Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 13 (1915)
- Issue
- Heft 17 (7.5.1915)
- Date
- 1915-05-07
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2. Nr. 17. bewundernd gehorchen. Das nationale Sein als ErfAlung einer welthistorischen Aufgabe fassen, heißt cs in den Dienst der Gottheit stellen; uJihi nicht nur dies allein, heißt vielmehr auch es in den Dienst der Menschheit stellen. Sicht man denn nicht, daß die nationale Missionsidiee bei allem stolzen Selbstbewußtsein, von dem sie getragen wird, doch letzten Endes das Volk als Diener anderer, höherer Elemente — Menschheit, Gottheit, sittliche -Ideale — auffaßt? Wie blind sind doch die Menschen, wenn sie dort Hochmut . und schrankenlosen Egoismus sehen, wo twch in Wahrheit tieffte Demut und reinster Altruismus vorliegt. Doch damit, meine Freuntzin, sind wir schon auf ein anderes Gebiet gelangt; von dem Problem des nationalen Seins sind wir zu dem der Mensche heitsidce gekommen. Daß diese Jtzeie dem Kreis unserer Betrachtungen nicht fremd bleiben kann, verstehen Sie; allzuncchc sind Nationalgedanken und Menschheitsidee verwandt, als daß man das eine erschöpfend verstehen könnte, ohne das andere zu berühren. Doch verschieben wir diese Frage für das nächste Mal; denn sie behandeln, heiA ja das große, zentnerschwere Problem von Individuum und Gesellschaft anschpeiden,; wie dieses Problem im Aktschluß an die dargelegten Auffassungen des Daseins überhaupt, des nationalen Seins im besonderen von Deutschtum und Judentum gelöst wird, davon also im nächsten Brief. N. —n. | Erich Rosenkranz. \ Wieder ist ein Streiter aus der Reihe der Vorkämpfer des nationalen Gedankens innerhalb des deutschen Judentums abberufen worden: Erich Rosenkranz ist in Metz, wo er an einem Lazarette tätig war, an den Folgen eines Unfalls oerschicen. Diese Nachricht wird den großen Kreis der riationalgesinnten Juden in Deutschland, vor allem aber die .Akademiker unter ihnen, fthr schmerzlich treffen. Denn in Rosenkranz verlieren sie einen ihrer Besten. Der großen jüdischen Oeffentlichkeit war er wenig bekannt, nicht so bekannt wie so manche anderen Agitatoren und. Red-, ner. Denn er war keines voN beiden!; seiner zarten, weichen Natuk widerstrebte das Demagogische Laute aller Agitation; und durch rednerischen Schwung, durch die Macht des Pathos zu wirken, war ihm nicht gegeben. .Dafux war er umso eifriger in der inneren Arbeit, .die sich Ml und' lautlos den Blichen her Oeffentlichkeit entzieht und Loch wichtiger untz mühevoller ist, als die gerauscht volle Agitation. Hervorgegangen aus der jungen Generation der zionistischen Akademiker Deutschlands, vertrat er den Ulten Führern gegenüber die Änderungen der jungen, war aber maßpoll und gerecht genug, um das Uebertrieben« und Unbegründete an ihnen zu erkennen und zuzugestehen. Durch sein ganzes Wesen mehr Kamerad als Kämpfer, zur Freundschaft und Licke disponierter als zum' Zorn und Haß, war er dazu geschaffen, Streitende zu versöhnen. Grollende zu begütigen, zerrissene Bande neu zu knüpfen. Ws daher die „Vereine Jüdischer Studenten" an deutscher Universitäten, die Träger und Verfechter des nationalen Gedaickens innerhalb der jüdischen akademischen JUgend in Deutschland, stark genug geworden waren, um sich zu. einem Gesamtverband zusammenzuschließen und den „Bund JDischer Korporationen" gründeten,' war Erich Rofenjkranz der berufene, natürliche Präsident. Er hat an der Spitze des B. I K. Großes geleistet. Durch alle heftigen Angriffe der Gegner, durch all die scharfen Kämpfe und Differenzen im Innern des Bundes, die seine Existenz, sein Wachstum' uUd seinen Fortschritt bedrohten und hemmten, hat er ihn von Erfolg zu Erfolg geführt, bis er schließlich durch die Verschmelzung mit dem „Kartell Zionistischer Verbindungen" unter tzem. neuen Namen: „Kartell Jüdischer Verbindungen" zum stärksten jüdischen Akademikerverband Deutschlands wurde. Mit seinem ganzen Sein und Wesen tzem zionistischen Gckanken Und' tzem B. I. St. hingegeben, furchtlos und konsequent ‘mtäji außen, ein treuer Fxeuud uutz Bundesbrutzer allen Kämeraden, Versöhnung und. Friede ausströmend durch seine Natur, war er ein mustergültiger, unersetzlicher Führer der zioniMchen Akademiker Deutschlands. Nun, da er so unerwartet von uns geschicken, trauern Hunderte junger Studenten, ansgereister AUnner seiner Brchre nach, beklagt der B. I. K. den Verlust seines Führers, verliert tzör deutsche Zionismus einen seiner hingehendsten und besten Vorkämpfer und das gesamte Judentum einen treuen Sohn, der sein ganzes Leben und Wirken in dien Dienst seines Volkes gestellt hatte. Daß er so jung sterben mußte, erhöht den Schmerz um sein Scheiden. Ein reiches Leben ist so plötzlich abgebrochen, eine vielversprechende Zukunft vernichtet worden. In der dauernden Erinnerung seines Namens wollen wir für uns Trost Mer feinen frühen Tod finden, ihm aber so den gebührenden Dank für sein Wirken und Leisten im Dienste unseres Volkes abstatten. I« Warschau. Märschau, das mit seinen mehr als 300,000 Juden eine Stadt lebhaftesten Verkehrs war, ist heute wie ausgestorben. In den'jüdischen Straße!» sind die Läden teils geschlossen, und wo sie geöffnet sind, sitzt untätig der Verkäufer und wartet auf bessere Zeiten. Besonders schlimm sieht es in den Gäßchcn aus, in denen das jüdische Proletariat haust. Halbnackte, halbverhungerte Kinder lugen 'nach Paffanten, von denen sie eine Kopeke erhaschen Knuten. Aus ihren Wohnungen vertriebene Familien lagern mit ihrer armseligen Habe auf der Straße. Niemand kümmert sich um die Heimlosen, die nur in den Synagogen und Lernhäusern ein schützendes Dach.Anden. Selbstredend herrschen epidemische Krankheiten. Die Hilfstätigkeit seitens der Mischen Wohlfahrtsinstitutionen ist natürlich zu unbedeutend. Sind doch einerseits die reichen Juden meist geflohen, und halten sich doch anderseits mindestens 100,000 Mische FüchMnge aus der Umgegend in Warschau auf.' Der Plan eines Mischen Songreffes. IN der amerikanischen Presse -wird tzer Plan der Einberufung eines allgemeinen jüdischen Kongresses, der die Forderungen des Mischen Volkes für die spätere Friedenskonferenz formulieren untz tzie Schaffung einer legitimen Vertretung des jüdischen Volkes vorbereiten soll, eifrig diskutiert. Auf einem vor kurzem abgehaltenen Meeting in New Dork wurde «in 50glickriges Komitee gewählt, das für tzie Einberufung eines Mischen Kongresses tätig sein soll. Die leitende Persönlichkeit inefts Kongresses ist tzer bekannte Zionist Josef Baron des. Mit dieser Frage beschäftigte sich auch die unlängst in New' Jork abgehaltene Konferenz der sozialistischronistischen Arbeiterpartei P o a l e - Zion. Auchhier wurde beschlossen, eine' große -Aktion in Bewegung zu scheu, um den Kongreß unter Beteiligung der großen Mischen Organisationen zustandezubringen. Eine ähnliche Konferenz fand jüngst in Mailand unter Luzzati, tzem ehemaligen Fnanzminister, und in Johannesburg (Südafrika) seitens des Exekutivkomitees der Südafrikanischen Z io nisten fö r tzer ati o n statt. Das amerikanische Levensmittelschiff. Die Regierung der Vereinigten Staaten hat ihren Dampfer „Vulkan" dem „Amerikanisch-jüdischen Hilfskomitee" und tzem „Provisorischen Komitee für allgemeine zionistische Angelegenheiten" zur Verfügung gesollt, um Lebensmittel für die notleidende Bevölkerung nach Palästina zu bringen. Der „Vulkan" ist am 13. Mirz ausgefahren. An Bord! des Schiffes befanden sich mit tzer Vollmacht zur zweckentsprechenden Verteilung der Lebensmittel die Repräsentanten tzer Veitzein Komitees, Louis H. Levine und Dr. S. Levin-Epstein. Die Regierung der Bereinigten Staaten sowohl wie die kriegführenden.Mächte haben diesem Schiffe sichere Fahrt garantiert. Von den zur Ausrüstung dieses^ SDffck gespentzeten Summen seien folgende genantst: Nathan Straus 50,000 Dollar, das Provisorische Komitee für allgemeine zionistische Angelegenheiten 25,000 Dollar, das Amerikanisch-Jüdische Hilfskomitee 25,000 Dollar, Jacob H. Schiff 25,000 Dollar. Die Tatsache, daß eines der größten Kohlenschiffe, wie der „Vulkan", von Seiten der amerikanischen Regierung zur Verfügung gestellt wurde, ist dempersönlichen Eingreifen des Staatssekretärs Bryan zu verdanken. Da keine Schiffahrtsgesellschaft die unsichere Fahrt riskieren wollte, waren die Komitees gezwungen, allein 75,000 Dollar zu saMMeln, um - die Expeditionskosten und die Kosten der Versicherung zu decken. Im letzten Augenblick hat nun das Marineministerium in Washington dem- Komitee mitgeteilt * daß es in Anbetracht der wichtigen menschenfreundlichen Aktion Order gegeben habe, seinen Dampfer /,Vulkan", der schon für eine andere Reise bestimmt war, wieder ausznladen, um so die unentgeltliche Beförderung nach Palästina zu ermöglichen. Die Ora«genplairtageu in Palästina.! Bon "der wirtschaftlichen Krisis in Palästina sind auch die Orangenplantagen bedroht, deren Wert auf mehr als 30 Millionen Francs veranschlagt wird. 'Die von zionistischer Seite erfolgten Bemühungen zu ihrer Rettung haben Kn erftouliches Resultat gezeitigt. Ter zur Erhaltung der Pflanzungen notwendige Betrag wird den Besitzern in Form einer Anleihe zur Verfügung gestellt worden. Die Zionistische Organisation hat sich durch ihre Finanzinstitute mit einem' Betrage von 250,000 Frcs. an ihr beteiligt, Jacob H. Schiff-New Jork mit 500,000 Frcs. Zionistisches Exekutivkomitee tot Amerika. (Aus dem Bericht) Das „Provisorische Exekutivkomitee für allgemeine zionistische Angelegenheiten" wurde am 30. August 1914 gegründet, und seine Lotigkeit erstreckt sich auf eine Zeit von über K Monaten. Infolge des europäischen Krieges unternahm das Kvmitee die Sammlung eines Hilfsfonds von 100,000 Dollar in der Voraussetzung, daß dieser Fonds genügen würde, um die unerläßlichen Ausgaben der zion. Organisation besonders in Mlästnm zu hecken. In dieser Absicht plante das Komitee die Veranstaltung öffentlicher Versammlungen und eine Propaganda, die sich über einen großen Teil des' Landes erstrecken sollte. Bei dieser Arbeit waren Louis D. Brandeis Md Dr. Schmarja Levin, Mitglied des Engeren Actions- Eomites, besonders tätig. Unter den Rednern befanden sich weitere Mitglieder des „Provisorischen Exekutiv-Kvmitees", so Dr. Stephen S. Wise, Dr. I. Ä. Magnes, Professor Gottheit und Frl. Henriette Szold. Die Resultate waren zufriedenstellend, denn schon in den ersten 3 Monaten gelang es, mehr als 30,000 Dollar zusmnmenznbringen. Bald sah sich das Komitee genötigt, seine Tätigkeit weit .über das Arbeitsgebiet des eigentlichen Zionismus hinaus auszudehnen. Das furchtbare Elend der Juden in Ost-Europa und Palästina nötigte die Juden Amerikas, eine allgemeine Hilfsarbeit einznleiten und sich mit den weiteren ans dem Kriege entstehenden jüdischen Problemen zu beschäftigen. Mitglieder des Komitee nahmen eine hervorragende Stelle bei der finanziellen Arbeit des „Amerikanisch-Jüdischen Hilfskomitees" ein, das sich die Aufgabe gestellt hatte, den Juden aller Länder, die durch den Krieg gelitten hatten, Hilfe zu bringen. Im Hinblick auf die Hilfsarbeit in Palästina war das Komitee besonders tätig. Anfang September, noch vor der Organisation des Amerikanisch-Jüdischen Hilfskomitees, verband sich das Komitee mit anderen, um die Summe von 30,000 Dollar aufzubringen, die Dr. Ruppin ans die Bitte des-amerikanischen Botschafter Marge nt hau hin gesandt wurde, um der dringendsten Not in Palästina abznhelfen. Zu dieser Summe steuerte das Kvmitee 12,500 Dollar bei. Komitees zur Verteilung dieser Summe wurden in Jaffa, Jerusalem und Haifa gebildet, deren zionistische Vertreter Dr. RnPp'inMd Dr. Aaron« sohn waren. Infolge einer Abmachung, welche der Botschafter Morgenthau getroffen hatte, wurde das Geld aus einem amerikanischen Kriegsschiff nach Palästina gebracht. Sein Schwiegersohn, Maurice Wertheim, erhielt die Verfügung darüber und ging nach Palästina, um Anordnungen für eine richtige Verteilung zu treffen. Die Geldnot in Palästina wurde noch weit schlimmer, nachdem sich die Türkei an dem' Kriege beteiligt hatte. Beinahe unüberwindliche Hindernisse wurden dem Jinpvrt und und Export Palästinas entgegengestellt, und Judäa, der hauptsächliche Sitz jüd. Kolonien, wurde der Schauplatz miliiÄischer Opeürtionen. Die polittschen Gefahren, denen die Juden in Palästina ausgesetzt waren — ein Ergebnis des Krieges —, waren groß. Dank der fteundlichen Haltung der amerikanischen Regierung und dem großen Eifer des Botschafter Morgenthau in Konstantmopel wurde es dem Komitee möglich gemacht die Verbindung mit Palästina aufrecht zu erhalten- sowie Geld nutz NahrmigsmittÄ nach Palästina zu schicken. Das Komitee sandte vis Mt