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Neue jüdische Presse · 1915-05-07 · Heft 17 (7.5.1915) · p. Seite 5

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
13 (1915)
Issue
Heft 17 (7.5.1915)
Date
1915-05-07
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr 17.___ Universitäts-Cafe BockÄe,m8r ------- Eratklaamlgea Famfilon-Oafä. ■•=. ■V* Massige Preise. “THB ’___Besitzer: Ernat Dunkal. Seder-Abend in einer böhmischen Flnchtlingsbaracke. Von LeonWcinreb. I. Schon einige Tage zuvor kündete sich , der Einzug des Pessach, des Königs der Feiertage, an. Wohl waren keine Zimmer mit Möbeln und Geschirre:; vorhanden, an denen sich das große Reinemachen hätte betätigen können, dafür aber hatte jede Familie einige ungezimmerte Bretter, die als Scheidewände zwischen den Schlafstellen und Kleiderschränken zugleich dienten, als Eigentum zu verzeichnen. Diese wurden — sie hatten während des Winters auch als Schreibtafel gedient — von den niit schwarzer Kohle und weißer Kreide beschriebenen Buchstaben und Ziffern gereinigt. Dann wurden die Strohsäcke, die bereits 5 Monate unberührt auf dem Fußboden lagen, aufgerichtet, tüchtig durchgcschüttelt und zum Teil durch frisches Stroh ersetzt. In der Mitte des großen Barackenraunics standen lange Tische und Bänke. Hier war der Sanunelplatz für die Familien aller Schlafstellen, hier kamen sie zu Plauderstündchen zusammen, hier arbeiteten emsig Frauen und Mädchen. Jetzt wurden die Tische und Bänke mit Bürsten fest durchgeriebcn und dann mit heiß siedendem Wasser begossen und abgetrocknet. Sodann ging cs an den Fußboden, was nicht wenig Arbeit kostete; hatten doch 150 Personen den morastischcn Straßenkot des ganzen Winters zusammcngeschleppt! Aber fleißige Hände bringen alles fertig, der Fußboden wurde auf das Sauberste reingewaschen und mit gelbem Sande beschüttet. Wegen der Kochunv Eßgeschirre waren . keine großen Sorgen nötig. Schon dieChomez-Geschirre bestehen nur aus blechernen Töpfchen, mit denen man z» Mittag die Portionen aus der Küche holt. Jetzt, zu Ehren des großen Pessach, kaufte jede Familie 2—3 Töpfe und Schüsseln, manche Luxuriöse auch kleine Gläser. Die Männer sind zum Gebet nach dem großen Baräckensaale gegangen. Die Frauen hatten keine Anstrengungen mit Kochen und Braten wie daheim, denn in die Barackenküche, welche das Hilfskomitee stiftete, wird sür alle Flüchtlinge in zwei großen Kesseln alles fertig gemacht... Das Lichtbeuschen jedoch ivurde den andächtigen Frauen nicht weggenommen. Freilich war es nicht so schön wie zu Hause; statt der herrlichen silbernen Leuchter, tvelche jetzt gewiß in beit Händen der Russen sind, mußten sie die Kerzen auf Ziegeln anschmelzen, und gar viele Frauen, die zu Hause gewohnt waren, reichen Schmuck anzulegen, standen ohne Schmuck da und weinten bitterlich. Sie benschten die Lichte auf den langen Tischen, auf denen jede Familie ihren. Teil verdeckt hatte, die eine mit einen: Tischtuch, die andere mit einem Handtuch und manche, die solche kostbare Wäschedinge nicht hatten, mit einem Kopftuch oder Halstuch. Die Tische waren so mit verschiedenfarbigen und verschiedenartigen Bedeckungen belegt. Nach dem Lichtbenschen setzten sich die Frauen auf eine lange Bank , und erzählten sich unter unaufhörlichem Tränenstrom, wie sie sich den Pessach zu Hause einführten, wie herrlich sie ihre Kinder kleideten und Frankfurter Israelitisches FamälienUatt. ime elend, diese jetzt aussehen. Die Mädchen senkten verschämt ihre Köpfe nach ihren schmützigen Schürzen und abgerissenen Blusen,, die Mütter bemerkten es und sagten tröstend: „Der liebe Gott, er wird uns verzeihen, er >veiß die reine Wahrheit." . . . Im Gcbetsaalc, der eher einem Lagermagazine als einem göttlichen Hanse ähnelte, ging es ganz eigenartig zu. Das Mariw-Gebet wurde in den traditionellen Tönen gebetet, die die Herzen der Heimatlosen mit der alten, lieben Pessach-Stimmung erfüllten. Während des Betens vergaß man die Gegenwart, als das Gebet aber zu Ende war, da trat die traurige Wirklichkeit wieder an und bewölkte die durchs das Gebet flammenden Gesichter der Heimatlosen. Wie, um nur den alten Minhag aufrecht zu halten, murmelte einer mit einem fleckigen, zerfetzten Kaftan: „Gut, Jomtiv", und ein anderer mit einem unförmlichen, alten Biberhut statt des Jomtiv-Streimel, erwiderte finster: „Gut Jomtiv". ,_ (Schluß folgt.) _ Kaiser Friedrich Quelle — — Ottenbach a. 8. —— (tagen Gicht and Bhenmattomag bewährt. Alleiniger General-Vertreter: Frledrloh Stahl, Frankf.a.X., Gflnthersb.-Allee 37. TeLHansa259u.714. Wochev-Kalender. (Zeitangaben nach dem Iivacli.) Samstag, den 8. Mai (= 24. Ijar.) Sabbat-Anfang in Frankfurt a. M. 7 Uhr 25 Min. Sabbat-Ausgang in Frankfurt a. M. 8 Uhr 45 Min. in Berlin 8 Uhr 30 Min. Wochenabschilitte: Be har und Bechukausei. — Das Brachjahr. — Das Sabbatjahr. — Die große Strafpredigt (Tanchocho). Ranfch-Chaudefch Siwan: Freitag 14. Mai. Freitag Mend (7. Mais 39. Omer. Samstag albend (8. Mais 40. Omer. Sonntag abend (9. Mais — 41. Omer. »sw. Woch'engottesdienst in Frankfurt. Morgens 6 Uhr in den meisten Synagogen (Unter- ' lindau, Bockenheim 6V2 Uhr. Hanptsynagoge, finnig« steinerstraße 7i/a Uhr). Abends 71/, Uhr in den meisten Synagogen (Unterlindau, Bockenheim 7 Uhr, '.Hauptsynagoge 4 Uhrs. Frankfurter Edelmetallverwertung Gerlaeh Sk Weins Probieru. Sohmelzanstalt. Metallarg. Laboratorium. Tannins tr. 38. Frankflut .. M. Tal. 1. 0748. Ankauf aller Edelmetall-Rückstände, Bruchgold u. Silber. Barren — Fellnny — Oehrätien — AMXUen. Spende«. Bei der Nationalfondskoinnlifsion (Jfaac Hcimann, Zeit 211 gingen ein: Notstands-Aktion für Pglästina: Frankfurter Zionistische Bereinigung 250.— Jk Gebe. Oppenheimer, Holzgraben, erste Rate 100.— „ N. N. 20.- „ Bruno Bender, Goethestraße 27 2_ S. H. Goldiiiann io!-;; Saly Geis 10.- „ Beim Frankfurter Israelitischen Familienblatt gingen ein: Martin F e i st - S t i f t n n g der Tachkemonisch ule, Jaffa: Herr und Frau.anläßlich Beisetzung ihres sieben Martin Feist,s. Äl-. in Frankfurter Erde 5.— JL Familie Goldmaim gratuliert Familie Liverhant zum Sohne 1.— „ CSttte 5 Kunst und Literatur. Biographenwege. Reden und Aufsätze von Anton Bettelheim. 238 Seiten 6 ^»geb. 7 Jk Berlin W., Gebrüder Paetel (Dr. Georg Paetey. Inhalt: Beiträge zur Biographie Tegetthosfs. — Heinrich Friedjnng. — Zum achtzigsten Geburtstag von Marie v. Ebner-Eschenbach. — Emilie Exner. — Biographisches von I. SS. Widmann. — Rede zur Enthüllung des Berthild Auerbach-Denkmals in Cannstatt. — Anerbach und Anzengruber. — Vierzig Jahre Pfarrer von Kirchseld. — Zmn hundertsten Geburtstag Berthold Auerbachs. — Ernst Juch und der Freundeskreis der Anzengruber. — Die Zukunft Berthold Auerbachs. — Die Anerbach-Feier 1912. — Der Herausgeber der Deutschen Rundschau. — Zum 60. Geburtstag Alfred Bergers. — Ein Jugendbrief Joseph Ungars. — Stendhal-Beyles Triester Konsulat. — Balzacs Begegnung mit Metternich. Wie das vorstehende Inhaltsverzeichnis zeigt, ist hier eine Fülle literarischen Materials aufgeschichtet. Die fließende, leichte Schreibweise Bettelheims 'gibt zu dem Whr». reichen .noch das Angenehme. Wir halten die Berbreitmig derartiger Bücher, die in kurzen, leichten Aufsätzen bÄ»eutende Persönlichkeiten in ihrer Bewertung oder im Rahmen ihrer Zeit vorführen, für sehr einpsehlenswert. c 3>T_ EOSE3STAU Harren-Schneiderei IO Qoetheltraue IO. Vornahme Anaföhmng. Massige Fraise. Kranlsnrler AamMennachrichlen. Geboren. E. Sohn Samuel Stern (Grünsfelders, Rottcckstraße 4. E. Tochter Max Breslau (Schotts» Sophienstr. 38? Barmizwos. Albert Katzenstein, ^Tiergarten 44, Synagoge Friedberger Anlage. Gestorben. Rosalie Goldschmidt Wwe., geb. Löwenick, 72 I., Hanauerlandstr. 7. — Ludwig Rapp, Sohn von Gustav I. Rapp, Seilerstr. 19, .im Feld. — Wilhelm sGiinzberger, 22 I., Sohn von Rosa Günzberger Wwe., Sandweg 62, im Feld. — Offiziersstellvertreter Julius Becher Prokurist von Bernhard Wolf u. Co.» im Feld. —• Äl. Westheimer, 64 I. — David JDcarj, 62 I. Auswärtige FamMeunachrichte». Geboren. E. Sohn Albert Straus (Bauchwitz), Charlottenburg. — Joseph Karpf (Sterns, Fulda. — Max Hanau (Salonions, Worms. Gestorben. Pauline Siegel, geb. Meyer, 69 I., Kreuznach. — Clara Stern, geb. Rosenbaum» 7? I., Neustadt a. Saale. —Kommerzienrat Emil Heimann, 72 I., Schtveinfurt. — Hannchen Wetzlcr, geb. Simon, Aschasfenburg. — Rosa Hirschfeld, geb. Langenbach, 39 I., Darmstadt. — Rah ei Fraenkel, geb. Auerbach» .76 I., München. Allgemeine Mitteilungen. Die Drexellichtspicle führen diesmal in ihrem reichhaltigen, abwec^lungsreichen Spielhlan die Erstaufführung des Helden- und Liebcsdrama in 3 Akten: „Myrthe und Schwert" auf. Kitty Afchenbach, ein neues Mitglied unseres Schauspielhauses, deren erfolgreiches Gastspiel hier ungeheueres Aufsehen erregte» vertritt die weibliche Hauptrolle. Die ergreifenden Liebes- und Schlachtenszenen vereinigen fich mit einer packenden, spannenden Handlung zu einem naturwahren, deutschen Drama, das das Publikum, aller Gesellschaftskreise lebhaft interessieren wird. Für kommende» Dienstag.steht das Gastspiel: Max Pattenberg im Film bevor. Der beliebte Künstler, der in Wien, Berlin ufw. Triumphe feierte, ist.auch Hier kein Fremdling. Seine hnmorfprühende Rolle in „Familie Schimek" am Neuen Theater durfte wohl bei jedermamr noch in Erinnerung stehen._ Briefkasten. R. Aufnahmegesnche in das Israelit. Genesungsheim Oberstedten sind an die Eduard und Adelheid Kann- Stistung, hier, Miqnellstr. 62, zu richten. Vereins-Kalender. Samstag. Montefiore» HVt Uhr: Schiur (Dr. May); 5 Uhr: Gemütl. Zusammensein mit Sidra-Vortrag. — Me kor Cha f i iN, 4 Uhr: Mikro-Vortrag. Offenbacher Drucklaftanlage O. m. b. H.; 1 ” ■n""1 1 Taunusstrasse 77 Offenbach am Hain Fsrnspraeher 123 ■gsagaeggS Unübertroffene 7eppicbreimguug mittelst Druckluft. 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