Kapitel. Bei Jemilian. Gegen Mitternacht kamen Salmon und Benno heim, sie brachten eine neue Sorge mit. Man hatte den Vater in Haft behalten. Es stand schlinrm für ihn; die jungen Leute wollten ihre Befürchtungen nicht aussprcchen, um den Frauen nicht noch mehr das Herz zu beschweren. Aber niemand schlief die Nacht im Hause Liedertrost; die Gatten, Benno und Claudia, toelcher alle drei das Vertrauen einer Schwester schenkten, beratschlagten mit einander, bis der Morgen tagte. In sehr früher Stunde schon stellte sich Herr von Kalagiceanu ein. Er überschüttete Benno mit Borwürfen. Benno hätte cs an Umsicht und der allergeringsten Erfindungsgabe mangeln lassen; um jeden Preis hätte er den Vater über Pfaffendorf fahren müssen, dann wäre jene unglückselige Begegnung sicher vermieden worden. Salomon stimmte ihm bei. Da fuhr Benno auf. Es sei recht bequem, ihm die Schuld für alles Geschehene aufzuladen. „Der Hauptfehler war, daß wir den nahenden Sabbath vergessen hatten." Es schwebte ihm noch manches bittere Wort gegen den Bruder über die häßlichen Ereignisse der letzten Tage auf der Zunge, aber mit. Rücksicht auf Helsias Schmerz hielt er an sich und schloß finster: „Als ob sich mein Vater je hätte lenken lassen oder bestimmen!" , „Unsinn! Dein Vater ist ein gutmütiger, äußerst sanfter Mann." „Sie haben gesehen, tvie weit diese Sanftmut geht", sagte Salomon trüb. „Ach was, dem Lumpen, dent Lenotschka ist Recht geschehen", antwortete Kalagiceanu ärgerlich; „es wäre ein Gewinn für die Welt, wenn er drauf ginge und ein Dutzend seinesgleichen dazu. Welche Pläne haben Sic gefaßt, Ihren Vater tvieder herauszubringen?" „Ich werde zu Jemilian gehen, ihn. bitten, allen Einfluß bei seinem Bruder äufzubieten." „Jemilian toird sofort zu allen Behörden laufen, sich mit Gut und Blut für Dich, mein lieber Mann, zu verwenden", rief Helsia spöttisch. „Er läßt Dich gar nicht vor." „Das fürchte ich auch", stimmte Kalagiecanu bei „Alexandru ist viel zu indolent mld egoistisch, sich hier zu kompromittieren.. Hören Sie mich an! Bor allem muß diesem bösen Handel jeder Anschein einer Beleidigung des griechischen Kultus benommen tverden. Was sich da abspielte, war ein Familienskandal, nichts weiter. Jener unglückliche Schlag galt durchaus nicht dem Popen, er traf Leo Alexander, beit Pflegesohn Ihres Vaters, den ungetreuen Verlobten seiner Tochter." „Niemals!", schrie Benno auf. „Ich werde nicht dulden, daß der Name meiner Schwester mit jenem Hallunken in ein Geklätsch verwickelt werde. Dein Rat ist eine Beleidigung, Kalagiceanu, für meinen Vater, für meine Schwester, für uns alle." (Fortsetzung folgt.) Franz DiU Natt. & KM Sohllloratr, 18, Telephon I, 8630. Seifen, Lichte, Lammand ßürstenwaren, Besen etc. Cosvetische Spezialitäten. I Crosse Frledbergarstr. 18/20. Tel Hansa 2181. Wir bringen ab Samstag, - den 8. Mai - Das Meisterwerk deutscher FilmschSpfung, mit dem Monopol: Alleln-Erst&nfffihr ungerecht fflr Frankfurt L M. My rthe und Schwert IIS Ein Helden- und Llebesdrama ln 8 Akten. In einer Hauptrolle: Kitty Aschenbaoh, das neue Mitglied unseres Schauspielhauses, deren erfolgreiches Gastspiel hier ungeheueres- Aufsehen hervorrief: — Dieser Film ist das gewaltigste deutsche Drama und Seelengemälde, getragen vom Geiste unserer tapferen Helden, ein Drama, das sich jeder gute. Patriot anseben muss. -— Ausserdem: Der grosse Lustspielschlager: -„Die eiserne Faust“ und ein ergreifendes, grosses Drama; das glänzende Beiprogramm enthält u. A. die neuesten Ereignisse von den Kriegsschauplätzen.- „ —Erstklassige» Kflnstler-Orchester. - . ' Voranzeige! Wir bringen ab Dienstag, den 11, ds Max Pallen- . der geniale Künstler zum erstenmal im Film! Willi. ' RÜhl, Baugeschäft Schillerplatz No. 5-7, Pariser Hof. Fernspr. Hansal751. Uebernahme von; Heu- und Umbauten Reparaturen Jeglicher Art bei billiger Berechnung. -- Prima Referenzen stehen zur Verfügung. - =Rronen-2)rogerievon Geyer tfc Müller Kronprinzenstr. 33 Frankfurt a. H. Elbestr. 13. Drogen /. 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