Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 13 (1915)
- Issue
- Heft 16 (30.4.1915)
- Date
- 1915-04-30
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4. JruiEfurLer Israelitisches Familienblatt. Nr. 16. Nr. „Ter Bezwinger arbeitel! Tic Mauer berstet! Ha, ha, ha! Die Mauer berstet! Jerusalem, zittere!" Gegen Abend des folgenden Tages zogen sich die ermüdeten jüdischen Truppen, außerstande auf irgeno einer Weise die Mauer vor den Stößen der furchtbarcir Belagerungsniaschinc zu verteidigen und nach dreitägigen unausgesetzten Alarmierungen und falschen, von den römischen Legionen unternommenen Stürnien, vor Anstrengung zusammensinkend, von der ersten Mauer zurück. Sie suchten hinter dem Schutze der zivcitcn Mauer Rast und Schlaf. Josef bemerkte dies und kehrte rasch nach Hause zurück. Die Nacht senkte sich über die Stadt. Im römischen Lager herrschte Stille. Die vor den Zelten lodernden Wachtfeuer erloschen. Beruhigung und Rast nach Tagen des Blutvergießens und der Brandlegungen paarten sich mit der Nacht und umfingen die nicnschlichen Wesen mit einem nmvidcrstchlichen Schlaf. Josef, der Sohn Aristcus, ging vom Wollmarktplatz mit einer Last auf den: Rücken. Er strengte die letzten Kräfte, die lange in seinen athletischen Schultern schlummerten, an und ging vorwärts. Als er sich unter dem Gcnottor, das von der oberen Stadt durch die zweite Mauer zum Reustadtviertcl führt, befand, hielt die Wache ihn an. „Womit gehst Du da?", frug man ihn. „Mit einem Vermögen zu den Rögnern", spottete er unheilvoll. Die Soldaten blickten sich an. Der Wachkommandant kam auf ihn zu. „Was trägst Du auf den Schultern?", sagte er barsch. „Schau nach", knurrte Josef. Der Anführer schob den groben Laken zurück und wich mit Entsetzen zurück. „Du trägst einen Lcichnanr", brummte er. Josef schaute ihn böse an. v „Mein Leichnam lebt noch", ließ er sich tvild vernehmen, „er wird sterben, wenn seine Zeit kommt." Er begann weiter fürbaß zu gehen. Eine weitere Woche vertrat ihm den Weg. „Wohin", vernachm er wieder die drohende Frage. Josef bezähmte den schrecklichen Zorn, der in all seinen Adern wütete. „Wozu?" Er brach in ein schreckliches Lachen aus. „Wozu?", cntgegnete er mit erstickter Stimme, „ihr habt Euch alle hinter die zweite Mauer zurückgezogen. Ich gehe mit diesem sterbenden Körper die erste Mauer zu verteidigen". „Ich und diese Leiche werden uns in die Lücken in der Mauer legen. Der Bezwinger wird an unseren Leibern herunterglitschcn." Der Kommandant blickte ihn mit Bestürzung an. „Ha, ha!", lachte Josef auf. „Das wundert Euch?" Und er schritt aus. Niemand verwehrte ihm mehr bcu iveitcren Weg. „Der Herr hat ihn inspiriert!", flüsterten die Soldaten mit Schrecken zu einander. ' Mitternacht war längst vorüber. Jerusalem schlief eines schweren, quälenden Schlafes. Josef legte seine Bürde auf die Mauer, betete inbrünstig und schaute spähend in die Ferne. Im nächtlichen Dunkel gewahrte er einen, und einen zweiten Schimmerschein. Unten klirrte etloas, verstummte, und wiederum drang zu ihm ein Klirren wie von umwickelten Schwertern und Schildern. Er beugte sich über die sterbende Frau. „Drusilla, die Römer gehen", flüsterte er ihr ins Ohr, „hörst Du?" Die offenen Pupillen bohrten sich mit einer zaudcrnden Frage in seinen Blick. Mit zitternden Händen entfachte Josef ein Feuer, zündete einige Kienhölzer an und leuchtete von der Mauer in die Tiefe des unter ihm klaffenden Abgrundes. Die voni Kopfe der „Bezwinger" gemachten Breschen Ivurden fühlbar. „Hier führt ein Weg!", schrie er leise in die Tiefe. Er beugte sich in der Richtung des römischen Lagers hinunter und versteckte das lodernde Kienholz hinter der Mauer. „Hier führt ein Weg!", wiederholte er sein Rufen. Er beleuchtete genau die Breschen. Sie waren auf einer Handfläche fühlbar. Um seinen Kopf schwirrte ein Pfeil. „Töte nicht!", schrie er, „ich leuchte! Kommt! Je früher, desto besser!" Die Kienhölzer flammten in einem hellen Lichtschein auf. In der Tiefe, unter den Mauern, war der Abgrund von römischen Legionärenhaufenweise gefüllt. 'Panzer, Helme, Sperre erglänzten. Hunderte Hände befestigten Leitern. Josef lachte laut auf. „Schneller, schneller", rief er ihnen zu, „meine Frau stirbt! schncller, auf daß sic euch noch vor dem Tode sicht! Der Herr schickt ans eueren Händen das Verderben über Jerusalem!" Man schenkte ihm Glauben. Die römische Legion klomm über die Breschen im größten Schweigen empor. Ein Soldat hinter dem andern kletterte auf die erste Mauer, stieg herunter und vereinigte sich innerhalb des Neustadtvicrtels zu Abteilungen. Josef stürzte zur sterbenden Drusilla und flüsterte schrecklich: „Drusilla! cs ist geschehen! Sie sind schon dort!" Die ^frau lächelte seltsam und hauchte ihre Seele aus. Josef küßte endlos ihren erstarrenden Leib. Die anbrechcnde Morgendämmerung fand ihn noch bei dieser Arbeit. Der letzte Zcnturion der römischen Legion, der die Mauer passierte, schüttelte sich und flüsterte: „Ein wahnsinniger Jud! Möge Jupiter ihm das Leben abkürzen!" gegr. 1730 No.10. Familien tee &S.40 No.3.0range-Peckpe-BIütenspi»fc. UJS^O No. IS. Teeschmidt-Tee HL 4.90. No. 23. Teespitzen BL 2*70. Kakao Soma Mk. 2.40, 3 —. Aus Felvbriefen. Besten Dank für die Fleischkonservc. Dadurch, daß ich kein Trefä genieße, ist sie mir das Liebste, was man mir.schicken kann. Ich habe in dieser schweren Zeit gelerntz daß, wenn man will und die Willenskraft da ist, man alles kann. Nur ist cs schade, daß diese koscheren Konserven für den Unbemittelten zu teuer sind. Es müßten sich daher Vereine und Private zusammentun, um diese Mizwoh dem Unbemittelten gegenüber zu erfüllen; der Lohn wird nicht ansbleiben. Pessach hatte ich im Beisein meiner nichtjüdischcn Kameraden den Seder gehalten. Sic paßten alle mit dem größten Interesse ans, wie sich, die Seder-Zermonie gestalten werde. R. K. r IN*. ROSENAU Herren-Schnaiderei 10 ©oethestrasse 10. Vornehme Ausführung. Massige Fraise. Eingesandt. Die Mitteilung betr. ritueller V e r k ö st i g u n g j ü d. Soldaten ans dem Truppenübungsplatz Griesheim bei Darmstadt bestätigt wiederum die erfreuliche Tatsache, das bei unserer Heeresverwaltung ein weitgehendes Verständnis und Entgegenkommen für Ermöglichung und Ausübung des religiösen Pslichtenlebeus herrscht; gleichartige Wer-! ordnungen ergingen bereits auch in anderen Garnisonen. Hierbei darf nicht unerwähnt bleiben, daß die diesbezügliche Verordnung für oben gen. Truppenplatz sowie für die Garnison Köln noch einen ganz besonders schätzbaren ideellen und materiellen Vorteil hat, indem die Truppenteile die neu cinrückenden Mannschaften jüd. Glaubens stets sofort darauf aufmerksam zu machen haben, das;, ihnen rituelle Verpflegung zugängig ist und bei deren' Inanspruchnahme auch das Verpsiegungsgeld zurückzuvergüten ist. Biele jüd. Rekruten freuen sich, wegn sie nach Fra n kfurt in Garnison kommen, in der wohl berechtigten Einnahme, das; sic in dieser 7,Ir woeim bejisroel" wenigstens der Sorge mn Kvscher-Berköstigung enthoben seien. Doch leider finden sich viele enttäuscht, da sie hier vollkommen frcind sind, weder Bekannte am Platze haben, noch init den hiesigen Koscher-Menageverhältnisse'n vertraut sind: Die Leute kommen in die Kaserne, dürfen bekanntlich aus dienstlichen Gründen in den ersten Wochen nicht ansgehen und sind dadurch von jedem jüdischen Verkehr abgeschnittc», und wohl gär mancher hat in dieser Notlage wehen Herzens zum erstenmal Trefoh gegessen, weil er trotz besten Willens sich schließlich nicht anders zu helfen wußte. Hierbei möchte ich noch auf einen weiteren unbegreiflichen Miß stand Hinweisen, wie gerade Frankfurt gegen andere Garnisonen im Rückstand ist. Ans allen Gaue» des deutschen Vaterlandes weiß die jüdische Tageschronik zu berichten, daß jüd. Soldaten am Pessach zur Sedcr- Feier vereint waren und zu diesem Zwecke Urlaub hatten; So wurde in einer nahe an der Feindesgrenze liegenden Garnison über 300 jüdische Soldaten an beiden Abenden zu einer erhebenden Seder-Feier vereint und gastlich bewirtet; ja sogar im Felde selbst wurde den jüd. Kriegern die Gelegenheit hierzu bereitwilligst ermöglicht. Ich ftage nun, was geschah in dieser Beziehung in Frankfurt? Die jüd. Soldaten hatten keinen Urlaub und mußten um 9 llhr in der Kaserne sein. Eine Erklärung, wieso in Frankfurt für unsere jüd. Soldaten nicht die gleichen Wohltaten zu erlangen sind, wie <n; anderen Plätzen, wäre 'wohl sehr angebracht, um hieraus Lehren für die Zukunft zu ziehen. Wir leben in einer schweren aber auch in einer große» Zeit, welche speziell uns Juden vermehrte Opfer und Pflichten auferlegt. Diese große Zeit hat uns aber auch gar manche bisher vorenthalten gewesene Rechte in toleranter Weise zugebilligt, und es wird insbesondere von der Heeresleitung das religiöse jüd. Empfinden in weitgehendem Maße berücksichtigt. Es wäre daher ein verhängnisvoller Fehler und eine unangebrachte Bescheidenheit, wenn wir nur energielos das als Gnade erbitte», was uns als gutes Recht zusteht. Wenn unsere zuständigen Gemeinde-Instanzen Hand in Hand, aufrecht, zielbewußt und sachgemäs' Vorgehen, werden sie sicherlich gleich günstige Resultate erzielen wie die übrigen jüd. Gemeinden. De lfchaft I und zk De jJesch \ surch l Wissens! inschau stütigur chen 1 Höckel doch le religiös meisten Leute, sich tu ausposc Glaube j „Gesetz Nn ldcn W eines 1 Nach alter Sitte tverden unsere Gotteshäuser am Wochenfeste mit frischem Grün geschmückt, um das Auge des Betenden zu erfreuen und ihn mit neuer Hoffnung zu erfüllen. In diesem schweren Jahre, das'unsere Empfindungen inrmer wieder zu den notleidenden Brüdern in allen Teilen der Welt führt, denken wir mit besonderem Mitgefühl der drohenden Hungersnot im Lande unserer Väter. Schon vieles ist geschehen, um diese Not zu lindern, doch bleibt die Hilfe noch weit hinter dem Notwendigsten zurück. Jedes Mittel muß ergriffen werden, und darum schlage ich allen RabbinernunddenVor stehe rn der Gemeinden vor, die Ausschmückung der Synagogen diesesmal auf das Aufstellen zweier Bäume zu beschränken und das ersparte Geld den Notleidenden in Paläst i n a z u z u s ü h r e n. Da wir das' Bewußtsein haben dürfen, durch diesen Verzicht viele Tausende zur Linderung der tziot beizutragen, so soll das Uuge sich auch an de» schlichten zwei Bäumen erfteuen. Berlin, am 26. Omertage 5675. | einer ,.Wir die Th spricht, legen." »er K I denkend an di« | welche zum 6 I- Nu Philoso durch Materi existier« ganze f ihrem zeichnet andere Schöpft ist da mendli Welt 1 aber 1 bunden lichen! wir a j bewußt Ol l ewige ewige | will ic D< lEwigke Atome durch Atome ca. 26 nun f | letzten zentrie IDie : KunI mai . T' I schreibt I hafte, lAbneix Idem 1 I Echte, iSymp'c — Drexel -Lichtspiele — Grosse Frladbergnrstr. 18/20. Tel Hansa 2181. Wir bringen ab Samstag, den 1. Mai die Erat- und Allein-Anfföhrnng kür Frankfnrt a. M. des erschütternden gewaltigen Sensationsdramas unserer Zeit: Das Laster!!! . Ein soziales Drama mit einem Vorspiel in 3 Akten Die ergreifende Geschichte einer menschlichen Leidenschaft ln der Hauptrolle Alfred Abel vom Deutschen Theater in Berlin und das beliebte Mitglied des Frankfurter Schauspielhauses Marianno Wulff. Mit einer aussergewShnlichen Realistik werden hier packende Szenen in den niederen Easchemen dargestellt, die von Marianne Wulff'und Alfred Abel zu einem Kunstgenuss allerersten Banges erhoben werden. In Berlin wurde der hervorragende Film wochenlang gegeben und bildete das Tagesgespräch in der Hauptstadt. Ausserdem ein phänomenales Beiprogramm und die weiteren Er- . eignisse auf den Kriegsschauplätzen. -— Erstklassiges Künstler-Orchester. —- Wäscherei aut dem Lande. Färberei mul ehern. Waschanstalt U. Seihet, DSrmgkeim a. Main empfiehlt sich in Jlerrsoliaftswäsolie unter Zusicherung .guter Bedienung. Garantiert frei von Chlor. Rasenbleiche. Rasenbleiche. Mädchenklub VT geöffn. allabendl.v.8-10 (auss.Freitae). Abendtisch 15—20 Pf. Unterrichtsstund., Bibliothek,Ausflüge, Unterhaltungsabende,. Vorträge. Monatsb«»itrag 50 Pfg. Heinr. Dreste ji. Tapezier n. Dekorateur Niedenau. 18. Tel. Taunus 4252. BettfedeiB-Reinionng nach neuestem System. Bettfedern and CBpar - am Lager. /