Mannheim
Compact Memory

Neue jüdische Presse · 1915-04-30 · Heft 16 (30.4.1915) · p. Seite 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Neue jüdische Presse
Volume
13 (1915)
Issue
Heft 16 (30.4.1915)
Date
1915-04-30
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2692297-2692924-2692940--08967-2704135
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

ifj. ls SJtibcf r. K»>il dien ft, ap-fcr- >ung ein cde zum nd zum nt... r i cd c n auf dic uffassunz Nächste, -tufc, dic : anderen fleich auf i'eitc, bei in grofiiv. lste Älus- :r c in sriedigu»>i benso dic lehrgünqc der Teil- > sehr zu nligcndeii > dadurch ireis von bis zu», önlich in -10 Uhr lt r t i& e & ine der Fräulein in der c weibin galten jeim von ie gleiche ctieft m>- Pflichtc» altnr alle kann tut. c heutige lgeud hin Natur zu den jeder Teil dcö appeutteln, belaufende» che», war üng ihrer streben. E. Z. Simon - .für jiid. rael. Gesammlung Nachruf: . Mitglicürgers zu "eit seines e Freunde Kranke ngefördert, Der Vorrsolgreiche imetenverid nannte Weltfirimi 28. April um deren :rschöpflich Verdienste ihn zm» >eu Glückargebracht engeren iche Groß- : öffentlich irben, ein euchteuden hat. M. SP. baden Jalkons. Nr. 16.! Wankfurter Israelitisches Familienblatt. moäern« Vorbau«» uns Mdvl» stokks, Llsebo. viraucksokan vte. Carl Bischoff 19 Neue Hainxepsfpasse 19 am SchaospialhauB. Die Verjagten. Eine Erzählung aus der Mitte des vorigen Jahrhunderts. Bon C. Berg. (Fortsetzung.) Blitzschnell überlegte Benno. Selbstverständlich dachte er nicht daran, den Vater allein zu lassen. Einen Indern Vorwand herbeizuziehen, war sehr unratsam — er sah nach der Uhr — der Zeiger wies fünf ■ Minuten über ein Viertel fünf — Kalagiceanu hatte versprochen, den Kondukt über einen viel näheren Seitenweg zu lenken — auf Kalagiceanus Ueberredungs- . gäbe konnte man sich verlassen; nun denn, auf gut Glück, dachte er -und folgte dem voranschreitendcn Vater in die Bahnstraße. Er erschrak fürchterlich, als er den Gesang der Psalmen hörte ... Da unten kamen sic ivirklich. „Ein katholisches Begräbnis", sagte Abraham. „Ja", antwortete Benno, und mit schier übermenschlichem Versuch) recht gleichgültig auszusehen, sprach er, während ihm das Blut'im Halse klopfte: „Ja, gehen wir schnell vorüber; der Pöbel ist jetzt sehr gegen uns gehetzt und macht auch ohne Anlaß gern Skandal." Das war dumm, Benno, sehr dumm. Denn Abraham wurde zornig und rief: „Das Volk hat sich immer mit den Juden vertragen, nur seine wahren Ausbeuter die Polizisten und dic Pfaffen stacheln es auf." Und herausfordernd richtete er seinen Blick auf die Chor-, knabcn und die Mönche. Dann kam der Sarg. Wie klein er ist, da liegt gewiß ein Kind darin, dachte Abraham pnd wurde ganz. mitleidig gestimmt. . . „Hinter dem Sarge schreitet der Pope allein. Wer ist dieser?" Abraham bleibt stehen, der junge Geistliche nähert sich langsam und sieht dem alten Mamie dreist in die Augen. In derselben Sekunde hat ihn Abraham erkannt. Nein, die Toten stehen nicht auf — der da lebt, es ist kein Spuk — Abraham weiß jetzt, daß er betrogen wurde, betrogen von seinen Söhnen, die ihm sagten, Leo wäre tod, betrogen von seiner Tochter, die aus sündiger Liebe zu jenem Blondkopf dort gestorben ist, und am fürchterlichsten betrogen von ihm, dem Sohn seines Geistes, den er zärtlich geliebt, den er selbst unterrichtet und erzogen hat, auf dessen glänzende Kenntcnissc und lautere Frömmigkeit er so stolz war. „Achcr — Acher", schreit er laut Iveinend — Benno versucht ihn zurückzuhalten — umsonst — rasend vor Wut stürzt der Alte sich auf den Popen und schlägt ihn mit dem schlvercn, eisenbeschlagencm Stock ins Gesicht. Leonid taumelt und fällt zu Boden. Was nun folgt, ist ein Straßenkampf von fürchterlichster Erbitterung. Salomon, Kalagiceanu, Benno mit den Chorknaben und Boromäern, dem hcrbeiströmcndcn Volk und Stroyniken im Handgemenge, den alten Licdcrtrost herauszuhaucn; dic Wagenreihc gerät in Unordnung, die meisten der Equipagen flüchten mit den vor Angst halb ohnmächtigen Frauen nach der Stadt, dic Leichenträgcr setzen nieder, werfen den Sarg herunter, laden den leblos liegenden Popen auf die Bahre und tragen ihn unter den Drohnnd Wehcrufen der Menge nach dem Kloster des heiligen Boromäus. Der Sarg liegt auf der Straße; dic Erschütterung hat ihn geöffnet; niemand kümmert sich um das tote Kind. Ja, doch jemand. Selbstverständlich seine Mutter. Sorglich hat sie die kleine Leiche hcrausgeuommcn, nun sitzt sie auf einer Hausschwelle und hält das Kind in ihrem Schoß. Wie Goldchen ein Jahr alt war, ein überaus schönes, lichtes Kind, da lachte dic glückliche Mutter ihren Gatten an: Schön ist sic, klug wird sie, reich ist sie auch — ein Prinz muß kommen, ehe ich sie einem gebe . . . Und wenig über Jahresfrist, sitzt sie' wie eine Bettlerin am Wege, eine Leiche auf ihren Knien. Aber Frau Helsia ist ein stolzes Weib, sie weint nicht, es würde auch nichts helfen, das Kind ist ja doch tot. So sitzt sie allein und wartet. Das Volk hat sich verlaufen, die Straße ist leer. Es wird immer dunkler. — Da kommt - Claudia atemlos herbei — sie bringt Nachricht: die kämpfenden Männer sind nach der Wache gezogen; was werden wird, weiß man nicht. „Und der Pope?" „Er lebt. Aber cs steht schlimm um ihn. Er Ivird erblinden." „Blind? Ganz blind?" . „Auf beiden Augen. Er sieht nichts." „Gott sei Dank!" „Weib, bist Du wahnsinnig!" ruft Claudia und schüttelt sie vor Entsetzen. „Hörst Du nicht, daß der Mann blind ist?" „Eben darum. Ich habe cs ihm gewünscht", sagte Helsia mit grausiger Ruhe, „er hatte mich getauft." Da erinnerte sich Claudia, in welcher Weise die griechisch-orthodoxen Taufen geschehen, und im Gefühl ihrer eigenen Keuschheit begriff sie jetzt Helsias unversönlichcn Haß. Helsia stand auf. „Hast Du Mut?", fragte sie. „Willst Du mir folgen?" »Ich gehe, wo Du gehe» wirst." „Komm!" Sic verbarg dic Leiche unter ihren Mantel und schlug mit Claudia einen Seitenweg ein; denn sie merkte, daß zivci Bäucrimien hinter ihr her gingen. Aber dic guten Frauen dachten gar nicht daran, sie zu verfolgen. „Sieh mal, Kathinka, den schönen Sarg!" Die andere sah und schlug die Hände zusammen. „Nein, was diese reichen Leute übermütig sind! Da werfen sie solche gute, schöne Särge auf die Straße." „Cs ist eine Sünde", jammerte die andere, „eine schwere Sünde, meiner Seele, ja." - „Weißt Du, Kafia, mein Paula ist lange schon siech. Das arme Würmchen, wer weiß, was geschieht! Ich werde das Särgchen mitnehmen, unser einer kauft es doch einmal nicht so schön." Sie nahm ihr großes Vortuch ab, wickelte den Sarg hinein nnd ging mit ihm davon. Unterdeß schritt Claudia mit Helsia über ein Stunde einen ihr ganz unbekannten Weg entlang. Sic wollte der Freundin das Kind abnehmen, aber diese winkte: „Laß nur! Ich Hab es einst länger getragen als heut." . Claudia dachte: Ja, da war es wohl nicht so schwer. Aber sie wagte nicht zu sprechen, sie weinte nur still. Bis sie an einen kleinen Bach kamen, da machte Helsia Rast. Der Bach war ein schmales, aber ungemein tiefes Wässerlein, das in Regenzeiten heftig überschwillt, allerhand Schaden am Ufer anrichtet und schon manches Menschenleben gefordert hat. (Fortsetzung folgt.) WOLFS-ECK DFepopulärste Cigarre unsortiert 12$ -sortiert I5*j) G.M.HOLZ HOFLIEFERANT FRANKFURTaM 0fiadibtutl verboten). Der Bezwinger. Von Dr. T. K o n c z y n s k i. Autorisierte Uebersetzung von S. Horowitz. (Schluß). „Drusilla still! Du darfst nicht früher sterben, che Du Deine Augen an der Rache des Herrn geweidet hast! So soll es sein! So habe ich Dir nnd meinen Feinden Simon und Johannes zugeschworen! Du wirst sterben, wenn Du gesehen haben wirst, wie ihre Leiber vom römischen Schwert in Aeser verwandelt sein werden." Die Frau versuchte, seinen Mund mit ihren schwachen Fingern zu schließen: „Rede nicht so, rede nicht! Deine Feinde sind doch schließlich Deine Brüder. Josef, verzeih ihnen . . . Denn dasselbe Verderben kommt über uns!" Der Mann wurde aufgeregt. „Drusilla, ich verzeihe Dir, denn Du bist krank. Aber wisse, sie sind nicht mehr meine Brüder. Ich habe sie tausendmal verflucht. Simon ließ mein Vater hinrichten, um dessen Vermögen sich anzueigncn. Eleasars Leute haben mir einen Bruder im Tempel erstochen. Seite 3. Johannes Schinder haben Deine Eingeweide mit dem Schwert aufgeschlitzt. Weshalb? deshalb, weil Du den letzten für mich versteckten Bissen Brot verteidigt hast? Und solche Schänder unseres Gottes verteidigen die Mauern Jerusalems, um in seinem Innern das Volk auszurotten? „Rache ihnen", sprach der Herr durch den Mund der Propheten. Rache ihnen selbst, ihren Nachkommen bis ins zehnte Geschlecht!" „Josef!" „Der Herr sendet mächtige Feinde aus dem Westen, damit sie den Rcchtslosigkeiten in Jerusalem ein Ende bereiten, und daß dic Frevler zugrunde gehen. Ich habe Dir in Jeremias Prophezeihungen vorgelesen: Er wird ihnen am Tage des Verderbens den Rücken und nicht das Gesicht zeigen! Das Verderben kommt schon über sie, ist schon nahe! Rache für Dich, Rache für die niedergebrannte Stadt, die Rache für das Unrecht der Waisen, Väter, Mütter und Ehemänner ist im Anzuge, und sie werden ihr nicht entgehen! Und dann werden sich meine und Deine Augen mit einer Erleichterung im Geiste schließen, daß der Gerechtigkeit des Herrn Genüge geschehen ist." Drusilla schüttelte Josefs Arm. „Sag, was ist geschehen?", flüsterte sie mit Anstrengung. „Ist der Römer in der Stadt?" Und er stand vom Fußboden auf, verbeugte sich demütig gegen Osten und betete inbrünstig: „Herr, Du hast kein Besinnen gegeben! Deshalb wirst Du ihre Söhn«» dem Hunger preisgeben! Wirst sie dem Schwert überliefern! Und ihre Frauen werden ohne Kinder sein! Du wirst Deine Hand ausstrccken und töten!" Die Frau zerrte ihn am Gewandschoß und iviederholte entsetzt die Frage: „Josef! was ist in der Stadt geschehen? Ist der Tempel des Herrn vom feindlichen Feuer zusammengestürzt?" Der Mann schüttelte sich, blickte sie bei vollem Bewußtsein an, und argwöhnisch ringsum schauend, ob ihn niemand höre, sagte er ihr ins Ohr: „Der Bezwinger arbeitet! Die Mauer wird nicht lange standhalten! Sie berstet? Ich Hab es mit eigenen Augen gesehen! Niemand verteidigt sie mehr!" „Der Bezwinger?", stotterte Drusilla hervor. „Titus hat einen Bezwinger aufgestellt. Er hat einen ungeheuren Stahlkopf. Hörst Du das Donnern?" Er verstummte. Im Keller entstand ein Schweigen. Auf einmal erbebten dumpf die Grundfesten des zerstörten Hauses, und ein fernes, kurzes Krachen ertönte. „Ein Gewitter", flüsterten die erbleichten Lippen der Frau. „Still!", ermahnte Josef sic, „das ist ein römischer Sturm! Das ist die Stimme und das Zuschlägen des Bezwingers? Der älteste römische Mauerbrecher bearbeitet dic erste Mauer und zerstört sie, und der Herr wird in den Wolken des Rauches und der Blitze sich zum ersten Mal freuen." Drusilla stöhnte auf und sank mit einem Seufzer aufs Lager zurück. Josef beugte sich über sie. „Du bist Hungrig", lispelte er, „o. Du mein armes Weib! es ist zu.Hause kein einziges Körnchen, däß ich Dir ettvas kochen könnte. Die Schergen der jüdischen Tyraimen haben uns alles weggenommen und in Deinen Eingeweide» eine Wlmde entzündet!" Er hob die zusammengebällte Faust in die Höhe. Im stählernen Lichtscheine, der sich durch eine Ritze hindurchstahl, kqmen hinter den schwarzen Lippen die weißen Zähne zum Vorschein. Erschrocken schloß die Frau die Augen. Und er beugte sich neuerdings über sie und stammelte: „Dic Qual wird nicht mehr lange dauern!. Unser Tod ist nahe, aber auch unsere Rache! Warte nur gedickdig! Halte noch Dein Leben in Dir zurück! Ein, zwei Tage — und Deine Augen werden sich an einer großen Freude weiden." Bon Drusillas Augenlidern drangen Tränen, die die entzündete Haut einsaugte. Ein halbes Lächeln huschte über ihre Lippen und verschwand. „Es wird so sein, wie es Dein Wille ist", lispelte sie mit Anstrengung, und von diesem Moment an verstummte sie. Josef murmelte über sie Gebete, mit Flüchen vermengt. Dann stürmte er hinaus in die Stadt und lief auf die Mauern. Er tat dies mehrmals am Tage und während der Nacht. Die Soldaten vernahmen zum ersten Mal Worte, die sich seiner Kehle in einem irrsinnigen Paroxysmus entrangen:

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.